George R. R. Martin Fiebertraum

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Inhaltsangabe zu „Fiebertraum“ von George R. R. Martin

Wir schreiben das Jahr 1857. Abner Marsh, Flussschiffer auf dem Mississippi, steht vor dem Ruin. Da macht ihm der Aristokrat Joshua York ein verlockendes Angebot: Er soll das schnellste Dampfschiff aller Zeiten bauen, die "Fiebertraum". Doch was für Marsh als großes Abenteuer beginnt, wird bald zum Albtraum. Denn York entpuppt sich als Vampir und er hat die "Fiebertraum" bauen lassen, um entlang des Mississippi die Letzten seiner alten, kranken Rasse einzusammeln...

Grandios-üppiger Vampirroman, der in allen Belangen überzeugt. Ebenso wie die herausragende Hörbuchumsetzung, die keine Minute langweilt.

— Elmar Huber
Elmar Huber
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    Fiebertraum
    Elmar Huber

    Elmar Huber

    24. June 2016 um 16:03

     „Fevre Dream? Halten sie diese Wahl nicht für ein wenig unheimlich? Für mich stecken in diesem Namen Krankheit, Fieber und Tod und Wahnvorstellungen. Träume, die man nicht träumen sollte.“ STORYDer charismatische aber sonderbare Joshua York macht dem finanziell angeschlagenen Schifffahrtsbetreiber Abner Marsh ein überraschend großzügiges Angebot, um sich in dessen Schifffahrtslinie, die „Fevre River Packet Company“ einzukaufen, die nach einer Frostkatastrophe aus nur mehr einem mittelprächtigen Schiff besteht. Als Gegenleistung für seine Großzügigkeit stellt York einige befremdliche Forderungen. Marsh ist bereit, sich auf den Handel einzulassen, wenn York ihm den Bau eines prachtvollen und schnellen Raddampfers finanziert, der es mit den besten Schiffen seiner Konkurrenten aufnehmen kann. Die „Fevre Dream“ wird gebaut und Marsh und York beginnen ihre Reise den Fluss hinab. Ungewöhnliche Umstände erfordern es, dass sich York schließlich durchringt, Marsh über seine wahre Natur aufzuklären. Er und seine Entourage sind Vampire, die jedoch ein friedliches Zusammenleben mit den Menschen anstreben. In jahrelangen Versuchen hat York ein Elixier entwickelt, das es den Vampiren erlaubt, den „roten Durst“ zu stillen ohne Menschen töten zu müssen. York möchte alle Vampire um sich scharen und von seiner Ideologie überzeugen. Aus diesem Grund ist er auf der Suche nach dem Blutmeister Damon Julian, der mit seinen Anhängern afu einer Plantage ein Louisiana lebt. Als sie Julian finden, willigt dieser ein, York auf der „Fevre Dream“ zu treffen und ihn anzuhören. Doch Julians Besuch auf dem Schiff gleicht einer Kriegserklärung. „York blickte auf und ihre Augen trafen sich. Bis zum Ende seiner Tage würde sich Abner Marsh an diesem Moment erinnern, an diesen ersten Blick in Joshua Yorks Augen. Welche Gedanken er auch gehegt, welche Pläne er auch geschmiedet hatte, alles wurde von dem Mahlstrom in Joshua Marks Augen aufgesogen.“ MEINUNGLeise und bedächtig wie das stetige Raunen des Mississippi entwickelt sich George R. R. Martins Vampirroman FIEBERTRAUM im Angesicht der schwülen Flusslandschaft des amerikanischen Südens, die den Rahmen dieser großartigen und ungewöhnlichen Vampirgeschichte bildet. Martin versetzt die gemeinhin aristrokratisch-unterkühlten Nosferati aus den eisigen Karpaten in die betäubende Schwüle des amerikanischen Südens und erschafft damit eine heißblütige und unberechenbare Art von Vampiren. Sicher war es auch 1982 kein Novum, klassische Horrorfiguren ihrem klischeehaft angestammten Umfeld zu entreißen und in ein anderes Umfeld zu pflanzen, doch selten hat das so gut funktioniert wie in hier. Zuvor jedoch gibt sich George R. R. Martin erfolgreich alle erdenkliche Mühe mit der Charakterisierung und Entwicklung seiner Figuren. Weder York noch Marsh können hier als grundlegend gut oder böse bezeichnet werden. Die Beziehung der beiden Hauptpersonen ist komplex und erhält im Verlauf des Romans etwas von einer ambivalenten Symbiose. Obwohl sich beide ebenso gut als Feinde gegenüber stehen könnten, werden Abner March uns Joshua York im Angesicht eines gemeinsamen Feindes schließlich zu Männern, die trotz ihrer Verschiedenartigkeit eine seltsame und innige Kameradschaft verbindet. Als physische Metapher für die Entwicklung seiner Charaktere verwendet der Autor die Reise auf dem Mississippi, die von Unsicherheit geprägt ist. Mit der Ankunft auf Damon Julians Plantage schließlich erreichen die Männer das sprichwörtliche Herz der Finsternis. Parallelen zu Joseph Conrads gleichnamigem Roman sind durchaus vorhanden. „In seinen Träumen gab sie während ihrer Fahrt keinen Laut von sich und weiße Gestalten huschten lautlos über die Decks und bevölkerten den großen Salon. Und in ihren Kabinen hockten angsterfüllt die Passagiere, bis sich die Türen eines Nachts öffneten und sie zu schreien begannen.“ Obschon auch in den 1970ern Vampirromane keine Seltenheit waren biedert sich George R. R. Martin mit seiner Geschichte nirgendwo an sondern erschafft hier eindrucksvoll eine bis heute ganz und gar eigenständige Variante des Genres. Behutsam ohne zu langweilen baut er Geschichte und Charaktere auf, scheut sich nicht vor Beiwerk und Zeitkolorit, ohne jedoch je den roten Faden zu verlieren. Wer die ersten beiden JUDAS-Bücher von Markus Heitz mochte, dem sei dieser Klassiker der Vampirliteratur wärmstens empfohlen. DAS HÖRBUCHObwohl es sich um eine exklusive Eigenproduktion des Online-Anbieters Audible handelt, konnten die Hörbuch-Spezialisten mit Reinhard Kuhnert (Synchronsprecher von u.a. David Strathairn, Bruce Davison, William H. Macy) einen absoluten Profi gewinnen, dessen Vortrag jede Minute fesselt. Herausragend ist der fast einstündige hypnotische Monolog von Joshua York, in dem er Abner Marsh seinen Lebens- und Leidensweg als Vampir darlegt, seine Suche nach Artgenossen, sowie die Suche nach Erlösung vom „roten Durst“. Aktuell liest Reinhard Kuhnert für Audible auch die Hörbuchumsetzung von George R. R. Martins DAS LIED VON EIS UND FEUER. FAZITGrandios-üppiger Vampirroman, der in allen Belangen überzeugt. Ebenso wie die herausragende Hörbuchumsetzung, die keine Minute langweilt.

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