Gerhard Jäger

 4.2 Sterne bei 51 Bewertungen

Alle Bücher von Gerhard Jäger

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

 (39)
Erschienen am 08.10.2018
All die Nacht über uns

All die Nacht über uns

 (4)
Erschienen am 27.08.2018
Wiederentdeckte Naturrezepte

Wiederentdeckte Naturrezepte

 (0)
Erschienen am 01.01.1994

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Rezension zu "Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod" von Gerhard Jäger

Hier spürt man die Liebe zum Erzählen: hat mich sehr fasziniert
Aleshaneevor 2 Tagen

Wow! Absolut fesselnd mit einer intensiven Atmosphäre und einer ausdruckstarken und sprachgewandten Art, die mich total fasziniert hat!

Es gibt manchmal so Bücher, die sehe ich und weiß: das muss ich lesen. Ich habe keine Ahnung woran das liegt, aber als ich zum ersten Mal das Cover gesehen und den genialen Titel gelesen habe war klar, das mich diese Geschichte gefangen nehmen wird. Und genau das ist auch passiert!

Zum einen geht es hier um John Miller. Mit seinen 80 Jahren ein älterer Herr, der zu Anfang in seiner bedächtigen Weise erstmal ein bisschen aus seinem Leben erzählt und seiner letzten Reise, einer Reise in die Vergangenheit, die endlich ein altes Familiengeheimnis aufdecken soll.
Die Art, wie Gerhard Jäger seinen Protagonisten erzählen lässt, ist absolut überwältigend! Irgendwo hab ich den Begriff "wortgewaltig" dazu gelesen und der trifft es wirklich auf den Punkt. Auf den ersten Seiten war ich mir noch nicht so sicher, wo das ganze hinführen soll, aber das legt sich schnell, denn die fesselnde Eigenheit, der Rhythmus der Worte, entwickelt einen so packenden Sog, dass ich mich kaum mehr aus der Geschichte lösen konnte.

John Miller reist also nach Innsbruck und liest dort im Landesarchiv das Manuskript seines Cousins Max Schreiber, der damals in einem verschneiten Dorf in Tirol einer Hexenverbrennung auf der Spur war, die schon zu dieser Zeit 100 Jahre zurücklag. Dieses Manuskript gibt einen Rückblick auf die Ereignisse im Winter 1951 wider und ist in vier Abschnitte aufgeteilt: Der Schnee, Das Feuer, Die Schuld und Der Tod. Nach jeder dieser Etappen, die den Hauptteil des Buches ausmachen, kehrt man zu John Miller in die Gegenwart zurück und entdeckt mit ihm immer mehr Zusammenhänge, die am Ende ein rundes Bild ergeben werden.

Diese alte Geschichte, die John ausgräbt, voller Einsamkeit, Sehnsüchten und Dramatik, wurde von Max Schreiber niedergeschrieben, damals, in dem Dorf, in dem er voller Hoffnung auf einen eigenen Roman und später auch auf Freundschaft, eine bedeutsame Zeit verbracht hat.
Augenscheinlich passiert gar nicht wirklich viel in diesen verschneiten Wochen, in denen er zuerst gut von der Dorfgemeinschaft aufgenommen wurde. Sein Interesse an dem alten Fall der "Hexe" allerdings drängt ihn ins Abseits und hüllt die Menschen in einen Mantel des Schweigens und nur die Begegnung mit einer Frau, die keiner Worte bedarf, hält ihn stoisch in dieser Einsamkeit fest.
Während den Wochen stummer Ablehnung erfährt Max immer wieder kleine Geheimnisse, die er schriftlich festhält und man spürt dabei seinen Hunger nach Anerkennung, nach Wohlwollen und Freundschaft, mit dem er jedes Schulterklopfen, jeden zustimmenden Blick oder auch nur körperliche Nähe aufsaugt wie ein ausgedörrter Schwamm.

Diese Atmosphäre der eingeschworenen Dorfgemeinschaft, der verschneiten, einsamen Kulisse und den Schicksalen der Einzelnen wird so gekonnt erzählt, dass ich jedes Wort, jeden Satz, mit großer Faszination gelesen habe. Der Autor laviert so gekonnt mit den Wörtern, verschachtelt die Sätze und fixiert die Bedeutungen, dass es wirklich ein wahrer Genuss zum Lesen ist. Schon alleine deshalb sollte man sich dieses Buch nicht entgehen lassen, weil man so eine geschickte Inszenierung der Sprache wirklich nur selten antrifft. Auf den Punkt trifft er damit die Gefühle, die Stimmungen, die Atmosphäre, die einen immer beunruhigenderen Verlauf nimmt und die Ereignisse an Dramatik zunehmen während man langsam begreift, was tatsächlich dahinter steckt.

Ich kann jedem nur raten, das Buch einmal auszuprobieren, denn mich hat diese kunstfertige Sprachgewalt fasziniert genauso wie das tragische Schicksal der Figuren, das mit solch einer Intensität und Sanftheit einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Weltenwanderer

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Rezension zu "Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod" von Gerhard Jäger

Schatten der Vergangenheit
Bellis-Perennisvor einem Monat

Der junge Wiener Historiker Max Schreiber reist in ein, namentlich nicht genanntes Tiroler Dorf, um einem alten Verbrechen nachzuspüren. Die Dorfbewohner sind ihm gegenüber vorsichtig und misstrauisch, wie es sich eben für eine eingeschworene Dorfgemeinschaft gehört. Schreiber wirkt in seinen Bemühungen sich den Dörflern anzupassen, ein wenig skurril. Es scheint, als wäre er in seinen Bemühungen erfolgreich, bis er sich in die junge stumme Dorfschönheit verliebt. Blöderweise durchkreuzt er dadurch die Pläne eines Dorfbewohners. Obwohl er vom Dorfpfarrer eindringlich gewarnt wird, schlägt er jede Vernunft in den Wind, bis es zur Katastrophe kommt.

Meine Meinung:

Dieser Roman des 2018 verstorbenen Autor Gerhard Jäger hat mich ein wenig zwiespältig zurückgelassen. Einerseits ist der Schreibstil sprachgewaltig und lyrisch, andererseits schleppt sich die Handlung über viele Seiten hin.

Die Klammer zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist die Recherche eines alten Amerikaners in den Archiven von Innsbruck.

Fazit:

Trotz der schönen Sprache hat mich der Roman nicht vollends überzeugt. Deshalb kann ich hier nur 3 Sterne vergeben.

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Rezension zu "All die Nacht über uns" von Gerhard Jäger

Sprachgewaltig, bildgewaltig, beeindruckend, einzigartig!
Sigismundvor einem Monat

Vor zwei Jahren war dem Schriftsteller Gerhard Jäger mit seinem beeindruckenden Debütroman „Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod“ ein erstaunlicher literarischer Erfolg gelungen. Den Erfolg seines zweiten, im August beim Picus-Verlag veröffentlichten Kurzromans „All die Nacht über uns“ mitzuerleben, der durchaus verdient auf die Shortlist des Österreichischen Buchpreises kam, blieb ihm schon versagt: Der Österreicher starb am 20. November im Alter von nur 52 Jahren.
„Gerhard Jäger zieht einen förmlich in seine Geschichte, man folgt ihm atemlos und ahnt nach und nach Schreckliches“, begründete die österreichische Buchpreis-Jury ihre Entscheidung. Tatsächlich ist es erstaunlich, wie es dem Autor wieder gelingt, den Leser auf allen 240 Seiten zu fesseln, obwohl – vordergründig betrachtet – eigentlich überhaupt nichts geschieht: Ein Soldat hält in regnerischer, stockdunkler Nacht einsam Wache auf seinem Turm. Und doch prasselt in diesen zwölf Stunden nicht nur der Regen mit Blitz und Donner auf ihn herab, sondern auch tiefsitzende Erinnerungen an die erschütternden Ereignisse seines Lebens und treiben ihn in die Verzweiflung, wenn nicht sogar an den Rand des Wahnsinns. Denn hier auf dem Wachturm kann der Mann seinen Erinnerungen nicht entfliehen - „der einsame Soldat auf seinem einsamen Turm, er will mit seiner Großmutter reden, über all das, über ihre Flucht, über seine Flucht, [….] vielleicht sind wir alle auf der Flucht, Flüchtende wir alle, alle flüchtig.“
In jungen Jahren entfloh er einst der bedrückenden Enge seines Heimatdorfes in die Großstadt, wo er seine spätere Ehefrau kennenlernte. Der gemeinsamen Verantwortung für den Tod ihres kleinen Sohnes durch Ertrinken entfloh er, der junge Vater, auf lange Spaziergänge in die Felder, seine Frau floh in die innere Isolation und schließlich in den Freitod. Im vergilbten Tagebuch seiner Großmutter, das er auf seinem Wachturm liest, erfährt er von der Flucht der erst 14-Jährigen aus Pommern. Heute steht er selbst in dunkler Nacht Wache, um heimatlos gewordene Flüchtlinge an der Grenze abzuhalten, die durch ihr Eindringen die Ruhe und egoitische Selbstzufriedenheit seiner Landleute stören könnten. Der kurze Roman „All die Nacht über uns“ ist die tragische Chronik eines ganzen Lebens, das in nur zwölf dunklen Stunden über den Protagonisten – und in aller Dramatik zwischen Liebe und Schmerz, Verlust und Verantwortung zugleich über uns Leser – wie der gewaltige Regensturm in dunkler Nacht herabstürzt.
Es ist wie schon in seinem Debütroman diese erstaunliche Sprachgewalt, diese Bildgewalt des Buches, die den Leser in den Sog der bedrückenden Erinnerungen und Gedanken seines Protagonisten hineinzwingt und dem man sich kaum zu entziehen vermag: Man leidet mit dem Soldaten, man ängstigt sich mit ihm, wenn Geräusche in der Dunkelheit böse Ahnungen aufkommen lassen, und man fürchtet am Ende um sein Leben. Gerhard Jäger schafft es wie kaum ein anderer, die psychischen Gewalten wie auch Naturgewalten in seinen Sätzen lebendig und erdrückend werden zu lassen.
Durch den frühen Tod dieses durch sein eigenes Schicksal geprägten Autors, der nach Berufsjahren als Behindertenbetreuer, Lehrer und Außendienstvertreter erst spät zum Schriftsteller wurde und, seit seinem Unfall (2007) querschnittgelähmt, zum Schreiben einen Sprachcomputer nutzte, ist der deutschsprachigen Buchwelt ein großartiger Literat verloren gegangen.

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