George Soros

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George SorosDer Blick geht nach vorn
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Der Blick geht nach vorn
Der Blick geht nach vorn
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Erschienen am 15.03.2010
George SorosDie Analyse der Finanzkrise ...und was sie bedeutet - weltweit.
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Die Analyse der Finanzkrise ...und was sie bedeutet - weltweit.
George SorosGeorge Soros: Gedanken und Lösungsvorschläge zum Finanzchaos in Europa und Amerika
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George Soros: Gedanken und Lösungsvorschläge zum Finanzchaos in Europa und Amerika
George SorosDie Vorherrschaft der USA - eine Seifenblase
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George SorosDas Ende der Finanzmärkte - und deren Zukunft
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George SorosDie Macht der Fehlbarkeit
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Die Macht der Fehlbarkeit
George SorosDie Analyse der Finanzkrise ...und was sie bedeutet - weltweit.
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George SorosDie Ära der Fehlentscheidungen
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Die Ära der Fehlentscheidungen
Die Ära der Fehlentscheidungen
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Erschienen am 06.11.2006

Neue Rezensionen zu George Soros

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Rezension zu "George Soros: Gedanken und Lösungsvorschläge zum Finanzchaos in Europa und Amerika" von George Soros

George Soros und die Rettung eines Systems, zu dem er gehört
R_Mantheyvor 3 Jahren

Irgendwo in diesem Text steht die Bemerkung, dass seine Philosophie dem Autor half, sein riesiges Vermögen anzuhäufen. Man mag darüber lächeln, aber George Soros meint das sehr ernst. Denn eigentlich wollte er lieber Philosoph werden, anstatt sich mit den Finanzmärkten herumzuschlagen. Doch leider war ihm das nicht vergönnt. Und dafür gibt es Gründe, die sich auch aus diesem Buch herauslesen lassen.

Einst entwickelte Soros seine Theorie der Reflexivität. Sie behauptet grob gesagt, dass nicht nur die sogenannten Fundamentaldaten die Märkte beeinflussen, sondern, dass dies auch umgekehrt gilt. Soros hält das für eine große Entdeckung und wundert sich, dass kaum jemand das so sieht wie er. Nun glaubt er sich durch die Finanzkrise wieder einmal bestätigt und macht erneut Werbung für seine Theorie.

Und er schimpft über die konkurrierende Theorie von der Effizienz der Märkte, der er eine wesentliche Schuld am Finanzunheil gibt, das die Welt gerade heimsucht. Und in der Tat handelt es sich bei dieser linearen Theorie um ein akademisches Produkt, das die Realität völlig falsch widerspiegelt, weil es auf weltfremden Annahmen beruht, die jedoch erst dafür sorgen, dass man überhaupt eine Theorie mit quantifizierbaren Ergebnissen erhält.

Eine lineare Theorie kann niemals Vorgänge mit Rückkopplungen beschreiben. Und Märkte wären keine Märkte, wenn sie nicht gerade auf Rückkopplungen beruhen würden. Deshalb ist die Reflexivitätstheorie von Soros sicher richtig. Aber natürlich stellt sie keine grandiose Entdeckung dar, sondern beschreibt eher qualitativ und auf elementarem Niveau das, was eben Märkte charakterisiert.

Will man Marktmechanismen wirklich adäquat mathematisch modellieren, dann würde das auf nichtlineare Modelle führen. Damit steht man vor zwei Schwierigkeiten. Erstens weiß man nicht, wie man das tatsächlich anstellen sollte, und zweitens könnte man ein solches Modell wahrscheinlich nicht quantifizierbar machen, wäre also wegen dessen Komplexität nicht in der Lage, etwas auszurechnen und brauchte folglich auch das Modell nicht.

Aber natürlich hat Soros recht, wenn er der Theorie von der Markteffizienz eine gewisse Schuld am gegenwärtigen Finanzdebakel gibt. Wegen dieser und verwandten Theorien glaubten offenbar viele Leute, sie würden das Risiko von Finanztransaktionen gottgleich beherrschen. Dass Risiko zwar verteilt werden kann, aber natürlich nicht verschwindet, sondern systemisch erhalten bleibt, hat die Subprimekrise wohl mit aller Deutlichkeit bewiesen.

Das Buch besteht aus einem langen Vorspann und zahlreichen Zeitungsartikeln, mit denen Soros von 2008 bis 2011 Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen glaubte. Vier Jahre, vier Teile im Buch und vier verschiedene Schwerpunkte sowie zahlreiche Wiederholungen, weil schließlich die einzelnen Artikel nicht aufeinander aufbauen und dem jeweiligen Leser die Sichtweise von Soros immer wieder aufs Neue erklärt werden muss.

Soros ist Teil des Systems. Und deshalb scheint er außerstande zu sein, die Situation einigermaßen objektiv zu betrachten. Immer wieder gibt er einer mathematischen Theorie und ihrer Fehldeutung die Schuld am Desaster. Kein Wort über kriminelle Machenschaften, kein Wort über die unheilvolle Asymmetrie zwischen Realwirtschaft und der "Finanzindustrie", kein Kommentar über die politischen Voraussetzungen, die erst zu dieser Krise führten.

Dafür fällt jedoch eine gewisse Schizophrenie ins Auge. Soros schreibt, dass die Blase, die letztlich nun geplatzt ist, bereits von 1980 an aufgeblasen wurde. Ob man das nun so sehen muss, ist hier nicht der Punkt, sondern sein Vorwurf, dass sich die "Behörden" immer wieder durch "Rettungen" hervortaten und dadurch diese Blase immer größer werden ließen. Doch was der Autor dann als Lösung der jetzigen Krise vorschlägt, stellt genau wieder dieses Verfahren dar.

Auf diesen Vorwurf wird er antworten, dass es nun ums Ganze ginge und eine Depression verhindert werden müsse. Aber genau so argumentierten die "Behörden" auch vorher immer.

Diese Krise ist eine Schuldenkrise. Und Schulden können genau wie das Risiko zwar neu verteilt werden, vorzugsweise natürlich auf Deutschland, doch sie verschwinden nicht. Irgendwer muss sie am Ende bezahlen. Leider findet diese elementare Erkenntnis keinen Eingang in die Gedankenwelt des Autors.

Dass Soros Teil eines von gewissen Eliten ausgedachten Systems ist, sieht man auch an seiner Argumentation in der Eurokrise. Obwohl er sehr genau beschreibt, wie die sehr verschiedenen Ausgangssituationen in den Euroländern mit der Einführung der Einheitswährung zu genau den Verwerfungen führten, die später in die Krise mündeten, ist seine einzige Schlussfolgerung nicht etwa, dass man diese Währung niemals hätte einführen dürfen. Nein, der Fehler bestand darin, kein europäisches Finanzministerium mit dem Euro installiert zu haben.

Auf die Idee, dass kaum jemand in den europäischen Nationen die damit verbundene faktische Abschaffung der Nationalstaaten möchte, kommt er nicht, denn er ist ein "wahrer Europäer", wie er schreibt.

Liest man also dieses Buch, so hat man die Gelegenheit, das Gedankengut von Leuten kennenzulernen, die sich um den Willen von Völkern nicht viel scheren und die uns diese Krise erst eingebrockt haben.

Auf die Lösungsvorschläge zur Eurokrise, die man in diesem Buch findet, lohnt es sich nicht im Detail einzugehen. Sie laufen ganz einfach darauf hinaus, dass Deutschland zahlen muss. So oder so. Schließlich ist Deutschland mit seiner ökonomischen Stärke und seiner relativen Haushaltsdisziplin an allem Schuld.

Die Punkte gibt es für die manchmal auch ungewollten Einblicke in die nicht untypische Geisteshaltung bestimmter Kreise und die Informationen, die dieses Buch enthält, nicht jedoch für die gelegentlich sonderbaren Schlussfolgerungen des Autors. Immerhin enthält der Text auch einige vernünftige Vorschläge, etwa zur Standardisierung von gewissen Derivaten. Insgesamt jedoch geht es Soros um die Rettung eines fehlerhaften Systems und nicht um eine grundlegende Sanierung.

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Rezension zu "Der Blick geht nach vorn" von George Soros

George Soros und seine merkwürdige Weisheit des Alters
R_Mantheyvor 3 Jahren

George Soros wäre so gerne Philosoph geworden. Obwohl er an diesem Vorhaben schon mehrfach gescheitert ist, gibt er nicht auf. Mit seiner nun in Buchform vorliegenden fünfteiligen Vortragsreihe an einer von ihm gegründeten Privatuniversität in Budapest im Oktober 2009 unternimmt er einen neuen Versuch, seine durchaus vernünftige Reflexivitätstheorie einer breiteren Anerkennung zuzuführen. Selbstverständlich wird auch dieser Versuch scheitern, denn erstens fehlt dem aus der Finanzwelt kommenden Soros der wissenschaftliche Stallgeruch und zweitens greift er die etablierten Wirtschaftswissenschaften frontal an. Das kann einfach nicht gut gehen.

Im ersten Vortrag stellt Soros seine Reflexivitätstheorie vor. Im Grunde besteht sie aus einer einfachen Aussage. Während in den Naturwissenschaften jedwede Erkenntnis keinerlei Einfluss auf die Realität besitzt, ist das in den Sozial- und Geisteswissenschaften ganz anders. Eine Theorie über Wirtschaft oder Gesellschaft beeinflusst über das nachfolgende menschliche Handeln sehr wohl die Realität und damit wiederum auch die Erkenntnisgewinnung. Es entsteht also eine Rückkoppelungsschleife. Diese offenkundige Tatsache werde von den Wirtschaftswissenschaften ignoriert, klagt Soros. Statt seine Reflexivitätstheorie anzuerkennen, versteigen sich die Wirtschaftswissenschaftler zu einer Theorie von der Effizienz der Märkte, die zur Reflexivität im krassen Gegensatz stehe und obendrein Blödsinn sei.

Zu ihrer Verteidigung muss man erwähnen, dass Wirtschaftswissenschaftler zur Mathematisierung ihrer Disziplin neigen. Soros nennt das in Anspielung auf Freud "Physikneid". Wenn man am Ende aber etwas ausrechnen möchte, dann braucht man Voraussetzungen, unter denen das auch geht. Und nur deshalb werden realitätsferne lineare Modelle bevorzugt. Ziemlich oft vergisst man in den Wirtschaftswissenschaften oder bei Praktikern leider danach die unrealistischen Voraussetzungen und glaubt tatsächlich, dass man die Wirklichkeit abbildet. Dieser merkwürdige Wahn ist eines der ungeklärten Geheimnisse der modernen Wirtschaftstheorie. Die Reflexivitätstheorie von Soros führt dagegen unweigerlich zu schwer beherrschbaren nichtlinearen Modellen.

Wenn man den ersten Vortrag gelesen hat, dann versteht man, warum Soros es nie zu philosophischer Größe gebracht hat. Andererseits begreift man aber bei gutem Willen sein reflexionstheoretisches Anliegen, weil es wenigstens qualitativ die Wirklichkeit grob, aber treffend beschreibt. Im zweiten Vortrag wendet Soros seine Theorie auf die Finanzmärkte an. Da der Mensch vor Fehleinschätzungen nicht geschützt ist, beginnt die Reflexivität oft mit einem Irrtum. Soros meint, dass der grundlegende Irrtum, der zur gegenwärtigen Finanzkrise geführt habe, die Annahme war, man könne die Märkte sich selbst überlassen. Dementsprechend fordert er eine stärkere Regulierung des Finanzsektors.

Wenn man seine Ausführungen genau liest, dann tritt die grundlegende Schwäche seiner durchaus richtigen Theorie deutlich zutage. Sie ist lediglich eine qualitative und obendrein nachlaufende Erklärungsmethode, bietet jedoch keine sichtbare Möglichkeit einer Quantifizierung, also einer mathematischen Modellbildung, und besitzt folglich auch keine wirkliche Prognosefähigkeit. Noch nicht einmal für ihren Erfinder.

Im nächsten Vortrag befasst sich Soros mit Poppers Konzept von der offenen Gesellschaft, das er für verbesserungswürdig hält. Es musste erst die von Soros gehasste Bush-Administration kommen, bis ihm klar wurde, dass der menschliche Geist nicht nur eine kognitive, sondern auch eine manipulative Funktion besitzt. Die offene Gesellschaft sei deshalb als Konzept nicht völlig durchdacht. Diese Stelle ist allein schon deshalb bemerkenswert, weil Soros selbst seit vielen Jahren erfolgreich versucht, durch geschickt gesetzte Interviews oder Statements die Märkte zu manipulieren. Soros offenbart sich hier also als perfektes Beispiel dafür, wie widersprüchlich doch der menschliche Geist sein kann, wenn das eigene Ego im Spiel ist.

Der vorletzte Vortrag untersucht, warum im modernen Kapitalismus angeblich die Werte verlorengegangen seien. Soros gibt dem Marktfundamentalismus und den entsprechenden Lobbyisten die Schuld. Es ist schon erstaunlich, auf welche Erkenntnisse Soros im hohen Alter so stößt. Irgendwie versteht er, dass sich die Realität nicht an die idealistischen Konzepte von Intellektuellen hält, findet dafür Gründe und schlägt Verbesserungen vor. Doch seine Verbesserungen sind wiederum nur idealistische Konzepte. An solchen Konzepten hat es in der Menschheitsgeschichte nie gemangelt, geändert haben sie jedoch in Wirklichkeit nichts.

Endlich im letzten Vortrag kommt Soros zu seiner Einschätzung der zukünftigen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in der Welt. Im Gegensatz zur Mehrheitsmeinung glaubt er erstens, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist, und zweitens, dass sie geopolitische Folgen haben wird, an die sich die USA erst noch unter Schmerzen gewöhnen werden müssen. Das bisherige Weltwirtschaftssystem mit den USA als Dreh- und Angelpunkt hält er für stark beschädigt und nicht rettbar.

Fazit.
Auch dieser Versuch von George Soros, ein bedeutender Philosoph oder Theoretiker zu werden, wird nicht erfolgreich sein. Seine Reflexivitätstheorie ist mit Sicherheit richtig, aber in ihrem jetzigen Stadium nichts weiter als eine allgemeine und deshalb wenig praktikable Arbeitshypothese, die sich so nicht durchsetzen wird. Wirklich lesenswert ist eigentlich nur der letzte Vortrag.

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Rezension zu "Die Analyse der Finanzkrise ...und was sie bedeutet - weltweit." von George Soros

Interessante Einblicke, widersprüchliches Konzept
R_Mantheyvor 3 Jahren

Wenn Soros spricht, hört man zu. Nun hat der Meister aller Hedgefond-Spekulanten sich erneut zur Finanzkrise geäußert, sie analysiert und Lösungsvorschläge präsentiert. Dieses dünne Büchlein ist eine enorme Informationsquelle, die allerdings nicht für den normalen Bürger verfasst wurde. Man benötigt schon gewisse Grundkenntnisse über die Finanzmärkte, ihre Produkte und Mechanismen.

Da Soros offenbar den Mächtigen der USA und anderer Länder beratend zur Seite stand, finden wir zwischen den Zeilen interessante Informationen über die Vorgehensweise einiger der Handelnden. Und natürlich offenbart diese Schrift auch wie Soros denkt und welche Vermutungen er über das Denken anderer besitzt.

Nachdem uns der Meister zunächst vorgestellt wird, kommt dieser im Anschluss selbst zu Wort und referiert über Erfolg und Misserfolg seines Quantumfonds im vergangenen Jahr. Dann widmet er sich dem "Crash von 2008", der für ihn mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers am 15. September begann. Soros versteht nicht, wieso die US-Behörden und hier insbesondere Finanzminister Paulson das zulassen konnten, denn schließlich haben die Behörden immer unterstützend eingegriffen, wenn etwas bei den Banken aus dem Ruder lief.

An dieser Stelle offenbart Soros bereits seinen Denkansatz, den er später weiter ausbaut. Immer wenn etwas schief läuft, muss der Geldhahn aufgedreht werden. Das ist nicht nur sein Ansatz, sondern die reale Politik der amerikanischen Notenbank, die bekanntlich nicht dem Staat, sondern einigen großen Banken gehört. Die Flutung der Finanzmärkte mit Dollar-Papiergeld ist aber die wahre Ursache der jetzigen Krise. Geld verlangt Rendite, und mehr Geld verlangt mehr Rendite. Gibt es keine vernünftigen Anlagemöglichkeiten mehr, dann werden unvernünftige gesucht und mit ihnen Blasen geboren, die früher oder später platzen.

Soros fordert, dass die US-Administration jetzt Inflation erzeugen solle, um die Märkte wieder in Schwung zu bringen. Und wenn dann alles wieder gut sei, dann müsse man dieses Geld wieder aus den Märkten ziehen. Und zwar in derselben Geschwindigkeit wie es hineinkam. Das ist starker Tobak.

Erstens hat das noch nie in der Vergangenheit funktioniert. Im Gegenteil, das Geldmengenwachstum hat sich beschleunigt. Zweitens kann man Geld nicht einfach wieder aus den Märkten herausziehen. Papiergeld beruht auf Schuldscheinen (Staatsanleihen zum Beispiel). Geld verschwindet nur aus dem Kreislauf, wenn Schulden bezahlt werden. Und zwar mit vorhandenem Geld und nicht mit extra dazu neu erschaffenem. Um das zu schultern, müsste die Obama-Regierung die Steuern drastisch erhöhen. Das ist weder populär, noch stimulierend für die Wirtschaft. Und selbst dann bekäme man das Geld nicht in der Geschwindigkeit aus den Märkten, mit der es hineinkam. Wir reden hier über mehrere tausend Milliarden Dollar.

Drittens haben die USA schon über Jahre durch ihre übermäßige Schöpfung von Papierdollars, die in keinem Verhältnis mehr zu ihrer Wirtschaftskraft steht, den Dollar inflationiert. Das bekamen sie nur deshalb nicht zu spüren, weil andere ihre bereits vorhandenen Dollars dazu benutzen, um amerikanische Staatsanleihen zu kaufen, was nichts anderes ist, als dieses Geld aus dem Verkehr zu ziehen. Diese Länder (insbesondere China) sitzen nun auf diesen Anleihen. Sie müssen die amerikanische Absicht, den Dollar bewusst zu inflationieren, völlig zu Recht als Diebstahl auffassen. Freunde gewinnt man auf diese Weise gewiss nicht.

Neben dem Vorschlag Inflation zu erzeugen, der von Obama aufgegriffenen wurde, enthält diese Schrift aber noch andere interessante Informationen und Lösungsvorschläge für kleinere Baustellen, die jedoch ähnlich widersprüchlich sind.

Wenn man dieses Büchlein genauer liest, dann begreift man ein weiteres Mal, dass es nicht die Märkte waren, die versagt haben, sondern die Politik. Die Politik behandelt die Banken nicht so wie andere Unternehmen. Geht etwas schief, dann haftet der Steuerzahler. Hier gibt es keinen Markt und faktisch kein Risiko. Die Politik hat den Derivate-Markt nicht geregelt. Während es in anderen Märkten standardisierte Produkte gibt, kann hier jeder erfinden, was er will. Auf diese Weise wissen einige Marktteilnehmer gar nicht mehr, was sie eigentlich im Portfolio haben. Das lesen wir auch bei Soros.

Und schließlich ist der amerikanische Hypothekenmarkt einfach politisch so konstruiert gewesen, dass es früher oder später zu einem solchen Zusammenbruch kommen musste. Das erklärt Soros ganz hervorragend.

Am Ende seines Buches geht Soros dann auf die von ihm zukünftig erwarteten politischen und finanzpolitischen Entwicklungen ein. Das muss man nicht unbedingt so sehen wie er. Insbesondere meckert er über Deutschland, das sich dem unbegrenzten Geldschöpfungsprozess aus dem Nichts glücklicherweise (noch) entgegenstellt.

Schließlich verteidigt er seine Reflexionstheorie gegen Vorwürfe. Eigentlich ist diese Theorie völlig verständlich und in Ordnung. Ein Markt ohne Rückkopplung ist kein Markt. Die Reflexionstheorie erklärt unter anderem, dass sich Märkte durch eben diese Rückkoppelungen so hochschaukeln können, dass sie aus dem Gleichgewicht rutschen. Diese Trivialität kann von Wirtschaftswissenschaftlern praktisch nicht bestritten werden. Dennoch halten sie an der Theorie der effizienten Märkte fest, die so etwas wie die gegenwärtige Krise eigentlich ausschließt. Verstehe das, wer will. Soros wird seine Theorie nicht quantifizieren können, denn sie führt zu Nichtlinearitäten mit denen man nur schwer umgehen kann. Das ist ihr eigentliches Problem.

Fazit.
Dieses kleine Büchlein ist sehr informativ. Es setzt allerdings einige Kenntnisse voraus. Und es zeigt die ganze Widersprüchlichkeit im Denken von Soros. Ob sein Rezept aufgehen wird, wage ich zu bezweifeln. Im besten Fall verschiebt es den großen Knall in die Zukunft, denn eine Wirkung mit ihrer Ursache bekämpfen zu wollen, ist ziemlich aussichtslos.

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