George Soros Der Blick geht nach vorn

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Inhaltsangabe zu „Der Blick geht nach vorn“ von George Soros

Bei einer Reihe von Vorträgen, die George Soros im Oktober 2009 an der Central European University in Budapest gehalten hat, gab er einen umfassenden Einblick in seine Gedanken zu den Themen Wirtschaft und Politik. Seine ersten beiden Reden beinhalten seine Theorie zur Reflexivität sowie deren Anwendung auf die Finanzmärkte und die dadurch entstehende Verbindung zur aktuellen Finanzkrise. Der finale Vortrag konzentriert sich auf die künftigen Geschehnisse und analysiert die immer wichtigere wirtschaftliche und politische Rolle, die China in der Zukunft spielen wird.

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    Der Blick geht nach vorn
    R_Manthey

    R_Manthey

    26. June 2015 um 15:01

    George Soros wäre so gerne Philosoph geworden. Obwohl er an diesem Vorhaben schon mehrfach gescheitert ist, gibt er nicht auf. Mit seiner nun in Buchform vorliegenden fünfteiligen Vortragsreihe an einer von ihm gegründeten Privatuniversität in Budapest im Oktober 2009 unternimmt er einen neuen Versuch, seine durchaus vernünftige Reflexivitätstheorie einer breiteren Anerkennung zuzuführen. Selbstverständlich wird auch dieser Versuch scheitern, denn erstens fehlt dem aus der Finanzwelt kommenden Soros der wissenschaftliche Stallgeruch und zweitens greift er die etablierten Wirtschaftswissenschaften frontal an. Das kann einfach nicht gut gehen. Im ersten Vortrag stellt Soros seine Reflexivitätstheorie vor. Im Grunde besteht sie aus einer einfachen Aussage. Während in den Naturwissenschaften jedwede Erkenntnis keinerlei Einfluss auf die Realität besitzt, ist das in den Sozial- und Geisteswissenschaften ganz anders. Eine Theorie über Wirtschaft oder Gesellschaft beeinflusst über das nachfolgende menschliche Handeln sehr wohl die Realität und damit wiederum auch die Erkenntnisgewinnung. Es entsteht also eine Rückkoppelungsschleife. Diese offenkundige Tatsache werde von den Wirtschaftswissenschaften ignoriert, klagt Soros. Statt seine Reflexivitätstheorie anzuerkennen, versteigen sich die Wirtschaftswissenschaftler zu einer Theorie von der Effizienz der Märkte, die zur Reflexivität im krassen Gegensatz stehe und obendrein Blödsinn sei. Zu ihrer Verteidigung muss man erwähnen, dass Wirtschaftswissenschaftler zur Mathematisierung ihrer Disziplin neigen. Soros nennt das in Anspielung auf Freud "Physikneid". Wenn man am Ende aber etwas ausrechnen möchte, dann braucht man Voraussetzungen, unter denen das auch geht. Und nur deshalb werden realitätsferne lineare Modelle bevorzugt. Ziemlich oft vergisst man in den Wirtschaftswissenschaften oder bei Praktikern leider danach die unrealistischen Voraussetzungen und glaubt tatsächlich, dass man die Wirklichkeit abbildet. Dieser merkwürdige Wahn ist eines der ungeklärten Geheimnisse der modernen Wirtschaftstheorie. Die Reflexivitätstheorie von Soros führt dagegen unweigerlich zu schwer beherrschbaren nichtlinearen Modellen. Wenn man den ersten Vortrag gelesen hat, dann versteht man, warum Soros es nie zu philosophischer Größe gebracht hat. Andererseits begreift man aber bei gutem Willen sein reflexionstheoretisches Anliegen, weil es wenigstens qualitativ die Wirklichkeit grob, aber treffend beschreibt. Im zweiten Vortrag wendet Soros seine Theorie auf die Finanzmärkte an. Da der Mensch vor Fehleinschätzungen nicht geschützt ist, beginnt die Reflexivität oft mit einem Irrtum. Soros meint, dass der grundlegende Irrtum, der zur gegenwärtigen Finanzkrise geführt habe, die Annahme war, man könne die Märkte sich selbst überlassen. Dementsprechend fordert er eine stärkere Regulierung des Finanzsektors. Wenn man seine Ausführungen genau liest, dann tritt die grundlegende Schwäche seiner durchaus richtigen Theorie deutlich zutage. Sie ist lediglich eine qualitative und obendrein nachlaufende Erklärungsmethode, bietet jedoch keine sichtbare Möglichkeit einer Quantifizierung, also einer mathematischen Modellbildung, und besitzt folglich auch keine wirkliche Prognosefähigkeit. Noch nicht einmal für ihren Erfinder. Im nächsten Vortrag befasst sich Soros mit Poppers Konzept von der offenen Gesellschaft, das er für verbesserungswürdig hält. Es musste erst die von Soros gehasste Bush-Administration kommen, bis ihm klar wurde, dass der menschliche Geist nicht nur eine kognitive, sondern auch eine manipulative Funktion besitzt. Die offene Gesellschaft sei deshalb als Konzept nicht völlig durchdacht. Diese Stelle ist allein schon deshalb bemerkenswert, weil Soros selbst seit vielen Jahren erfolgreich versucht, durch geschickt gesetzte Interviews oder Statements die Märkte zu manipulieren. Soros offenbart sich hier also als perfektes Beispiel dafür, wie widersprüchlich doch der menschliche Geist sein kann, wenn das eigene Ego im Spiel ist. Der vorletzte Vortrag untersucht, warum im modernen Kapitalismus angeblich die Werte verlorengegangen seien. Soros gibt dem Marktfundamentalismus und den entsprechenden Lobbyisten die Schuld. Es ist schon erstaunlich, auf welche Erkenntnisse Soros im hohen Alter so stößt. Irgendwie versteht er, dass sich die Realität nicht an die idealistischen Konzepte von Intellektuellen hält, findet dafür Gründe und schlägt Verbesserungen vor. Doch seine Verbesserungen sind wiederum nur idealistische Konzepte. An solchen Konzepten hat es in der Menschheitsgeschichte nie gemangelt, geändert haben sie jedoch in Wirklichkeit nichts. Endlich im letzten Vortrag kommt Soros zu seiner Einschätzung der zukünftigen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in der Welt. Im Gegensatz zur Mehrheitsmeinung glaubt er erstens, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist, und zweitens, dass sie geopolitische Folgen haben wird, an die sich die USA erst noch unter Schmerzen gewöhnen werden müssen. Das bisherige Weltwirtschaftssystem mit den USA als Dreh- und Angelpunkt hält er für stark beschädigt und nicht rettbar. Fazit. Auch dieser Versuch von George Soros, ein bedeutender Philosoph oder Theoretiker zu werden, wird nicht erfolgreich sein. Seine Reflexivitätstheorie ist mit Sicherheit richtig, aber in ihrem jetzigen Stadium nichts weiter als eine allgemeine und deshalb wenig praktikable Arbeitshypothese, die sich so nicht durchsetzen wird. Wirklich lesenswert ist eigentlich nur der letzte Vortrag.

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