Winter in Maine

von Gerard Donovan 
4,1 Sterne bei272 Bewertungen
Winter in Maine
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (206):
AnnBees avatar

Ein sehr besonderes Buch, das mich tief berührt hat.

Kritisch (18):
Wollys avatar

Ein nichtsagendes Buch für mich, das mir nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Schade.

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Inhaltsangabe zu "Winter in Maine"

Klein, aber fein …
Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen.
Julius Winsome lebt zurückgezogen in einer Jagdhütte in den Wäldern von Maine. Der Winter steht vor der Tür, er ist allein, aber er hat die über dreitausend Bücher seines Vaters zur Gesellschaft und vor allem seinen Hund Hobbes, einen treuen und verspielten Pitbull terrier. Eines Nachmittags wird sein Hund aus nächster Nähe erschossen, offenbar mit Absicht. Der Verlust trifft Julius mit ungeahnter Wucht. Er denkt an all die anderen Verluste in seinem Leben. Und er fasst einen erschreckenden Entschluss…

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442747597
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:11.08.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 18.09.2011 bei steinbach sprechende bücher erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Leserzeichens avatar
    Leserzeichenvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Interesant für Leser, die etwas außerhalb der Reihe suchen.
    Ein eigenwilliges Buch.

    Einsamkeit, das karge Leben in den Wäldern von Maine und ein Mann, der gezwungen wird, die selbstgewählte Zurückgezogenheit aufzugeben, sind die Hauptzutaten für dieses eigenwillige Buch mit seiner seltsam ruhigen, fast meditativen Grundstimmung.

    Julius Winsome lebt zurückgezogen in einer Hütte in den Wäldern von Maine. Er hat dort immer gelebt, früher zusammen mit Großvater und Vater, später nur mit dem Vater und nach dessen Tod schließlich allein. Besonders die Winter sind lang und einsam, und Julius verbringt die Tage lesend am Kaminfeuer. Allein mit Hund und tasuenden von Büchern, die ihm sein Vater hinterlassen hat und die aus Julius einen hochgebildeten Menschen machten. Eines Tages wird sein Hund erschossen, der Verdacht fällt auf einen der vielen Jäger, deren Schüsse Julius in den umliegenden Wäldern tagein, tagaus hört. Was folgt, ist ein blutiger Rachefeldzug.

    Ein eigentümliches Buch, das der irische Autor Gerard Donovan da geschrieben hat. Ein Roman, der mich zwiespältig zurückgelassen hat. Beim Lesen der ersten Hälfte war ich überzeugt davon, eines der besten Bücher in Händen zu halten, das ich je gelesen habe. Weil es so eigen ist: in der Sprache, der Melodie, nicht zuletzt durch die Geschichte, die erzählt wird. Und dabei - und das ist die bemerkenswerte Syntheseleistung, die Donovan vollbracht hat - von einer philosophischen Tiefe, die ich nicht erwartet hatte und die mich an einigen Stellen nachdenklich, fast ehrfürchtig hat nicken lassen. Wenn jemand wie der Hauptprotagonist, dessen Leben stets geprägt war von Einsamkeit, dem Alleinsein mit all seiner zermürbenden Kraft, über das Wie und Warum zwischenmenschlichen Verhaltens, ja des Lebens an sich, nachdenkt in einer Klarheit und Konsequenz, die man ihm niemals zugetraut hätte, dann sind das für mich die großen Momente dieses Buches. Natürlich neben der, aus heiterem Himmel und in klinischer Distanziertheit beschriebenen, ersten Tötung. Das war im wahrsten Sinne des Wortes packend.

    Allerdings geht dem Autor für meine Begriffe in der zweiten Hälfte zu sehr die Luft aus, als dass ich in diesem Buch ein wirklich großartiges sehen könnte. Das ist schade, aber bei allem Dank für die bewegenden Momente, die sich beim Lesen des ersten Teils eingestellt haben, kann ich nicht darüber hinwegsehen, dass der Roman schließlich zu sehr schleppt in den redundanten Beschreibungen, wie sich Julius Tee kocht, das Kaminfeuer entfacht oder in der Kälte des Winters friert.

    Ein weiteres Manko sehe ich darin, dass die Motivation des Protagonisten für mich nicht glaubwürdig genug herausgearbeitet wurde. Kann der gewaltsame Tod eines Hundes solche Auswirkungen haben, die man aufgrund des kalkuliert wirkenden Verhaltens nicht einmal als Kurzschlusshandlung bezeichnen könnte? Vielleicht, möchte ich glauben. Wahrscheinlich sogar, vor allem, wenn man bedenkt, dass Julius in den Tiefen seiner Seele viele Verletzungen mit sich trägt: die Mutter, die bei seiner Geburt gestorben ist, der als distanziert beschriebene Vater, das Leben in der Einöde ohne Freunde. Aber hier hätte Donovan gut daran getan, uns den Menschen Julius Winsome etwas näher zu bringen.

    Dennoch, ein durchaus gutes Buch, das vor allem durch seinen eigentümlichen Charakter heraussticht, und das sehr starke Momente hat. Aber leider nach meinem Geschmack dann zu sehr abflacht.

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    MinaRicos avatar
    MinaRicovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Spannend und berührend!
    Pflichtlektüre!

    Julis trifft einen folgenschweren Entschluss.
    Er begräbt seinen Hund und hängt in der Stadt Plakate auf, erhofft sich dadurch Hinweise, wer Hobbes erschossen hat. Seine Plakate werden mit Parolen beschmiert und verspottet, was Julius zunehmend wütender macht.
    Er ist gebrochen, flüchtet sich in seine Bücher, in die Werke Shakespeares, nutzt dessen Wortkreationen, die ihm fortan täglich bei der Suche nach Hobbes Mörder begleitet.
    Wer hat seinen Hund erschossen? Hat Claire etwas damit zu tun, die ihm erst zu einem Hund geraten hat?
    Die unerbittliche Suche eines Mannes nach dem Mörder seinen geliebten Hundes. Er geht wortwörtlich über Leichen.

    Die Sprache ist klar, ohne Schnörkel, abgesehen von der shakespeareschen Wortschöpfungen.
    Es ist ein klassisches Werk über Verlustängste, die jedem von uns innewohnen. Das Buch hat für ein paar kurzweilige, aber schöne Stunden gesorgt. Man überlegt sich die ganze Zeit, was man an seiner Stelle getan hätte. Man leidet mit ihm und kann seine Taten sehr gut nachvollziehen.
    Was Claire betrifft, so war ich mir bis zum Schluss nicht sicher, ob sie mir nun sympathisch ist oder nicht. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig, solange einem der Hauptprotagonist sympathisch erscheint.
    Darüber hinaus hat Donovan den Winter in den Wäldern Maines sehr schön beschrieben. Man fühlt die Kälte, hört das Knirschen des Schnees unter den Schuhsohlen, hört das leise Rieseln der Schneeflocken, das Prasseln im Kamin, sieht durch Julius´ Augen die Bäume in diesem abgelegenen Waldstück, scheinbar so fernab der Zivilisation. Julius´ innerer Frieden wird damit verdeutlicht, bevor die Tragödie ihren Lauf nimmt. Seine Ausflüge in die Stadt, um Lebensmittel einzukaufen oder Plakate aufzuhängen, empfand ich als störenden Gegensatz zu den sonst so friedlichen Begebenheiten in seinem kleinen Reich, hoch oben in den verschneiten Wäldern von Maine. Allein dieser wundervollen Beschreibungen willen würde ich ganz klar sagen: Pflichtlektüre!

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    KruemelGizmos avatar
    KruemelGizmovor 2 Jahren
    Kurzmeinung zu Winter in Maine

    Inhalt: Julius Winsome lebt zurückgezogen in einer Jagdhütte in den Wäldern von Maine. Der Winter steht vor der Tür, er ist allein, aber er hat die über dreitausend Bücher seines Vaters zur Gesellschaft und vor allem seinen Hund Hobbes, einen treuen und verspielten Pitbullterrier. Eines Nachmittags wird sein Hund aus nächster Nähe erschossen, offenbar mit Absicht. Der Verlust trifft Julius mit ungeahnter Wucht. Und er fasst einen erschreckenden Entschluss … 

    Winter in Main stammt aus der Feder von Gerard Donovan.

    Dieses Buch lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück. Das Buch beginnt sehr eindringlich durch den Tod des Hundes, dieser Teil konnte mich auch richtig für sich einnehmen. Die wirklich gelungene Sprache, die mir ausgesprochen gut gefallen hat, vermittelte mir zum Beispiel während der ganzen Zeit ein intensives Bild der Einsamkeit und Kälte im winterlichen Maine, und war im Ganzen ein wirklicher Genuss gewesen zu lesen.

    Aber leider verliert mich der Autor mit dem weiteren Verlauf der Geschichte, besser gesagt durch die Handlungen des Protagonisten immer ein wenig mehr. Die Entscheidungen die Julius Winsome aufgrund seines Verlustes trifft sind für mich persönlich in keiner Weise nachvollziehbar oder erklärbar und erzeugten einen inneren Widerstand bei mir.

    Mein Fazit:

    Eine interessante Geschichte, die mich leider im Verlauf nicht ganz überzeugen konnte, aber deren Sprache mich wirklich begeistern konnte.

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    WordARTs avatar
    WordARTvor 2 Jahren
    Auge um Auge

    Inhalt/Klappentext: Der Winter in den Wäldern von Maine ist kalt und einsam. Bisher hat das Julius Winsome nicht gestört, er lebt schon lange allein, und er hat einen treuen Gefährten, seinen Pitbullterrier Hobbes. Als sein Hund eines Nachmittags offenbar absichtlich erschossen wird, bricht Julius’ Welt zusammen. Und er fasst einen erschreckenden Entschluss ...


    Eigentlich weiß ich nicht so ganz was ich von dieser Geschichte halten soll. Einerseits wird mir bestimmt jeder Hundebesitzer beipflichten, ich selbst bin auch eine überführsorgliche Hundemama, dass es sich bei Verlust dieses geliebten Tieres so anfühlen würde als verliere man ein Familienmitglied. Und das tut man doch auch oder? Schon der bloße Gedanke daran macht mich regelrecht fertig. Aber würde es Julius Verhalten mehr rechtfertigen, wenn jemand zB seine Frau bzw. Freundin erschossen hätte? Würde man dann weniger schockiert über seine Tat sein und es als Racheakt abtun? Auge um Auge, Zahn um Zahn? Wahrscheinlich eher. Doch für Julius war sein Hund Hobbes seine Familie. Zurückgezogen, im Wald lebend, mit Sicherheit etwas labil und von seiner Freundin verlassen war Hobbes das einzig lebendige in seinem Leben und das wurde ihm auf brutale Weise genommen. Ein Schuss aus nächster Nähe von einem wie Julius vermutet Jäger. Mehr oder weniger durch Selektion versucht er nun den Mörder zu finden. Begleitet von Shakespeares Worten und die Erinnerungen an seinen Vater und seiner Mutter können wir Julius Rachefeldzug schockiert miterleben. Der erste Mord bzw. der erste Schuss war so brutal und für mich so schockierend, dass ich das Buch einen Moment zuklappen musste um dann gespannt weiterzulesen und es nicht mehr aus der Hand zu legen. Der Schreib- bzw. Erzählstil ist hervorragend. Donovan konnte mich direkt nach Maine vor Julius Hütte versetzen, mich die Kälte des eisigen Winters spüren lassen und auf skurrile und sicher etwas verdrehte Art und Weise Julius Winsome Handlungen nachvollziehbar machen.


    Eine Passage aus dem Buch beschreibt die Moral der Geschichte ganz gut:
    Als ich noch klein war, hörte ich auf der Farm einmal einen Besucher sagen, es sei unnatürlich, wie wir unsere Enten vor Raubtieren schützen, in der wirklichen Welt müssen sie sich selbst durchschlagen, und das Gesetz der Natur bevorzuge die Starken [….] Dann sagte er: Sie haben sicher nichts dagegen, dass ich wenn Sie Ihren Tee ausgetrunken haben – er deutete auf die Tasse -, ins Haus gehe, eine Flinte hole und sie erschieße. Ich verstehe nicht, sagte der Mann und setzte sich anders hin. Müssten Sie aber, sagte mein Vater. Denn ich habe eine Flinte und Sie nicht, also bin ich stärker als Sie und kann Sie Ihrer Philosophie zufolge erschießen.

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    Kerstin_KeJasBlogs avatar
    Kerstin_KeJasBlogvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: So eine tragische Geschichte, die anrührt und erschrickt. Sprachlich wunderschön gestaltet. Ein Lesegenuss durch und durch.
    Tragisch, berührend, schockierend - und das alles in einer wunderschönen Sprache

     Lassen wir die Moral, den Anstand und die Ehre hier einfach mal weg und geben uns einer Geschichte hin, die bereits auf den ersten Seiten spüren lässt dass hier etwas viel wichtigeres aufwartet – bedingungslose Liebe und die schrecklichen Konsequenzen wenn sie einem genommen wird.

    „Der kleine Kerl sah mich an, und ich hielt seinen Kopf, dann legte er ihn auf meinen Arm und hört einfach auf zu atmen, als könnte er jetzt, wo ich da war, einfach loslassen.“ (Buch Seite 21)

    Ein einziger Satz, der mir die Tränen in die Augen treibt und mich wissen lässt das er, Julius Winsome, es nicht auf sich beruhen lassen wird. Es ist ’nur‘ ein Hund gewesen – aber dieses „es“ war auch Hobbes, sein Hund, der Pitbullterrier der ihn begleitet hat und ihm so in seiner selbstgewählten Einsamkeit die Lebensfreude gab, die ihm nun jemand genommen hat, mit einem einzigen Schuss.

    Julius Winsome lebt seit 51 Jahren in seiner Hütte in den Wäldern Maines. Zusammen mit seinen Erinnerungen und den 3282 Büchern seines Vaters. Er arbeitet gelegentlich, denn er braucht nicht viel. Ist anspruchslos, einfach gestrickt und hat dennoch Niveau. Ein genügsamer Mensch dem die Einsamkeit nichts ausmacht bis zu dem Tag als dieser Schuss fällt, ganz nah kann er ihn hören. Das Echo wird lange nachhallen und die Trauer in grenzenlose Wut umschlagen.

    „Und mit der Trauer kroch noch etwas anderes zur Tür herein, der Hauch von etwas anderem, meine ich. Es musste vom Holzstoß gekommen oder aus dem Wald hereingeweht sein, denn so ein Gefühl hatte ich noch nie gehabt.“ (Buch Seite 26)

    Während erzählt wird wie Julius zu dieser Hütte kam – sein Leben, dass seines Großvater und seines Vaters, wie er Hobbes bekam, durch die Hilfe dieser Frau, die ihn einfach so besuchte – geschieht der erste Mord. Kaltblütig, fast schon emotionslos, ganz gezielt auf seinem Rachefeldzug. Man wird einfach hineingezogen und weiß genau dass wird nicht der einzige Tote bleiben, denn der Wald ist voller Jäger und einer davon ist Julius.

    Er verstrickt sich immer mehr in seinen Ideen wer dahinter stecken könnte. Verdächtigungen die ihm durch den Kopf gehen und so zu einer schlimmen Tat nach der anderen führt. Rache bestimmt sein Denken und sein Handeln und zwischendurch betrachtet er immer wieder Hobbes Grab in der Hoffnung der kleine Kerl kommt wieder und alles wird gut. Aber nichts wird gut, Julius hat die Grenze schon lange überschritten und das weiß er selbst am besten.

    Diese Geschichte ist trotz aller Tragik und Grausamkeit so wunderschön. All diese Sätze, in Ausdruck und Stärke, ich würde am liebesten alle zitieren, sind in ihrer Kürze immer wieder aussagekräftig genug. Wie Julius in die Sprache Shakespeares verfällt und bei seinen Gesprächen mit den toten oder fast toten Jägern alle verwundert, zum Teil sogar sich selbst. Ein Hauch von Stolz schwebt mit durch das Buch wenn er zum Beispiel von Geleit und Spürer, Galgenstrick, blutdurchsiebt und bestoben, spricht.

    „Laßt uns Arznei aus mächt’ger Rache mischen, um dieses Todesweh zu heilen“ (Buch Seite 192)

    Rache wegen Hobbes, einem Hund – oder vielleicht wegen dieser Frau die Hobbes erst in sein Leben brachte und selbst nicht geblieben ist?

    Für dieses Buch gebe ich eine klare Leseempfehlung, denn es ist ein literarischer Genuss – in Sprache, Stil und vor allem der Geschichte.

    c)K.B. 01/2017

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    sollhabens avatar
    sollhabenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Winter in Maine ist kalt, mit Schnee und weiß durchzogen von Hundegebell und Schüssen im Wald.
    Der Tod eines Hundes

    Nachdem sein Hund Hobbes erschossen wird, bleibt Julius Winsome alleine in seiner Hütte im Wald zurück. Er begräbt seinen geliebten Hund vor seinem zu Hause. 
    Der Verlust trifft ihn hart und unvorbereitet. Er macht sich auf die Suche nach dem Schützen. Dieser Trip ist eine Reise in seine Vergangenheit und weist ihm auch den Weg in die Zukunft.

    Meine Meinung:
    Dieses Buch zu lesen, war wie in einem Kühlschrank zu sitzen. Die Beschreibung der Gegend in Maine ist kalt, weiß und voller Schnee. Die Einsamkeit Julius an diesem Ort ist fast mit den Händen zu greifen. Noch selten war mir beim Lesen eines Buches so innerlich kalt. Die wenigen Momente des Glücks bzw. der Aufmunterung kann man an einer Hand abzählen. 
    Die Hauptfigur Julius ist ein Mann, der nur diese Einöde und den Wald kennt. Ein anderes Leben konnte er nicht wählen, denn es war ihm irgendwie vorbestimmt. Er hat sich selbst diese Grenzen auferlegt, niemals hat er über den Tellerrand geschaut und eine andere Wahl getroffen. 
    Mich lässt dieses Buch richtig gehend traurig und leer zurück. 

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    _nifelheims avatar
    _nifelheimvor 3 Jahren
    Winter in Maine

    Literaturaustausch.blogspot.com

    Habt ihr auch ein bestimmtes Lieblingsthema, über das ihr gerne Bücher lest? Manche Leser lieben das Meer oder den Süden, viele lesen auch gerne Bücher über Liebe. Ich aber liebe Schnee und Winter. Gestern fiel mir dieses Buch für 50 Cents in die Hände, als ich nach Hause kam, begann es zu schneien, also hab ich mich mit Tee und Kuscheldecke ans Lesen gemacht. Die ganze Nacht über hat es geschneit und irgendwann wurde es hell und dann bin ich schlafen gegangen und das Buch war ausgelesen.

    Klappentext:

    Der Winter in den Wäldern von Maine ist kalt und einsam. Bisher hat das Julius Winsome nicht gestört, er lebt schon lange allein, und er hat einen treuen Gefährten, seinen Pitbullterrier Hobbes. Als sein Hund eines Nachmittags offenbar absichtlich erschossen wird, bricht Julius’ Welt zusammen. Und er fasst einen erschreckenden Entschluss ...

    Der Protagonist Julius Winsome lebt zurückgezogen in einer Jagdhütte in den Wäldern von Maine. Der Winter steht vor der Tür, er ist allein, aber er hat die über dreitausend Bücher seines Vaters zur Gesellschaft und vor allem seinen Hund Hobbes.  Eines Nachmittags, als er gerade vor dem Feuer sitzt und liest, hört er einen Schuss. Eigentlich nichts Besonderes, denn es ist gerade Jagdsaison. Dennoch wundert sich Winsome, weil der Schuss ganz in seiner Nähe gefallen ist, zu nahe. Als er vor die Tür geht, entdeckt er, dass Hobbes erschossen wurde – offenbar mit Absicht.

    Der Verlust trifft Julius mit ungeahnter Wucht. Er denkt an all die anderen Verluste in seinem Leben: die Mutter, die er gar nicht kannte, weil sie bei seiner Geburt starb, den Vater, der nie wieder heiratete, der ihn allein großzog und ihm die Sprache Shakespeares beibrachte und jetzt auch schon zwanzig Jahre nicht mehr da ist, an Claire, die einzige Frau in seinem Leben, die ihn einen Sommer lang liebte und dann wieder verschwand. Und jetzt Hobbes, sein letzter wahrer Freund. Am nächsten Tag holt er das Gewehr seines Großvaters aus der Scheune und zieht los, um seinen Hund zu rächen. Er macht Jagd auf die Jäger. Und obwohl diese Rache ebenso sinnlos ist wie die Tat, die ihr zugrundeliegt, verstehen wir diesen einsamen, verzweifelten Mörder, werden seine Komplizen in Eis und Schnee.


    Meine Meinung:

    Ich habe dieses Buch so gerne gelesen! Vielleicht lag es an der Stimmung, vielleicht aber einfach nur daran, dass ich die Geschichte sehr mochte. Mir gefiel der Schreibstil sehr gut und natürlich die Tatsache, dass sich die Geschichte im Winter abspielt. Faszination, Kälte, Schnee und ein Rausch von Worten, das waren meine Begleiter letzte Nacht, als ich das Buch las. Nach den ersten Seiten lebt man selbst ein stilles, gelassenes Leben im Wald und möchte nie wieder einen anderen Menschen treffen. Ich habe selten eine solche Sprachgewalt wie bei diesem Buch erlebt, viele Formulierungen sind sehr poetisch und man wünscht sich, dass das Buch nie enden mag. Lesen & Genießen!!

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    FrolleinJotts avatar
    FrolleinJottvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr intensive, faszinierende Geschichte über den Rachefeldzug eines Mannes, dessen Hund erschossen wird. Großartig geschrieben!
    Sehr atmosphärisch und intensiv, großartig!

    Inhalt / Klappentext:

    Kann man sich für den Verlust der vollkommenen Liebe rächen?
    Julius Winsome lebt zurückgezogen in einer Jagdhütte in den Wäldern von Maine. Der Winter steht vor der Tür, er ist allein, aber er hat die über dreitausend Bücher seines Vaters zur Gesellschaft und vor allem seinen Hund Hobbes, einen treuen und verspielten Pitbullterrier. Eines Nachmittags wird sein Hund aus nächster Nähe erschossen, offenbar mit Absicht. Der Verlust trifft Julius mit ungeahnter Wucht. Und er fasst einen erschreckenden Entschluss...

    Meine Meinung:

    Mit großer Begeisterung habe ich dieses Buch geradezu verschlungen! Sehr atmosphärisch geschrieben, man wird förmlich in die Kälte von Maine und die Einsamkeit des Protagonisten hineingezogen. Und wenn man, wie ich, Tiere hat, kann man sein Entsetzen und seinen Verlust, als sein Hund aus nächster Nähe erschossen wird, sehr gut nachvollziehen.

    Der Rachezug, den Julius Winsome daraufhin beginnt, kommt dann sehr plötzlich und der belesene, naturverbundene und besonnene Mann, mordet eiskalt drauflos. Zwischendurch erzählt er aus seiner Kindheit und was ihm sein Vater und Großvater aus den Kriegen erzählt haben, die sie erlebt hatten. Und wie sich daraufhin ihre Einstellung zu Waffen verändert hat. In den weiten Wäldern von Maine sind ständig Jäger unterwegs, die Großwild jagen. Und unter denen vermutet Julius den Mörder seines Hundes.

    Es ist wirklich erstaunlich, wie man auf den gerade mal 200 Seiten, so viel erzählen und ausdrücken kann, was auch an der großen Intensität liegt.

    Am Silvestertag zu Ende gelesen, hat es das Buch noch auf die Liste meiner Lieblingsbücher in 2015 geschafft! Also, absolute Leseempfehlung von mir und 5 Sterne!

    Kommentare: 2
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    MsBookpassions avatar
    MsBookpassionvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Wozu sind wir fähig, wenn wir jemand geliebtes verlieren? Wie weit darf Rache gehen?
    Erschütternd und bewegend

    Julius Winsome lebt mit seinem Hund und Weggefährten Hobbes in einer kleinen Hütte im Wald von Maine. Schon als Kind hat er hier mit seinem Vater gelebt, der die Literatur geliebt hat. Jede Wand zieren hohe Bücherregale, die Julius nach dem Tod seines Vaters in Ehren hält. Schon als Kind entwickelte Julius ein Faible für Shakespeare.
    Das Leben allein mit Hobbes macht Julius zu einem Eigenbrödler, doch er ist ganz zufrieden damit. Seinen Hund liebt er über alles, lässt ihm jegliche Freiheiten und auf Erkundungstour durch den Wald streifen. Doch eines Tages, als Hobbes gerade unterwegs ist, hört Julius einen Schuss. Er ist sich sicher: Das war zu nah. Die vielen Jäger die im Wald unterwegs sind, wissen wo die Hütten sind und halten Sicherheitsabstand. Doch dieser Schuss... viel zu nah. Julius lässt einige Zeit verstreichen, kein Zeichen von Hobbes. Nach Stunden macht Julius sich auf die Suche und findet seinen geliebten Hund blutüberströmt am Boden liegen. Er bringt ihn zu einem Tierarzt... zu spät. Hobbes hat bereits zu viel Blut verloren. Beide fahren zurück nach Hause, Hobbes stirbt in Julius Armen, bekommt ein Grab im Blumenbeet, wo er so gern die Sonne genossen hat... und für Julius bricht ein Teil seinen kleinen Welt entzwei. Schmerz, Trauer und Verleumndnung des Verlusts durchfluten ihn... Und Julius trifft eine folgenschwere Entscheidung... 
    Ein Buch das bewegt, zu Tränen rührt. Ein Buch das leise Töne anschlägt und sich in atmosphärischen Beschreibungen verliert, mich im aufkommenden Winter von Maine frösteln lässt. Ein Buch das begeistern kann, durch die Liebe zur Literatur und zu Shakespeare. Ein Buch mit außergewöhnlichen Figuren, skurrilen Charakteren, die liebenswert sind. Ein Buch das provoziert, nach Moral und Werten greift und diese ignoriert - in Frage stellt. Wie weit geht unsere Moral?Welche Entscheidung eines Menschen ist moralisch gut oder schlecht? Und wer entscheidet das?
    Gerard Donovan hat ein Buch geschrieben, welches durch seinen wunderschönen, fast schon poetischen Schreibstil auffällt. Er erzeugt so viel Atmosphäre mit so wenigen Sätzen. Das hat mich fasziniert und beeindruckt. Die Lebensgeschichte von Julius ist so authentisch und lebensnah, dass es solch einen Menschen in einer kleinen Hütte im Wald von Maine durchaus geben könnte. Liebevoll und authentisch - durch und durch. ... und provokant. Die Entscheidung die Julius nach Hobbes Tod trifft stellt alle moralischen Werte des Lesers in Frage.Ich konnte diesen Weg den Julius ging nicht akzeptieren, auch wenn ich seinen Schmerz und seinen Verlust so gut nachvollziehen konnte. Dieser Zwiespalt zwischen Verständnis und Entrüstung, dieses Wohlfühlgefühl und das Entsetzen haben es mir so schwer gemacht das Buch zu beurteilen. Mag ich es oder nicht?
    Kann ich es empfehlen?Ja!Denn ich finde, jeder sollte selbst entscheiden, wie er Julius Entscheidung bewertet. 

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    Wortklaubers avatar
    Wortklaubervor 3 Jahren
    Winter in Maine

    Julius Winsome lebt allein mit tausenden Büchern und Pitbullterrier Hobbes in einer Hütte in den Wäldern Maines, in einer Gegend, in der die Menschen Wert darauf legen, keine Nachbarn zu habe. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit Gelegenheitsarbeiten. Die vom Vater geerbten Bücher sind Schutz und Schild gegen den Wald. Ohne die Frau, die eines Tages bei ihm aufgekreuzt war, sich in sein einfaches wie einsames Leben gestohlen und am Ende des Sommers wortlos weggeblieben war, hätte er auch den Hund nicht. Eines Tages legt jemand mit einer Schrotflinte auf den Hund an, offenbar aus nächster Nähe. Winsomes Trauer um das Tier ist so nüchtern wie selbstverständlich. Der Tod des Hundes ist ein Einschnitt. Zitat: "Mit der Trauer kroch noch etwas anderes zur Tür herein, der Hauch von etwas anderem, meine ich. Es musste vom Holzstoß gekommen oder aus dem Wald hereingeweht sein, denn so ein Gefühl hatte ich noch nie gehabt."
    Sein Großvater war Soldat im ersten Weltkrieg, sein Vater Soldat im zweiten, und beide haben die Schlachtfelder offenbar nie ganz hinter sich lassen können. Winsome holt das alte Scharfschützengewehr aus dem Schuppen und begibt sich seinerseits in einen Krieg. Er nimmt Rache, an einem Jäger, dann an einem zweiten ... Julius Winsome wird einerseits zum kaltblütigen Mörder, bleibt dem Leser aber andererseits durch die Ich-Perspektive dennoch als Identifikationsfigur erhalten; weil diese Figur frei von Klischees ist und obwohl die Verluste, die Winsome in den Tagen nach dem Tod des Hundes resümiert, sich nicht addieren und seine Handlungen nicht entschuldigen lassen.

    Romane, in denen Hunde vorkommen, zudem noch, wenn sie als einziger Freund eines Menschen dargestellt werden, mögen leicht dem Generalverdacht anheimfallen, sie seien kitschig oder sentimental oder schlicht. Dieser Roman ist nichts davon. Aber auf der anderen Seite ist er auch weit von einem typischen "Ein Mann sieht rot"-Reißer entfernt. "Winter in Maine" ist ein eindringlicher Roman, noch dazu in einer schönen Sprache erzählt, mit originellen, treffenden, oft mit der Natur, dem Wetter, zusammenhängenenden Metaphern, die umso glaubwürdiger sind, weil sie hundertprozentig zur Figur des Julius Winsome passen.

    "Winter in Maine" war 2008 Buch des Jahres des englischen Guardian.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    S
    dieses buch wird sehr gelobt und von elke heidenreich als eventuelles : kultbuch" genannt. nun... ich persönlich habe mich mit dieser geschichte sehr schwer getan. es geht um einen man,julius, der in den wäldern von maine. ... (östlicher bundesstaat der usa) alleine mit seinem hund hobbs , lebt . dann wird dieser hund erschossen. julius nimmt rache... donovan hat zwar einen phantastischen schreitbstil, einfühlsam, beobachten sehr emotional, aber... stellenweise musste ich weiterblättern oder das buch weglegen, da mich diese geschichte als hundebesitzerin total tief berührt... fazit. das buch sollte man unbedingt lesen, nur emotionale hundebesitzerinnen!! möchte ich dieses buch nicht unbedingt empfehlen.
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