Gerd Blum Giorgio Vasari

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Inhaltsangabe zu „Giorgio Vasari“ von Gerd Blum

Giorgio Vasari (1511-1574) wurde mit seinen Viten, den Lebensbeschreibungen der berühmtesten Künstler, zum Erfinder der Renaissance, die er als erster umfassend beschrieb und in bis heute profunder Weise deutete. Außerdem war er Maler und Architekt, Hofkünstler und Unternehmer. In dieser neuen Biographie erzählt Gerd Blum vom Leben und von der Zeit des universalen Künstlers und führt durch den Kosmos seines Oeuvres. Vasaris Schaffen fiel in eine unruhige Zeit zwischen Hochrenaissance und Gegenreformation, zwischen Humanismus und Frühabsolutismus. Von diesen Spannungen sind auch seine Viten geprägt, welche die Biographien von über 150 Künstlern der Renaissance überliefern und darüber hinaus die Geburtsstunde der Kunstgeschichte markieren. Auch als Architekt, dem wir die Uffizien, und als Maler, dem wir beeindruckende Gemäldezyklen verdanken, zog Vasari die Summe aus den bisherigen Leistungen der Renaissance. Die facettenreiche und anschauliche Biographie führt den Leser in das letzte Jahrhundert der Renaissance, das Vasari als Höhepunkt der Kunst aller Länder und Zeiten folgenreich feierte.

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  • Rezension zu "Giorgio Vasari" von Gerd Blum

    Giorgio Vasari
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    10. June 2011 um 08:10

    Dieses sehr empfehlenswerte Buch des jungen Münsteraner Kunsthistorikers leistet ein Dreifaches: es ist auf der einen Seite eine sehr detaillierte und materialreiche Biographie von Giorgio Vasari, dem Mann, der die Renaissance „erfand“. Gleichzeitig ist das Buch eine ganz hervorragende Kunstgeschichte einer Epoche, die die Kunst prägen sollte bis auf den heutigen Tag und die der Menschheit viele der schönsten Bilder geschenkt hat, die sie seither hervorgebracht hat. Und nicht zuletzt ist das Buch eine angenehme, eine regelrecht unterhaltsame Lektüre, mit leichter Feder geschrieben und ein exzellentes Beispiel dafür, wie man die Lebendigkeit der Kunstgeschichte und das Leben eines der sie prägenden Persönlichkeiten so darstellen kann, dass der Leser Lust darauf bekommt, noch tiefer in diese faszinierenden Materie einzusteigen. Dabei verlässt Gerd Blum an keiner Stelle die wissenschaftlichen Standards seiner Zunft. Er verfolgt den Lebensweg Vasaris und gibt einen plastischen Eindruck seines Denkens und Wirkens. Vasari wird als „Vater der Kunstgeschichte“ gewürdigt und Blum zieht auch immer wieder die Verbindungslinien zu den gesellschaftlichen, religiösen und kulturellen Entwicklungen jener Zeit. Deutlich wird in Blums Darstellung, dass Vasari zwar als Erfinder der Renaissance gelten darf, der ihr die erste Gesamtdeutung gab und dessen sie prägende Begriffe die Kunstgeschichte bis auf den heutigen Tag verwendet, dass er aber auf der anderen Seite auch immer noch im Mittelalter lebte, von dem er sich dauernd versuchte abzugrenzen. Es ist die ansprechende und gelungene Darstellung eines außergewöhnlichen Menschen und Künstlers und einer Epoche, die bis heute mit ihren Werken und ihrem Denken kunstinteressierte Menschen begeistert. Für sie vor allem ist dieses Buch ein Leckerbissen. Für Menschen, die etwa nach einem Florenzbesuch sich vorgenommen haben, nun endlich einmal etwas tiefer sich mit dem zu befassen, was sie da staunend angeschaut haben, ist es die perfekte Einführung in ein bedeutendes Kapitel der europäischen Kunstgeschichte.

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  • Rezension zu "Giorgio Vasari" von Gerd Blum

    Giorgio Vasari
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    07. June 2011 um 12:51

    Kollegenbiographie Über eine hochinteressante Figur der Hochrenaissance und der Jahrzehnte danach schreibt der Kunstgeschichtlicher Gerd Blum seine wissenschaftliche Biographie. Über einen Kollegen aus vergangenen Tagen. Denn Giorgio Vasari ist nicht in dem Sinn der „Erfinder der Renaissance“, indem er diese Kulturepoche eigenhändig und alleine erfunden oder gestemmt hätte, wohl aber der Begriffgeber und Namensstifter im nachhinein jener restaurierenden Epoche. Dies im Rahmen einer seiner Spezialitäten (neben manchen anderen), Biographien über italienische Künstler zu verfassen. Über die großen seines Landes, Raffael, Michelangelo, Da Vinci und andere. Wie im Buch deutlich wird, entsteht im Zuge dieser Künstlerbeschreibungen aus der Feder Vasaris dann auch der Begriff „Renaissance“. Er selber als Maler und Künstler fühlte sich der Antike intensiv zugewandt und verpflichtet und war so Teil jener kulturellen Zeitströmung, der er seinen bis heute geltenden Oberbegriff verschaffte. Wie diese Nähe Vasaris zur Antike entstand, der künstlerische Werdegang des Mannes mitsamt seinem Hineinwachsen in die Malerei und die Architektur und seine lebenslange Verbundenheit zu den Idealen der Renaissance, das ist der rote Faden im Leben des Künstöers und damit auch im Buch. Eine Nähe, die nicht zuletzt durch die Einschnitte im Leben des Künstlers noch einmal vertieft wurden, wie Blum sorgfältig recherchiert für die Ereignisse des Jahres 1527 („Katastrophenjahr“ für Vasari persönlich und für die europäische Welt an sich) aufzeigt. Im Sacco di Roma wurde Rom erobert und geplündert, alte Traditionen, vor allem Gönnerschaften und das Mäzenentum brachen zusammen. Auch Vasari verlor seine Gönner zunächst, die Medici wurden aus Florenz vertrieben. Eine Zeitenwende, die auch die Hochrenaissance als kunsthistorische Epoche beendete und auch für den damals 16jährigen Vasari vor Augen führte, dass die Hoffnung auf eine Synthese von (heidnischer) Antike Christentum in versöhnter Friedfertigkeit vordergründig zunächst gescheitert war. Eine Hoffnung, die Vasari dennoch nicht aufgab und der er sich weiterhin verschrieb. So entwickelte sich Vasari mehr und mehr zu einer Art „Gralshüter“ der Renaissance, ihrer Ideen und ihrer Künstler, deren Schaffen er in seinen vielfachen Biographien zu deuten verstand, damit quasi die „Kunstgeschichte“ begründete und in seiner eigenen künstlerischen Arbeit der Verehrung der Antike treu blieb. Viele Bilder und Bilderzyklen, aber auch die Uffizien, die er als Architekt verantwortlich entwarf, künden bis heute von seiner Schaffenskraft in auch geistesgeschichtlich und künstlerisch spannungsvollen Umbruchzeiten. Gerd Blum verfolgt den Lebensweg des Giorgio Vasari minutiös, stellt dessen Entwicklung, Denken und Schaffen, chronologisch geordnet und durchaus verständlich lesbar dar (auch wenn das Buch über einige Strecken hinweg sehr trocken daherkommt) und bindet Vasari immer wieder ein in die kulturelle und geistige Gesamtentwicklung zwischen Reformation und Gegenreformation jener Jahrzehnte. Mit viel Akribie und einigen schönen Abbildungen versieht Blum seine Darstellung. Vor allem das Kapitel über Vasari als „Vater der Kunstgeschichte“ und die Darstellung seiner „Viten“ (Biographien) nimmt hier (wenn auch nur auf knapp 20 Seiten) einen wichtigen Platz im Buch ein. Das Buch kommt nicht im Gewand eines Unterhaltungsbuches daher, die wissenschaftliche Herangehens- und Ausdrucksweise ist jederzeit deutlich erkennbar, beinhaltet aber umfassende Informationen über das Leben und die Persönlichkeit, die Prägungen und die Ideale Giorgio Vasaris und zeigt ebenso umfassend eine ganze Epoche der Kunstgeschichte auf, in der die Kunstgeschichte durch Vasari begründet wurde. Jedem Kunstinteressierten ist das Buch reinweg zu empfehlen, gerade in der hervorragenden Darstellung und Einordnung der Epoche am Ende der Renaissance.

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