Striptease

von Georges Simenon 
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Striptease
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Großartig.

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Inhaltsangabe zu "Striptease"

Célita, Stripteasetänzerin in Cannes, hat ihren Beruf satt. Um dieses Leben hinter sich zu lassen, will sie ihren Chef dazu bringen, sie zu heiraten, obwohl der bereits vergeben ist. Léon liegt ihr zu Füßen, und sie scheint fast am Ziel, als plötzlich die junge Tänzerin Maud auftaucht. Mit ihrer vermeintlichen Naivität und Hilflosigkeit stielt die Neue allen die Show und erobert den Chef im Sturm. Er hat nur noch Augen für Maud, und Célita muss zusehen, wie ihr der perfekte Lebensplan aus den Händen gleitet.

Ein Cabaret in Cannes, ein Mann, der sich zwischen zwei Frauen entscheiden muss. Eine entblößende Studie darüber, wie weit Gefühle einen Menschen treiben können.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455004472
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum:04.10.2018

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    jamal_tuschickvor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Großartig.
    Das flämische Gold

    Das Villenviertel von Cannes heißt La Californie. Da trifft man 1957 Georges Simenon. Ein Spalier aus Korkeichen säumt den Kieselpfad zu seiner Villa an der Französischen Riviera. Aus kleinsten Verhältnissen ist der Dreiundfünfzigjährige soweit aufgestiegen. Der Ruhm und das Geld verdanken sich panischem Fleiß und tagelangen Schreibexzessen. Dreihundert Titel, vierzig Romane wurde verfilmt, manche mehrmals - dem Furor zum Trotz ist die Prosa schnörkellos und die Psychologie schonungslos einfach. Simenon kennt kein Erbarmen bei der Schilderung seiner Mutter, die mit Rückenschmerzen zwischen zwei Jobs und dem Haushalt hin und her hetzte, getrieben von Armut. Der Sohn schmeichelt ihr mit Wahrhaftigkeit. Eine Kindheit im Dreck von Lüttich befähigt ihn, seine Arbeit mit dem flämischen Gold in den Bildern der Alten Meister so dosiert anzureichern, dass der Glanz subkutan wirkt. Das ist eines von Simenons Geheimnissen. Genauso unterschwellig teilt er die Ergebnisse seiner Untersuchungen der sozialen Muskulatur des Personals mit. Es gibt in den Romanen doppelte Böden, versteckte Zugänge, Texte zwischen Zeilen, die wie mit Geheimtinte geschrieben sind und sich unter der vorgehaltenen Flamme gebannter Aufmerksamkeit offenbaren. Die Leser reisen wie blinde Passagiere an Bord der Textsonden zum Saturn des kollektiven Unbewussten.
    Die Kunst kommt aus der Angst, ins Elend zurückzufallen. Das ist ihr erstes Agens. Das zweite Agens seiner Produktivität verleitet Simenon wiederholt zu Schilderungen verfügbarer Frauen aus kleinen Verhältnissen.
    „Sie zogen an … (Madame Florence) vorbei wie Klosterschülerinnen an der Mutter Oberin und sie hatten auch die gleichen Ängste.“
    Für mich gleicht die Simenon Lektüre ein Ritt zurück in die Kindheit. Die Leute verloren sich in Romanen und krochen seelisch immer noch aus den Trümmern des II. Weltkriegs. Beim Wiederlesen erstaunt mich, wie haltbar die Prosa ist. Sie erreicht die Konsistenz von Truman Capotes Meisterwerken. Die Textfestigkeit kommt daher, dass Simenon seine Form in sich vorfand. Er experimentierte nicht mit Modernitätsfloskeln. In jedem Thema erspürte er den überzeitlichen Kern. Trotzdem schrammt er am Kitsch manchmal nicht nur vorbei. Stets stopft sich einer sorgfältig die Pfeife. Simenons Frauenbild bleibt weit hinter dem zurück, wozu der Schriftsteller psychologisch in der Lage war. Er litt unter einer Zofensucht. Es war nicht die Madame, die ihn reizte, sondern „die Kleine“, die in dem Aufsteiger einen Herrn zu sehen vermochte und nicht nur den Parvenu, der sich in einen Platz in der reisenden Klasse erschrieben hatte. (Mobilität buchstabierte zu Simenons Lebzeiten das Alphabet des Reichseins.)
    Unbedarfte Kleinstadtschönheiten und angeschlagene Dienstmädchen erscheinen an allen Ecken und Enden. Exemplarisch ist die Striptease-Schönheit Marie-Lou. Der Roman „Striptease“ entsteht im Juni 1957 in der üblichen Eile; das ehemalige (das geborene) Dienstmädchen mit der „schwarzen Warze unter der linken Brust“ verläuft sich in der Halbwelt. Simenon fasst Marie-Lou in der Manier und Manie eines Toulouse-Lautrec auf. Sie ist „von freimütiger Sinnlichkeit“. Morgens um vier hakt sie sich emphatisch bei einem Freier unter, während das Meer vor Cannes aufrauscht und „die Fischer ihre Bootsmotoren anwerfen“. Ein dubioses Paar passiert Bäuerinnen, die mit Körben und Kisten dem Marktplatz entgegenstreben.
    Gemeinsam mit ihrer WG-Genossin Célita arbeitet Marie-Lou im „Monico“. In dem Nachtclub genießt Célita als ausgebildete Tänzerin eine Sonderstellung. Ihre Exklusivität untermauert sie mit einem berühmten Vater, der allerdings erst nach dem Verhältnis mit ihrer Mutter zum Star wurde, und mit dem Verhältnis, das den (mit „Madame“ Florence verheirateten) Clubchef Léon so lange an sie bindet, bis Maud Leroy die Bühne des „Monico“ betritt. Genial verkörpert sie das Genre der sündigen Unschuld. Nach dem Einmaleins der Nacht ist Maud halb so alt wie Célita. Die Arrivierte zieht in den Kampf, schon mit der Ahnung, zum ersten Mal auf verlorenem Posten zu stehen.
    Simenon verschanzt sich hinter Léon. Ihn lässt er seine Obsessionen ausbaden. Der Schriftsteller macht einen Bettler aus dem Luden. Der Chef verliert das Gewicht eines dicken Katers, der mit seinen Mäusen/Miezen/Mädchen spielt. Léon erlebt das Glück und die Verzweiflung der sexuellen Hörigkeit. Er maskiert seine Unterwerfung mit omnipotentem Gehabe, doch ist er für sein Metier verloren.
    Auch seine Frau leidet.
    „Sie wurde bald vierzig Jahre alt und manchmal war sie des Kämpfens müde.“
    Schließlich fällt Florence aus, aber Célita rückt nicht automatisch auf. Maud steht ihr im Weg. 

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