Der Mann, der den Zügen nachsah

von Georges Simenon 
3,8 Sterne bei76 Bewertungen
Der Mann, der den Zügen nachsah
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Das Porträt eines Gescheiterten

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Nach der Hälfte des Buchs wollte ich dem Protagonisten nicht mehr folgen

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Inhaltsangabe zu "Der Mann, der den Zügen nachsah"

Abends um acht war Kees Popingas Schicksal noch nicht besiegelt, es wäre also noch nicht zu spät gewesen. Kees Popinga hat genug davon, Kees Popinga zu sein. Und nachdem die Firma in Groningen, in der er sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, bankrottgeht und der von ihm bewunderte Firmenchef mit der Kasse verschwindet, gibt es für Kees kein Halten mehr: Einmal richtig leben und lieben, das will er, egal wie hoch der Preis dafür ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257241105
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:22.02.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.01.2002 bei Der Audio Verlag, Dav erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Dajobamas avatar
    Dajobamavor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Das Porträt eines Gescheiterten
    Georges Simenon - Der Mann, der den Zügen nachsah

    "Im Grunde war ich doch nur aus Gewohnheit Prokurist geblieben, nur aus Gewohnheit Ehemann und Vater geblieben, weil irgendjemand,  den ich nicht kenne, bestimmte, dass es so zu sein hatte und nicht anders."

     

    Der holländische Familienvater Kees Popinga, hat sich in seinem wohlhabenden, gutbürgerlichen, aber langweiligen Leben gut eingerichtet und genießt seinen Wohlstand. Unvermittelt verliert er seinen Job bei einer Reederei, an der er auch noch finanziell beteiligt ist. Er ist ruiniert. Von einem Tag auf den anderen verändert sich alles. Das Komische ist, noch während er sich Gedanken darüber macht, wie es nun weitergehen soll, findet er schon Gefallen an dem, was sein neues Leben sein könnte. 

     

    "Vierzig Jahre lang habe ich mich gelangweilt.  Vierzig Jahre lang habe ich das Leben betrachtet wie ein armer kleiner Junge, der mit der Nase am Schaufenster einer Konditorei klebt und den andern zusieht, wie sie Kuchen essen.  Jetzt weiß ich,  dass diejenigen die Kuchen bekommen, die sie sich einfach nehmen."

     

    In seinem alten Leben war er extrem darauf bedacht, den Schein zu wahren, jetzt stürzt er sich Hals über Kopf in seine persönliche Identitätssuche. Plötzlich in der Midlife Crisis angekommen verliert er völlig den Halt. Kaum aus den Fängen von Mutti, wie er seine Frau nennt, entkommen, tötet er versehentlich eine Prostituierte und befindet sich fortan auf der Flucht. Penibel verfolgt er, was die französischen Zeitungen über ihn schreiben und ist zutiefst betroffen darüber, dass ihn offensichtlich keiner versteht.

     

    Tolle Kapitelüberschriften, die bereits Hinweise enthalten, aber nicht zu viel verraten. Die Sprache ist einfach, aber sehr gut und mit überraschenden Wendungen erzählt.  Eigentlich in der dritten Person geschrieben, aber zum Schluss erklärt Popinga in einigen Briefen an die Zeitungen seine Hintergründe und Beweggründe aus seiner Sicht. Man möchte sich an den Kopf fassen oder lieber lachen angesichts dieser Unbeholfenheit und Verkennung der eigenen Situation, die unvermeidlich in der Katastrophe endet. 

    Für mich teilweise etwas langatmig aber durchaus interessant. Mehr das Porträt eines Gescheiterten, eine psychologische Analyse, als ein spannender Krimi.

     

    Der Belgier Georges Simenon war mit über 400 Büchern einer der produktivsten Autoren im zwanzigsten Jahrhundert.

     

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    juergen_schmidts avatar
    juergen_schmidtvor 3 Jahren
    Simenon unterschätzt

    Die Geschichte um den Groninger Kees Popinga ist höchst unterhaltsam und zeichnet ein genaues, teilweise erschütterndes Bild vom Paris der Dreißiger Jahre. Trotzdem geht der Geschichte ein gewisser Frohsinn nicht verloren, vor allem wenn der "Lustmörder" Popinga die Pariser Redakteure in humorvollen Schilderungen auf ihre Fehler hinweist. Ihm ist wichtig, dass das, was über ihn geschrieben wird, auch stimmt! Selbst wenn es wenig schmeichelhaft für ihn ist. Ein Beispiel: "Meine Frau sagte Ihrer Zeitung, ich sei immer ein fürsorgender Vater gewesen. Sie beschönigt die gemeinsamen Zeiten. Das stimmt so gar nicht ..."

    Simenon habe ich bislang nicht gelesen, weil ich ihn nur mit Maigret in Verbindung brachte und ich ohnehin keine Krimiserien mag. Außerdem muss er einige Hundert Bücher geschrieben haben, was normalerweise heißt, dass relativ oberflächlich gearbeitet wird. Logisch, denn der nächste Roman wartet bereits. Ich habe Simenon offensichtlich unterschätzt ... Auf jeden Fall aber bei diesem Buch. Eine klasse Leistung, keine Frage!

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    Duffys avatar
    Duffyvor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

    Kees Popinga hat sein ganzes Leben lang für eine Firma gearbeitet. Und die geht nun in einen betrügerischen Bakrott und Popinga erfährt davon aus erster Hand. Er stellt fest, dass er nicht richtig gelebt hat - seine Familie ist ihm nicht so sehr an Herz gewachsen, wie sie sollte, sein Haus stellt sich als eine leere Hülle dar, all' die kleinen Angewohnheiten, die er in seiner Heimat Groningen pflegte, scheinen ihm nun sinnlos zu sein. Er beschließt, auszubrechen und geht dabei sogar über Leichen ...
    Simenons Psychogramm eines Aussteigers ist so klar und prägnant ausgearbeitet, dass man fast den Eindruck bekommt, er hätte diese Leute ein Leben lang studiert. Seine Hauptfigur geht durch Metamorphosen, um dann am Schluss doch zu scheitern, allerdings empfindet er dieses Scheitern nicht als Niederlage, sondern hat seine Persönlichkeit keinem Idealbild angenähert, sondern scheint in einem individuellen Vakuum zu schweben.
    Die Non-Maigrets haben erst Simenons ganze Fähigkeit gezeigt, mit seiner Sprache ein genaues Bild seiner Geschichten zu zeichnen. Gestochen scharf und mit einer Wucht entführt er uns in die Leben seiner Protagonisten. Wieder eine Sozialstudie mit bestechender Handlungsführung.

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    Z
    zbaubfvor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

    großartig und beeindruckend. Dabei muß man bedenken, dass Maupassant diesen Roman 1938 im Alter von 35 Jahren geschrieben hat

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    rkuehnes avatar
    rkuehnevor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

    Liest man von Simenon nur die zahlreichen Maigret-Romane, ist man zwar mitunter gut unterhalten, würde Simenon aber doch eher zur Gattung der Profanautoren zählen. Dass er weit mehr kann, als nur mit den Krimis des kauzigen Kommissars zu unterhalten, zeigt er in seinen ebenfalls zahlreichen Nicht-Maigrets.

    In „Der Mann, der den Zügen nachsah“ zeigt der altehrwürdige Belgier mal wieder, wozu er wirklich in der Lage ist. In der Geschichte von Kees Popinga, dessen gesamte Existenz sich mit einem Schlag in Luft auf lösen soll, wird Simenon nahezu philosophisch, tiefgründig und ergreifend. Popinga erfährt von seinem Chef, dass die Firma mit der er den Lebensunterhalt der Familie verdient, von einem Tag auf den nächsten nicht mehr existiert und beschließt, aus allem auszubrechen. Er lässt alle Regeln, die er bisher brav befolgt hat, hinter sich, wird zum Verbrecher, zum Gejagten, zu einem einsamen, aber auch freien Mann und schließlich zu einem Gefangenen, findet aber dennoch so zu sich und seiner inneren Ruhe.

    Wer nichts hat, ist glücklich, denn er kann nichts verlieren. Diese Hauptbotschaft verpackt Simenon in einem bedrückenden Roman, der einengt, der nachdenklich macht und der alles ist, aber nicht profan.

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    Jetztkochtsies avatar
    Jetztkochtsievor 10 Jahren
    Rezension zu "Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

    Endlich wieder ein lesbares Buch der SZ-Reihe.
    Interessant, gefühlvoll und nachvollziehbar, wird der Weg in den Wahnsinn von Kees Popinga geschildert. Von einem der Auszog, die Freiheit zu genießen und selbige dann ganz aufgab....verrückt, aber menschlich.
    Es gibt sicher bessere Bücher zum Thema plötzlicher Freiraum und wie man damit umgeht, aber dieses hier ist auf jeden Fall eins der lesenswerten!

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    Eltragalibross avatar
    Eltragalibrosvor 10 Jahren
    Rezension zu "Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

    Ein beeindruckendes Buch!

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    varietys avatar
    varietyvor 11 Jahren
    Rezension zu "Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

    Ein Krimi? Nicht unbedingt. Selbstmitleidiger Roman eines Menschen in der Krise? Auch nicht. Was dann? Am ehesten eine spannende Geschichte eines Mannes, dem der Boden unter den Füssen zu entgleiten droht und der aussergewöhnlich darauf reagiert. Natürlich enthält das Buch Elemente eines guten Krimis (z. B. das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Kees Popinga, der Hauptfigur, und der Polizei in der Figur des Kommissars Lucas), aber da man als Leser/in den Ermittlern immer einen Schritt voraus ist, interessiert schon bald nicht mehr der eigentliche "Fall" für die Polizei, sondern das Schicksal des Mannes, «der den Zügen nachsah». Allerdings sind die Züge vor allem am Anfang zentral, später dreht es sich mehr um Paris mit all seinen Facetten. Simenon nimmt einem da mit auf eine Reise durch die diversen Quartiere und selbstverständlich kommt einem die Hauptfigur dadurch auch näher. Zwei Gründe, warum dieses Buch nicht die Maximalbewertung erhält: Trotz allem bleibt Kees irgendwie unantastbar bzw. unfassbar für mich und leider werden einige der eingeflochtenen Episoden nur angetippt und nicht weiter verfolgt (z. B. das Mädchen im blauen Satinkleid). Das hätte sogar eine eigene Erzählung ergeben. Schade.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 11 Jahren
    Rezension zu "Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

    Ein wirklich spannendes Buch, konsequent aus der Sicht eines Mannes geschrieben, dessen Leben aus den Fugen gerät. Es ist kein reiner Krimi sondern vielmehr ein psychologischer Roman. Ich habe ihn mit viel Genuss gelesen.

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    Inge9000s avatar
    Inge9000vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Nach der Hälfte des Buchs wollte ich dem Protagonisten nicht mehr folgen
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