Rezension zu "The Body in the Dumb River: A Yorkshire Mystery (British Library Crime Classics)" von George Bellairs
juergenalbersDer Kriminalroman “The Body in the Dumb River” erschien erstmalig 1961 in London. Damit liegt das Buch in der Mitte der Schaffensphase des leider heute nur noch wenig beachteten Harold Blundell alias George Bellairs, der zwischen 1941 und den 1970er Jahren insgesamt über 50 Kriminalromane und mehrere Novellen verfasste. Blundell, der bis zu seiner Pensionierung als Bankdirektor arbeitete, war ein umtriebiger Mensch. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte er sich in mehreren Ehrenämtern und erhielt u.a. dafür einen Master-Abschluss ehrenhalber der Universität Manchester. Zusätzlich schrieb er zahlreiche Zeitungsartikel, sehr häufig über Frankreich und seine Reisen dorthin. Der in Lancashire geborene Blundell übersiedelte nach dem Ende seiner Berufstätigkeit auf die Isle of Man. Dort starb er im April 1982, nach langer Krankheit, kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag.
In den Fluten eines ansonsten stillen Flüsschens wird während einer heftigen Regenperiode ein Toter geborgen. James Lane, der eher unauffällige Betreiber eines Jahrmarkts-Fahrgeschäftes wurde erstochen. Die Lokalpolizei von Fenshire hat mit den Stürmen und Überschwemmungen alle Hände voll zu tun und so ist man heilfroh, dass sich der zufällig anwesende Detective Superintendent Thomas Littlejohn von New Scotland Yard bereit erklärt, den Fall zu übernehmen. Schnell zeigt sich, dass der scheinbar so harmlose und freundliche Jahrmarktsbeschicker ein Doppelleben geführt hat.
Gleich vorweg: Ich habe das Buch, meinen ersten Bellairs-Krimi, ausgesprochen genossen. Seit Längerem lese ich bevorzugt Romane aus der Zeitraum der 1930er, 40er und 50er. Einerseits, weil meine eigenen Romane in diesen Jahrzehnten spielen, aber vor allem aus Interesse an der guten alten Zeit der Verbrechensbekämpfung, in der Kriminalbeamte noch ohne Internet, Computer und DNA-Analyse auskommen mussten. Dem so genannten ‚Goldene Zeitalter‘ der Kriminalgeschichten wird in letzter Zeit durch Neuerscheinungen der British Library und deutschen Übersetzungen im Klett-Cotta Verlag wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Zu verdanken ist dies auch der Arbeit von Peters Fraser & Dunlop, einer der ältesten und profiliertesten Literaturagenturen Großbritanniens, die u.a. auch die Internetseite zu George Bellairs https://www.georgebellairs.com betreibt.
Die fein ausgearbeiteten Charaktere, mit aufmerksamem Auge in die Umgebung eingepasst, sind die Stärke dieses Kriminalromans. Bellairs ist es gelungen, mit Superintendent Littlejohn einen starken, aber nicht erdrückenden Ermittler zu schaffen. Souveränität und Selbstzweifel sind hier kein Widerspruch, sondern gehören ganz selbstverständlich zur Figur. Auch die anderen Figuren sind liebevoll und glaubhaft charakterisiert. Man merkt, dass Bellairs in seinem Beruf als Bankdirektor sicher mit einer großen Palette an Menschen in Kontakt kam und offenbar ein guter Beobachter war.
Der Plot selbst scheint anfangs relativ einfach gestrickt, schlägt aber immer wieder kleine Haken und bleibt bis zum Ende spannend. Wie häufig bei den Kriminalromanen der ‚Goldenen Ära‘ wird die Spannung nicht durch blutige Szenen und dicke Portionen Gewalt erzeugt, sondern durch fein gestreute Zweifel und die Eigenschaften der Charaktere.
Alles in allem ein absolut gelungener Kriminalroman. Leichte Abzüge in der Bewertung gibt es nur dafür, dass eine Nebenhandlung für meine Begriffe nicht befriedigend abgeschlossen wurde.





