Georg M. Oswald Unter Feinden

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Inhaltsangabe zu „Unter Feinden“ von Georg M. Oswald

 Diller ist angespannt und nervös im Vorfeld der internationalen Sicherheitskonferenz. Aber das ist es nicht. Sein Partner Kessel ist auf Drogen, und als der in Panik einen jungen »Arab« überfährt, steckt Diller voll mit drin. Während Diller die internen Ermittlungen gegen sich und Kessel zu kontrollieren versucht, muss er weiter seine Arbeit tun und ein mögliches Attentat auf die Konferenzteilnehmer verhindern. Und die Uhr tickt. Denn wenn der junge »Arab« aus dem Koma erwacht, wird er erzählen, wer ihn lebensgefährlich verletzt hat. Viel zu lange ist Diller nicht klar, dass sein alter Freund Kessel ein noch viel größeres Problem ist.Wut, Verunsicherung, Mord – Georg M. Oswald zeigt in seinem mitreißenden literarischen Thriller die dunkle Seite des leuchtenden Münchens.

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  • Rezension zu "Unter Feinden" von Georg M. Oswald

    Unter Feinden

    Callso

    11. September 2012 um 13:00

    Solide Spannung, ganz interessante Charaktere und ein schummriges Milieu. „Unter Feinden“ besitzt genau die Zutaten, die einen guten Krimi/Thriller ausmachen. Gleichwohl kommt das Werk ein wenig durchschnittlich daher. Das Buch bezieht die Spannung aus dem Auffliegen der beiden Polizisten Diller und Kessel. Die Geschichte ist gut konzipiert und fein durchdacht, die Umsetzung handwerklich ganz solide. Es geht um Mord, um Drogen, um den eigenen Drogenbedarf, den Drogenhandel, um Terrorismus und um den großen Polizeiapparat. Ab und zu werden die Klischees zu sehr bedient, beispielsweis trägt die türkische Staatsanwältin immer ein Kopftuch. Und auch der Parkplatz-Security-Mann wirkt so (stupide), wie man ihn eben erwartet. Auch die Sprache des Autors ist sehr solide, nicht eben herausragend und manchmal etwas emotionslos. Der Thriller findet innerhalb von 240 Seiten seine Auflösung – beim finalen, hohen Spannungsbogen endet die Geschichte doch etwas plötzlich und verfrüht. Das Buch hat gute Ansätze, aber irgendwie fehlt mir das gewisse Etwas. So bin ich bei 3 ½ Sternen - ein mittelprächtiges Werk mit einigen sehr spannenden Passagen..

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  • Rezension zu "Unter Feinden" von Georg M. Oswald

    Unter Feinden

    RiaKlug

    26. July 2012 um 18:45

    Ein schörkelloser Krimi für diejenigen, die keinen Bock mehr auf 'Kommissare lösen den Fall, damit wir ruhig schlafen können' haben. Gelöst wird hier wenig und am Ende ist auch nicht alles gut. Nein, das Leben geht weiter und harrt der künftigen Katastrophen. Fast wie im richtigen Leben. Keine sprachlichen Finessen, sondern flott geschrieben und zu lesen. Die Spannung wird durch die Frage erzeugt, ob die Polizisten mit ihrer krummen Tour durchkommen, worauf wenig hindeutet. Im Gegenteil, die Chance auf Rettung offeriert eine noch viel krummere Tour. Auch das, fast wie im richtigen Leben. Die schwächste Stelle im Buch war für mich die, wo die Vergangenheit der beiden Polizisten angerissen wird. Deren persönliche Beziehung erhellt sich dadurch kaum, die Passage wirkt wie ein Fremdkörper. Kleine Abzüge in der B-Note, aber sonst: Gelungen.

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  • Rezension zu "Unter Feinden" von Georg M. Oswald

    Unter Feinden

    Jetztkochtsie

    23. June 2012 um 10:04

    Auf dem Buchumschlag wird Georg M. Oswald mit Richard Price verglichen, ein vermessener Vergleich aus meiner Sicht, gelingt es Price in seinen Büchern doch menschliche Abgründe, rechtliche Abgründe und Gesellschaftsformen auf unterhaltsame, nachdenkliche und eindringliche Art und Weise aufzuzeigen, anzuprangern und einfach nur darzustellen. Oswald mag dies versucht haben, scheiterte aber leider aus meiner Sicht kläglich, zwar bietet das Buch, trotz der wirklich stark ausgereizten Klischehaftigkeiten durchaus einige Ansätze, die zum Nachdenken anregen könnten, wenn nicht all dies so schrecklich bemüht und konstruiert wirken würde. Man merkt dem Buch auf jeder Seite an, das Oswald versucht sich in ein Milieu herabzubegeben, in dem er sich nie bewegt hat. Die Sprache wirkt falsch und aufgesetzt, die Ausdrucksweisen seiner handelnden Personen sind nicht stimmig und logische Fehler verbirgt er hinter einer schwammigen Ausdrucksweise und Löchern in der Geschichte. Gerade was rechtliche und ermittlungstaktische Dinge angeht, hätte ich mir von einem Rechtsanwalt, wie Oswald es ist (oder war?), etwas mehr Genauigkeit, Realitätsnähe und Authentizität erwartete. Wenn man letztlich ein wenig mit der Materie zu tun hat, wird einem sehr bald klar, daß die Geschichte, wie Oswald sie erzählt so niemals stattfinden könnte oder würde, weil viel zu viele Dinge so einfach nicht gehandhabt werden würden. (Angefangen bei der Festnahme allein aufgrund der biometrischen Daten, obwohl doch von dem damaligen Täter Fingerabdrücke und DNA am Tatort, der ja jahrelang auch sein Wohnhaus war, hätte zu finden sein sollen und ein Abgleich der DNA/Fingerabdrücke mit dem jetzt Festgenommenen kein Problem darstellen sollte.) Solche logischen Fehler gibt es einige, ich würde zu viel Spoilern, würde ich sie alle aufzählen, das will ich nicht, denn das Buch bietet durchaus, läßt man sich denn trotz dieser Mängel auf die Geschichte ein, einen gewissen Unterhaltungswert, schon allein weil es nicht nach dem üblichen "Who dunnit"-Muster gestrickt ist. Wie meine Überschrift es ausdrückt erschließt sich mir allerdings am Ende nicht ganz, was der Autor uns mit dem Buch sagen will, denn dass er eine Aussage transportieren möchte, steht für mich außer Frage. Nur welche, denn am Ende herrscht mir, ohne dabei zu viel zu verraten, ein wenig zu sehr heile Welt und Friedefreudeeierkuchen, alles geht mir zu glatt und zu einfach zu Ende. Im Zusammenhang mit den Geschehnissen suggeriert mir das eine doch etwas fragwürdige Aussage, die ich vielleicht falsch verstehe, aber so nicht teilen möchte. (Ich drücke mich absichtlich nebulös aus, um nicht zu viel zu verraten.) Aber die Abgründe der Gesellschaft würde ich so einfach nicht dargestellt haben wollen. Der Stil des Autors ist übrigens ein durchaus gut lesbarer, der sich nicht an Belanglosigkeiten aufhält und rasch auf den Punkt kommt, schnörkellos und durchaus spannend. Einem weiteren Buch, das dann aber gerne weniger logische Schwächen aufweisen darf und in dem die Klischees etwas kürzer treten dürften wäre ich durchaus nicht abgeneigt. Vielleicht hätten dem Buch einige Seiten mehr nicht geschadet.... Fazit: Wer also bereit ist, sich auf eine etwas löchrige Geschichte einzulassen und wem der tatsächlich Sprachgebrauch im "Milieu" nicht bekannt ist oder wen es nicht schert, daß die Charaktere sich einfach unauthentisch ausdrücken, für den bietet das Buch vielleicht durchaus eine recht spannende, intelligente und durchaus gesellschaftskritische Geschichte, die aber trotz des Vergleichs auf dem Buchumschlag, in keiner Weise mit den herausragenden Büchern von Richard Price zu vergleichen ist, obwohl der grundsätzliche Ansatz tatsächlich ein wenig dem des Buches "Clockers" ähnelt, aber eben weder so gut, noch so umfassend abgehandelt wird.

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  • Rezension zu "Unter Feinden" von Georg M. Oswald

    Unter Feinden

    Clari

    08. June 2012 um 18:59

    Spurensuche mit fraglichem Erfolg. In diesem ungewöhnlichen Krimi spielen die Ermittler die Hauptrolle. Schreckliches ist passiert: Kessler, einer der Ermittler in einem Observierungsfall, hat einen Unfall verursacht. Absicht oder Zufall? Mit seinem Kollegen Diller beobachtete er von einem Auto aus ein Fenster, ohne dass sie zu einem Ziel gekommen sind. Unten auf der Strasse aber spielte die Musik: „Arabs“ spielen Basketball. Kessler, das merkt der Leser schnell, ist selber drogensüchtig. Er steigt aus dem Wagen, um einen heiß ersehnten "Schuss" bei den jungen Dealern arabischer Herkunft zu ergattern. Keine gute Voraussetzung für einen Polizisten, in seinem Job zu reüssieren! Die beiden verdeckten Ermittler geraten danach in eine sehr missliche Lage, die sie ihren Job kosten könnte. Die ganze Geschichte spielt in München, wo demnächst eine Sicherheitskonferenz stattfinden soll. Mit Spannung wartet man darauf, wie sich Kessler und Diller, die durch die obigen Vorfälle in einen unheimlichen Verdacht geraten sind, aus der Zielgruppe der Verdächtigen retten wollen. Daneben geht es in der Geschichte um Terroristen, um Araber, um Täuschungen und Lügen, in denen sich ein ganzes Netz von Kriminellen vereint finden. Mitten im Geschehen agieren immer wieder Diller und Kessler. Sie sind über eine lange Jahre zurückliegende Straftat mit einander verbunden, die tief in ihr Privatleben reicht. Georg Oswald kennt sich aus. Er hat einen Thriller von hohem Niveau geschrieben. Man liest die Geschichte wie einen Film und verliert zuweilen fast den Faden. Das Milieu und die Handlung wirken echt und überzeugend, denn Gerechtigkeit und Aufklärung sind nicht immer zu finden. Mit Spannung wartet man auf den Schluss, der überraschend und verblüffend ist. Oswald ist selber Anwalt und hat sich als Autor mit gesellschaftskritischen Geschichten und Essays hervorgetan. Subtil, gewitzt und anspruchsvoll kommt sein Krimi daher und erfüllt alle Erwartungen an einen diffizilen und tiefgründigen Thriller.

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  • Rezension zu "Unter Feinden" von Georg M. Oswald

    Unter Feinden

    sabatayn76

    29. April 2012 um 23:53

    'Die Angst vor Strafe' Inhalt: Markus Diller und Erich Kessel observieren eine Wohnung in einem Münchner Mietshaus. Als Diller kurz das Auto verlässt, versucht Kessel, der seine Alkohol- und Drogensucht angeblich in den Griff bekommen hat, bei jugendlichen 'Arabs' an Drogen zu kommen. Das Ganze endet in einem Fiasko, und schließlich überfährt der panische Kessel einen der Jungen, der daraufhin schwerverletzt und komätos im Krankenhaus liegt. Diller deckt den langjährigen Freund und Kollegen, verstrickt sich immer mehr in Lügen und rechnet eigentlich mit einer Suspendierung oder gar mit einer Kündigung, wird stattdessen jedoch auf einen brisanten Fall angesetzt. Mein Eindruck: 'Unter Feinden' ist ein spannender Krimi, der sich in mehrfacher Hinsicht vom Mainstream absetzt. Da sind zum einen die beiden ungewöhnlichen Ermittler - der eine jemand, der selbst nicht klar zu den 'Guten' oder den 'Bösen' gehört und immer mehr in die Drogenabhängigkeit und Kriminalität abrutscht, der andere jemand, der scheinbar in der Schuld des Freundes steht und für ihn lügt und sich selbst in Gefahr begibt. Der Roman dreht sich um aktuelle Themen von hoher zeitpolitischer und gesellschaftlicher Relevanz (Terrorismus, Migration, Integration, Drogenabhängigkeit etc.) und braucht keine blutigen Details um den Leser zu fesseln. Gefallen hat mir zudem, dass man viele Hintergrundinformationen zu den Protagonisten bekommt, so dass der Roman neben den Einblicken in die oben genannten Themen und der eigentlichen Krimihandlung auch gut unterhält. Die Figuren wurden meiner Meinung nach allerdings nicht zufriedenstellend beschrieben, bei keinem der handelnden Personen hatte ich ein Bild vor Augen, konnte mir die Protagonisten nicht recht vorstellen. Mein Resümee: Spannend, aktuell und unterhaltsam.

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  • Rezension zu "Unter Feinden" von Georg M. Oswald

    Unter Feinden

    hundertwasser

    16. February 2012 um 11:04

    Die Messlatte liegt ja mit dem Zitat von Feridun Zaimoglu, Georg M. Oswald schreibe auf Augenhöhe mit Hakan Nesser und Richard Price, ja schon einmal sehr hoch. Doch das Verblüffendste an "Unter Feinden" ist, dass der Münchner Rechtsanwalt mit seinem Thriller-Erstling diese Latte keineswegs reißt! Im Mittelpunkt seiner 240-Seiten-starken Erzählung steht das ungleiche Polizistenduo Martin Dillinger und Erich Kessel. Beide kennen sich schon ewig und sind seit Jugendjahren eng befreundet. Kessel ist ein Junkie der allerschlimmsten Sorte, der sich schon so ziemlich alles zugeführt hat, was man auf der Straße kaufen kann, doch nun soll damit Schluss sein. Gemeinsam mit Dillinger observiert Kessel das erste Mal nach einer Entzugstherapie im Münchner Westend nachts eine Wohnung, als die Aktion fürchterlich schief läuft. Während eines unbeobachteten Moments versucht Kessel von Migranten-Dealern Stoff zu kaufen, doch als sein Partner dazustößt eskaliert die Situation und Kessel überfährt einen der Dealer. Martin Dillinger will die Aktion vertuschen, doch da hat das nächtliche Geschehen schon überwältigende Ausmaße angenommen. Infolge der Fahrerflucht von Kessel und Dillinger hat sich im Westend ein Aufstand ausgelöst, bei dem der Frust der im Westend beheimateten Migranten ein Ventil findet. Viele Polizisten werden verletzt und eine Polizeistation wird angezündet und nun lässt sich auch der Mordversuch an dem Dealer nicht mehr unter den Teppich kehren. Staatsanwaltschaft, Polizei und der Mob wollen einen Schuldigen präsentiert sehen, doch Martin Dillinger entschließt sich, aufgrund seiner Loyalität zu Kessel diesen zu schützen und das Ganze zu vertuschen. In der Folge beobachtet der Leser, wie ein reißender Strudel aus den nächtlichen Geschehnissen im Westend entsteht und wie sich die beiden Polizisten immer tiefer in ihrem eigenen Lügendickicht verheddern. Während Dillinger vor Kollegen und Staatsanwaltschaft sich und seinen Partner zu schützen versucht, verfällt Kessel immer tiefer in seine Drogensucht und wird von den Drogendealern erpresst. Ähnlich wie in der großartigen Serie "The Wire" liefert Georg M. Oswald hier eine hardboiled Version von der Polizeiarbeit und von München an sich, in der die Cops mitnichten besser sind als die Kriminellen, die sie bekämpfen. Fassungslos sieht man zu, wie Kessel sich immer weiter niederwirtschaftet und wie Dillinger mit allen schmutzigen Tricks versucht, die wahren Begebenheiten im Westend zu verschleiern. Georg M. Oswald zeigt das schonungslose Bild einer zutiefst verkommenen Stadt, in der schon bald der offene Krieg zwischen Polizei und Asylanten entbrennt, während im Hintergrund ein Anschlag auf die Sicherheitskonferenz dräut. An manchen Stellen verfremdet Oswald leicht die Begebenheiten, doch jeder Münchner wird in Sekundenschnelle den Wittelsbacher Hof, in dem die fiktive Sicherheitskonferenz stattfinden soll, als das erkannt haben, was er in Wirklichkeit ist. Auch manche anderen Lokalitäten wurden leicht verfremdet, doch für Menschen, die ein bisschen Bescheid wissen, sind die Anspielungen klar. Stets schwingt bei der Lektüre auch Skepsis mit: Kann es wirklich sein, dass im saturierten München so etwas passieren kann? Solche korrupten Bullen, solche Gewalt, solche Aufstände? Doch wer auch immer so etwas nicht für möglich hält, der sei nur an die Bilder der Krawalle in London im letzten Jahr erinnert. Somit bleibt "Unter Feinden" immer dicht dran an der Realität und zeigt so ein München, das kaum einer wahrhaben will. Ein sehr beachtliches Werk, dass trotz der Tatsache, dass es Georg M. Oswalds erster Thriller ist, vollauf überzeugt und in ambitionierter Weise mehr verspricht!

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  • Rezension zu "Unter Feinden" von Georg M. Oswald

    Unter Feinden

    michael_lehmann-pape

    15. February 2012 um 14:37

    München im Ausnahmezustand „Was hält uns davon ab, aus der Reihe zu tanzen? Nur die Angst!“. Und wo die Angst nachlässt, da löst sich die Reihe auf. Was das eigentliche Thema dieses Romans von Georg Oswald ist. Die Auflösung von Regeln und Strukturen auf allen Seiten der Beteiligten offen zu legen. Ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund (nicht so förmlich wird er und andere im Roman, vor allem polizeiintern, einfach nur „Arab“ genannt) wird bei einem Autounfall in München schwer verletzt. Zeitgleich war eine große verdeckte Operation der Polizei vor Ort im Gange. Die Volksseele vor allem der Jugendszene kocht über, gibt der Polizei schnell die Schuld und liefert der Staatsmacht umgehend Straßenschlachten und den Geschäften Plünderungen. Zeitgleich bereitet sich die Stadt und die Sicherheitskräfte auf eine internationale Sicherheitskonferenz vor, bei der ein Anschlag handfest zu befürchten ist. Die Polizisten Martin Driller und Erich Kessel sind in beide Polizeiaktionen involviert. Was den angefahrenen Jugendlichen angeht gar als Täter. Erich Kessel hat es trotz mehrfacher Anläufe nicht geschafft, clean zu werden. In einem Aggressionsschub unter Entzugserscheinungen hält er frontal auf den Jugendlichen zu. Martin Driller tut, was er kann, um den Freund aus der Schusslinie zu halten, die ermittelnde Staatsanwältin abzublocken, seine bürgerliche Existenz, seine Familie zu retten (er saß nun einmal mit im Dienstwagen, mit dem der Jugendliche überfahren wurde), muss sich zeitgleich um die Probleme seines Sohnes in einer elitären, katholischen Privatschule kümmern und auch noch den Spuren des geplanten Attentates nachzugehen. Hierzu wiederum könnte ihm Kessel späterhin das ein oder andere mehr erzählen, sitzt aber zu sehr in der Zwickmühle der Drogensucht, die ihn für dunkle Elemente angreifbar macht. Ein Ermittlerduo, das es in sich hat, durchaus auch in der sorgfältigen Schilderung der Persönlichkeiten und der in sich stringent logischen Abfolge der Ereignisse, welche die innere Haltung beider Polizisten am Ende in einem schwierigen Licht zurücklassen werden. Nicht nur ein gelungener Kriminalfall bildet den roten Faden des neuen Romans von Georg Oswald, auch seine spürbare Kritik an den Verhältnissen auf allen Seiten der Gesellschaft zieht sich durch das Buch hindurch. Und das durchaus ausgewogen. Einerseits der kritische Blick auf die Parallelwelt der Gangs und Banden „da unten“ im Zuge von Gewalt und Drogen, demgegenüber die brutale Grausamkeit der „Verteidiger der Demokratie“, von denen sich so einige mit dunkler Vergangenheit mit auf der Konferenz versammeln werden. Das raue Klima, aus dem Driller und Kessel kommen im Widerschein der einfachen, bürgerlichen Existenz, die sich Driller mit seiner Frau aufgebaut hat. Eine Existenz, deren innere Werte durch jene Privatschule repräsentiert werden, mit der nicht nur Drillers Sohn, sonder auch er selbst in Reibung geraten wird. Zu Recht, wie man konstatieren muss im Ablauf des Buches. Eine Welt voller Reibungsflächen skizziert Oswald und mitten drin seine beiden desorientierten Protagonisten. Am roten Faden der beiden Ermittlungen arbeitet Oswald erkennbare Probleme einer zerfallenden Gesellschaft ab und zeigt den nicht immer gelingenden Versuch, in dieser immer ungeordneteren Welt einen sicheren Platz zu finden. Hier und da mit einigen Längen versehen, in manchen Wendungen der Geschichte wenig realitätsnah (es ist kaum zu glauben, dass ein jugendlicher Gangführer ganz offen versucht, einen Polizisten zum Dealer zu machen) findet sich in „Unter Feinden“ dennoch ein gut geschriebener und intelligenter Roman, der mehr zu bieten hat als nur ein einfache Verbrecherjagd oder die obligatorische Frage, wer es denn gewesen sei.

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