Gerd Schneider Kafkas Puppe

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Inhaltsangabe zu „Kafkas Puppe“ von Gerd Schneider

Berlin, 1923. Ein kleines Mädchen weint um seine verlorene Puppe. Ein Mann spricht sie an – und behauptet, die Puppe sei auf Reisen gegangen. Von nun an bringt er ihr jeden Tag einen Brief von ihrer Puppe. Dieser Mann ist der bereits schwerkranke Schriftsteller Franz Kafka und die Begegnung mit dem Mädchen sowie die Puppenbriefe hat es tatsächlich gegeben.

Kaum aus der Hand zu legen und die Zirkusmusik klingt in meinem Ohr.

— Binea_Literatwo
Binea_Literatwo

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  • Rezension zu "Kafkas Puppe" von Gerd Schneider

    Kafkas Puppe
    MHoevermann

    MHoevermann

    16. June 2012 um 23:29

    Die heilende Kraft der Fantasie Wenige Wochen vor seinem Tod macht Franz Kafka bei einem Spaziergang durch den Steglitzer Park eine ganz besondere Bekanntschaft: Auf einer Bank begegnet ihm ein kleines Mädchen namens Lena. Sie ist unglücklich und weint, denn sie hat ihre Puppe verloren. Um das Kind zu trösten, erklärt er, dass er sie gesehen habe. Sie sei nur auf Reisen gegangen. Das Mädchen ist anfangs skeptisch. Wie sollte denn eine Puppe verreisen? Und woher will dieser an eine Fledermaus erinnernde, große, hagere Fremde das überhaupt so genau wissen? Kafka erfindet Geschichten, die er die Puppe erleben lässt. Er verfasst Briefe für Lena, angeblich von ihrer Puppe persönlich. Man kann vermuten, dass er sich ein Stück weit in dem Kind wiederfinden konnte. Elternlos lebt sie in einem Waisenhaus, aus dem sie sich immer wieder in den Park hinausflüchtet. Sie hat nichts und niemanden, nur diese Puppe. Er macht ihr ein großes Geschenk: Er gibt ihr Fantasie und Geschichten, eine Art Fahrkarte hinaus aus der Ausweglosigkeit. Tag für Tag überreicht Kafka ihr einen Brief von der geliebten Puppe. Ihr Verschwinden erklärt er als verzweifelte Flucht vor einem Hund. Es ist unendlich berührend: Der schwerkranke Franz Kafka versucht mit letzter Kraft am Ende seines Lebens einem anderen Menschen zu helfen, der gerade erst am Beginn des Lebens steht. Ein letztes Mal lässt er seine Seele fliegen, erfindet Abenteuer, schöpft Kraft aus seinem Tun und gibt Kraft. Während er sonst düstere Parabeln der Gottferne, der Einsamkeit und der ohnmächtigen Ausweglosigkeit verfasste, sind die Erlebnisse der Puppe voller Hoffnung und Freude. Er schenkt ihr in seinen Zeilen das, was ihm versagt blieb: ein glückliches, erfülltes Leben. Auch Franz Kafkas eigenes Dasein wird ein Stück weit transparent. Man erfährt von der letzten Lebensphase in Berlin und vom Leben mit seiner damaligen Weggefährtin, Dora Diamant. Dabei gestaltet Journalist und Autor Gerd Schneider diese Tage mit viel Einfühlungsvermögen und überaus kenntnisreich. Historische und fiktionale Elemente verbinden sich zu einer Erzählung, die berührt und den Menschen Franz Kafka mit aller Warmherzigkeit lebendig werden lässt. Dem Dichter bleiben nur wenige Wochen. Er weiß es und auch, dass er für Lena diese begonnene Geschichte abschließen muss. Nur dann würde das Mädchen Frieden mit dem Verlust schließen können. Ein Stück weit greift Schneider auf tatsächliche, biographische Quellen zurück. Darunter auf Franz Kafkas "Briefe an Ottla und die Familie" und besonders auf Dora Diamants: "Mein Leben mit Franz Kafka". Kafka stirbt im Alter von 40 Jahren am 03. Juni 1924 in einem Sanatorium an Kehlkopftuberkulose. Alle Versuche, das Mädchen zu finden, sind bislang im Sande verlaufen. Was aus ihr und den Briefen geworden ist, darüber kann nur spekuliert werden. Das Ende des Buches versucht eventuell erneut einen Brückenschlag in die Realität, denn es bietet in Ansätzen eine mögliche Erklärung für diesen Umstand. Geeignet ist diese rührende Geschichte ausdrücklich für junge Leser. Allerdings ist schwer vorstellbar, dass sie das Buch selbst entdecken. Ohne entsprechendes Hintergrundwissen bleibt das Buch vermutlich eher schwer zugänglich. Weder der Titel noch die Handlungskonstruktion scheinen spannend oder ansprechend für Jugendliche. Ein Einsatz innerhalb des Deutschunterrichts dagegen ist durchaus vorstellbar. In verständlicher und klarer Sprache entfaltet sich die Handlung. Vorrangig geht es darum, Lena zu helfen. Aber auch der Autor wird in seiner Person und mit seinen zentralen Lebenskonflikten ein Stückweit sichtbar: Die schwierige Beziehung zum Vater, die Auseinandersetzung mit seiner lebensbedrohlichen Erkrankung und das Erleben des Scheiterns haben tiefe Spuren in dem feinfühligen Schriftsteller hinterlassen. Das weckt Interesse an seinem Werk. Vielleicht führt es sogar zu einer tiefen Auseinandersetzung mit den literarischen oder biographischen Hinterlassenschaften und trägt zu einem besseren Verständnis der vieldeutigen Texte bei. Wer sich für Kafka interessiert, wird dieses Buch in jedem Fall schätzen. Es ist eine wunderbare Lektüre für Lesende aller Altersklassen, die den Menschen hinter der Literatur suchen und ein Stückweit besser verstehen wollen. Das Buch selbst ist eine Augenweide und zeigt, aus welchem Grund ein hochwertig gedrucktes Buch aus Papier nie vollständig durch ein e-Book ersetzt werden kann: Der Schutzumschlag ist sehr aufwändig gestaltet; Leineneinband und Lesebändchen runden das Erlebnis ab.

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  • Rezension zu "Kafkas Puppe" von Gerd Schneider

    Kafkas Puppe
    plaisirdelire

    plaisirdelire

    30. January 2010 um 20:19

    Kafkas letzte Monate in Berlin: Bereits schwer krank, verliebt in Dora und endlich auf ein anderes Leben hoffend. Bei einem Spaziergang trifft er ein kleines Mädchen, das seine Puppe verloren hat. Um es zu trösten, schreibt er ihm Karten und lässt darin die Puppe von ihrer Reise erzählen. - Ob Kinder oder Jugendliche dieses Buch spannend finden? Wohl eher nicht. Aber wenn man Kafkas Biographie und sein Werk zumindest ein wenig kennt, kann man in diesem gut recherchierten Buch dem Menschen Kafka näher kommen und viele Anspielungen an seine Werke entdecken.

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  • Rezension zu "Kafkas Puppe" von Gerd Schneider

    Kafkas Puppe
    Binea_Literatwo

    Binea_Literatwo

    29. November 2009 um 21:41

    Dresden. Ich stehe auf meinem Balkon, es ist November und der Wind trägt sanft die Zirkusmusikklänge des Sarassani herüber. Meine Gedanken werden von dem Wind, der nun weiter zieht, aufgenommen und schweben zu Lena, Lenotschka der Seiltänzerin, und zu ihrer Puppe Mira, sowie zu Franz Kafka. Franz Kafka sitzt wie jede Nacht an seinem Tisch und schreibt. Dr. Kafka, morgens bis mittags ein ordentlicher Beamter und nachts Schriftsteller und Dichter, dessen Texte nur wenige kennen. Er schreibt meist an Geschichten, die ein trauriges Ende haben, findet seine neue Frau Dora. „Wie könnte eine Vereinigung größer sein zwischen Liebenden, als dass sie miteinander verschmelzen!“ sagte er, woraufhin Dora erwidertet: „Sie sind verbrannt, das ist es, was bleibt.“ Doch bei Lena und ihrer Geschichte über die verlorene Puppe wird alles anders. Es ist auch nicht Lenas Geschichte bzw. nicht er, Franz Kafka, schreibt diese, sondern ihre Puppe Mira hat ihn dazu beauftragt. Kafka ist bereits schwer krank, doch diese kleine Lena ist für ihn besonders. Seit sie ihre Puppe verloren hat, trifft er sie jeden Tag an der Bank im Park und sobald die Steglitzer Kirchturmuhr zwei schlägt, müssen sie sich trennen, da sie wieder auf und davon zu ihrer Mutter rennen muss. Kein Tag vergeht ohne dieses Treffen, kein Tag ohne die Geschichte über den Reiseverlauf der zum Leben erweckten Puppe, kein Tag ohne Begegnung mit Oberst Behrens und seinem Collie Karo. Eine wunderbare, herzzerreißende und doch so einmalig einfühlsame Begegnung voller Liebe, Vertrauen und Halt, in der Zeit des Krieges und der Konzentrationslager. Kafkaesk bedeutet undurchschaubar, geheimnisvoll, bedrohlich. Kafka, ist das nicht dieser schwierige Schriftsteller? Nein, nach diesem teils autobiographischen Werk ist Kafka eine Persönlichkeit, die nie vergessen werden darf, denn spätestens im Nachwort hat sich dieser Mann in allen Buchliebhaberherzen einen festen Platz gesichert.

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  • Rezension zu "Kafkas Puppe" von Gerd Schneider

    Kafkas Puppe
    Izzylie

    Izzylie

    11. July 2009 um 14:05

    Der schwerkranke Kafka und ein kleines Mädchen - diese beiden verbindet eins: eine verloren gegangene Puppe. Kafka lernt das Mädchen in einem Park kennen und erfährt von ihr von der vermissten Puppe. Statt ihr beim Suchen zu helfen, beschließt er, ihr anders über diesen Verlust zu helfen - er schreibt ihr im Namen der Puppe täglich Briefe, in denen die Puppe von ihrem Abenteuern erzählt... denn nein, sie ist nicht einfach verloren gegangen, sie ist nur auf einer großen Reise - auf der Suche nach dem Mädchen und vielleicht auch nach sich selbst. Eine Art Freundschaft zwischen Kafka und dem Mädchen entsteht und jeden Tag wächst auch die Puppe und wird mit den Erzählungen immer lebendiger... bis sie eines Tages.... lest selbst ;) Das Buch war kaum draußen, da war klar, dass ich es unbedingt haben muss... Selten hat man etwas schöneres und rührenderes gehört und den schweren Kafka auf eine Art kennenzulernen war schon ein großer Reiz. Ich hab das Buch quasi verschlungen und jede Seite war eine Freude und Wohltat für das Herz. Ein wenig traurig, ein bisschen witzig und sehr sehr schön - läd definitiv ein zum selber lesen...

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  • Rezension zu "Kafkas Puppe" von Gerd Schneider

    Kafkas Puppe
    Kiwiken

    Kiwiken

    16. March 2009 um 19:39

    Schön. Obwohl es mir schwerfällt, zu entscheiden, wieviel davon ich diesem Buch an sich anrechne und wieviel der ihm zugrundeliegenden wahren Geschichte (die ich bereits kannte). Es liest sich leicht, die Sprache ist sehr schlicht und schnörkellos, lenkt nicht von der Geschichte ab. Für meinen Geschmack ist sie eigentlich schon manchmal zu einfach - nun ist es immerhin auch ein Jugendbuch (ab 14 Jahre, soweit ich weiß), aber ich denke doch, daß man in dem Alter etwas längere Sätze verdauen kann, als man sie von Gerd Schneider hier geboten bekommt. So kam es mir manchmal vor, als wäre es eher für Kinder geschrieben; zu diesem Gedanken könnte natürlich auch das Puppenthema verleiten - die oben genannte Altersvorgabe ist aber sicherlich angemessen. Zunächst einmal ist es traurig und hat kein Happy-end. Wer sich nur ein wenig in Kafkas Biographie auskennt, weiß das natürlich von vornherein, aber ich vermute, daß bei einem Leser, der es nicht wüßte, zwischenzeitlich der Eindruck entstehen könnte, daß die Geschichte auf ein gutes Ende hinausläuft. Dann spielt die Handlung im Berlin des Jahres 1923, und immer wieder sind Anspielungen auf die politische und wirtschaftliche Situation eingeflochten, ohne dabei jedoch viel zu erklären - die große Inflation, der Nationalsozialismus, ganz zum Schluß auch das Lager Theresienstadt. Daneben hat der Autor zahlreiche Ausschnitte aus Kafkas literarischen Schriften, Briefen und Tagebüchern eingebaut, ebenso wie einige Rückblicke auf sein bisheriges Leben - damit ist das Buch auf jeden Fall wunderbar geeignet, um junge Leute an Kafka heranzuführen, die sich sonst vielleicht von seinem Ruf abschrecken ließen. Wer natürlich wie ich die betreffenden Texte bereits gelesen und sich mit Kafkas Biographie befasst hat, für den wiederholt sich hier vieles. Franz Kafka selbst und auch seine Freundin Dora Diamant hat der Autor sehr liebevoll portraitiert. Daß das kleine Mädchen in diesem Buch eine Waise ist, fand ich etwas unnötig - die Geschichte drückt auch ohnedies genug auf die Tränendrüse. (Achtung, wer keine Details über das Ende verraten haben möchte, bitte nicht weiterlesen!) Ebenfalls gestört hat mich, daß die wenigen Details, die über die wahren (und leider verschollenen) Puppenbriefe bekannt sind, hier nicht übernommen wurden. Gerd Schneiders Briefe enden mit einer Seiltänzerlehre der Puppe, welche sich das Mädchen offenbar in seinem späteren Leben zum Vorbild nimmt. Kafkas Puppenbriefe endeten dagegen, laut Dora Diamants Bericht, mit der Hochzeit der Puppe. Ein Happy-end à la Disney, möchte man fast sagen - aber es passt, war die Ehe doch für Franz Kafka das größte, von ihm selbst unerreichte Ziel. Ich hatte erwartet, daß das Buch mit dem letzten Brief oder spätestens mit Kafkas Tod enden würde, aber der letzte Abschnitt spielt 20 Jahre später in Theresienstadt. Das kleine Mädchen ist nun eine erwachsene Seiltänzerin, sie ist von Juden adoptiert und daher als Jüdin deportiert worden (ob es solche Fälle gab, weiß ich nicht; da sie ja trotzdem "arischer" Abstammung ist, erscheint es mir zumindest theoretisch nicht ganz stimmig). Sie führt im Lager ihre Kunst vor und verschwindet dabei unter mysteriösen Umständen, löst sich gewissermaßen in Luft auf. Und dieses Ende stört mich jetzt wirklich. Nicht, weil es fantastisch ist, sondern mehr, weil es irgendwie unmotiviert ist. Ich verstehe zwar, daß der Autor die "Magie" der Puppenbriefe damit betonen wollte, aber dennoch kann ich es nicht anders als unangemessen empfinden, wenn Lena und Pavel sich davonmachen und ihre Zuschauer in der Gefangenschaft der Nazis zurücklassen, wo sie der Tod erwartet. Nicht zuletzt auch Kafkas Schwester Ottla und die 1200 Kinder in ihrer Obhut, darunter vermutlich das kleine Geburtstagskind, dem sie eben die alte, von Dora geflickte Lumpenpuppe geschenkt hat.

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