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nicolecarina

vor 3 Jahren

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Mit historischen Stoffen ist das so eine Sache: gut aufbereitet sind sie spannend, faszinierend authentisch und im besten Fall sogar ein bisschen lehrreich. Schlecht umgesetzt sind sie schlimmer als langweiliger Geschichtsunterricht. Auch der Thriller "Mona Lisas dunkles Lächeln" basiert auf einer wahren Begebenheit, die mit dem Film "Monuments Men" kürzlich in bewegten Bildern umgesetzt wurde: die Rettung von Nazis geraubter und beschlagnahmter Kunstschätze.

Wenn eine Lawine rollt, ist sie meist nicht aufzuhalten. Auch Ideologien haben oft eine ähnliche Wirkung und der Nationalsozialismus war eine der zerstörerischsten. Wie sehr sich manche Menschen an ihre "nationalsozialistische Rolle" klammerten, zeigen Berichte von Soldaten, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges selbst auf der Flucht waren und noch Desserteure erschossen oder die schier unglaubliche Geschichte ums Salzbergwerk im österreichischen Bad Altaussee, wo mehr als 6000 Skulpturen, Malereien und andere Kunstschätze aus ganz Europa lagerten - von den Nationalsozialisten geraubt, ersteigert, erpresst.

Auch die Mona Lisa soll tief im bombensicheren Stollen versteckt gewesen sein. Mit ihr und allen anderen Werken wollte Hitler die größte Kunstsammlung der Welt in einem eigens erbauten Museum in Linz zur Schau stellen. Doch die Alliierten sind bereits im Anmarsch, überfliegen deutsche Städte und rücken unaufhaltsam bis Österreich vor. Also lautet der Befehl: alles, was dem Feind nutzt, muss vernichtet werden. Auch die Kunst.

Willfähriger Diener vor Ort ist Gauleiter August Eigruber, ein außer Rand und Band geratener Empfänger des so genannten Nero-Befehls.  

Nun ist die Dresdnerin Anna auf den ersten Blick alles andere als eine Heldin. Die grazile Kunsthistorikerin stapft hustend und frierend verschneite Straßen im Salzkammergut entlang und bricht schließlich zusammen: Ihr Blutdruck fiel mal wieder unter Betriebshöhe. Der Kunst und ihrem ehemaligen Geliebten zuliebe reist sie nach Österreich, um die Kunstschätze in der Saline zu begutachten und zu restaurieren. Durch grobe Transporte haben einige Bilder schwer gelitten. Schon auf dem Weg zum Bergwerk macht sie Bekannschaft mit ihrem größten Widersacher und seiner menschenverachtenden Skrupellosigkeit.

Mit diesem Einstiegsszenario taucht der Leser in die letzten Kriegstage ein und es steht fest: lange kann das Drama, das hier unaufhaltsam seinen Lauf nimmt nicht mehr dauern. Um so spannender die Frage, wie Anna mit Hilfe des Bergwerksingenieurs Alfred Hauser die Kunstschätze retten will. Wird der kühne Plan gelingen? Schon fährt der Sprengmeister vor...

Beide Hauptfiiguren wurden von den Autoren Gerhard J. Rekel und Dodo Kresse dem historischen Stoff zugefügt und sie geben der Geschichte ein mitfühlendes, tief menschliches Gesicht.

Und so darf sich vor der verschneiten Landschaft des Salzkammerguts eine Geschichte entwickeln, die so grausam wie poetisch, so alltäglich wie aberwitzig daher kommt, mit fokussierter Dramaturgie und ganz ohne reißerische Bilder fesselt und nicht zuletzt tiefe Einblicke in verschiedene Charaketer gibt.

Ein weiterer außergewöhnlicher Thriller aus dem Styria premium Verlag, der das Label "exquisiter Lesegenuss" absolut verdient.

Autor: Gerhard J. Rekel
Buch: Mona Lisas dunkles Lächeln
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