Die Schwarze von Panama

von Georges Simenon 
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Die Schwarze von Panama
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J

Grandios.

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Inhaltsangabe zu "Die Schwarze von Panama"

Joseph Dupuche und seine Frau Germaine reisen nach Südamerika, wo Joseph für eine französische Firma arbeiten soll. Frisch verheiratet und voller Vorfreude auf Exotik und Abenteuer schmieden sie Zukunftspläne. Umso brutaler ist der Einbruch der Realität. In Panama stellt sich heraus, dass die Firma in Konkurs gegangen ist. Ohne Geld und Arbeit stehen sie vor dem Nichts. Der Überlebenskampf treibt das Ehepaar auseinander und zeigt, wie brüchig ihre Beziehung ist. Während Germaine mit allen Mitteln versucht, den gesellschaftlichen Abstieg zu verhindern, fängt Joseph an zu trinken und zieht, zur Bestürzung der französischen Gemeinschaft, mit der jungen Schwarzen Véronique auf die andere Seite des Kanals, ins sogenannte Quartier nègre.

Wenn sich das exotische Paradies als Hölle entpuppt. Eine Reise in das finstere Innere des Menschseins.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455004458
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum:04.10.2018

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    jamal_tuschickvor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Grandios.
    Die Ächtung

    „Dann sind Sie also dazu verdammt hierzubleiben, einfach weil Sie kein Geld haben?“ – In dem Roman „Die Schwarze von Panama“ schildert George Simenon einen Abstieg, der sich auch als Ausstieg begreifen lässt.
    Der Roman erschien zum ersten Mal 1935 unter dem Titel „Quartier nègre“. Der Kern des Geschehens dreht sich um die Deklassierung eines französischen Ehepaars, dass in Panama sozialen Schiffbruch erleidet. Während Germaine Dupuche als Kassiererin in der weißen Sphäre eines Hauptstadthotels unterkommt und so den bürgerlichen Schein wahren kann, landet ihr Gatte jenseits der Armutsgrenze auf der schwarzen Seite des Kanals im Ghetto von Cólon. Es geht zu wie in Heiner Müllers Erinnerung an eine Revolution: „Unsere Firma steht nicht mehr im Handelsregister. Sie ist bankrott.“ Es gibt keinen Auftrag mehr. Der Auftrag des mit dem Ansehen und den Aussichten eines Direktors angereisten Ingenieurs geht gemeinsam mit dem Ansehen in der Konkursmasse einer Konzernpleite verloren. Joseph Dupuche verdingt sich als Hafenarbeiter und verkommt auf einer Strecke vom weißen Ich zum schwarzen Wir.
    Simenons rasiermesserscharfe Darstellung des Niedergangs einer bürgerlichen Person, die den Halt ihrer Klasse verliert und im Absinthrausch aus ihrem Herkunftskorsett schlüpft, liefert Dupuches Lustgewinne an der Hintertür ab. Eine aus dem Fundus des Erotomanen Simenon gefischte Veronique erscheint im Gauguin Stil als Antagonistin der erstarrten, vom Vater an den Gatten weitergereichten Germaine. Die Legitime flüchtet in die Bigotterie. Sie verurteilt Joseph im Verein mit der französischen Gemeinde vor Ort.
    Simenon schildert die Ächtung des Ingenieurs vorderhand als Desaster und hinterhältig als Aussteigermärchen, in dem berufliches Scheitern zu privatem Glück dann doch nicht führen darf. Der Autor vollführt seine Kunststücke auf narrativen Schwebebalken. Er schafft eine Kassiberkunst – Vixierbilder.
    Der Abstieg beginnt mit dem Abstieg des hochtrabenden, lediglich seiner vorübergehend fast erschöpften Mittel wegen besorgten Ehepaars im Hôtel de la Cathédrale. Es besteht ein Mangel an Flüssigkeit, der in der Alten Welt längst behoben wäre. Der Hotelbesitzer François Colombani, genannt Tsé-Tsé, erkennt die Zeichen und macht Germaine ein unmoralisches Angebot. Die Not liegt in seinem Ermessen. Er trennt das Paar. Die Beiläufigkeit und das schlichte Dekor des omnipotenten Aktes beweist einmal mehr Simenons psychologisches Genie und seine aus dem Gelenk geschüttelte, keiner zweiten Durchsicht bedürftigen erzählerischen Raffinesse. Was wie Hilfsbereitschaft aussieht, ist ein Übergriff. Tsé-Tsé und seine korsische Entourage isolieren den Gestrandeten. Sie zeigen ihm das Revier ihrer Entfaltung als Schauplatz einer geschlossenen Gesellschaft. Sie lassen ihn auflaufen und wie einen Idioten aussehen.
    „Allmählich wurde Dupuche alles klar. Diese Leute gehörten einer anderen Welt an … Man gab sich zwar den Anschein, ihm helfen zu wollen, aber in Wirklichkeit tat man alles, um ihn los zu werden.“
    In der Anordnung steckt auch ein Verrat Germaines an ihrem Mann. Zur Abhängigkeit erzogen, wendet sie sich automatisch dem Licht der Macht zu und übergibt sich dem Nächstbesten. Ihre Unmündigkeit wird vorausgesetzt, jemand muss die Verantwortung übernehmen. Auf der schlichten Mechanik liegt ein Schleier wie zur Verbergung der Pudenda. Dass Tsé-Tsé eine Fremde an die Kasse lässt, verdient Beachtung. Simenon hätte Germaine zum Mündel von Tsé-Tsés Frau machen können, doch verzichtet er nicht auf die Verbindung von Geschlecht und Geld. Dass, was dem Ehepaar Dupuche zur Konsistenz fehlte, nämlich das Geld, um bürgerlich zu bleiben, fließt nun ständig durch Germaines Hände. Zum begeisterten Publikum ihrer Performance gehört Tsé-Tsés.
    Tsé-Tsé setzt Germaine an die Kasse und Joseph auf die Straße. Der Ingenieur tröstet sich mit Veronique, die in der kolonialen Logik als Entrechtete nur berechnend auf ihre Kosten kommt. Sie erscheint dem versprengten Franzosen als Naturkind.

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