Als sich das Wasser nach dem zweiten Jahrhunderthochwasser der letzten zwanzig Jahre zurückgezogen hat, hat es nicht nur eine Spur der Verwüstung durch zahlreiche oberösterreichische Dörfer, darunter Gusen-Dorf gezogen, sondern auch drei unvollständige Skelette, zwei alte männliche und ein jüngeres weibliches angespült.
Während manche Dorfbewohner und Archäologen von Bronzezeit und Kelten träumen, ist recht bald klar, dass die männlichen Knochen auf Grund ihrer Beschaffenheit zu jenen KZ-Häftlingen gehören müssen, die knapp vor Kriegsende aus dem KZ Gusen geflohen sind und sich in einem Brunnen versteckt haben müssen, als man Jagd auf sie gemacht hat.
Noch während das Team der Linzer Kriminalpolizei also Lukas Klaus, Andrea Ziegler und der aus der, zum Leidwesen der Kollegen, aus der Reichenthaler Verbannung zurückgekehrte Kurt Kowalski, versuchen die Identität des weiblichen Skeletts herauszufinden, wird eine weitere Tote gefunden. Die ist allerdings erst vor kurzem getötet worden.
Vier Tote, die augenscheinlich nichts miteinander zu tun haben, oder ist alles doch ganz anders?
Als man nach mühsamer Kleinarbeit einen Verdächtigen ausfindig gemacht hat, macht Kowalski mit seinem Drang, den Fall alleine lösen zu wollen, um allen zu zeigen, welch toller Ermittler er doch ist, alles zunichte. Vor allem seinen weiteren Verbleib bei der Polizei ....
Meine Meinung:
Wie schon im ersten Krimi dieser Reihe (Mordsgrenzverkehr im Böhmerwald), bekommt es die Truppe um Chefinspektor Schmaranzer, der letztlich aus dem wohlverdienten Urlaub anreist, um den - wie man ihn allgemein nennt - „Fettnapfspringer“ Kurt Kowalski aus der direkten Schusslinie zu holen, es mit lange zurückliegenden Kränkungen und damit verbundenen Verbrechen zu tun.
Auch ein historisches Ereignis flicht Autor Gerald Walkobinger wieder sehr geschickt ein: Das, als von der SS zynisch als „Mühlviertler Hasenjagd“ bezeichnete Endphasenverbrechen, das Massaker an jenen 500 vornehmlich sowjetischen KZ-Häftlingen, die am 2. Februar 1945 aus dem KZ Gusen, einem Nebenlager von Mauthausen, fliehen konnten. Von diesen 500 Menschen haben nur 11 überlebt, die anderen wurden in einer beispiellosen, dreiwöchigen Hatz von der SS, der Gendarmerie, Feuerwehr, Wehrmacht, Volkssturm und Zivilisten gejagt und ermordet. Die elf Überlebenden wurden unter Gefährdung des eigenen Lebens auf verschiedenen Bauernhöfen versteckt, mitunter so, wie es hier im Krimi geschildert wird. Das Kapitel dieser Mühlviertler Menschenhatz, wie die Ermordung der ausgebrochenen Zwangsarbeiter besser bezeichnet wird, ist ebenso wie das Kapitel KZ Gusen noch nicht restlos aufgearbeitet. Die Zeitzeugen sind leider entweder bereits verstorben oder hochbetagt.
Der Krimi erzählt von der mühseligen Kleinarbeit der Kriminalpolizei, von der Kriminaltechnik, von Tatverdächtigen und Zeugen, denen ihre Aussagen durch Fakten entweder widerlegt oder untermauert werden muss. Der Ermittler der traurigen Gestalt ist wieder einmal Kurt Kowalski, der glaubt, es allen beweisen zu müssen, dass er, er allein der beste aller Ermittler ist und diesen komplexen Fall alleine lösen kann. Man könnte fast Mitleid mit ihm haben.
Autor Gerald Walkobinger lässt seine Protagonisten wieder im Dialekt schwadronieren und fluchen. Das ist nicht für alle Leser leicht verständlich. Ich denke, dass haben der Autor und der Federfrei-Verlag bewusst in Kauf genommen, zumal es kein Glossar gibt. Vermutlich werden vielleicht nicht alle Leser mit dem Dialekt zurechtkommen.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser gelungenen Fortsetzung wieder 5 Sterne.





