Texte, denen man anmerkt, dass sie vor Jahrzehnten geschrieben wurden, finde ich neben dem Inhalt auch auf einer Metaebene spannend, denn sie konservieren immer auch die Zeit, in der sie geschrieben wurden. Noch spannender ist es, wenn diese Zeitkapseln nach den vielen Jahren erstmals erscheinen, während ihre Autor*innen noch leben.
Genau das ist mit Georg Stefan Trollers "Der Unnötige" passiert. Der Band aus dem Verbrecher Verlag versammelt frühe Texte, Kurzgeschichten wie Prosa, des mittlerweile 100-jährigen Regisseurs, Journalisten, Schriftstellers. Und gerade, dass von größeren Änderungen auch dort abgesehen wurde, wo die Texte wirklich nicht mehr zeitgemäß sind (etwa die lange Abhandlung über Frauen und ihre Kleidung) und wo man die "Unreife" und handwerkliche Austestungen des noch jungen Autors erkennt, macht sie zu einem spannenden Zeitzeugnis.
Ich habe bislang nichts von Troller gelesen und kann die Geschichten deshalb in kein Gesamtwerk des Autors einordnen. Was ich gelesen habe, gefiel mir aber sowohl, wo es ernster war als auch dort, wo es ironischer war. Die thematisch unterschiedlichen Texte sind dabei immer auch spannende Kommentare ihrer Zeit, d.h. vor allem der Nachkriegszeit. Mein persönlicher Favorit handelt -natürlich- von Katzen.
Insgesamt ist das Buch für mich kein absolutes Highlight, aber das liegt auch daran, dass ich mit den Gedichten nicht so warm geworden bin. Das passiert mir aber oft. Gelesen habe ich es trotzdem sehr gerne und interessiert. Ich kann mir den "Unnötigen" gut als Geschenk vorstellen oder als ein Buch, das man für Gäste im Wohnzimmer liegen hat und durch das sie blättern können, als Buch, in das man immer wieder reinschauen kann. Auch ich werde vermutlich die ein oder andere Geschichte nochmal lesen wollen.













