Georg Milzner Die amerikanische Krankheit

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Inhaltsangabe zu „Die amerikanische Krankheit“ von Georg Milzner

Amoklauf als gesellschaftliches Phänomen - Möglichkeiten und Chancen, um Amokläufe zu verhindern Dieses Buch wird die Sicht auf Amokläufe verändern. Georg Milzner analysiert den Amoklauf als gesellschaftliches Phänomen. Eindrucksvoll beschreibt der Autor nicht nur die Rolle der Medien und die sozialen Hintergründe, sondern auch die beklemmenden Mechanismen der Gewalt. Dabei wird deutlich, dass Amokläufe sich nicht zufällig ereignen, sondern ein Merkmal unserer vom amerikanischen Lebensmodell geprägten und eingefärbten Kultur sind. Einer Kultur, die wir verändern müssen, wenn wir Amokläufe verhindern wollen. Es besteht die Chance zum Wandel und sie muss genutzt werden – durch Prophylaxe, Kommunikationstrainings und gesellschaftliche Veränderungen.

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  • Rezension zu "Die amerikanische Krankheit" von Georg Milzner

    Die amerikanische Krankheit

    WinfriedStanzick

    15. June 2012 um 13:38

    Fast haben wir uns als Öffentlichkeit schon daran gewöhnt. ln bestimmten Abständen überraschen uns Sondermeldungen, dass irgendwo in Deutschland, häufiger noch in Amerika, aber das berührt uns ja nicht besonders, wieder ein junger Mann schwer bewaffnet in eine Schule eingedrungen ist und viele Menschen mit sich in den Tod gerissen hat. Die mediale Hype ist dann gewaltig, Sondersendung reiht sich an Sondersendung, Politiker reden in Talkshows ihre alten Formeln herunter, Fachleute und solche, die es sein wollen, versuchen das Phänomen zu erklären und auch die Kirchen bleiben bei den anstehenden Trauergottesdiensten, wiederum medial hochamtmäßig inszeniert, ihre Stimme nicht schuldig. Und dann gehen alle wieder zur Normalität über, und den betroffenen Familien bleiben nur eine notdürftige Therapie und Selbsthilfegruppen. Wirklich erklären kann niemand, warum junge Männer so etwas tun. Der Psychologe und Psychotherapeut Georg Milzner versucht in dem hier vorliegenden Buch einen größeren, gesellschaftskritischen Erklärungsansatz. Er nennt den Amoklauf das „Symptom einer zerbrechenden Gesellschaft“. Nachdem er über neun Kapitel den Amoklauf ausführlich kulturgeschichtlich und sozialpsychologisch analysiert hat, kommt er im letzten Kapitel auf die gesellschaftlichen Prophylaxemaßnahmen zu sprechen und sieht bei den Medien eine entscheidende Aufgabe, die er zugleich aber kritisch in Frage stellt: „Ob es möglich wird, dass eine Kultur, die sich so sehr dem Hype verschrieben hat wie die unsere, Sensationen wie den Amoklauf planmäßig ignoriert? Die Trauer der Betroffenen ehrt, Akte der Solidarität findet, die still sind und nachhaltig, und Berichterstattungen ahndet? (…) Tatsächlich glaube ich, dass der Amoklauf einen Hinweis darauf enthält, dass wir als Kultur wieder zu schweigen lernen müssen. Rituale des Trauerns und der Solidarität werden wir entwickeln können, sie existieren ja im Ansatz schon, aber die Stille und den Schmerz wieder zu verbinden, das wird eine kulturelle Aufgabe von einiger Größe sein…“ Insbesondere deshalb, darauf erlaubt sich der Rezensent hinzuweisen, weil die über Jahrhunderte tragenden Elemente der christlichen Religion offenbar für die Mehrheit der Bevölkerung ihre tröstende und heilende Funktion eingebüsst haben. Ob es dafür wirklich dauerhaften und nachhaltigen säkularen Ersatz geben kann, bezweifle ich.

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