Romeo oder Julia

von Gerhard Falkner 
3,2 Sterne bei19 Bewertungen
Romeo oder Julia
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Positiv (7):
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Ein Schriftsteller, der feststellen muss, dass ihn jemand auf seinen Vortragsreisen verfolgt, die Frage ist, wer und warum?

Kritisch (6):
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Hochprätentiös, überheblich und mit mehr Füllwerk als Story — der Buchpreis-nominierte Titel enttäuscht leider.

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Inhaltsangabe zu "Romeo oder Julia"

Kurt Prinzhorn ist zu einem Schriftstellertreffen nach Innsbruck eingeladen, wo ihm Merkwürdiges widerfährt: Jemand muss während seiner Abwesenheit ein ausgiebiges Schaumbad in der Wanne seines Hotelzimmers genommen und dort bewusst Spuren hinterlassen haben. Die Chipkartenschließanlage der Tür zeigt jedoch kein fremdes Eindringen an. Als nächstes verschwindet der Schlüsselbund des zunehmend ratlosen Autors. Während einer Moskau-Reise wenige Tage später kommt es zu neuen Unerklärlichkeiten, und auch in Madrid, wo Prinzhorn einer früheren Geliebten wiederbegegnet, reißt die Kette seltsamer Geschehnisse nicht ab – bis ihm durch Zufall das Puzzle der Erinnerung zu einem Bild zusammenfällt, das ihn weit in die eigene Biographie zurückführt. Am nächsten Morgen klingelt die Polizei an der Tür seiner Berliner Wohnung, denn unter dem Fenster von Prinzhorns Zimmer in Madrid wurde eine tote Frau gefunden.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783827013583
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:Berlin Verlag
Erscheinungsdatum:01.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Schuggas avatar
    Schuggavor 2 Monaten
    Langweilige Ego-Aufwertung

    Die Beschreibung des Romans klang für mich ganz reizvoll: Auf den ersten Blick unerklärliche Geschehnisse, final beendet mit dem Tod einer Frau. Da hab ich mir natürlich erhofft, dass der Protagonist auf spannende Weise versucht, hinter des Rätsels Lösung zu kommen und für alles logische Erklärungen zu finden.

    Leider verläuft sich der Autor auf der Suche nach der mysteriösen Stalkerin in seinem Roman schwerpunktmäßig in Beschreibungen seiner letzten Reisen, wer da mit wem über was sprach oder mit wem schlief, welcher Alkohol konsumiert wurde  und lauter andere, wirklich uninteressante Fakten, welche selbst für ein Tagebuch eindeutig zuviel des Guten gewesen wären. Durchzogen wird diese Auflistung uninteressanter Erlebnisse von Erinnerungen des Protagonisten, welche mich nun auch nicht grad vom Hocker rissen. Vielmehr hatte ich beim Lesen den Verdacht, da wolle jemand sein Ego aufpolieren durch die Hinweise, wieviel er doch wisse, welche Alkoholmengen er konsumiere und wie attraktiv er auf das andere Geschlecht wirke.

    In völligem Kontrast zu dieser doch recht langatmigen und für meinen Geschmack langweiligen Geschichte steht der ausdrucksstarke Schreibstil des Autors mit tiefgründigen Formulierungen, in denen mehr Information zu entdecken ist als es auf den ersten Blick scheint.

    Dieses Buch gehört für mich leider eindeutig in die Kategorie der Bücher, bei denen ich mich ärgere, soviel Geld und Zeit dafür investiert zu haben.

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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Das Buch konnte mich nicht wirklich überzeugen.
    Die Story enttäuscht

    Ein Autor auf Reisen wird Opfer einer wilden Stalkerin, die ihm aus dem Hotelzimmer sein Schlüsselbund klaut und nichts zurücklässt außer ihren langen schwarzen Haaren in der Badewanne- als hätte sie genüsslich ein Bad genommen und auf den Beraubten gewartet. Auf weiteren Reisen nach Moskau und Madrid geschehen weiter seltsame Dinge und es drängt sich die Frage in den Vordergrund, wer den Autor hier verfolgt. Und vor allem, warum.
    Gerhard Falkner war bereits mit „Apollokalypse“ für den Deutschen Buchpreis 2016 nominiert und mit „Romeo oder Julia“ hat er es auch 2017 wieder auf die Shortlist geschafft. Dennoch war ich von dem Roman enttäuscht, ich empfand die ganze Geschichte als sehr gewollt und schlecht konstruiert. Bis kurz vor Ende war der ganze Ablauf für mich kaum nachvollziehbar und auch nach Beendigung des Buches sind viele Elemente für mich völlig unklar. Die Story hätte diese Nebenspuren meiner Meinung nach in keiner Weise gebraucht, im Gegenteil, sie zerfaserten für mich viel zu sehr und waren schwer zu verfolgen.
    Als sehr positiv empfand ich hingegen Falkners Sprache. Da ich bisher noch kein Buch von ihm gelesen hatte, war es für mich eine neue Erfahrung. Mir sind viele Formulieren und Ausdrücke in Erinnerung geblieben, weil ich sie so treffen und ausgesprochen gut und bildhaft formuliert fand. Dies steht für mich leider in starkem Widerspruch zu der schwachen Story, doch ich werde einem anderen Roman von Gerhard Falkner sicher noch eine Chance geben.
    Mir hat „Romeo oder Julia“ nur eingeschränkt gefallen, während ich die Story abwegig und nicht klar genug strukturiert fand, um nachvollziehbar zu sein, haben mir Ausdruck und sprachliche Umsetzung sehr gut gefallen, es ist einfach Geschmackssache, ob man an „Romeo oder Julia“ Gefallen findet oder nicht. 

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    Magicsunsets avatar
    Magicsunsetvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Schriftsteller, der feststellen muss, dass ihn jemand auf seinen Vortragsreisen verfolgt, die Frage ist, wer und warum?
    Ein Autor, geheimnisvolle Vorfälle - sprachlich beeindruckend erzählt

    „Als ich meine Zimmertür von außen zuzog, war dick gelb umrandet ein Throw-up draufgesprayt: Romeo oder Julia: peng, peng.“ (Zitat Seite 162) 

    Kurt Prinzhorn ist ein Schriftsteller in einer Phase zurückgezogener, ländlicher Abgeschiedenheit, die er nur unterbricht, um zu wichtigen Literaturtreffen zu reisen, wo er als Vortragender eingeladen ist – so stehen nun Innsbruck, Moskau, Madrid auf dem Programm. Als er in Innsbruck ins Hotelzimmer zurückkehrt, steht er vor einer zwischenzeitlich benützen Badewanne, wo lange, schwarze Haare hinterlassen wurden. Sein Schlüsselbund fehlt und nach einem nächsten Einbruch auch die Tasche mit allen Notizbüchern, in denen er seine Vorträge vorbereitet hat. Weitere Zwischenfälle folgen in Moskau und Madrid – jemand verfolgt ihn, aber warum?

    Der Roman wird aus Sicht des Schriftstellers Kurt in der ersten Person erzählt. Dies ermöglicht es dem Autor, teilweise humorvoll überzeichnete, teilweise sarkastische Bemerkungen zur Literaturszene, Kritik an der heutigen Hochglanz-Gesellschaft, literarische Anspielungen gekonnt in die Handlung einzufügen. Seine Liebe zur Sprache zeigt der Autor aber auch in den bildhaften Beschreibungen der Hotels, Städte, Landschaften. In den Personen rund um den Schriftsteller finden sich Charaktere, wie sie heute im Kunst- und Kulturbetrieb überall anzutreffen sind.

    Der Hauptprotagonist Kurt scheint sich in einer Schaffenskrise zu befinden, ist aber auf Grund seiner bestehenden Werke bekannt und anerkannt. Der Leser fühlt mit ihm, besonders am Beginn der Vorkommnisse, da nicht nur er selbst zeitweise, sondern auch sein Bekanntenkreis nicht sicher ist, ob sich der Schriftsteller nicht alles nur einbildet.

    Beschreibungen von langen Hotelfluchten, Vorhängen, die „tosen“, dunklen Gassen und das Geheimnisvolle, Unerklärliche der Vorfälle lehnt der Autor an Elemente des Schauerromans des 19. Jhd. an. Wie auch dort, erfolgt die Aufklärung erst mit dem Schluss der Geschichte.

    Der Roman ist in vier Teile gegliedert: Innsbruck, Moskau, Madrid und Endstation Berlin, welche dann in bezifferte Kapitel unterteilt sind. Eine besondere Bewandtnis gibt der Autor allen 13. Kapiteln, die jeweils den Abschluss der Teile Innsbruck, Moskau und Madrid bilden, denn hier erhält der Leser Hinweise auf mögliche Erklärungen für die Vorfälle. Sehr speziell ist das Kapitel 13 Moskau, denn hier führen die sprachgewaltigen Phantasien des Autors, scheinbar völlig zusammenhanglos, uns in vergangene Jahrhunderte zurück. Im Kapitel 13 Madrid erfährt Kurt und damit auch der Leser schließlich die tatsächlichen Hintergründe und Auflösung.

    Ein Roman für Leser zeitgenössischer Literatur, die bereit sind, auch die Sprache an sich wirken zu lassen, teilweise lange Satzgebilde, die sich nicht einfach mal so zwischendurch lesen lassen. Dennoch empfehle ich diesen Roman auch Lesern, die einen Gegenpol zu Trivia und Fantasy suchen, einfach Lust haben, sprachliches Neuland zu erlesen.

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    buecher-beas avatar
    buecher-beavor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Hohe Literatur, die vom Literaturbetrieb handelt, mit einem kriminellen Anteil. Ein Titel für eine sehr kleine, auserwählte Leserschaft.
    Katz und Maus, aber nur einer weiß davon

    Innsbruck - Moskau - Madrid, dazwischen immer wieder Berlin. Und eigentlich möchte der Autor Kurt Prinzhorn nur zu seinem einsamen Hof in der Nähe von Nürnberg, wo keine Menschen sind.
    Zudem widerfahren ihm komische Ereignisse während seiner Reise. In seinem Hotelzimmer kleben über Nacht Haare an der Badewanne, seine Schlüssel verschwinden und auch seine Notizbücher.
    Nachdem er wochenlang im dunklen tappt und nicht weiß, wer ihn da verfolgt, eröffnet sich ihm ein schockierendes Geheimnis.

    Die Literaturszene wird von seiner Seite gezeigt, die einem andauernden Happening gleicht. Ständig wird getrunken, konferiert und die Menschen scheinen ihren Geschlechtstrieb nicht unterdrücken zu können. 
    Der Protagonist selbst hält sich für menschenfern, doch glänzt er in Zwiegesprächen und sucht die Nähe vor allem zu schönen Frauen und Hunden.
    Viele Sätze von ihm lassen einen innehalten und zu philosophischen Gedankenexperimenten verleiten. Andere Sätze sind voller Fachwissen aus den Bereichen Philosophie, Malerei oder Geschichte, die man nachschlagen möchte.  


    Der Titel erschließt sich während des Plots. 


    Ich persönlich kam leider erst bei den letzten drei Sätzen durch den Plot zu einer Art Lesegenuss. Für FeministInnen und Anti-SexistInnen ist dieses Buch und der Protagonist nichts. 
    Für sehr belesene Menschen und geisteswissentschaftlich Interessierte hingegen sicherlich. 

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    Jaris avatar
    Jarivor 10 Monaten
    Gerhard Falkner - Romeo oder Julia

    Als die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2017 veröffentlicht wurde, hörte ich mir die dazugehörigen Hörproben der Titel an. Der einzige, der mich wirklich interessierte, war Gerhard Falkners "Romeo oder Julia". 
    Während alle anderen Bücher nach den eher typischen Geschichten der Höheren Literatur klangen, war dieses hier mal etwas Anderes und stach erfrischend aus der Masse heraus. Dass Falkner den Preis nicht gewinnen kann, ist mir während des Lesens klar geworden, was aber nicht heisst, dass es kein gutes Buch ist.

    "Romeo oder Julia" beginnt verrückt und wird auch immer seltsamer. Falkner nimmt sich eines bekannten Themas an (nein, ich verrate nicht welches, da das den Spass am Buch nehmen würde!) und verarbeitet es auf eine neue Art und Weise. Das Ende selber war dann, wenn man das Buch als Ganzes betrachtet, leider eher etwas mau.

    Doch wodurch sich dieser Titel wirklich auszeichnet, ist Falkners Humor. Viele Werke, die sich im literarischen Bereich bewegen, sind meistens eher düster, traurig, nachdenklich... aber auf keinen Fall lustig. Sowas gehört sich nicht für das gehobene Milieu. Damit, dass Gerhard Falkner es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, zeigt er aber, dass dem nicht so sein muss.
    Zusammen mit Kurt Prinzhorn reisen wir durch Europa, treffen jede Menge Leute und erleben merkwürdige Dinge. Die Haare in der Badewanne sind da nur der Anfang. Genauso wie Kurt tappt der Leser eher im Dunkeln, was diese mysteriösen Zwischenfälle betrifft. Dafür gibt es immer mal wieder kleinere und grössere Hinweise auf die Lösung.

    Trotz der wirren Ereignisse geht die Handlung eher ruhig vonstatten. Gespräche sind ein wichtiger Teil davon, aber auch Kurts Gedankengänge. Oftmals wusste ich gar nicht so genau, wohin die Geschichte uns bringen oder ob es überhaupt eine Lösung geben wird. Das störte mich persönlich jedoch nicht im Geringsten, ich genoss einfach die Lektüre um der Lektüre willen.

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    killmonotonys avatar
    killmonotonyvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Hochprätentiös, überheblich und mit mehr Füllwerk als Story — der Buchpreis-nominierte Titel enttäuscht leider.
    Rezension: Romeo oder Julia

    So, jetzt soll ich also etwas zu Falkners Buch schreiben. Dieses Exemplar war in diesem Jahr sogar auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Der Klappentext klang vielversprechend und auch die Leseprobe aus dem Shortlist-Leseprobenheftchen hat mir sehr zugesagt. Zack, Tina muss auch mal etwas von dieser „richtigen“ Literatur lesen, die hochgelobt ist und Preise gewinnt (vielleicht). Beim Zuklappen des Buches geraume Zeit später war mir jedoch nicht so richtig klar, was ich da gerade gelesen habe. Und ob ich überhaupt etwas vom Inhalt wiedergeben könnte, da alles so konfus war. Kurzgefasst geht es um den Autor Kurt Prinzhorn und den mysteriösen Kriminalfall, der sich um ihn zu entspinnen scheint. So sind merkwürdigerweise eine ganze Menge fremder, langer Haare an seiner Seife und sein Schlüsselbund fehlt auch. Nicht zu vergessen seine Notizbücher mit lauter wichtigen.. nun ja, Notizen. Jedoch finden weder er noch die Polizei Spuren eines Einbruchs. Kurt wird Verwirrtheit zur Last gelegt, hätte er doch die Schlüssel bestimmt anderweitig verloren. Dem ist jedoch nicht so, und als Kurz weiter nach Moskau reist, scheint ihn seine Stalkerin weiter zu verfolgen, er fühlt sich beobachtet und vielleicht auch ein wenig paranoid. Als die ominöse Frau ihn jedoch selbst nach Madrid zu verfolgt haben scheint, reißt Kurts Geduldsfaden und er nimmt die Verfolgung auf.

    Neben der eigentlich ganz interessanten Hauptstory gibt es auch in „Romeo oder Julia“ jede Menge Füllwerk. So jagt Kurt mit seinen Autorenfreunden von einem Schauplatz oder Hotel zum Nächsten, führt mehr oder weniger intelligente Gespräche und lernt selbstverständlich auch die eine oder andere Frau kennen. Das „Füllwerk“ ist jedoch nicht halb so interessant wie die Geschichte um das Stalking: Plattitüden häufen sich, der Erzählung fehlt es an Schwung und Schmackes, und die Charaktere (selbst Kurz!) wirken platt. So findet man mitunter einen Satz wie Folgenden mitten im Text, ohne dass er sich schämt:

    Ich ergriff ihre Hand und fühlte mich ergriffen.

    Um meine Gefühle während der Lektüre dieser Sätze zu beschreiben, muss ich leider zum Slang greifen: cringe! Und nicht nur der oben genannte Satz ist cringe-worthy, um es in Worte zu fassen, sondern immer wieder tauchen komische Wortgebilde und Wortgeschwulste auf. Der Text macht den Eindruck, als wäre er hoch prätentiös und kommt ein wenig schnöselig daher. Ob das Ganze mit dieser hippen Ironie geschrieben wurde oder nicht, kann ich leider nicht nachvollziehen. Die Handlung erschien mir leider ebenso schwammig, obwohl ich nicht sagen könnte, dass ich unaufmerksam gelesen hätte oder dergleichen. Ich habe nur nicht den Zusammenhang zwischen all diesen Leuten, diesen Partys und unserem Herrn Protagonisten gesehen, alles schien belanglos hingekleckst, manchmal auch zum Schmunzeln, meistens aber zum Kopfschütteln.

    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.de

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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor einem Jahr
    Unromantisches Schriftstellerleben

    Unromantisches Schriftstellerleben 

    Für Schriftsteller Kurt Prinzhorn gibt es kein „Romeo und Julia“, keine Romantik, keine große, gar dramatische Liebe. Er hat Affären, Kurzzeitbeziehungen oder vorübergehende Liebschaften, die er bei Gelegenheit auch wieder aufwärmt, wenn er sich berufsbedingt am Wohnort einer Ex aufhält. Stets bleibt er zwar nett und durchaus nicht gefühllos, aber immer auch unverbindlich.

    Gerhard Falkners neuer Roman „Romeo oder Julia“ setzt ein, als Prinzhorn sich auf Reisen befindet. Zunächst fährt er zu einem Schriftstellertreffen nach Innsbruck, später geht es weiter nach Moskau und Madrid. In Innsbruck werden ihm aus dem Hotelzimmer seine Schlüssel gestohlen und in seinem Bad scheint jemand die Badewanne benutzt zu haben: Er findet dort lange schwarze Haare, sonst aber keine Spuren, die darauf hindeuten, dass jemand dort war. Sowohl die Hoteldirektion als auch die Polizei können nichts ausrichten, vielmehr scheint man Prinzhorn nicht ganz für voll zu nehmen in seinen Anschuldigungen. Später widerfahren ihm in Moskau und Madrid weitere seltsame Dinge. Offenbar wird er verfolgt.

    Gerhard Falkner lässt Prinzhorn die Geschichte erzählen, und das in einem locker-leichten Stil, in oftmals verschachtelten Sätzen, bei denen jedes Wort sitzt. Mithilfe seines Protagonisten gelingt Falkner eine ironisch-amüsante Kritik am eigenen Berufsstand und den Eitelkeiten mancher Autoren, immer mit einem Augenzwinkern und niemals wirklich bösartig. Prinzhorn nimmt sich selbst nicht so furchtbar wichtig, obwohl auch er vor Eitelkeiten nicht gefeit ist. Falkners Roman wird auch durch seine Hauptfigur und ihren Charakter nicht zu dem ernsten Kriminalroman, den man vielleicht hätte erwarten können. Daher passt es auch gut in die Geschichte, dass Prinzhorn sich über die Geschehnisse, die er sich nicht erklären kann, zwar wundert und sie auch unbedingt aufklären will, aber nicht wirklich beunruhigt ist. Und eigentlich ist auch viel zu sehr damit beschäftigt, auf seinen Reisen andere Leute zu treffen, sich zu betrinken und mit Frauen anzubändeln.

    Es ist was dran, wie in anderen Besprechungen zu lesen war, dass der Roman keine große Entwicklung zeigt. Ich habe Prinzhorn gern auf seinen Reisen begleitet und dabei Falkners Fabulierkunst genossen, mich an seinen Seitenhieben am Literaturbetrieb erfreut ebenso wie an den Referenzen an Kunst und Literatur, zum Beispiel am von Prinzhorn kurzerhand „Raskolnikow“ getauften russischen Straßenhund, den er mit Wurst aus dem Hotel, in dem er wohnt, füttert. Die Geschichte bleibt dabei in der Tat lange ein wenig ziellos. Falkners Protagonist war für mich jedoch interessant und amüsant genug, um darüber hinwegsehen zu können.

    In „Romeo oder Julia“ kann man also viele Anspielungen und Querverweise finden – es scheint, als habe Falkner sich beim Schreiben des Romans sehr amüsiert. Ganz nebenbei entzaubert er jegliche Romantik, die für seinen Protagonisten keine Rolle spielt: Bei ihm heißt es eben folgerichtig Romeo oder Julia. Übrigens hat der Autor eine wahre Begebenheit verarbeitet: Ihm selbst ist passiert, was Prinzhorn zu Beginn des Romans im Innsbrucker Hotel widerfährt, den Rest hat er dazu erfunden. Mir haben Falkners Fabulierkunst und seine Überzeichnung, sein feiner Humor und sein Sarkasmus gut gefallen.

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    MikkaGs avatar
    MikkaGvor einem Jahr
    Schnittlauchdschungel und Orte ohne Eigenschaften

    Zum Zeitpunkt, da ich diese Rezension schreibe, ist "Romeo oder Julia" für den Deutschen Buchpreis nominiert und hat es bereits auf die Shortlist geschafft, ist also eines von sechs Büchern, die in die engere Auswahl aufgenommen wurden.--Obwohl ich normalerweise nicht davor zurückscheue, meine Meinung ehrlich zu äußern und gegebenenfalls auch negative Rezensionen zu schreiben, fällt mir das bei Büchern, die Preisträger oder zumindest Preisanwärter sind, schwer. Menschen, die ohne Zweifel belesener sind als ich, die mehr von Literatur und vom Literaturbetrieb verstehen, haben das Buch für auszeichnungswürdig befunden. Wer bin ich also, dem zu widersprechen?--Die einfachste Antwort: ich bin eine Buchbloggerin, vor allem aber bin ich eine Leserin, die sich von diesem Buch herb enttäuscht fühlt. Die Prämisse klingt originell und vielversprechend, eine Mischung aus Krimi, Einblicken in den Literaturbetrieb und möglicherweise einem Hauch Drama. Tatsächlich verrät der Klappentext jedoch schon fast alles, was in diesem Buch passiert – die Handlung erschien mir etwas dürftig für 272 Seiten.--Natürlich gibt es Bücher, die nicht durch ihre Handlung bestechen, sondern durch andere Eigenschaften, wie unvergessliche Charaktere, atemberaubende Sprachgewalt oder die Art und Weise, wie sie den Leser aus seiner Komfortzone zerren und ihn zwingen, die Welt oder sich selbst in einem neuen Licht zu sehen. Von "Romeo oder Julia" fühlte ich mich indes selten bestochen, sondern über lange Passagen sogar gelangweilt.--Das Krimi-Element der Geschichte, das für Spannung hätte sorgen können, läuft in meinen Augen halbherzig nebenher und stößt auch kein sonderliches Charakterwachstum an. Ab und zu passiert etwas, das sich Protagonist Kurt nicht erklären kann, was ihn zunehmend beunruhigt, aber richtig dramatisch ist das alles nicht – jedenfalls bis zum Schluss, wenn sich das Rätsel rasant aufklärt und auch schon wieder vorbei ist, bevor Kurt und der Leser Zeit haben, daraus mehr zu ziehen als vage Bestürzung. Einen Teil der Auflösung hatte ich mir tatsächlich schon gedacht, denn der wird nach etwa einem Drittel des Buches angedeutet.--"Obwohl ich Kurt heiße, bin ich Schriftsteller. Allerdings bin ich weit davon entfernt, mir auf dieses Tatsache etwas einzubilden."(Zitat)--Kurt Prinzhorn ist einer, der in seinen jungen, 'selig vernebelten' Jahren aus einem literarischen Rausch heraus schrieb, das Schreiben inzwischen aber als eine 'Art von gehobenem Selbstmord' empfindet. Dementsprechend lesen sich die Geschehnisse, durch seine Augen gesehen, oft wie eine Satire auf den Literaturbetrieb: selbstverliebte Schriftsteller unterhalten sich wodkatrunken über Nichtigkeiten und würzen diese Belanglosigkeit mit einer Vielzahl von (meist offensichtlichen) Anspielungen auf Literatur, Film und Kunst.--"Ich öffnete den Wein. Der Kork seufzte wie meine aus dem nassen Lehm gezogenen Arbeitsschuhe auf der Baustelle im Ort ohne Eigenschaften."(Zitat)--Mal ist das clever und unterhaltsam, mit wunderbar verunglückten Metaphern und schwülstigen Sätzen seitens Kurt, der vielleicht doch nicht so weit davon entfernt ist, sich auf seinen Genius etwas einzubilden. Auch gibt es durchaus einige Passagen, in denen ihm dann doch Momente der Sprachpoesie glücken – und manchmal fand ich es schwer, zu unterscheiden, wo das eine aufhörte und das andere anfing. --Dann wiederum fühlte ich mich, als würde Kurt mir, der Leserin, ausführlich von den Freuden einer bereits vergangenen Party erzählen, zu der ohnehin nur Schriftsteller eingeladen waren. Manchmal ist das so mit Literatur über Literatur. --»Hab ich dir eigentlich gesagt, dass mich deine schnittlauchgrünen Augen jedes Mal begeistern, wenn ich dich ansehe?« »Meine wasgrünen?« »Sie sind wirklich sehr schön«, sagte ich, »wie ein tiefer Blick in den Dschungel.« (Zitat)--Keiner der Charaktere ging mir wirklich nahe, sogar Kurt blieb mir bis zum bitteren Ende fremd. Denn der steht in steter Distanz zu sich selbst – als würde er, der sich über seinen Status als Schriftsteller definiert, seine Gedanken dem eigenen Lektorat unterwerfen. Als Leser sieht man daher weniger sein wahres Ich als sein konstruiertes Selbstbild.  --Fazit:"Romeo oder Julia" hat es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen – wurden jedoch bitter enttäuscht. Die Handlung erschien mir blutarm und unnötig aufgebauscht, und auch zahlreiche literarische Anspielungen und ein augenzwinkernder Blick auf die Banalitäten des Literaturbetriebs konnten mich nicht für das Buch erwärmen. Ich habe nicht das Gefühl, dass es mich zum Nachdenken angeregt oder in irgendeiner Form bewegt hat.--Da es aber von einer Jury ausgewählt wurde, deren Mitglieder unumstritten Experten für Literatur sind, muss ich mich fragen: Habe ich das Buch einfach nicht verstanden? Oder ist es womöglich Literatur nur für Literaten?

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Gerhard Falkner - Romeo oder Julia

    Ein Schriftstellertreffen führt den Autor Kurt Prinzhorn nach Innsbruck in ein kleines Hotel. Dort trägt sich eine seltsame Begebenheit zu: erst findet er in seinem Badezimmer schwarze Frauenhaare, die vorher sicher nicht da waren, dann verschwinden sein Schlüsselbund und seine Notizbücher. Die Tür wurde aber gemäß der Chipkartenauslese nur von ihm selbst bedient. Der Fall bleibt unerklärlich und fesselt auch die anderen Literaten ob der Kuriosität. Wenige Tage später muss Prinzhorn für eine Lesung nach Moskau reisen. Dort hat er ebenfalls seltsame Erlebnisse, die sich nicht nur durch die fremde Kultur erklären lassen. Langsam fühlt sich Prinzhorn verfolgt, zudem macht er sich Sorgen, was der Eindringling mit seinen Schlüsseln anstellen könnte. Wieder in Deutschland stellt er jedoch fest, dass in sein Haus offenbar nicht eingebrochen wurde. Seine dritte Reise innerhalb weniger Wochen führt ihn schließlich nach Madrid, wo ihn abermals der Verdacht beschleicht, verfolgt zu werden. Seine Aufmerksam ist geschärft und tatsächlich soll er recht behalten. Er wird beschattet und die Person, die ihm nachstellt, sinnt auf Rache.

    Gerhard Falkners Roman „Romeo oder Julia“ hat es nach der Longlist nun auch auf die Shortlist des Deutschen Buchpreis 2017 geschafft, was ich einigermaßen erstaunlich finde. Der Roman ist höchst unterhaltsam und mit seiner kriminalistischen Note eher untypisch als Kandidat für diese Ehrung. Umso erfreulicher, dass eine solche Erzählung in Betracht gezogen wird, der sicherlich auf beiden Ebenen – einmal als Unterhaltung mit einer gewissen Spannung – aber auch als literarisches Werk funktioniert.

    Die Figurenzeichnung – wie viel vom Autor selbst in seinem Protagonisten steckt, vermag ich nicht zu beurteilen, allerdings basiert die Ausgangsgeschichte auf den wahren Erlebnissen Falkners selbst – ist facettenreich und vielschichtig. Es ist ein besonderer Spaß einen Autor in einem Roman zu erleben, da hier mit feiner (Selbst-?)Ironie die Schwächen und Eitelkeiten aufgedeckt werden:

    „Obwohl ich Kurt heiße, bin ich Schriftsteller. Allerdings bin ich weit davon entfernt, mir auf diese Tatsache etwas einzubilden.“ (pos. 143) lässt er seinen Protagonisten vorausschicken.

    Einerseits ist man ja doch ganz banal Mensch mit typisch menschlichen Bedürfnissen, aber andererseits ist die öffentliche Rolle und Selbstdarstellung von einem gewissen literarischen Habitus geprägt. Das Leben wird in Akten erlebt, seine Gespräche mit der Polizei sind geradezu absurd und der tragische Ausgang der Handlung kann natürlich nur einer der großen Tragödien nachempfunden sein – der Titel lässt es uns schon ahnen. Ein Balkon, eine vereitelte Liebe, ein unschönes Ende. Dazwischen noch die messerscharfen Beobachtungen des Literaturbetriebs:

    „Hinter der gespielten Herzlichkeit verbargen sich Geltungssucht, Selbstüberschätzung und eiskalte Berechnung.“ (pos. 265)

    So begegnen sich die Konkurrenten, die sich dem äußeren Schein nach alle furchtbar gerne mögen.

    Die Handlung selbst bietet neben den offenkundigen Parallelen zu den großen Werken der Literatur – neben Shakespeare werden die Nationalheiligen gleich mehrerer Länder bemüht, bisweilen so überzeichnet deutlich, dass es schon wieder als Stilmittel durchgeht. Den russischen Straßenköter Raskolnikow zu taufen, wo dieser dann doch ganz harmlos und nett ist – man sieht schmunzelnd darüber hinweg. Aber er bedient sich auch großzügig des Films und der Malerei als Lieferant für zahlreiche Anspielungen, die er nebenbei ganz flüssig einbaut. Auch die eher plakativen Beobachtungen der russischen und spanischen Kultur und die grotesk anmutende Unheil ankündigende Nachricht, die in Walliserdeutsch verfasst wurde, lassen darauf schließen, dass der Autor sich einen Spaß mit seinem Leser erlaubt und vermutlich beim Schrieben ebensolchen hatte.

    Da Falkner von Haus aus Lyriker ist, sind Vergleiche als Stilmittel naheliegend. Bisweilen entwickeln dies jedoch ein bemerkenswertes Eigenleben:

    „Das Glück und das Unglück liegen manchmal so dicht beieinander wie Anus und Vagina. Tür an Tür.“ (pos. 2281).

    Man weiß nicht so recht, wie man dies auffassen soll, aber es fügt sich herrlich in den Text, der mit einer Leichtigkeit und einer omnipräsenten Ironie eine große Freude zu lesen ist.

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch,an dem man sich ergötzen kann.Man muss aber Ausdauer und große Liebe zur reinen Fabulierkunst mitbringen,um es wirklich zu schätzen
    Heiße Luft

    Gerhard Falkner wurden in einem Hotelzimmer in Innsbruck seine Schlüssel und persönliche Unterlagen entwendet. Wirkliche Wertgegenstände wurden nicht gestohlen und natürlich fragt man sich, was soll das? Mysteriös! Aus dieser Episode seines Lebens spinnt er eine Geschichte. Was könnte hinter so einem Diebstahl stecken? Eine wirklich spannende Idee.

    Man begleitet den Autor Kurt Prinzhorn auf seiner Lesereise von Innsbruck über Moskau nach Madrid, wo ihm überall Seltsames widerfährt. Verstörende Kleinigkeiten. Nichts wahrhaft Kriminelles, aber unerklärliche Einbrüche in seine Privatsphäre. Wird er verfolgt? Gestalkt? Wer tut sowas und warum?

    Eigentlich ist das eine spannende, mysteriöse Geschichte, nur muss man sie sich hart erkämpfen.
    Hier kann jemand schreiben und erzählt gerne, eloquent, mit Humor, originell, ausgefeilt und unfassbar weitschweifig. Er ergötzt sich an allem, am Ambiente, den Figuren, deren Kleidung, Anekdoten zu deren Vergangenheit, egal ob es für die Handlung von Belang ist oder nicht, Episoden aus Kurts Leben und sogar die Hunde vor dem Moskauer Hotel finden ausführlich Beachtung.

    „Es handelte sich um den osteuropäischen Autor Anton Jurcic, der mit dem forcierten Charme seiner jungen und jugendlichen Erscheinung insbesondere die gefühlshungrigen Deutschen, und da wiederum besonders die von erotisch-kulturellen Sehnsüchten bewegten Frauen mittlerer Reife, um den Finger wickelte."

    Natürlich ist so eine Erzählweise kunstvoll und sehr witzig, aber auf Dauer fand ich es doch eher ermüdend. Bisweilen schwimmt man durch so großangelegte Schlenker, dass man fast die eigentliche Handlung aus den Augen verliert. Zwischendrin wird es auch gerne mal absurd. Fast könnte man meinen, hier erzählt jemand nur um des Erzählens willen, das allerdings gekonnt, keine Frage.

    Die Auflösung der Geheimnisse ist dann vergleichsweise enttäuschend, immerhin gibt es eine. Sie kommt aus dem Nichts und dreht sich um eine lang vergessene Episode aus Kurts Leben. Da fragt man sich dann schon, warum wir uns ausführlichst mit Gott und der Welt beschäftigt haben, der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte aber dann mal eben angehängt wird. War das ganze Buch bis dahin nur heiße Luft? Ein Ablenkungsmanöver? Ich hätte mir in diesem Punkt eine deutliche Verschiebung des Schwerpunkts gewünscht. Daraus hätte man mehr machen müssen.

    „Romeo oder Julia“ ist ein Buch, an dem man sich ergötzen kann. Man muss aber Ausdauer und große Liebe zur reinen Fabulierkunst mitbringen, um es wirklich zu schätzen.

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