Die Geschichte um eine nach Selbstverwirklichung strebende Landadlige und einen ambitonierten Arzt im Kampf gegen die Grenzen der bürgerlichen Gesellschaft, Standesdünkel und Moral. Aber nicht nur diese beiden Protagonisten begleitet und beleuchtet die Autorin, sondern gleich die Gesellschaft einer ganzen Gemeinde.
Es braucht eine Weile bis der heutige Leser sich in den Schreibstil eingefunden hat, aber vor allem bis man die Vielzahl der Personen und deren Eigenschaften überblickt und durchschaut hat. Bereits von der ersten Seite an fällt die kluge Spitzzüngigkeit und die Beobachtungsgabe der Autorin ins Auge. Sie schreibt mit einer gefühlt so enormen Leichtigkeit, einer unverkennbaren Ironie und einem perfekten Auge für die menschlichen Charakterzüge, ihre Stärken und Schwächen. Beeindruckend ist die psychologische Tiefe fast jeden einzelnen Charakters, eine nahezu philosophische Sichtweise und der punktgenaue Fingerzeig auf gesellschaftliche Strukturen und Verhältnisse, bei oftmals sehr kritischer Beobachtung. Die Autorin spricht aus der Sicht dieser provinziellen Charaktere über die sozialen und politischen Themen der Zeit und regt zum Nachdenken, ja Welterkennen an. Überraschend dabei ist, wie aktuell gerade die sozialen, zwischenmenschlichen Betrachtungen eigentlich sind.
Mein Fazit: Ein durch und durch kluger, unterhaltsamer, humorvoller und interessanter Roman, der mehr als lesenswert ist. Ich kann nur jedem empfehlen sich nicht von der Länge des Werkes abschrecken zu lassen und sich selbst die Zeit und Muße zu nehmen um dieses Buch zu genießen.





















