Gerd Koenen

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Autor von Vesper, Ensslin, Baader, Das rote Jahrzehnt und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Gerd Koenen

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Vesper, Ensslin, Baader

Vesper, Ensslin, Baader

 (10)
Erschienen am 20.04.2005
Das rote Jahrzehnt

Das rote Jahrzehnt

 (9)
Erschienen am 19.09.2002
Die Farbe Rot

Die Farbe Rot

 (5)
Erschienen am 28.11.2017
Traumpfade der Weltrevolution

Traumpfade der Weltrevolution

 (4)
Erschienen am 06.12.2011
Was war der Kommunismus?

Was war der Kommunismus?

 (3)
Erschienen am 01.09.2009
1968

1968

 (1)
Erschienen am 20.02.2008

Neue Rezensionen zu Gerd Koenen

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Rezension zu "Die Farbe Rot" von Gerd Koenen

Grässlich. Trocken, voller steiler Thesen, oft ohne verlässliche Quellenangaben.
Wedmavor 10 Monaten

Für dieses Werk konnte ich mich leider absolut nicht begeistern. Der Anfang war toll, also wollte ich mir das Ganze näher anschauen, aber je weiter ich las, desto übler wurde mir dabei zumute. Die anfängliche Begeisterung verflog spätestens nach den ersten vierhundert Seiten. Dort wurde neutral, dann aber eher abwertend berichtet. Sobald es um Russland und seine Geschichte ging, wurde der Ton zunehmend abschätzig herablassend. Ich gewann leider immer mehr den Eindruck, dass der werte Autor weder Kommunismus im Allgemeinen noch Russland im Besonderen mag.


Je weiter ich las, desto eher ich bereit war, dem Rezensenten aus der 1-Stern-Abteilung bei amazon recht zu geben, der meinte: „Dieser Schreiberling des Kapitels ist lebenslang seiner antikommunistischen Linie treu geblieben. Es ist schon auffällig u. zudem lächerlich das vor allem ehemalige Mitglieder der K-Gruppen, die übrigens schon immer antisowjetisch agierten, heute in der BRD zu den großen Erklärern des Weltkommunismus stilisiert werden. Koenen, Schlögel, Schroeder oder ein Posener kippten früher ihren Müll auf die Sowjetunion und heute sicher nicht zufällig auf Russland.......“ 


Diese anti-Einstellung des Autors konnte ich deutlich wahrnehmen, im weiteren Verlauf irritierte sie mich unsäglich. Wäre ihm etwas am Thema, am Land insg. gelegen, hätte er einen anderen Ton angeschlagen und Mittel und Wege gefunden, das Ganze nicht so grässlich darzustellen.


Für Laien schaut Koenen wie ein Kenner aus. In der Sache liegt er oft richtig. Bloß seine Interpretationen sind leider eher fragwürdiger Natur. Zudem fehlten mir leider die Quellen als Beleg manch seiner steilen Thesen, Darstellungen wichtiger Momente blieben auf dem Hörensagen Niveau. Bei einem guten Sachbuch sind einwandfreie Quellenangaben aber unerlässlich.


Mir waren die Inhalte nicht neu. An mehreren Stellen entstand der Eindruck, dass der werte Autor bloß an der Oberfläche gekratzt hatte. Oft musste ich feststellen: Da sind nur die Eisbergspitzen, auf die er die Aufmerksamkeit der Leser fokussiert hatte. Aber warum brachte er ausgerechnet das? Und dann noch auf diese abwertende Art und Weise? Das Scheußlichste geht vor, war wohl die Devise. Oft genug krallte er sich an eine einzelne Quelle, an die Meinung nur eines Autors, der z.B. das Geschehen an der Südfront 1918 schilderte, und natürlich war es das Grässlichste, was da zu finden war. Zudem war der Text oft so staubtrocken, dass ich mich da förmlich durchbeißen musste. Ich habe gehofft, dass es vllt später besser wird. Fehlanzeige.


Weshalb schreibt man dann ein Werk, indem Russland eine große Rolle spielt und die restlichen achthundert Seiten Gegenstand der Ausführungen ist, wenn man so negativ dem gegenüber eingestellt ist, was man schreibt? Ist es eine Art Racheakt?, a lá: Ich erzähle rus. Geschichte, aber so widerwärtig, dass einem die Haare zu Berge stehen, damit die Russen so bescheiden, milde gesagt, in der Öffentlichkeit stehen. Denn klar ist: Derjenige, der die Geschichte erzählt, hat auch die Deutungshoheit, zumindest im Rahmen seines Buches. Und es wird womöglich Leute geben, die dieser Darstellung Glauben schenken werden, da der werte Autor sich als Kenner russischer Geschichte anschickt.


In dem Sinne ist dieses Werk eine klare anti-russische und anti-Kommunistische Meinungsmache, anders gesagt: Propaganda. Und diese ist, wie wohl bekannt, ein Machtinstrument. Funktioniert bloß nur, solange man sie nicht als solche erkennen kann.


Fazit: Wer gern anti-kommunistische, bzw. anti-russische Schriften liest, ist hier goldrichtig. Eine grässliche, einseitige Darstellung in schwarzen Tönen, abschätzig dargeboten, die noch Ihresgleichen sucht.


Ansonsten muss man es sich nicht antun. Zu dem Thema habe ich schon bessere Bücher gelesen. Zu den Anfängen von Kommunismus schreibt sehr gut Jürgen Neffe in „Marx. Der Unvollendete“. Es gibt auch andere Werke zur rus. Geschichte. Ohne die Rachegelüste und/oder ähnl. Allüren.


Mehr als zwei Sterne kann ich hier leider nicht vergeben.

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Matzbachs avatar

Rezension zu "Das rote Jahrzehnt: Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967-1977: Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967 - 1977" von Gerd Koenen

Schonungslose Selbstabrechnung mit einem leichten Augenzwinkern
Matzbachvor einem Jahr

Gerd Koenen, Historiker, Ex-KBW-Mitglied und 68-er, unternimmt mit seiner Studie den Versuch, das "rote Jahrzehnt" im Gefolge der Studentenbewegung zu beschreiben und historisch zu verorten. Dass er dabei als unmittelbar Beteiligter schreibt, macht das Buch um so lesenswerter.

Deutlich wird zunächst, dass das Jahr 1968 in seiner Bedeutung doch etwas überschätzt wird. Vieles von dem, wofür es heute verantwortlich gemacht wird, bahnte sich schon früher an, so eine Liberalisierung in zahlreichen Lebensbereichen. Manches kam trotz 1968 zustande, etwa die zahlreichen Bewegungen, die sich in der alternativen Szene herausbildeten, die aber so gar nichts mit dem Dogmatismus der 68-er zu tun hatten. Aber egal, ob eine der zahlreichen K-Gruppen, die Sponti-Fraktion, ja gar die RAF, sie alle einte eine maßlose Selbstüberschätzung, jede/jeder glaubte für sich den allein seligmachenden Weg in eine bessere Gesellschaft gefunden zu haben. Insofern ist es kaum verwunderlich, dass dem Kampf untereinander mehr Zeit und Einsatz gewidmet wurde als dem eigentlichen Gegner, den angeblich faschistoiden Tendenzen in der Bundesrepublik. Ich selbst kann mich noch an meine Studentenzeit in den frühen 80-ern erinnern, in denen die Nachwirkungen dieser dogmatischen Auseinandersetzungen in der hessischen Provinzstadt Marburg nachhallten, wo sich die verquaste M(arxistische)G(ruppe) und der MSB Spartakus heftigst bekämpften, ganz zu schweigen von den damals fundamentalistischen GBAL-ern. Unmöglich, die Brücke zum Mensa-Gebäude zu überqueren, ohne einen Stapel Flugblätter in die Hand gedrückt zu bekommen.

Aber Koenen stellt nicht nur mit einem ironischen Unterton den Narzissmus und die Megalomanie der damals Beteiligten dar, er stellt auch wichtige Fragen, von denen in dieser Rezension nur einige erwähnt werden sollen.

Kann es sein, dass der Impetus der 68-er, die Empörung über den Vietnamkrieg und den Muff der tausend Jahre, der tatsächlich bisweilen noch spürbar war, in Wirklichkeit dem urdeutschen Wunsch entstammt, den Sieg der Amerikaner zu überwinden, indem man diesmal auf der moralisch richtigen Seite stand?

Wie ist es zu erklären, dass der Pazifismus, der sich im Aufbegehren gegen die amerikanische Vietnam-Politik zeigte, so einfach in einen Krieg gegen den Kapitalismus umformen ließ, der, so zeigt es die RAF, durchaus wörtlich zu nehmen ist?

Wie kann eine Bewegung, die aus dem berechtigten Zorn über die Verbrechen des Dritten Reiches entstanden ist, zu einer antizionistischen werden, bis hin zur "Selektion" jüdischer Geiseln von den anderen anlässlich der Flugzeugentführung, die im Blutbad von Entebbe endete?

Und welchen Beigeschmack hat es, wenn führende Protagonisten des SDS wie Bernd Rabehl oder der RAF-Anwalt Horst Mahler heute auf der extremen Rechten verortet sind? Gibt es vielleicht doch so etwas wie Perönlichkeitsstrukturen, die nach einer totalitären Gesellschaft lechzen. Gerade heute Morgen am Wahltag und dem vermutlich sicheren Einzug der AfD in den Bundestag finde ich solche Fragen höchst aktuell.

Jedem Altersgenossen, aber auch jedem historisch bzw. politisch interessiertem Menschen möchte ich dieses Buch an Herz legen, das sowohl mit einem Augenzwinkern unterhält, aber eben auch wichtige Fragen stellt.

 

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Koehler-trifft-Buchs avatar

Rezension zu "Die Farbe Rot" von Gerd Koenen

Eine Geschichte des Kommunismus
Koehler-trifft-Buchvor einem Jahr

Im Jahr 2017 jähren sich zwei große historische Ereignisse, die die Entwicklung der Menschheit maßgeblich geprägt haben: 500 Jahre Reformation und 100 Jahre Oktoberrevolution. Zu letzterem Ereignis erschien am 19. September 2017, „Die Farbe Rot“ von Gerd Koenen im Verlag C.H.Beck. Wie im Untertitel genannt, zeichnet der Autor darin „Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“ nach. Koenen schlägt mit seiner Monographie einen großen Bogen von der Antike bis zur Gegenwart des Jahres 2017. Er präsentiert auf über 1.000 Seiten nicht nur die Entstehung der Arbeiterbewegung während der industriellen Revolution, sondern auch die Ideen, Theorien und Entwicklungen, die schon viel früher im Altertum sowie im religiösen Mittelalter aufkeimten, sich während der Renaissance und Aufklärung weiterentwickelten und in der Französischen Revolution ihren ersten Höhepunkt fanden. Koenen schildert natürlich auch die Vorstellungen und Ideen der Frühsozialisten sowie von Marx und Engels, aus denen dann die ersten Gewerkschaften und sozialistischen Parteien und der Marxismus entstanden sind. Einen großen Raum widmet der Autor schließlich dem („real existierenden") Sozialismus, der – entgegen den Voraussagen von Marx und Engels – nicht in den ökonomisch weiter entwickelten Ländern Westeuropas und Amerikas entstanden ist, sondern von Russland ausging.

Die Geschichte des Kommunismus ist eine Geschichte voller Freud und Leid, von Siegen und Niederlagen, von Erkenntnissen und Verwirrungen sowie von Hoffnungen und Enttäuschungen. Das macht Koenen schon im Prolog zu seinem Buch deutlich: „Rot ist die Farbe, die dich mit allen andern Menschen ‚kommunistisch‘ verbindet. Gerade deshalb ist sie aber auch die Farbe der äußersten Gegensätze und der tiefsten Trennungen.“ Der Titel „Die Farbe Rot“ ist also gut gewählt. Der Historiker und Schriftsteller Gerd Koenen kennt den Kommunismus wie kaum ein zweiter aus eigener Erfahrung und Anschauung. Er war u.a. Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) und des Kommunistischen Bundes Westdeutschlands (KBW), engagierte sich aber auch für die polnische Bürger- und Gewerkschaftsbewegung „Solidarność“ und war wissenschaftlicher Mitarbeiter von Lew Kopelew. Von 1988 bis 1990 arbeitete er als Redakteur des Stadtmagazins „PflasterStrand“ von Daniel Cohn-Bendit in Frankfurt. Für sein Buch „Der Russland-Komplex“ erhielt der Autor den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung. Diese Sachkenntnis merkt man der mitreißenden Lektüre sofort an. Ich halte „Die Farbe Rot“ auf jeden Fall für einen hervorragenden Einstieg in die Geschichte des Kommunismus. Mit Nachwort, umfangreichem Anmerkungsapparat, Personenverzeichnis und 42 s/w Abbildungen lässt das im Verlag C.H.Beck erschienene, gebundene Buch auch von der editorischen Seite keine Wünsche offen. Es ist zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution eine wichtige Lektüre zum Verständnis des Kommunismus.

 


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