George Steiner Gedanken dichten

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Inhaltsangabe zu „Gedanken dichten“ von George Steiner

Denken und Dichten: beide sind sie Kinder der Sprache. Eine sehr lange Zeit hat es gebraucht, bevor sich aus orphischen Gesängen, rhapsodischen Fiktionen und schamanischen Analogien autonomes Denken kristallisierte. Doch so sehr, seit der griechischen Klassik, dieses Denken sich auf Abstraktion zuspitzte – über Jahrtausende blieb es gebunden an das uralte Erbe der Dichtung: an Rhythmus, Phrasierung, Klangfarbe und Intonation, an rhetorische Figuren, Bilder und Symbole.

Eine Sprache der Sinnlichkeit, vibrierend von Bedeutung und innerer Bewegung: das ist die Ausdrucksform der größten Denker von Heraklit über Platon, Descartes und Spinoza, Hegel und Nietzsche hin zu Wittgenstein, Heidegger, Sartre. Umgekehrt drängt es die Dichter immer wieder zum gedanklichen System: Den großen Meistern und Meisterwerken solcher Synthese, der schönen Verschmelzung von Dichtung und Denken gilt Steiners neuer mit poetischem Schwung geschriebene philosophisch-historische Essay.
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  • Rezension zu "Gedanken dichten" von George Steiner

    Gedanken dichten

    WinfriedStanzick

    10. January 2012 um 13:22

    In seinem 2006 ebenfalls bei Suhrkamp erschienen Buch "Warum Denken traurig macht" hatte der in Paris geborene und in Oxford lehrenden Literaturwissenschaftler George Steiner mit einer kühnen kosmischen Perspektive aufgewartet, die zugleich eine metaphysische ist; im Fokus aber stand, aus solcher Perspektive rückbetrachtet, die einzelne menschliche Existenz. Von dieser wurde behauptet, dass ihr eine gewisse, unentrinnbare Traurigkeit anhafte, die wiederum der trübe Grund sei, aus dem Bewusstsein und Erkenntnis Kraft schöpften. Das Kosmische daran ist der Vergleich mit jener Hintergrundstrahlung, wie sie die Radioteloskope der Astronomen als Echo des großen Urknalls empfangen, mit dem das Universum, einer gültigen Theorie zufolge, entstanden sein soll. Mit anderen Worten: Der Ursprung des Alls und die unzerstörbare Melancholie allen Lebens sind nut zwei Seiten derselben Medaille. Das Buch zeugte damals von unabhängigem Denken in bester Tradition und wurde trotz aller Vergeblichkeit nie zynisch oder gar hoffnungslos. Genau diese Geisteshaltung scheint auch in dem hier vorliegenden langen Essay durch, den Suhrkamp unter dem Titel "Gedanken dichten" veröffentlicht hat. In gewisser Weise ist es unter dem Fokus des Zusammenhangs zwischen dem Denken und dem Dichten, eine Art Fortsetzung der im Frühjahr 2011 unter dem Titel „Im Raum der Stille“ bei Suhrkamp veröffentlichten Auswahl von George Steiners brillanten Essays, die er über einen langen Zeitraum immer wieder im "New Yorker" veröffentlicht hat. Lesefrüchte sind das auf hohem Niveau, hier wie dort. Immer wieder geht es Steiner darum, das Geheimnis, das Wunder und auch die Abgründe künstlerischer Schöpfung auszuloten und zu beschreiben. Dabei leitet ihn immer seine Überzeugung: "Ich bin misstrauisch gegenüber Theorien: Die Kunst der Lektüre, das ist die Kunst des Zuhörens und des Staunens. Die Kunst einer konzentrierten und präzisen Hinwendung." In einer Zeit, in der selbst unter gebildeten Menschen diese Fähigkeit immer schneller abzunehmen scheint, ist auch das vorliegende Buch ein Lehrstück unabhängigen Denkens.

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