Georgi Gospodinov Physik der Schwermut

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Inhaltsangabe zu „Physik der Schwermut“ von Georgi Gospodinov

»Eine literarische Wundertüte.« CiceroDer Erzähler von Georgi Gospodinovs Roman leidet an übergroßer Empathie: Er kann und muss sich in alles und jeden einfühlen und erlebt dann, was diese anderen erleben – ob das nun sein Großvater am Beginn des 20. Jahrhunderts ist, der in ein Labyrinth weggesperrte Minotauros oder eine Schnecke, die gerade verschluckt wird. Aber auch, dass die Zeit unwiederbringlich vergeht, macht ihm zu schaffen – so birgt er Absurdes und Alltägliches von der Antike bis zur Apokalypse und wappnet sich damit gegen das Vergessen: Die Vergegenwärtigung altgriechischer Mythen ist ebenso denkwürdig wie seine Erinnerung an vierzig Jahre bulgarischen Kommunismus.

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    Physik der Schwermut
    Phliege

    Phliege

    Ein Erzähler der mehrfach geboren wird und mehrfach stirbt. Gleichzeitig Nacktschnecke ist und derjenige, der sie isst. In die Vergangenheit von Großvater und Vater schlüpft, nicht nur als Zeitreise sondern als Ausdruck der Empathie. Georgi Gospodinov öffnet in seinem Werk ein kleines Stück den "Himmel der Erinnerung", in den er beständig schaut. Die Vergangenheit ist das zentrale Thema und der Versuch die Zeit festzuhalten, in ihrer ganzen Vielfalt. Das Buch besteht damit aus vielen kleine Geschichten einzelner Personen, die der Erzähler übernimmt, aus Erinnerungen an Orte, Namen und Momente, aus Aufzeichnungen vieler kleiner Notizbücher und genauso liest es sich auch. Eine stringente Handlung gibt es nicht. Sie wird auch nicht gebraucht. Gospodinov schlägt eine Sprachmelodie des Erinnerns und Betrachtens an, die mich mitschwingen ließ, wie die Gedanken der eigenen Seele in einem Buch entblättert. "Die Schwermut hat wie Gase und Dämpfe kein eigenes Volumen und keine eigene Form, sondern nimmt die Form und das Volumen des Gefäßes oder Raumes ein, den sie erfüllt." Im Kapitel "Teilchenphysik der Trauer" beweist der Autor schlichtweg seine Vielseitigkeit. Physik, Literatur und Philosophie und ein wenig Mathematik am Rande führt der Autor zu einem abschließenden Kaptiel sinnreicher Betrachtungen zusammen, ohne sich dabei in hochtrabenden und verkopften Gedanken zu ergehen. Stattdessen einfach, nachvollziehbar und erkenntnisreich. Und über allem zusammengefasst steht der Mythos des Minotauren. Nicht als Ungeheuer, sondern als der Mythos des verlassenen Kindes. So neu betrachtet, wie ich es noch nie gelesen habe. "Physik der Schwermut" hat mich bezaubert, angeregt und berührt wie lange kein Buch mehr.

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  • Ein Labyrinth

    Physik der Schwermut
    Saphire

    Saphire

    13. December 2014 um 10:28

    Ein Labyrinth. "Und Theseus war so gefangen vom Faden der Geschichte, dass er nicht einmal begriff, wovon die Rede war." Ein roter Faden? Einen Anfang? Ein Ende? All das existiert in diesem Buch nur insoweit man als Leser selbst bereit ist die Initiative zu ergreifen und sich ein Weg durch dieses Labyrinth aus Worten zu suchen. Egal wie. Ob von vorn nach hinten, ob an Hand der Überschriften oder mit Hilfe des Zufalls. Dieses Buch spielt nicht nach den Regeln der Logik oder der eines normalen Handlungsstrangs. Es geht um Erinnerungen, Geschichten, um essayhafte Beschreibungen und Hinterfragungen von dem eigenen Selbst, der eigenen Erinnerung und den Gesellschaften durch die man taumelt. Immer wieder nach Orientierung suchend, weiß man häufig selbst nicht ganz genau über wen man da liest. Den Autor, einen Hauptcharakter (falls er überhaupt existiert), Theseus, den Vater, den Großvater oder einen Fremden.  Wege kreuzen sich, Wege verlieren sich, Wege lassen manchmal sogar das Gefühl aufkommen, man würde den roten Faden des Buches noch in der Hand halten. Wer nach spannender Handlung sucht, nach einem Buch das nicht viel Arbeit macht, etwas das einen führt,  ist mit diesem Buch falsch beraten. Wer etwas neuartiges sucht, eine Leseerlebnis bei dem der Leser selbst für sein Schicksal verantwortlich ist und dafür auch das Risiko eingehen muss manchmal den falschen Weg durchs Buch genommen zu haben, wer seine Rolle als Leser hinterfragen möchte (sind wir nun das Opfer, sind wir der Täter oder sind wir die helfende Hand des Autors?), dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Auch auf die Gefahr hin, dass man keinen Ausgang gefunden hat und nicht einmal weiß wovon die Rede war. Ein Labyrinth eben.

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