Gerhard Jäger

 4,1 Sterne bei 83 Bewertungen

Lebenslauf

Gerhard Jäger, geboren 1966 in Dornbirn, arbeitete als Behindertenbetreuer, Lehrer und Vertreter im Außendienst. Er absolvierte eine Journalistenausbildung und arbeitete als freier Journalist und als Redakteur. 1994 erhielt er ein Nachwuchsstipendium des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, 1996 den Vorarlberger Literaturpreis für einen bisher unveröffentlichten Roman. Gerhard Jäger verstarb am 20. November 2018.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Gerhard Jäger

Cover des Buches Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod (ISBN: 9783453421882)

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

 (63)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches All die Nacht über uns (ISBN: 9783711720641)

All die Nacht über uns

 (10)
Erschienen am 27.08.2018

Neue Rezensionen zu Gerhard Jäger

Cover des Buches Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod (ISBN: 9783453421882)
bokmals avatar

Rezension zu "Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod" von Gerhard Jäger

Wunderbar poetisch und mitreißend!
bokmalvor einem Jahr

m Herbst 1950 kommt der junge Historiker Max Schreiber in ein Tiroler Bergdorf, um ein altes Geheimnis zu erforschen. Inmitten der Bergwelt und einer misstrauischen Dorfgemeinschaft fühlt er sich zunehmend isoliert und verliert sich in der Liebe zu einer Frau, um die jedoch auch ein anderer wirbt. Als ein Bauer unter ungeklärten Umständen stirbt und der Winter mit tödlichen Lawinen über das Dorf hereinbricht, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Schreiber gerät unter Mordverdacht und verschwindet. Fünfzig Jahre später begibt sich ein alter Mann auf Spurensuche in die Vergangenheit. 

Das Buch hat mich von Anfang an gepackt, nicht nur die Hauptcharaktere sondern auch und vor Allem der besondere Schreibstil und der ungewöhliche Aufbau! Auch wenn das Buch durchweg eine sehr melancholische und bedrückende Stimmung hat, konnte ich es keine Sekunde aus der Hand legen! 


Cover des Buches Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod (ISBN: 9783453421882)
3lesendemaedelss avatar

Rezension zu "Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod" von Gerhard Jäger

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod von Gerhard Jäger
3lesendemaedelsvor 2 Jahren

Eine verlorene Liebe treibt den jungen Historiker Max Schreiber aus Wien im Herbst 1950 in ein Tiroler Bergdorf. Als er das Gasthaus betritt, in dem er ein Zimmer beziehen wird, verstummen die Gespräche in der Stube. Es bleibt lange bei der feindseligen Stimmung für den Fremden aus der Stadt. Erst allmählich nähert sich Max den Einheimischen, lauscht den alten Geschichten, in denen Hexen bei Bränden und deren Kinder den Lawinen zum Opfer fielen. Nachts schreibt Max alles in sein Notizbuch. Auch die Begegnungen auf einsamen Spaziergängen mit einer jungen Frau mit rotem Kopftuch, die nie ein Wort zu ihm sagt, beschäftigen seine Gedanken.
Mehr als fünfzig Jahre später reist ein alter Mann aus Amerika zurück in seine Heimat Österreich. Er will in Innsbruck Nachforschungen zum Verschwinden seines Cousins Max Schreiber anstellen. Was geschah in jenem Winter, als der Schnee ein Dorf von der Außenwelt trennte und viele Menschen unter Lawinen begrub?
Der Roman zog mich schnell in den Bann, nachdem ich mich anfangs etwas an den dialogarmen Schreibstil gewöhnen musste. "...schon gießt er die Bilder, die in seinem Inneren aufsteigen, in die Buchstabenform, lässt sie zu Worten erstarren, ordnet sie zu Sätzen, zu Skizzen, zu den Gedanken und Gefühlen..." Doch dann entstand eine bewegende dunkle Geschichte über Schuld und Sühne. Leider wird es keine weiteren Bücher des Schriftstellers geben, denn er verstarb im Erscheinungsjahr des Buches.

Cover des Buches Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod (ISBN: 9783453421882)
Shannons avatar

Rezension zu "Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod" von Gerhard Jäger

Leben mit den Schneemassen
Shannonvor 4 Jahren

Lange hat es gebraucht bis ich mich endlich ans Lesen dieses Buches gemacht habe. Im Grunde genommen bin ich keine Krimileserin – von einigen Ausreißern abgesehen – und das war hier meine größte Sorge. Völlig unbegründet, wie sich herausstellte. Was ich gelesen habe war ein astreiner, gut geschriebener Roman mit viel Poesie, Einsicht und halt auch einigen Toten und sehr viel Schnee.

Max Schreiber ist Historiker in Wien mit Schwerpunkt Hexenverfolgung und entschließt sich mehr aus der Not heraus in ein kleines Bergdorf in Tirol zu reisen. Sein Interesse gilt dem Fall einer Frau die vor Jahrzehnten hier in den Flammen umgekommen war, von der es hieß, sie sei eine Hexe, von der die abweisenden Heimischen gar nicht gern erzählen. Hier an diesem Ort, der vom harten Überleben und dem Auf-einander-Angewiesensein der Bewohner geprägt ist, hat sogar der Pfarrer den Glauben an Höheres verloren:

„Es gab eine Zeit, da glaubte ich, dass alles auf dieser Welt gottgewollt ist und einen Sinn hat. Alles, verstehen Sie? Alles! Heute reicht schon der Gefrierpunkt, und ich fang an, riesige Fragezeichen hinter die ganze Schöpfung zu machen.“

Aus dem exotischen Beobachter wird zunächst der Beobachtete, zu groß ist das Misstrauen, das ihm die Bevölkerung entgegenbringt. Warum soll ein Wiener auch in alten Dorfgeschichten herumschnüffeln? Doch Max ging nicht ganz freiwillig. Eigentlich war er auf der Flucht vor der einsamen Wohnung, die zurückblieb, als seine Freundin ihn verlassen hat. Mehr als das Schreiben des Buches steht also zunächst der Abschluss der Beziehung und die Trauerarbeit darüber im Vordergrund des Aufenthaltes, das Verweilen und Nachdenken über die schönen Tage und Abende „als sie beide noch nicht vom Alltag eingeholt waren, vom täglichen Aufstehen, Arbeiten, von dieser immer mehr und mehr sich einschleichenden Schwere, diesen Bahnen, die sich wie Schienenstränge durch das Leben zu ziehen begannen, einhergingen mit Ernüchterung, mit Gewohnheit, mit Fantasielosigkeit und geschlossenen Fenstern bei Regenwetter“.

Nach und nach wird es ihm aber zum Bedürfnis nicht nur durch die Bergwelt zu spazieren, sondern auch Teil der Gemeinschaft zu werden. Man bittet ihn im Gasthaus, das ihm Unterkunft bietet, zum Kartenspiel, zum Stammtisch. Er arbeitet mit im Holz. Und mehr als alles andere genießt er die freundschaftlichen Schulterhiebe, die ihm als anerkannten Teil der Gemeinschaft ausweisen.

Doch all dies tritt in den Hintergrund als er Maria sieht, die der Dorfgemeinschaft angehört, mehr noch, von einem der ihren geliebt und umworben wird. Schreiber fühlt sich zur stummen Frau hingezogen, geschuldet auch dem nicht verarbeiteten Verlust der alten Liebe. „..vielleicht“, denkt er „beginnt der Niedergang jeder Beziehung erst, wenn man beim Frühstück anfangen muss zu reden, weil einem die bloße Anwesenheit des anderen nicht mehr genügt, weil die Zeit der Worte angefangen hat, mit der man die Welt nun ausschmückt am Frühstückstisch, und weil die Zeit der Worte angefangen hat, hat auch die Zeit der Phrasen angefangen, die Zeit der Wiederholungen, die Zeit der Lügen, die Zeit, in der die Lippen gelernt haben, Worte zu formen und dem anderen hinzureichen, während die Gedanken gleichzeitig auf Reisen gehen“. Doch sein Konkurrent um das Herz Marias gibt sich nicht einfach geschlagen und im zunehmenden Schneefall und der Bedrohung durch die Schneelasten schlägt auch die Stimmung im von der Außenwelt abgeschnittenen Dorf um …

In die Kulisse der Bergwelt Tirols webt Jäger parallel die Geschichte von Max Schreiber und die Geschichte der Heimkehr eines alten Mannes ins Innsbruck der Gegenwart zusammen. Er tut dies geschickt und sprachlich sehr gekonnt – das Buch war ein wahrer Lesegenuss – während die Verschlossenheit der Dorfbewohner, der Aberglaube, das Mysterium der brennenden Frauen und ein Mord den Leser bei der Stange halten. Leider ist der Autor schon tot, aber schreiben konnte er gewiss! Der Roman ist durchdacht und wunderschön komponiert. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

Gespräche aus der Community

Wie wäre es, sich im heißen Juli mal so richtig abzukühlen, in Eis und Schnee? Wir wollen ab 1. Juli dieses Buch gemeinsam lesen, jeder mit seinem persönlichen Exemplar und freuen uns über jeden, der mitmacht. Zu gewinnen gibt es also nichts außer regen Diskussionen und Lesegenuss.

91 Beiträge
Elbenwinds avatar
Letzter Beitrag von  Elbenwindvor 4 Jahren
Ich frage mich, ob es besser gewesen wäre, den Roman kürzer zu halten.

Das habe ich mich auch gefragt. Ich finde eher er hätte vielleicht ein paar zusätzliche Spannungselemente einbauen oder bereits vorhandene mehr hervorheben können. Seine Beschreibungen und eingeflochtenen Geschichten fand ich nämlich sprachlich und inhaltlich sehr schön.

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