Gerbrand Bakker Juni

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Inhaltsangabe zu „Juni“ von Gerbrand Bakker

Die Königin kommt. Und das Dorf im nördlichsten Zipfel der Niederlande steht kopf. Mitten drin im Trubel dieses Junitages 1969 ist die Familie Kaan. Zwei der Söhne schwenken Fähnchen vor dem Gemeindehaus, und der kleinen Tochter auf dem Arm ihrer Mutter Anna streicht Königin Juliana höchstpersönlich über die Wange. Vierzig Jahre später ist es ruhig geworden auf dem Hof der Kaans. Drei Generationen leben jetzt dort, das alte Bauernpaar, Sohn Klaas und seine Familie. Aber Vieh gibt es außer dem Stier und dem Hofhund keines mehr. Und daß Altbäuerin Anna sich regelmäßig mit einer Flasche Eierlikör und ihrer Seelenlast im Gepäck auf den Heuboden zurückzieht – wo ihr lediglich der stoisch kauende Stier Gesellschaft leisten darf –, wird von der Hofgemeinschaft stillschweigend akzeptiert. Nur die fünfjährige Dieke wundert sich. Was vor vierzig Jahren dem Leben ihrer Familie eine völlig andere Richtung gegeben hat, offenbart sich dem Leser erst nach und nach. In Juni erzählt Gerbrand Bakker von einem Dorf, einem Hof, einem tragischen Unfall, vor allem aber von einer Familie, deren Mitglieder alle auf ihre Weise versuchen, mit der Erinnerung umzugehen. So wortkarg wie wortstark tut er dies, in der lakonischen, berührenden Sprache, die schon Oben ist es still auszeichnet, seinen erfolgreichen Debütroman – 'ein ganz großes Vergnügen' (Spiegel Online).

Eine wahre Tragödie. Die Wärme des Junis verspürt man sicher nicht. ;)

— katkatbanana
katkatbanana

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  • Rezension zu "Juni" von Gerbrand Bakker

    Juni
    Die Buchprüferin

    Die Buchprüferin

    Lieber Gerbrand, jetzt habe ich schon das zweite Buch von Dir gelesen und bin, obwohl auch dieses nicht ganz einfach zu schlucken ist, wieder sehr begeistert. Darum schreibe ich Dir heute mal ganz naiv einen Brief, denn auch Dein Buch handelt ja von ganz einfachen Dingen, und ich denke, dann passt das schon. Gleich am Anfang kommt die Königin zu Besuch in dem kleinen holländischen Dorf, denn wir haben Juni 1969. Aber das haben wir nur ganz kurz; schon bald springt die Handlung ins Jetzt, ohne dass wir erfahren, was damals vorgefallen ist. Aber es ist etwas vorgefallen, etwas Schlimmes, das Du im Jetzt ganz langsam aus dem Alltag Deiner Figuren herausarbeitest, so langsam, als müsstest Du es mühsam aus ihnen herauskratzen. Und tatsächlich ist es auch so, oder? Wenn uns etwas zugestoßen ist, wird es über die Jahre zu einem Teil von uns, der uns derart vertraut ist, dass wir ihn nicht extra erwähnen müssen. Im Gegenteil haben wir das Gefühl, er hätte schon immer zu uns gehört, vor allem, wenn er sich nicht nur in unserer eigenen Person festgesetzt hat, sondern auch in den Menschen um uns herum, wenn er sie durch die Wucht seines Einschlags massiv verändert hat und vielleicht sogar etwas so Manifestes hinterlassen hat wie ein Grab. An ausgeprägten Eigenheiten haben ja schon die Figuren aus Deinem Erstling "Oben ist es still" keinen Mangel gelitten; und auch, wenn Du Dein Personal hier deutlich erweitert und um die anrührende Gegenwart von Kindern ergänzt hast, ist es hier genauso. Ich denke da nur an Anna Kaan, die zur Zeit des Königin-Besuchs eine junge Mutter war und die heute oben auf der Tenne im Stroh sitzt, fernab von ihren längst erwachsenen Kindern, die gelegentlich versuchen, sie von da oben herunterzuholen, auch wenn sie dieses skurrile Verhalten schon ab und zu erlebt haben. Interessant fand ich übrigens, dass Du hier quasi durch die Hintertür wieder jemanden eingeführt hast, der still "oben" liegt und damit abgeschieden ist vom Rest der Welt. Nur dass Anna ihr Exil freiwillig gewählt hat im Gegensatz zum Vater in Deinem Debütroman. Wenn manche LeserInnen Dein Buch zäh und unzugänglich finden, kann ich das übrigens verstehen, Du vielleicht auch. Schließlich passiert nicht viel an diesem einen gegenwärtigen Tag, es sind ja fast nur die Echos des längst vergangenen Ereignisses, der längst vergangenen Tage damals, die den Motor für Deine Erzählung bilden. Du hältst den Ball flach, die Emotionen gedämpft von der Hitze des Tages; das Drama überlässt Du dem Kopf Deiner Leserin. Mir allerdings gefällt das sehr, denn tausendmal mehr als fürs Plakative habe ich für einen Stil wie Deinen übrig, wo meine eigene Gefühlsmaschine nur zart angestupst wird, wo nur hier und da eine leise, aber umso eindringlichere Berührung erfolgt, die dann auch umso größere Erschütterungen auslöst. Darum, glaube ich, kann ich Deinen stillen Roman all denen empfehlen, die ein aufmerksames Auge für sich fast lautlos entfaltende Geschichten haben, Geschichten, die dennoch beachtliche Entwicklungen in sich tragen und ein großes Potenzial für ihre Figuren bereithalten. Ich hoffe jedenfalls sehr, bald wieder etwas von Dir zu lesen, und grüße herzlich nach Holland! Die Buchprüferin

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  • Rezension zu "Juni" von Gerbrand Bakker

    Juni
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    07. October 2010 um 21:06

    So still wie das Coverbild scheint das Dorfleben im Norden Hollands zu sein. Hier passiert nicht viel und jeder lebt sein eigenes “kleines” Leben. Vor fast vierzig Jahren hat die Königin der Niederlande das Dorf besucht. Die Erinnerung an diesen Tag hat sich in das Gedächtnis der Dorfbewohner gebrannt. Denn an diesem Tag ereignete sich ein schrecklicher Unfall, der selbst den Besuch der Königin überschattete. Nach und nach wird das Ausmaß der Katastrophe enthüllt. Langsam fließen die Sätze von Bakker dahin wie ein Fluss an einem heißen Junitag. Vierzig Jahre später kämpft Familie Kaan immer noch mit all ihren Ängsten und Sorgen. Doch auch wenn am Ende dieses Tages, wie schon vor Jahrzehnten, eine Katastrophe bevorstehen wird, wird trotzdem eine Mutter mit ihrer Tochter wieder vereint sein – mit der Tochter, die sie so sehr vermisst hat… Das Buch hat mich auf eine stille Weise berührt, fast schon lakonisch aber doch wahnsinnig eindringlich geschrieben. Ich beneide diejenigen die noch vor der Lektüre stehen und das Buch zum ersten Mal lesen dürfen. Es ist ein kleiner Schatz für sowohl extrem heiße wie auch regnerische Tage…

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  • Rezension zu "Juni" von Gerbrand Bakker

    Juni
    lokoschade

    lokoschade

    08. September 2010 um 11:57

    Das war des lakonischen zuviel!
    Zu sperrig und unzugänglich kam die Geschichte der Familie Kaan, deren Tochter bei einem Unfall ums Leben kam, bei mir an.

  • Rezension zu "Juni" von Gerbrand Bakker

    Juni
    Lupus

    Lupus

    06. September 2010 um 21:18

    Die Kaans bewirtschaften erfolgreich einen Bauernhof in Nord-Holland. Dann die Zäsur: Ein Unglück überschattet den königlichen Besuch aus Den Haag und gibt dem Leben der Familie eine völlig andere Richtung. Seit diesem Ereignis vor 40 Jahren herrscht auf dem Kaan´schen Hof Resignation, Gleichgültigkeit, Depression und Verfall. An diesem heißen Junitag hat der Autor alle Familienmitglieder auf dem Gut versammelt. Reihum portraitiert er behutsam seine Figuren und entlockt ihnen kleine Geheimnisse. Dabei gewährt er dem Leser immer wieder Einblick in die Gedankenwelt seiner Charaktere und näher sich so aus verschiedenen Perspektiven der ganz großen Tragödie. Zu diesem Buch empfiehlt sich, im Sinne von Anna Kaan, ein Fläschchen Eierlikör!

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  • Rezension zu "Juni" von Gerbrand Bakker

    Juni
    dzaushang

    dzaushang

    05. June 2010 um 18:12

    Es ist Juni. Es ist heiß. Vierzehn Tage sind nun schon vergangen seit der voller Hoffnungen erwarteten und dann doch so banal verlaufenen Goldhochzeit von Oma und Opa Kaan. So enttäuschend war diese Feier, voller Gemecker, lärmendem Gelächter über nichts und einem Glas nach dem anderen, dass Oma Kaan wieder einmal hier auf dem Heuboden ihres Hofes, mit hochgezogener Leiter, sitzt, und mit niemandem ein Wort wechseln mag. Hier sinnt sie über die gute alte Zeit nach. Und das ist lange her. Da kam sogar die Königin über Land und Dörfer gefahren um sie sich anzuschauen: die blühenden Landschaften, mit ihren Obstgärten und Feldern, mit ihren Preisstieren und Hunderttausendliterkühen. Heute, ja heute liegt nur die Hitze träge über den Weiten des niederländischen Polderlands, scheint mit Macht allen menschlichen Tatendrang weichzukochen. Vom Glanz vergangener Tage ist nicht viel geblieben. Die Jungen sind in die Stadt gezogen, die Alten und einige Familien, die es noch nicht zu mehr gebracht haben, sind übriggeblieben. Weg aber wollen sie eigentlich alle. Langsam verfallen die einst blühenden Höfe, plärrt Radio Noord-Holland unbemerkt in irgend einer Ecke, steht das Fahrrad platt im Schuppen und vergilben die Gardinen. Die ganze Tristesse holländischen Landlebens, das nur schwer zu ertragen ist, falls man nicht grade als Deutscher hier Urlaub macht, breitet sich so authentisch vor dem Leser aus. Um den Hof von Oma und Opa Kaan ist es nicht besser bestellt. Während Oma oben auf dem Heuboden stark mit ihrem Schicksal hadert, scheint Opa es weniger schwer zu nehmen. Auch Sohn Klaas, einer von insgesamt drei Söhnen, lebt hier mit Frau und fünfjähriger Tochter Dieke und Hund Does. Der Leser erlebt einen Tag im Leben der Sippe Kaan und erfährt doch so viel mehr über sie. Was ist eigentlich passiert in den letzten vierzig, fünfzig Jahren? Jeder aus der Familie hat dazu seine eigenen Erinnerungen und Gedanken. Was hat es mit Diekes toter Tante, dem vierten Kind der Familie Kaan, auf sich? Wie beeinflusst das Geschehene bis auf den heutigen Tag das Leben aller? Und war das heute ein gelungener Tag? Bakkers „Juni“ ist ein stiller, berührender Roman der Zeugnis ablegen will vom Leben der einfachen Menschen, von der Entfremdung zwischen den Generationen, vom Erinnern an gute wie an schlechte Zeiten, vom Glück des einem und dem Unglück des anderen, das beides oft so nah beieinanderliegt. Kleinste, noch so unbedeutende, Details werden mit Liebe und Hingabe beschrieben und so stockt, gekonnt und gewollt, immer wieder der Erzählfluss so wie im zähen Brei der flirrenden Luft schon im Ansatz jeder Tatendrang der Menschen. Wie Bakker Land und Leuten nachfühlt, ihre Erinnerungen, Tagträume, ihre Gespräche, ihren Alltag, immer voller Respekt, nachzeichnet, den wenigen Worten auf ihren Lippen andächtig lauscht, wie er Leben mitten im Nichts beschreibt, wie er den Spuren von Glück und Unglück aus Vergangenheit und Gegenwart nachgeht, das ist manchmal einfach wunderbar, manchmal einfach nur schwer zu ertragen. Er versteht es grandios den Leser die Hitze des Tages spüren zu lassen, atmosphärisch dicht und konzentriert wie in einem Brennglas gebündelt. Jeden Augenblick muss doch jetzt einfach mal etwas passieren, oder nicht? Und wenn es dann passiert folgt dem Wunsch das blanke Entsetzen.

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