Georg Naundorfer Sächsischer Kaffee: Satirische Nostalgien

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Inhaltsangabe zu „Sächsischer Kaffee: Satirische Nostalgien“ von Georg Naundorfer

Nostalgie und Satire, da kann es sich eigentlich nur darum handeln, Kitsch durch den Kakao zu ziehen. Lesen Sie diese Kleine-Leute-Geschichten ruhig, dann werden Sie merken, wie diese Welt abseits der Brennpunkte von Politik und Wirtschaft funktioniert. Vor allem, wie man in der Provinz die wechselnden Stürme des wechselvollen Schicksals in einem verrückten Jahrhundert voller Umbrüche verarbeitet und wie irrsinnig die große Politik sich manchmal in das Leben derer einmischt, die nicht an ihr interessiert sind, die nur ihrem Menschenrecht, dem Streben nach einem bisschen individuellem Glück nachzukommen versuchen, dabei ungewollt in den Mahlstrom der Geschichte geraten und sich dann immer wieder aus diesem unverschuldeten Schlamassel befreien müssen. Etwas Nostalgie, etwas Augenzwinkern und auch etwas Bissigkeit. Das alles am Irrsinn des spießbürgerlichen Lebens gespiegelt und auch ab und zu etwas überhöht. Was eben so in der Provinz passiert. Und verlassen Sie sich darauf, irgendwann betrifft es auch Sie.

Satirische Nostalgie: ein unterhaltsamer aber auch bedenkenswerter Rückflug in die ehemalige DDR - denn nicht alles ist Vergangenheit...

— parden
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  • Wenn mir geen'n Gaffee grieschn, dann genn mir oo nich gämpfn!

    Sächsischer Kaffee: Satirische Nostalgien

    parden

    WENN MIR GEEN'N GAFFEE GRIESCHN, DANN GENN MIR OO NICH GÄMPFN! Dieses Buch enthält eine kleine satirische Geschichtensammlung zur Benutzeroberfläche Deutschland. Sie ist gegen das Vergessen derer gedacht, die nach der Wende an das Ganze angeflickt wurden. Diese sehr deutschen Märchen, Fehlinszenierungen, Lächerlichkeiten, Grotesken und Blähungen der Tagespolitik fallen uns im Alltagsgeschehen oft gar nicht mehr auf, weil wir inzwischen an sie gewöhnt wurden oder sie sogar ganz selbstverständlich mitspielen. Hier ist zu erfahren, wie viel Raffinesse, Fleiß und Geisteskraft erforderlich sind, um wirklich großen Blödsinn auszuhecken, ihn dann zu verzapfen und auch noch so zu verkaufen, dass man stolz darauf ist... Die erste der Geschichten dreht sich tatsächlich nicht nur um den sächsischen Kaffee, sondern um alle Arten der koffeinbehafteten oder auch -freien Variante des beliebten Aufgusses, die zu DDR-Zeiten möglich waren. Viele der Begriffe wie 'Muckefuck' oder 'Blümchenkaffee' sind auch mir als nicht ehemaliger DDR-Bürgerin durchaus ein Begriff. Aber bei der Erläuterung des Rezeptes des sächsischen Kaffees musste ich doch grinsen: "Man nehme eine geröstete Kaffeebohne (möglichst Westkaffee) und binde sie an einem längeren derben haltbaren Bindfaden fest. Jetzt nehme man einen beliebigen sauberen Topf, fülle ihn mit sauberem Trinkwasser und bringe das Wasser in dem Topf zum Kochen. Die Wassermenge ist dabei frei gestellt. Das richtet sich danach, wie viel Kaffee man braucht. In der Zwischenzeit binde man den Faden mit der Kaffeebohne am Fensterkreuz des geöffneten Fensters fest, dass sie leicht und frei, allerdings nicht zu weit ausschwingen kann. Nun ist die Küchengelegenheit so einzurichten, dass die Sonne den Schatten der frei hängenden Kaffeebohne auf die Oberfläche des in der Zwischenzeit siedenden Wassers werfen kann. Die Stärke des Kaffees können Sie jetzt mit der Dauer des Vorganges regulieren. Bei starkem Sonnenschein wird der Kaffee stärker, weil da auch der Schatten der Bohne dunkler ist. Bei etwas trübem Wetter mit schwächerem Schatten müssen Sie das zeitlich eben etwas länger ausdehnen. Falsch machen können Sie dabei kaum etwas und zu stark geratener Kaffee lässt sich bekanntlich mit heißem Wasser leicht verdünnen..." So reichte Anno dazumal ein Päckchen Westkaffe immerhin von einem Weihnachtsfest zum nächsten, wenn dann das nächste Westpäckchen kam... Die anderen Geschichten und Anekdoten in diesem Buch befassen sich dann aber mit anderen Inhalten als dem Kaffee. Vom 'Genossen Haltsmaul', der wohl nicht unbedingt etwas DDR-Spezifisches, aber dort eben auch anzutreffen war, ist da ebenso die Rede wie von Versicherungspraktiken, durch die man weder vor noch nach der Wende durchblickte, und natürlich von der Planwirtschaft, die manchesmal schon merkwürdige Blüten trieb. "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, und wo keiner ist, da ist auch einer..." Einer Fabrik, die Pappe produzierte, wurde plötzlich in jedem Jahr eine wachsende Anzahl an Sonnenstunden vorgeschrieben. Bei Schlechtwetter musste nämlich die Pappe per beheizbarem Ofen getrocknet werden, was ja Kosten verursachte, bei gutem Wetter dagegen wurde die Pappe auf der großen Wiese hinter dem Haus getrocknet. Einfach Widerspruch einlegen half da nicht, da mussten schon härtere Geschütze aufgefahren werden. Ein Schönwetter-Fahrtenbuch wurde da geführt, welches von der nächstgelegenen Wetterwarte gegenzuzeichnen war. Als dann feststand, dass man zwischen zwei Gewittern im Abstand von sechs Stunden auf einer nassen Wiese beim besten Willen keine Pappe trocknen könnte, gab dann die vorgesetzte Stelle endlich nach... Flüssig zu lesen, manchesmal Kopfschütteln, gelegentlich ein Grinsen. Satirische Nostalgie: ein unterhaltsamer aber auch bedenkenswerter Rückflug in die ehemalige DDR - denn nicht alles ist Vergangenheit... © Parden

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