Gerd Propach

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Rezension zu "'Geht hin und heilt!'" von Gerd Propach

Umfangreich
Liebes_Buchvor 4 Jahren

Ich war von der Thematik am Ende doch erschlagen.
"Geht hin und heilt" gibt Einblicke in die Geschichte und Entwicklung der ärztlichen Mission bzw. der kirchlichen Gesundheitshilfe in der 3. Welt.
Das Buch befasst sich mit der Frage, ob Medizin christlich sein darf und wie verschiedene Kulturen darauf reagieren. Ich war überrascht zu hören, dass "neutrale" also nicht-christliche Medizinversorgung genauso ihre massiven Probleme mit anderen Kulturen hat wie christliche. Bei uns herrscht ja eher die Meinung vor, dass wir den Kulturen etwas Gutes tun, wenn wir von ihnen verlangen, die Kultur aufzuspalten in neutrale und wertefreie Bereiche. Auch das wird nicht überall akzeptiert, sondern stülpt anderen eine Einstellung über, die vielleicht nur wir mögen. Die Problemschilderungen über okkulte Medizin fand ich interessant.  Das Buch befasst sich weiter mit rein praktischen Problemen wie dem Aufbau eines Gesundheitssystems oder eines Krankenhauses. Einzelne Kapitel widmen sich den Themen AIDS oder Überbevölkerung. Dass die bei uns noch von früher bekannte Überbevölkerungstheorie nach Malthus lange überholt ist, war mir bekannt, trotzdem konnte ich über die Probleme, die unter dem Schlagwort Überbevölkerung verstanden werden, noch einiges erfahren!  Ich wusste nicht, dass z B Deutschland nach dem alten Überbevölkerungsbegriff schlimmer überbevölkert wäre als Afrika.  Die Autoren beschreiben auch die Lage der Kinder bzw. der Alten in verschiedenen 3. Welt-Ländern. Durch die Abschaffung der Grossfamilien stürzen viele alte Menschen in Isolation und Not. Sogar Sterbebegleitung wird thematisiert. Besonders aktuell zu sein scheint mir der Teil des Buches, der sich mit Traumatisierung befasst. Hier ist die Rede von den traumatisierten Flüchtlingen, die in Deutschland nicht versorgt werden, obwohl Traumastörungen seit den 80er Jahren medizinisch anerkannt sind. Trotzdem verfügt Deutschland über eine geringe Traumaversorgung. Das bedeutet, dass Zehntausende von Flüchtlingen hauptsächlich nur durch Psychopharmaka ruhig gestellt werden. (Durch Medienberichte wissen wird, dass schon deutsche Soldaten oder die Opfer der Love Parade nicht versorgt werden, auch Flüchtlingen geht es nicht besser.) Da das Buch aus dem Jahr 2002 ist, wird die jetzige Lage viel dramatischer sein. Das Buch ist sehr umfangreich, nur der erste Abschnitt befasst sich speziell mit Kirche, so dass ich glaube, wer sich für Entwicklungshilfe interessiert, wird hier fündig. In den verschiedensten Beiträgen und Erfahrungsberichten wurden meine Vorurteile und mein kleines Halbwissen immer wieder aufgebrochen.

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