Georges-Arthur Goldschmidt

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Autor von Die Absonderung, Über die Flüsse und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Georges-Arthur Goldschmidt

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Die Absonderung

Die Absonderung

 (4)
Erschienen am 01.12.1993
Über die Flüsse

Über die Flüsse

 (3)
Erschienen am 01.07.2003
Als Freud das Meer sah

Als Freud das Meer sah

 (2)
Erschienen am 01.02.2005
Ein Wiederkommen

Ein Wiederkommen

 (1)
Erschienen am 08.03.2012
Die Faust im Mund

Die Faust im Mund

 (1)
Erschienen am 11.03.2008
Freud wartet auf das Wort

Freud wartet auf das Wort

 (1)
Erschienen am 01.06.2008
Meistens wohnt der den man sucht nebenan

Meistens wohnt der den man sucht nebenan

 (1)
Erschienen am 05.10.2010
Die Erfahrung der Nacht

Die Erfahrung der Nacht

 (1)
Erschienen am 25.03.1993

Neue Rezensionen zu Georges-Arthur Goldschmidt

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Rezension zu "Ein Wiederkommen" von Georges-Arthur Goldschmidt

Rezension zu "Ein Wiederkommen" von Georges-Arthur Goldschmidt
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

Diese Erzählung von Georges-Arthur Goldschmidt geht unter die Haut. Sie ist so dicht und existentiell, dass einem stellenweise der Atem stockt. Es ist eine Erzählung über die Suche nach den Eigenen und der Frage nach der eigenen Heimat.

Eine schwierige Frage für einen, der mit zehn Jahre als Jude aus Nazideutschland vertrieben wird und dort in einem Internat in den Savoyer Alpen Unterschlupf findet. Es ist ein Internat, wo die körperliche Züchtigung und die seelische Qual der Kinder an der Tagesordnung sind.

Und weil der junge Arthur Kellerlicht, das Alter Ego des Autors, sich seinen eigenen Lebens unwürdig fühlt (warum ist er gerettet und die vielen anderen nicht?), hält er es für vollkommen in Ordnung, dass er immer wieder bestraft wird – auch für das Lesen von Büchern und vor allem für das sexuelle Entdecken des eigenen Körpers.

Der erwachsene Arthur Kellerlicht schreibt diese Geschichte, in der er an den Ort seiner Jugend zurückkehrt. Doch er muss erkennen: „Sein Land war es nicht mehr, es war zu spät.“
Auch die Menschen seiner Familie scheren ihn aus. Er gehört nicht mehr dazu: „Diesen Menschen, die nie voneinander getrennt gewesen waren, konnte er nichts erzählen, sie wussten bestimmt nichts von dem die Brust von innen zerfressenden Heimweh.“

Indem er schreibt, sich alles von der Seele schreibt, erfindet sich der Autor sozusagen selbst, er entwirft sein eigenes Ich, ein Ich, das durch die Bedrohung der Auslöschung jeden Augenblick in Frage gestellt ist.

Ein bewegendes literarisches Zeugnis eines Überlebenden.

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KollegeKraftwagens avatar

Rezension zu "Die Faust im Mund" von Georges-Arthur Goldschmidt

Rezension zu "Die Faust im Mund" von Georges-Arthur Goldschmidt
KollegeKraftwagenvor 10 Jahren

Eigentlich schreibt G.A. Goldschmidt immer wieder das selbe Buch. Immer wieder kehrt er geradezu obsessiv zu seinen ewigen Themen zurück: der Verfolgung durch die Nazis als Kind, dem Überleben im Versteck eines französischen Berginternats, der Entdeckung einer neuen Sprache (französisch) und der Literatur, die ihm eine lebensrettende und identitätsstützende Funktion erfüllt, aber auch der Züchtigung durch seine Lehrerinnen bis ins Erwachsenenalter. In diesem essayistischen Text steht vor allem seine Lesesozialisation im MIttelpunkt: die Entdeckung der französischer Klassiker, später die Wiederentdeckung der deutschen Literatur, die in der ihn erschreckenden "Tätersprache" geschrieben ist, ihm aber über die Jahre mehr und mehr wieder nahe rückt. Das letzte Drittel gehört einem seiner Lieblingsautoren (neben Rousseau, Pascal, K.P. Moritz und Nietzsche): Franz Kafka. Einerseits wirkt diese Auseinandersetzung mit Lieblingsautoren extrem persönlich, keinerlei Distanz scheint zwischen Autor und Text zu bestehen, man glaubt in Goldschmids Kopf seinem Denken beizuwohnen. Andererseits ist der Text hochgradig durchgearbeitet, Gedanke reiht sich an Gedanke - mal in prägnanten aphoristischen Sätzen, die beinahe beiläufig fallen, mal in längeren suchenen Gedankenbewegungen, die meist das große Rätsel des Daseins umkreisen. Dem Mysterium seiner eigenen Existenz, seines Weiterlebens, versucht er sich in endlosen Annäherungsbewegungen zu versichern, als Nebenprodukt entstehen präzise formulierte Gedanken über die sogenannten "letzten Dinge". Das Unsagbare zu sagen ist seine literarische Lebensaufgabe, wie man einmal mehr feststellen muß, die Paradoxien des Lebens intellektuell auszuhalten - zu leben in "Gegenwart des abwesenden Gottes", wie der Titel eines anderen, ähnlichen Essays lautet. Neben seinem ersten Buch "Der Spiegeltag" ist "Die Faust im Mund" das vielleicht vielschichtigste seiner Bücher. Ein glänzender Essay, ein bewundernswertes Lebens- bzw. Lesensfazit.

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Kaivais avatar

Rezension zu "Als Freud das Meer sah" von Georges-Arthur Goldschmidt

Rezension zu "Als Freud das Meer sah" von Georges-Arthur Goldschmidt
Kaivaivor 12 Jahren

"Und wenn der Sinn darin bestünde,in zwei Sprachen zu sein,und wenn die ganze Psychoanalyse darin bestünde,das je andere in der Sprache sichtbar zu machen?Wenn eine Sprache die Analyse der anderen wäre?Das Deutsche analysiert,erhellt das Verborgene im Französischen(und umgekehrt);denn das ist alles auch im Französischen.Eine Sprache ist die Zuflucht der anderen,ihre Sehnsucht nach dem,was sie selbst nicht ausdrücken kann." Sprachanalyse kann sehr trocken sein.Hier,bei Georges-Arthur Goldschmidt,ist sie alles andere als das. "Unermüdlich schwappt Wasser um die Pfosten,es kommt und geht,steigt und fällt,dieses Flüssige,aus dem die Sprache entsteht;See und Sprache sind so eng verwandt,daß im Deutschen sogar die Seele,die bei Freud eine so große Rolle spielt,aus dem Wasser kommt." Sprache ist in ihrem Wesen Wasser und im Gebrauch Boot. "Verleugnen,nicht verneinen: Die Sprache versucht das Geständnis zu umgehen, das Offenkundigste zu verhehlen,das Wesentliche zu verbergen,Freud entdeckt es rasch, und die Sprache selbst,in ihrem alltäglichen Umgang,hilft ihm dabei." Goldschmidt,geboren in Hamburg,mußte als Kind vor den Nazis nach Frankreich fliehen.Er ist Jude,wie Freud und Deutsch-Franzose,wie wohl kaum ein andrer.Freud und Deutsch und Französisch vermischen sich in diesem Buch zu einem deliziösen Gebräu,Seelennahrung für Verstand und Gemüt.Wer etwas über die Macht erfahren möchte,die in Sprachen steckt,dem empfehle ich dies Buch dringendst.Es ist in Deutsch geschrieben und darum sehr konkret. "Das Deutsche ist im Gegensatz zu der untilgbaren Legende,die von der Welle der philosophie allemande in Frankreich noch bestärkt wurde,der Abstraktion nahezu unfähig.Die abstrakten Begriffe des Deutschen sind,wie gesagt,französische Wörter - und finden sich nicht zufällig bei Freud wieder.Alle anderen Begriffe,besonders die philosophischen,sind gar nicht abstrakt."

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