Hard Revolution

von George Pelecanos 
4,4 Sterne bei8 Bewertungen
Hard Revolution
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Pashtun Valley Leader Commanders avatar

schwarz, böse und ohne Ende traurig.....

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Trotz einiger Längen ein lesenswerter Roman, der ein schwieriges Thema von mehreren Seiten aus beleuchtet.

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Inhaltsangabe zu "Hard Revolution"

Washington, D. C., 1968: Der junge schwarze Polizist Derek Strange fährt bei der Metropolitan Police mit seinem weißen Partner Streife, während sich die Atmosphäre in der Stadt immer weiter aufheizt: die Bürgerrechtsbewegung und der Marsch der Armen, die traumatisierten Rückkehrer aus Vietnam, Sex, Soul, Drogen, Morde, Unruhen und Rassismus. Inmitten dieser explosiven Gemengelage entspinnt sich ein tödliches Drama: Drei Weiße planen einen Banküberfall und ermorden einen Schwarzen, auch Dereks Bruder Dennis wird umgebracht – und in Memphis wird ein Attentat auf Martin Luther King verübt. Für Derek Strange, seine Freunde und seine Feinde ist nichts wie zuvor. Wer ist gut, wer böse – und wem kann man noch vertrauen? Die alten Kategorien gelten nicht mehr, die Welt ist komplex geworden.
Und die Revolution hat gerade erst begonnen ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783869137667
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:399 Seiten
Verlag:ars vivendi
Erscheinungsdatum:20.06.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Pashtun Valley Leader Commanders avatar
    Pashtun Valley Leader Commandervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: schwarz, böse und ohne Ende traurig.....
    Chronik eines angekündigten Todes

    Gran Torin? Kenne ich!
    Tee im Harem des Archimedes? Kenne ich!
    Trainspotting? Kenne ich!
    Zen oder die Kunst ein Motrrad zu warten? Kenne ich!

    Zugegebenermassen eine sehr willkürlich zusammengestellte Liste von Titeln, genre- und medienübergreifend.

    Pelecanos hat es wieder geschafft. Nein, es ist keine Geschichte von starken Helden, grossen Taten und Geschichten, die später "an den Lagerfeuern"" gesungen werden.

    Da wo wo James Lee Burke, seine Protagonisten im letzten Moment die Kurve kriegen lässt, steuern unsere Antihelden n Zeitlupe auf eine reinigende Katastrophe zu.

    Der Rahmen in zzwei Sätzen?

    Washington D.C. Ein Stadtviertel im Umbruch. Weisse Mittelschicht verlässt ein Viertel und farbige Aufsteiger ziehen in die Häuser ein.

    Wir erleben eine idylische Szene am Ende der 50er Jahre um dann im Washington am Rande der grossen Krawalle aufzuwachen.

    Es sind viele Geschichte, die Pelecanos elegant miteinander verwoben hat. Loben möchte ich nicht, aer dieser Krimi iist ein Gleichnis. Zwei Brüder, eine kehrt gebrochen auus Vietnam zurück, während der andere als Farbiger in die  Polizei eingetreten ist. Hilfloser Versuch des Etablishments die ethnischen Verhältnisse im Korps abzubilden.

    Es ist eine Freakshow, gegen die die "Strasse der Ölsardinen" zum Catwalk mutiert. Defizitäre Chraktere immer auf der Jagd nach dem nächsten Kick und dem nächsten Fiick.

    Saubere Verhältnisse, hinter deren Fassaden es streng riecht und der Leser sich fragt, wann platzt die Blase?

    Mittendrin ein Trio von Pyschos, die einen Stadtteil terrorisieren und schon mal aus Langeweile einen Nigger über den Haufen fahren.

    Zum Scheitern verurteilte Pläne, unzulänglich vorbereitete Überfälle, manchmal muss dann ein Mitwisser beseitigt werden.

    Dumm gelaufen, handelte es sich doch um den Vietnamveteranen
    und grossen Bruder unseres Vorzeigebullen.

    Pelecanos steigert die Spannung und beschreibt akribisch die Genese einer Katastrophe.

    Well Done, Old School und viel Spass!

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 9 Monaten
    Rassendiskriminierung überall

    Washington, D.C., 1968, die Zeit der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Derek Strange, Sohn einer Putzfrau und eines Kochs eines Diners, beschließt schon früh, Polizist zu werden. Und er gehört zu den ersten schwarzen Cops. Unter den Farbigen als oft Verräter angesehen, unter den Weißen schräg beäugt, von Kollegen nicht anerkannt, versieht er seinen Dienst. Sein älterer Bruder Dennis, fasziniert von Martin Luther King, vertrödelt seine Zeit, hängt mit einer weißen Gang ab. Diese weißen Jungs (Dennis ist nicht dabei) fahren im berauschten Kopf mit Absicht einen farbigen Jugendlichen platt. Frank Vaughn, ein Kollege von Derek muss ermitteln. Auf der einen Seite ist er halbseiden, treibt sich mit Nutten herum, lässt seine Frau allein zu Hause, auf der anderen Seite ist er ein gerechter Cop, schwarz oder weiß, er macht keinen Unterschied. Dennis kommt zur Vernunft, als er mitbekommt, dass seine Gang einen Lebensmittelhändler überfallen will. Am Monatsanfang nämlich bezahlen alle Leute im Viertel dort ihre Schulden ab, lassen danach wieder anschreiben bis zum nächsten Monat. Dennis will nicht mitmachen. Aber die Gang hat auch noch ganz andere Überfälle vor. Und plötzlich ist Derek tot, ermordet. Frank Vaughn hat die Gang im Visier und auch Derek ermittelt. Martin Luther King wird ermordet und in Washington bricht in den schwarzen Vierteln die Hölle los …

    Der Roman wird als Krimi ausgewiesen. Das ist er für mich nicht im klassischen Sinn, eher ein Gesellschaftsroman, denn Frank und Derek ermitteln, jeder für sich, aus eigenen Motiven, niemand erwartet ernsthaft, dass jemand die Mörder von Farbigen verhaftet. Und die Ermittlung ist auch nicht Thema dieses Romans, sie läuft irgendwie im Hintergrund. Letztendlich geht es um die Ausgrenzung von Farbigen und deren Rechten.

    »›Xavier Cugat spielt im Casino Royal.‹ – ›Zum Teufel mit dem.‹ – ›Abbe Lane ist auch auf dem Plakat.‹ – Okay Püppi. Wir werden sehen.‹«

    Das Buch liest sich manchmal ein wenig sperrig. Der Roman ist vollgestopft mit geschichtlichen Eckdaten, was den Storyverlauf ein wenig bremst. Immerzu wird man bombardiert mit uralten Songs, die mir überhaupt nichts sagten, Derek steht auf Motown-Musik, die zu der Zeit auch schon nicht mehr in war. Hinzu kommt, jedes Ding wird mit Markennamen benannt, Ausschnitte aus Filmen und TV-Shows aufgezählt. Wer auf alte Autos ins Detail steht, wird sich freuen, mir war das alles im Detail zu unterbrechend.

    »Zweihundert Erwachsene und Jugendliche waren festgenommen worden. Bei Zweihundert Geschäften hatte man die Fensterscheiben eingeschlagen, und die meisten dieser Geschäfte waren geplündert worden. Die Feuer hatten viele Gebäude zerstört.«

    Die Gang fühlt sich selbstbewusst unschlagbar und sch… auf alles, nimmt sich alles heraus. Auf eine gewisse Art und Weise macht das auch Frank, der aufrechte Cop. Derek steht für den echten Aufrechten, den Saubermann, die ganze Familie. Denn letztendlich wird auch Dennis kein Gangster, was ihn den Hals brechen wird. Der Vater ein schuftender Koch, die Mutter eine Haushaltshilfe, die unter anderem bei Frank, dem Cop, arbeitet, von ihm hochgeachtet wird. Sie könnte mehr Lohn verlangen, viel mehr, so wie die anderen. Sie macht es nicht, weil sie dann mehr als ihr Mann verdienen würde und seinen Stolz möchte sie auf keinen Fall verletzen.

    Rassendiskriminierung überall, es brodelt im Topf der Gesellschaft, bis die Situation überkocht. George Pelecanos trifft die richtige Atmosphäre, Seite für Seite braut sich etwas zusammen. Die Charaktere sind glänzend gezeichnet. Ein Abriss der amerikanischen Gesellschaft um die Zeit von Martin Luther King. Ein guter geschichtlicher Roman, aber kein Krimi, schon gar nicht die Lösung der Fälle …

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    iamnomorningpersons avatar
    iamnomorningpersonvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Trotz einiger Längen ein lesenswerter Roman, der ein schwieriges Thema von mehreren Seiten aus beleuchtet.
    Ein aktuelles Thema spannend und zum Mitfühlen verpackt!

    Dieser Kriminalroman, den ich eher als gesellschaftskritische Erzählung beschreiben würde, verfolgt verschiedene Menschen bzw. Grüppchen durch eine lange Zeit ihres Lebens.

    Es beginnt mit einem der Hauptcharaktere, Derek Strange, dessen Kindheit wir ein Weilchen begleiten dürfen. Wir erfahren, wie er (mit seinen Eltern und seinem Bruder Dennis, sowie seinem engen, griechischen Freund Billy) aufwuchs und aus welchen Gründen er Polizist wurde. Dieser Teil war sehr schön ausgearbeitet, obwohl ich Derek im Laufe des Buches immer weniger leiden konnte.

    "Einmal haben wir zusammen einen kleinen Ladendiebstahl gemacht, lange her." "Haben sie euch erwischt?" "Mich. Ihn nicht." "Sein Glückstag", sagte Peters. "Nein", sagte Strange. "Meiner."

    Wir erfahren bereits um Dereks 'Beziehung' zu Dominic Martini, einem italienisch-stämmigen Jungen, der im Laufe des Buches Teil einer der erwähnten Gruppen wird. Auch mit ihm lernt man zu fühlen, da er es nicht leicht hat bzw. es sich auch nicht gerade leicht macht. Er gerät an die falschen 'Freunde' und das Schicksal nimmt gnadenlos seinen Lauf.

    Dann gibt es da noch Frank Vaughn, einen Polizisten, der mit Derek mehr als durch den Beruf verbandelt ist. Ein Netz, das sich enger webt, umso weiter die Handlung voranschreitet. Er war eigentlich ein ziemliches Arschloch, hatte aber auch seine guten, sympathischen Seiten. Eigentlich muss ich gestehen, dass er einer der für mich interessantesten Charaktere war.

    Im Grunde genommen behandelt das Buch zwei Kriminalfälle in geschichtlichem Setting. Der eine von ihnen entwickelt sich erst spät und hat mir Tränen in die Augen getrieben, während wir immer weiter auf den unvermeidlichen Abgrund zuwanderten und mich schließlich zum Weinen gebracht. Lest bitte auf keinen Fall den inneren Klappentext des Buches, um euch in dieser Hinsicht nicht zu spoilern. Ihr würdet etwas sehr Emotionales verpassen.

    Kommen wir zu den Gründen für meinen Punkteabzug: Viele Kapitel beginnen mit geschichtlichen Fakten, die zwar - beim Film würde ich sagen - gut geschnitten waren, doch mir ein wenig zu viel wurden. In wenigen Sätzen wurde vieles umrissen, das für die Handlung an sich nicht unbedingt von Nöten zu wissen war. Wer wo ist und was er gerade macht. Das war an sich eine tolle Idee, wurde mir aber etwas zu exzessiv benutzt.
    Auch gab es gefühlt hunderte Anspielungen auf die Musik der damaligen Zeit (wieder mit vielen Fakten), das für jemanden, der nicht in den 60er in den Staaten aufgewachsen ist, schlichtweg langweilig wird, weil es überladen wirkte.
    Gerade auf der Zielgeraden wurde zu viel von den Umständen gesprochen und zu wenig von den Gefühlen der Charaktere.Wer sich allerdings für Martin Luther King und dessen Ermordung bzw. die Ereignisse drumherum interessiert, wird hier mit guter Recherche bedient. Man bemerkt, dass es dem Autor wichtig ist, den Leser ins Geschehen zu zerren, was ja wiederum eine gute Sache ist.

    Das Ende des Protagonisten Derek hat mir leider nicht zugesagt. Für mich verdarb seine Einstellung im Nachhinein ein wenig die Geschichte. Er war wie eine Fahne im Wind, konnte sich nicht entscheiden - weder in der Wahl seiner Frauen noch in jenen Fragen, die seine Zukunft betrafen. Vielleicht bin ich zu hart. Vermutlich sind alle jungen Menschen wie Derek und natürlich hat er viel durchgemacht, aber ich habe trotzdem das Gefühl, ich wäre mit einem anderen 'Hauptdarsteller' glücklicher geworden. Seinen Bruder Dennis zum Beispiel habe ich trotz weitaus mehr moralischer Makel sehr ins Herz geschlossen.

    Von meinen Kritikpunkten abgesehen war der Erzählstil des Autors wirklich toll und der Aufbau sehr passend gewählt. Man hat gelitten, mitgefiebert, gehasst und geweint. Dabei gab es auch berührende Momente wie etwa zwischen den Brüdern Strange, sowie Derek und dessen Partner Troy Peters, der in dieser Geschichte seine Berechtigung dadurch hat, weil er zeigt, dass Rassismus nicht nur in eine Richtung, sondern in sehr viele gehen kann.

    Kurzum: George Pelecanos weiß, ein Buch zu schreiben und er wählte ein wichtiges, aktuelles Thema, welches jedoch nicht zu 100 % perfekt umgesetzt wurde. Dennoch ist Hard Revolution ein durchaus lesenswerter Roman, denn was ist schon perfekt?

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    Mira20s avatar
    Mira20vor einem Jahr
    Kurzmeinung: 1968, Kriminalfall eingebettet in die Rassenunruhe in Washington, D.C., ein intensives Zeitporträt!
    Ein Stück amerikanische Zeitgeschichte!


    Dieses Buch ist vieles aber ganz bestimmt nichts für zwischendurch. Der Roman verlangt die höchste Aufmerksamkeit des Lesers. Belohnt wird man aber durch ein farbiges Zeitporträts von Amerikas Hauptstadt Washington, D.C., 1968.

    Nur wenige schwarze Polizisten arbeiten bei der Polizei. Sie müssen sich vieles gefallen lassen, sowohl von ihren weissen Kollegen wie auch von ihren schwarzen Mitbürgern, die gerade die Polizei als Mittel der Unterdrückung gegen die schwarze Bevölkerung empfinden. Trotzdem glauben sie an die Veränderungen, die sich in Amerika rund um die Bewegung von Martin Luther King ankündigen. So gehört auch der junge Derek Strange zu dieser Minderheit. Gemeinsam mit seinem weissen Partner fährt er Streife und gerät so auch in diverse Konflikte, von dem einer auch direkt seine Familie betreffen wird.

    Wortgewaltig und detailgetreu beschwört der Autor eine vergangene Zeit herauf. Gerade das ausgeprägte Eigenleben der Protagonisten hauchen der Stadt Leben ein. Der Leser fühlt die Diskriminierungen, den Rassismus, dem die Schwarzen ausgesetzt sind. Die Eskalation, der Ausbruch der Unruhen mit dem Tod von Martin Luther King, ist gleichzeitig auch der Höhepunkt der Kriminalfälle des Romans. Diese Inszenierung ist dem Autor gelungen.

    Weder ein leichter noch ein klassischer Krimi erwartet den Leser. Immer bin ich in Gefahr gelaufen den roten Faden zu verlieren. Dem Autor genügt es nicht, einen spannenden Krimi in einer umwälzenden Zeit zu erzählen. Er will, dass der Leser die Vergangenheit fühlt und versteht wie die Umstände auch „Bösewichte“ und Absteiger geformt hat. Nicht jeder erhält eine Chance im Leben!

    Mich hat das Buch in seiner Fülle beeindruckt. Allerdings empfand ich die Lektüre als anstrengend. Die erste Hälfte des Buches widmet sich ganz der Vorgeschichte. Die ist interessant und dramatisch. Viele Namen tauchen auf und verschwinden dann auch wieder. So musste ich oft vor- und zurückblättern. Zum Ende hin gewinnt das Buch an Tempo und wird auch richtig spannend.

    Sprachlich und auch der Thematik wegen ist das Buch auf jeden Fall zu empfehlen! Man sollte aber eher eine ruhigere Umgebung und ein paar Stunden am Stück zum Lesen haben.

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    Gwees avatar
    Gweevor einem Jahr
    Stimmt einen nachdenklich

    Meinung:
    Dieser Roman steckt voller gesellschaftskritischer Themen, die einem teilweise direkt auf die Nase gedrückt werden, teilweise aber auch ganz diskret eingebaut wurden. Das liegt vor allem am zeitlichen Setting der Geschichte, die nun einmal in den 60ern Amerikas spielt und das kommt nicht von ungefähr: Denn Martin Luther King hat hier eine ganz besondere Bedeutung. In diesem Buch soll verdeutlicht werden, wie es damals war als Schwarzer in den USA zu leben, wie es für Schwarze war und wie für Weiße. Dieser Konflikt steht dabei im Mittelpunkt, aber es kommen noch so viele kleine Dinge hinzu wie auch das Verhältnis von Mann und Frau. Perspektivträger gibt es hier mehrere und so verfolgt man nicht nur Dereks Lebensweg, sondern auch den von seinen Mitmenschen. Das Tempo ist dabei eher gemächlich. Zunächst erlebt man einen Ausschnitt aus Dereks Jugend, um dann in sein erwachsenes Leben einzutauchen. Obwohl alles sehr ruhig ist, baut sich durchaus Spannung und Leselust auf. Der Schreibstil ist zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig und es gibt einige Ausdrücke, die altmodisch wiedergegeben werden, aber insgesamt liest sich der Roman trotzdem gut und es fällt leicht, sich in die einzelnen Charaktere hineinzuversetzen, auch wenn man sie manchmal ohrfeigen möchte. Wie bei einem typischen Kriminalroman kommen die Zusammenhänge erst nach und nach raus und schließlich fügt sich dann auch alles. Das Ende hat gut gepasst. Gerade die Art, das Thema anzugehen, war sehr interessant. Ursprünglich stand ich dem Roman eher skeptisch gegenüber, aber er konnte mich dann doch von sich überzeugen.

    Fazit:
    „Hard Revolution“ ist nicht nur ein simpler Kriminalroman, ganz im Gegenteil – hier vereint sich eine undurchsichtige Kriminalgeschichte mit dem Zeitgeist der 60er Jahre Amerikas und zeigt dabei ein erschütterndes, aber umso eindringlicheres Bild.

    Inhalt: 4/5
    Charaktere: 4/5
    Lesespaß: 4/5
    Schreibstil: 4/5

    Gesamt: 4/5

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    Haverss avatar
    Haversvor einem Jahr
    Nachdrückliche Leseempfehlung!

    Dass für George Pelecanos die literarische Verarbeitung des Alltags in seiner Heimatstadt Washington schon immer ein zentrales Thema war und ist, weiß jeder, der seine Romane kennt. Ob das nun die Washington-Trilogie oder die Strange/Quinn-Reihe ist, die Stadt und ihre Bewohner, aber auch die gesellschaftlichen Verhältnisse, bilden immer den Rahmen für die Bücher des Autors.

    So auch in „Hard Revolution“, im Original bereits 2004 erschienen und nun dankenswerterweise in der deutschen Übersetzung (von Gottfried Röckelein) im Ars Vivendi Verlag veröffentlicht. Die Handlung liegt zeitlich vor der in den drei bereits erschienenen Bänden der Reihe und könnte den Untertitel „Wie er wurde, was er ist“ tragen, wobei es nicht nur um Derek Stranges persönliche Geschichte, sondern auch um die soziokulturellen Veränderungen in Washington geht.

    Pelecanos erzählt in zwei Zeitebenen, 1959 und 1968: Washingtons Wohnviertel sind nach sozialem Status und Ethnien getrennt. Üblicherweise bleiben die Weißen und die Afroamerikaner man unter sich, Rassismus und Diskriminierung gehört zum Alltag. Wer schwarz ist, hat schon von vornherein schlechte Karten und kann im seltensten Fall seine Träume verwirklichen. Derek Strange ist 1959 zwölf Jahre alt und hat ein Vorbild, Frank Vaughn, einen Polizisten (weiß), in dessen Haushalt seine Mutter als Putzfrau arbeitet. Wie dieser möchte er Polizist werden, für einen schwarzen Jungen nahezu ein unerreichbares Ziel, denn zu dieser Zeit gibt es kaum afroamerikanische Polizisten (ca. 25 % in den Sechzigern). Außerdem ist dieser Berufswunsch für einen Jungen aus seinem Viertel eher ungewöhnlich, sind diese doch meist auf der anderen Seite zu finden. Dass Derek zehn Jahre später von seinen eigenen Leuten als Verräter, als „Onkel Tom“ bezeichnet wird, wenn er in Polizeiuniform mit seinem Partner auf Streife ist, versteht sich fast von selbst.

    Das Civil Rights Movement gewinnt Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre an Bedeutung, die Wut wächst, die amerikanische Gesellschaft ist noch immer durch Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit gekennzeichnet. Gangs übernehmen ganze Viertel, die Heimkehrer aus dem Vietnamkrieg sind entweder traumatisiert und/oder wenden das auf den Schlachtfeldern erworbene Wissen auf der Straße an. Jeder will sein Stück vom Kuchen, vom amerikanischen Traum. Die Gewalt nimmt zu, Opfer sind auf beiden Seiten zu beklagen. Auch Derek Strange muss das erfahren, als sein Bruder erschossen wird. Und als am 04.04.1968 Dr. Martin Luther King, die Gallionsfigur der Bürgerrechtsbewegung, in Memphis einem Attentat zum Opfer fällt, brennt auch in Washington die Luft. Und nicht nur die.

    Es sind unzählige Geschichten von „unten“, die George Pelecanos in „Hard Revolution“ hineinpackt und daraus das grandiose Porträt einer Gesellschaft am Scheideweg zeichnet, die aber offenbar aus ihrer Geschichte nichts gelernt hat. Denn dem Civil Rights Movement entspricht heute „Black Lives Matter“, eine Bewegung, die sich gegen gewalttätige Übergriffe engagiert, denen Afroamerikaner tagtäglich ausgesetzt sind. Traurig genug, dass es ausgerechnet die Uniformträger sind, die hier immer wieder durch brachiale Gewalt und vorschnellen Schusswaffeneinsatz auffallen.

    „Hard Revolution“ ist weit mehr als ein Kriminalroman, es ist ein höchst politisches Buch, ein soziokulturelles Porträt der Hauptstadt der Vereinigten Staaten der fünfziger und sechziger Jahre, sehr lebendig und authentisch erzählt. Und mit sehr viel Zeitkolorit durch die Einarbeitung von Filmtiteln, Automarken und jeder Menge Musik in die Story.

    Nachdrückliche Leseempfehlung!

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    detlef_knuts avatar
    detlef_knutvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Besonders Interesse gewann ich an dem Verhältnis der beiden Polizisten Derek Strange (farbig) und Troy Peters (weiß).
    Die Annäherung zweier Polizisten zu lesen, macht allein schon den Roman lesenswert.

    Beinahe möchte man diesen Roman schon als historischen Roman einordnen. Dabei liegt die Zeit der Handlung, 1959 und 1968, gar nicht so lange zurück. Dennoch nimmt er historische Ereignisse auf, beleuchtet sie auf interessante Weise aus verschiedenen Blickwinkeln. Thema ist der Rassismus gegen die farbige Bevölkerung in den USA.

    Während der ersten Handlungszeit 1959 werden mehrere Figuren vorgestellt, als sie noch Kinder waren. Es bilden sich Freundschaften, es gibt erste Rangeleien. Die Freundschaften verlaufen über Familien unterschiedlichster Herkunft. In Washington gibt es Viertel für Farbige, für Griechen, für Juden, für Italiener. Jede Gruppe bleibt eigentlich unter sich, doch in der Schule mischt sich einiges und die Freundschaften erstrecken sich über diese Gruppen hinweg.

    Zehn Jahre später sind aus den Kindern junge Erwachsene geworden. Einige von ihnen haben einen "vernünftigen" Job, andere einen Aushilfsjob nur zum Geldverdienen. Einige waren bereits in Vietnam, haben dort Gehorsam und Töten gelernt, andere sind aus Vietnam nicht zurückgekehrt. 1968 ist ein Jahr der großen Unruhen in den USA. Die Afroamerikaner jubeln dem Menschenrechtler Dr. Martin Luther King zu. So wie im ganzen Land toben die immensen Unruhen in Washington.

    Pelecanos beschreibt den brodelnden Kessel in all seinen Details und hauptsächlich über die Figuren und ihre Beziehung zueinander. Dreck, Schmutz, Freundschaft, Ehre und Gangs spürt der Leser unmittelbar. Drogen und vor allem Musik des Labels Motown liegen stets in der Luft. Mit sehr vielen alltäglichen Ereignissen, wie die Musiktitel, die Sänger, aber auch Fernsehserien, versucht der Autor den Leser mit Erinnerungsstücken in die damalige Zeit zu versetzen. Viele Stränge sorgen für Spannung, stets ist man gefordert, um zu erfahren, welche Gang, welche Leute gerade etwas aushecken wollen.

    Besonders Interesse gewann ich an dem Verhältnis der beiden Polizisten Derek Strange (farbig) und Troy Peters (weiß). Über alle Seiten des zweiten Teils hinweg Ihre Annäherung zu lesen, macht allein schon den Roman lesenswert.

    Gar nicht gefallen hat mir im Gegenteil im ersten Teil des Romans die Anzahl der eingeführten Figuren, die alle mit Namen und einer Biographie versehen wurden, selbst kleinste Nebenfiguren. Im zweiten Teil ist dann die Fluktuation geringer und man weiß, wer zu wem gehört, um wen es sich handelt und in welchem Stang jeder mitspielt. Heutige TV-Serien und Nachrichten aus den USA zeigen leider immer noch, dass es in der amerikanischen Gesellschaft kaum einen Unterschied zu der damaligen gibt.

    © Detlef Knut, Düsseldorf 2017

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    heberschs avatar
    heberschvor 10 Monaten

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