Geoff Dyer Sex in Venedig, Tod in Varanasi

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Inhaltsangabe zu „Sex in Venedig, Tod in Varanasi“ von Geoff Dyer

Venedig: Journalist Jeff Atman soll von der Biennale berichten. Obwohl er die Kunstwelt verachtet, stürzt er sich ins Partyleben. Dort trifft er auf Laura, die ihn sofort in ihren Bann zieht. Er weiß, er muss sie wiedersehen, doch sie will auf den Zufall setzen: Treffen sie sich wieder, ist es Schicksal – wenn nicht, dann soll es so sein. Varanasi: Eine Reisereportage hat den Ich-Erzähler in die indische Pilgerstadt geführt. Wer hier stirbt, soll das Rad der ewigen Wiederkehr verlassen können. Der Journalist taucht ein in die Straßen Varanasis, er sieht brennende Leichen am Ufer des Ganges, trifft auf westliche Aussteiger und indische Straßenkinder, auf heilige Männer und heilige Kühe. Die Stadt verschlingt ihn und will ihn nicht wieder hergeben. Mit dieser grandiosen Zusammenführung zweier mythenbeladener Orte aus West und Ost zeigt Geoff Dyer, warum er in seiner Heimat zu den ganz Großen zählt. Mit unwiderstehlichem Witz und einzigartiger Beobachtungsgabe setzt er seine Figuren dem Geist dieser Orte aus, bis sie merken: Wohin man auch geht, eins hat man immer im Gepäck – sich selbst. »Sehr lustig, voller Mut, so verzehrend wie wohlschmeckend. Sie werden Venedig danach mit anderen Augen sehen!« Michael Ondaatje

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    Sex in Venedig, Tod in Varanasi
    serendipity3012

    serendipity3012

    08. February 2017 um 18:26

    An Sehnsuchtsorten  Jeff Atman, Journalist, soll aus Venedig von der Biennale berichten. Eigentlich kann er der Kunstwelt nichts abgewinnen, verachtet sie sogar, aber er weiß auch, es wird viele Partys geben und er ist fest entschlossen, Spaß und eine gute Zeit zu haben. Sein Auftrag, ein Interview mit einer Schauspielerin und der Erwerb eines Fotos, das er ihr abluchsen soll, ist dabei eher etwas, das er schnell und nebenbei abwickelt, um sich anderen Dingen widmen zu können: Zum Beispiel der attraktiven Laura, die er am ersten Abend kennenlernt und der er gleich verfällt. Doch sie will das Schicksal entscheiden lassen und keine Kontaktdaten austauschen. Sie will abwarten, ob sie sich wieder über den Weg laufen, und so abwegig ist das nicht, schließlich bewegen sie sich in der gleichen (Biennale-)Welt. Jeff hofft sehr, dass es zum Wiedersehen kommt. Geoff Dyer erzählt in seinem Roman „Sex in Venedig, Tod in Varanasi“ zwei Geschichten aus mythenbeladenen Orten. Die zweite Episode trägt sich im indischen Varanasi zu, wo – wiederum – ein Journalist den Auftrag einer Reisereportage zu erledigen hat. Nachdem die Stadt ihn zunächst mit ihrem Lärm, ihren Menschenmassen überfordert, wird er mit der Zeit vollends in ihren Bann gezogen. Es heißt, wer in Varanasi stirbt, würde aus dem Rad der ewigen Wiederkehr ausbrechen können. Eine Vorstellung, die den Protagonisten fasziniert. Sein Aufenthalt in Indien verlängert sich immer weiter und mit ihm verändert sich der Journalist. Diese beiden Episoden stehen für sich, augenscheinlich haben sie nichts miteinander zu tun. Nur sehr vereinzelt gibt es vage Verbindungen. Sie unterscheiden sich in mehreren Aspekten: In Venedig lesen wir in der dritten Person über Jeff Atmann, die Geschehnisse in Varanasi werden von dem Journalisten, der namenlos bleibt, selbst erzählt. Die Frage, ob er und Jeff Atman die gleiche Person sind, drängt sich auf, allerdings glaubt man, dass beide Männer sich in ihrem Charakter und auch in ihrer Sprache deutlich unterscheiden. Andererseits könnte man dies auch den Orten, an denen sie sich befinden bzw. den unterschiedlichen geschilderten Situationen zuschreiben. In dem Teil, der in Venedig spielt, sind die sehr spritzigen und schlagfertigen Dialoge auffallend, vor allem in den Szenen, in denen Jeff und Laura sich beäugen und miteinander flirten. Das Biennale-Party-Flair ist spürbar, die Hitze, der die Besucher dort ausgesetzt sind, ebenfalls. Die teilweise absurd abgehobene Kunstwelt führt Dyer durch seinen Protagonisten unterhaltsam vor. Allerdings wurden mir die zunehmenden Schilderungen des Drogenkonsums (offenbar gehört das unbedingt dazu) und auch die einerseits so leblos-steril wirkenden, dafür aber andererseits sprachlich umso expliziter ausgeführten Sexphantasien Jeffs schnell ein wenig langweilig. Der Varanasi-Teil ist insgesamt zielloser, schwerer greifbar – wie sein Protagonist – und als Leser fühlt man sich hier schnell ein wenig verloren. Man taumelt mit ihm durch die Stadt, macht seine Beobachtungen, seine Bekanntschaften. Spätestens hier muss man sich einlassen auf Dyers gleichmäßigen, ruhigen Rhythmus und ihm vertrauen, dass er weiß, was er tut. (Die Ähnlichkeit zwischen dem Vornamen des Autors und seinem Venedig-Protagonisten dürfte wohl auch kein Zufall sein.) Beiden Episoden ist gemein, dass ihre Figuren das Glück suchen, oder eine bestimmte Art von Glück, einen Teil davon. Sie gehen diese Suche sehr unterschiedlich an, sind sich in ihrem Streben aber ähnlich. Mir hat Geoff Dyers Roman gut gefallen, trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn grundsätzlich weiter empfehle. Der Roman lässt Einiges offen, womit man sich entweder zufrieden geben oder eigene Interpretationen finden muss. Das muss man mögen. Und sich treiben lassen, versuchen, seine Erwartungen abzubauen. Dann ist „Sex in Venedig, Tod in Varanasi“ ein interessantes, gewinnbringendes Leseerlebnis.

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