Georges-Arthur Goldschmidt Die Faust im Mund

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Inhaltsangabe zu „Die Faust im Mund“ von Georges-Arthur Goldschmidt

Georges-Arthur Goldschmidt ist eine einzigartige Erscheinung im deutsch-französischen literarischen Grenzverkehr. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland ein Autor von Rang, betrachtet Goldschmidt Probleme und Worte »mal von unten, mal von oben«. Er entführt uns in literarische Abenteuer, mitten hinein in die Grimmschen Märchen, zum Struwwelpeter, von Pascal und La Bruyère bis hin zu Eichendorff und vor allem: zu Franz Kafka. Die Faust im Mund ist ein Sinnieren mit Geist, Körper und Seele über Sehnsucht, Gewalt, lustvolle Bestrafung und Scham und eine Wiederentdeckung der Liebe zur Muttersprache durch die Welt der Literatur.
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  • Rezension zu "Die Faust im Mund" von Georges-Arthur Goldschmidt

    Die Faust im Mund

    KollegeKraftwagen

    22. June 2008 um 02:21

    Eigentlich schreibt G.A. Goldschmidt immer wieder das selbe Buch. Immer wieder kehrt er geradezu obsessiv zu seinen ewigen Themen zurück: der Verfolgung durch die Nazis als Kind, dem Überleben im Versteck eines französischen Berginternats, der Entdeckung einer neuen Sprache (französisch) und der Literatur, die ihm eine lebensrettende und identitätsstützende Funktion erfüllt, aber auch der Züchtigung durch seine Lehrerinnen bis ins Erwachsenenalter. In diesem essayistischen Text steht vor allem seine Lesesozialisation im MIttelpunkt: die Entdeckung der französischer Klassiker, später die Wiederentdeckung der deutschen Literatur, die in der ihn erschreckenden "Tätersprache" geschrieben ist, ihm aber über die Jahre mehr und mehr wieder nahe rückt. Das letzte Drittel gehört einem seiner Lieblingsautoren (neben Rousseau, Pascal, K.P. Moritz und Nietzsche): Franz Kafka. Einerseits wirkt diese Auseinandersetzung mit Lieblingsautoren extrem persönlich, keinerlei Distanz scheint zwischen Autor und Text zu bestehen, man glaubt in Goldschmids Kopf seinem Denken beizuwohnen. Andererseits ist der Text hochgradig durchgearbeitet, Gedanke reiht sich an Gedanke - mal in prägnanten aphoristischen Sätzen, die beinahe beiläufig fallen, mal in längeren suchenen Gedankenbewegungen, die meist das große Rätsel des Daseins umkreisen. Dem Mysterium seiner eigenen Existenz, seines Weiterlebens, versucht er sich in endlosen Annäherungsbewegungen zu versichern, als Nebenprodukt entstehen präzise formulierte Gedanken über die sogenannten "letzten Dinge". Das Unsagbare zu sagen ist seine literarische Lebensaufgabe, wie man einmal mehr feststellen muß, die Paradoxien des Lebens intellektuell auszuhalten - zu leben in "Gegenwart des abwesenden Gottes", wie der Titel eines anderen, ähnlichen Essays lautet. Neben seinem ersten Buch "Der Spiegeltag" ist "Die Faust im Mund" das vielleicht vielschichtigste seiner Bücher. Ein glänzender Essay, ein bewundernswertes Lebens- bzw. Lesensfazit.

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