Gerhard Loibelsberger Der Henker von Wien

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Inhaltsangabe zu „Der Henker von Wien“ von Gerhard Loibelsberger

Winter 1916. Vor den Lebensmittelgeschäften stehen täglich Menschenschlangen. Die Versorgungslage mit Lebensmitteln ist katastrophal. Ein Schleichhändler beginnt Konkurrenten und unwillige Lieferanten auszuschalten, indem er sie aufhängt. Als im k. u. k. Kriegsministerium ein hoher Beamter erhängt aufgefunden wird, werden Oberinspector Nechyba und ein hoher Militärgendarm mit den Ermittlungen betraut. Bei der Suche nach dem 'Henker von Wien' geht es Nechyba diesmal selbst fast an den Kragen.

...spannend und sehr informativ.

— twentytwo
twentytwo

Sehr spannend und empfehlenswert!

— Schalkefan
Schalkefan

Ein Muss für jeden Wienliebhaber!

— Schroeflandi
Schroeflandi

Ein gut recherchierter, österreichischer Historikkrimi der Lust auf mehr macht. Wunderbar geschrieben und voller Spannung

— camilla1303
camilla1303

Der historische Krimi ließ mich eintauchen in die Wiener Gesellschaft mit ihrem besonderen Flair.

— mabuerele
mabuerele

Ausgezeichneter historischer Krimi ... unbedingt lesenswert!!

— Huschdegutzel
Huschdegutzel

Wieder eine tolle Charakterstudie Wiens - so mag ich Krimis!

— Bellis-Perennis
Bellis-Perennis

Wissensreiche und dramatische Gesellschaftsstudie zur Zeit des 1. Weltkriegs.

— Nicky_G
Nicky_G

Wiener Schmäh kombiniert mit einer Mordserie in Kriegszeiten 1916, eintauchen in eine Welt von gestern. Toll umgesetzt !

— vielleser18
vielleser18

Wien-Krimi aus der Zeit des 1. Weltkriegs, wie gewohnt sehr atmosphärisch dicht, unterhaltsam und lehrreich. sehr zu empfehlen!

— Talitha
Talitha

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  • Lesechallenge Krimi gegen Thriller 2015

    kubine

    kubine

    Die Lesechallenge Krimi gegen Thriller geht auch 2015 weiter! Du liest gerne Krimis und kannst so bekannte Ermittler wie Miss Marple oder Commisario Brunetti locker mit Deiner Spürnase abhängen? Oder liegen Dir eher rasante Thriller, bei denen Du schon mal die Nacht zum Tag machst? Dann mach doch mit bei unserer Teamchallenge Krimi gegen Thriller. Welches Team schafft es, die meisten Bücher zu lesen? Wir sind gespannt. Welche Bücher zählen? Als grobe Einteilung soll dabei die Angabe der Verlage dienen. Hat der Verlag es als Thriller eingeordnet, zählt es als Thriller (auch wenn man nach dem Lesen einen anderen Eindruck hat). Bei Krimis ist es ebenso. Alle Arten von Krimis zählen, egal ob historischer Krimi, Regionalkrimi oder Tierkrimi. Es gibt sicher Bücher, bei denen das am Anfang nicht so klar ist. Im Zweifel würden sie dann bei beiden Teams gezählt. Die Regeln: 1. Entscheide Dich für ein Team!2. Die Challenge beginnt am 01.01.2015 und endet am 31.12.2015. Alle Bücher, die im Zeitraum vom 01.12.2014 bis 31.12.2015 erscheinen zählen, auch Neuauflagen , sofern die 2015 erscheinen. Eine Liste mit Neuerscheinungen 2015, die natürlich auch ergänzt wird, findet ihr hier: http://www.lovelybooks.de/buecher/krimi-thriller/Bestseller-Krimis-und-Thriller-2015-1112868118/ 3. Zu jedem gelesen Buch wird eine Rezension geschrieben. So kann sichergestellt werden, dass das Buch auch gelesen wurde. Der Link zur Rezi bei LB muss mit angegeben werden. Um die Spannung aufrecht zu erhalten, bitte den Link zur Rezi per PN an mich! 4. Auch fremdsprachige Bücher dürfen für die Challenge gezählt werden. Hier muss nur ebenfalls der Erscheinungstermin in den oben genannten Zeitraum fallen. 5. Man kann zu jeder Zeit einsteigen bzw. aufhören. Gelesene Bücher zählen dann ab dem Einstiegsmonat. 6. Wie viele Bücher das jeweilige Team im Monat geschafft hat, wird jeweils Anfang des Folgemonats bekannt gegeben. Derjenige, der am Ende die meisten Krimis bzw., Thriller gelesen haben und somit am meisten zum Ergebnis des Teams beigetragen hat, erwartet am Ende eine kleine Überraschung. Ihr habt noch Fragen, her damit! Gegebenenfalls werden die Regeln dann etwas ergänzt. Keine Fragen mehr? Na dann mal los an die Bücher und viel Glück! Team Krimi: 1. dorli 2. buchraettin 3. Mercado 4. wildpony 5. ChrischiD 6. mabuerele 7. chatty86 8. Matzbach 9. Postbote (ab April) 10. janaka 11. angi_stumpf 12. Sternenstaubfee 13. pelznase 14. Smberge 15. LibriHolly 16. danzlmoidl 17. Sweetiie 18. Antek 19. bieberbruda 20. roterrabe 21. Pelikanchen 22. Wolf-Eyes 23. Xanaka 24. Athene100776 25. Bellis-Perennis 26. lesebiene27 27. mira20 28. Claddy 29. glanzente 30. Nele75 31. xxxxxx 32. hasirasi2 33. Caroas 34. Schalkefan 35. Katjuschka 36. danielamariaursula 37. yari 38. Lesestunde_mit_Marie 39. Filzblume (40. Igelmanu66) 41. Talitha 42. tweedledee 43.krimielse 44. sommerlese 45. Bibliomarie 46. Barbara62 47. Maddinliest 48. Louisdor 49.TheRavenking (50. Lesezeichen16) 51. Leserin71 (52. heidi59) 53. buecherwurm1310 54. clary999 55. mrs-lucky Gelesene Bücher Januar: 28 Gelesene Bücher Februar: 48 Gelesene Bücher März: 58 Gelesene Bücher April: 76 Gelesene Bücher Mai: 83 Gelesene Bücher Juni: 75 Gelesene Bücher Juli: 79 Gelesene Bücher August: 106 Gelesene Bücher September: 86 Gelesene Bücher Oktober: 103 Gelesene Bücher November: 196 Gelesene Bücher Dezember: 209 Zwischenstand: 1147 Team Thriller: 1. Samy86 2. Igela 3. seelensplitter 4. Janosch79 5. Nenatie 6. eskimo81 7.MelE 8. Mone80 9. Kirschbluetensommer 10. Curin 11. SchwarzeRose 12. kvel 13.dieFlo 14. Huschdegutzel 15. Buchgeborene 16. Simi159 17. Kasin 18. Inibini 19. parden 20. Fluse 21. crumb 22. rokat 23.bookworm61 24. lord-byron 25. Patno 26. felicitas26 27. trollchen 28. Nisnis 29. MissRichardParker 30. Anne4007 31. sabrinchen 32. BookfantasyXY 33. MrsLinton 34. Floh 35. Meteorit 36. hannelore259 37. Leseratz_8 38. Krimiwurm 39. DerMichel 40. AberRush 41. Schaefche85 42. Naden 43. DieNatalie 44. Thrillerlady 45. heike_herrmann 46. MeiLingArt 47. KruemelGizmo Gelesene Bücher Januar: 33 Gelesene Bücher Februar: 36 Gelesene Bücher März: 59 Gelesene Bücher April: 64 Gelesene Bücher Mai: 80 Gelesene Bücher Juni: 115 Gelesene Bücher Juli: 112 Gelesene Bücher August: 107 Gelesene Bücher September: 98 Gelesene Bücher Oktober: 109 Gelesene Bücher November: 134 Gelesene Bücher Dezember: 140 Zwischenstand: 1087

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    • 6213
    kubine

    kubine

    01. December 2015 um 16:48
  • Leserunde zu "Der Henker von Wien" von Gerhard Loibelsberger

    Der Henker von Wien
    Gerhard_Loibelsberger

    Gerhard_Loibelsberger

    Liebe Leserinnen und Leser, nun gibt es den 5. Band meiner sechsteiligen Romanserie über den Untergang des alten Österreichs bzw. um geschichtlich korrekt zu sein um den Untergang Österreich-Ungarns. Mein Roman beginnt mit einem politischen Mord in einem der besten Restaurants des alten Wien. Den habe ich mir nicht ausgedacht, diesen Mord gab tatsächlich. Auch die weiteren geschichtlichen Eckpunkte wie der Tod Kaiser Franz Josefs, die Friedensbemühungen seines Nachfolgers Kaiser Karls sowie der Rücktritt des k.u.k. Kriegsministers im Frühjahr 1917 oder die Versetzung des Malers Egon Schiele in die "k.u.k. Konsumanstalt für Gagisten der Armee im Feld" sind historische Tatsachen. In dieses Faktengerüst habe ich meine Handlung eingeflochten. Eine Geschichte über Hunger, Unterversorgung und Schwarzmarkt sowie über den brutalen Kampf um die Beherrschung des Wiener Schwarzmarktes. Dabei habe ich mich immer möglichst eng an historischen Fakten gehalten, wobei mir die "Stimmungsberichte aus der Kriegszeit" des damaligen Wiener Zentralinspectors Ignaz Pamer eine wunderbare Informationsquelle waren. Tauchen Sie in eine längst vergangene Zeit ein und erleben Sie, was Krieg in der Zivilgesellschaft alles anrichten kann. Eine spannende Zeitreise wünscht Ihnen  Gerhard Loibelsberger

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  • Rezension zu "Der Henker von Wien" von Gerhard Loibelsberger

    Der Henker von Wien
    dorli

    dorli

    11. November 2015 um 13:45

    Wien im Winter 1916. Der anhaltende Krieg hat enorme Auswirkungen auf das zivile Leben. Die miserable Versorgung mit Lebensmitteln lässt die Bevölkerung hungern und ist Antriebsfeder für Schleichhandel und Wuchergeschäfte. Das bekommt auch Oberinspector Joseph Nechyba zu spüren. Für den Genussmenschen und Nimmersatt sind die kargen Zeiten ein mächtiges Problem. Nicht sein einziges, wie sich bald zeigen soll – ein Schleichhändler, der sich „die Quelle“ nennt, zieht eine blutige Spur durch die Stadt und murkst jeden gnadenlos ab, der seinen Schwarzmarktgeschäften im Weg steht… In seinem historischen Kriminalroman „Der Henker von Wien“ nimmt Gerhard Loibelsberger den Leser mit auf eine Zeitreise mitten hinein in das dritte Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs. Der Autor hat die historischen Ereignisse in Wien von Oktober 1916 bis Januar 1917 mit einem spannenden Kriminalfall verknüpft und ein sehr vielschichtiges und vor allen Dingen glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit gezeichnet – einer schweren Zeit, in der Hunger, Entbehrungen, Verzweiflung an der Tagesordnung waren. Dass da so mancher alle moralischen Bedenken über Bord wirft, zeigt das Verhalten der 14-jährigen Marie. Das Mädchen lässt sich auf einen viel älteren Mann ein. Sie genießt den Luxus, den er ihr bietet, ist naiv genug, um zu glauben, dass er sie liebt und hat daher auch lange Zeit keine Gewissensbisse und Schuldgefühle, ihn bei seinen dubiosen Geschäften zu unterstützen. Man möchte über ihre Handlungsweise den Kopf schütteln und doch ist absolut nachvollziehbar, warum Marie sich verführen lässt. Gerhard Loibelsberger schickt mit Josef Nechyba einen sehr liebenswürdigen Ermittler ins Rennen. Nechyba weiß es sich gemütlich zu machen, während andere sich um die Erledigung der anstehenden Aufgaben kümmern. Eigentlich eine unsympathische Eigenart, sich auf Kosten anderer auszuruhen, aber bei dem Oberinspector wirkt das irgendwie charmant. Nechybas größte Sorge gilt meist der nächsten Mahlzeit, so dass die Auflösung des Kriminalfalls eher langsam vorangeht. Dramatisch wird es, als Nechyba selbst in die Fänge des Henkers gerät. Das damalige Wien wird durch detailreiche Beschreibungen ganz wunderbar in Szene gesetzt. Die Dialoge sind in Mundart geschrieben und verleihen der Geschichte damit eine Extraportion Lokalkolorit. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Wiener Ausdrücke nicht nur in einem umfangreichen Glossar am Ende des Buches aufgelistet werden, sondern die Erläuterungen/Übersetzungen zum Teil auch als Fußnote auf der entsprechenden Seite zu finden sind. „Der Henker von Wien“ lässt sich angenehm zügig lesen und hat mir nicht nur spannende Lesestunde beschert, sondern mir auch sehr interessante Einblicke in den Schleichhandel während des Ersten Weltkriegs ermöglicht - Historie, spannend verpackt und durchweg kurzweilig erzählt.

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  • Der Kampf um einen neuen Markt

    Der Henker von Wien
    Maddinliest

    Maddinliest

    26. October 2015 um 21:03

    Ein toller Krimi mit dem historischen Hintergrund des ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Hungersnot in Wien. Im Jahre 1916 herrscht eine große Hungersnot in Wien als Begleit-erscheinung des ersten Weltkrieges. Es hat sich ein "Schwarzer Markt" gebildet, auf dem die Preise für die knappen Lebensmittel fast täglich steigen. Auf diesem neuen lukrativen Markt gibt es Machtkämpfe und eine Serie von Toten überschattet die Stadt. Die Toten wurden jeweils mit einem fachmännisch gefertigten Henkersknoten aufgehangen, so dass schnell der Täter mit dem Henker von Wien betitelt wird. Der gemütliche Oberinspector Nechyba nimmt die Ermittlungen auf und recherchiert im ihm sehr am Herzen liegenden Lebensmittelmarkt. Die Toten reißen nicht ab und die Versorgungssituation spitzt sich zunehmend zu. Gerhard Loibelsberger schickt den Leser in das historische Wien. Ihm gelingt es mit seinem Schreibstil den Leser in die Zeit zurückzuversetzen und ihn an das Buch zu fesseln. Die historische Situation wird sehr gut recherchiert wiedergegeben und in diesem Umfeld ein spannender Kriminalfall aufgebaut. Die Spannung wird über das ganze Buch aufrechtgehalten und endet in einem überraschenden Finale. Der Charakter des Oberinspector Nechyba ist gut dargestellt und er gewinnt mit seiner Rafinesse und Gemütlichkeit schnell viele Sympathiepunkte. Mit Freude konnte ich im Anhang des Buches feststellen, dass es noch weitere Fälle mit diesem sympathischen Charakter gibt.  Lesern von Kriminalgeschichten mit gut recherchiertem historischen Hintergrund sei daher das Buch ans Herz gelegt.

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  • Wien 1916 - spannend und detailliert

    Der Henker von Wien
    mabuerele

    mabuerele

    „...Tja, das Leben ist eine einzige Freunderlwirtschaft...“ Wir schreiben das Jahr 1916. In Wien werden die Lebensmittel knapp. Nur die Schleichhändler machen ein großes Geschäft.Gerade wurde der Ministerpräsident, der Graf Stürgkh, erschossen. Oberinspektor Nechyba aber hat einen anderen Fall auf den Tisch. Ein Unbekannter, der sich „die Quelle“ nennt, hat einen Lieferanten aufgehängt. Er möchte nach und nach den Schleichhandel (Schwarzhandel) in seine Hand bekommen. Der Autor hat einen abwechslungsreichen historischen Kriminalroman geschrieben. Das Buch lässt sich flott lesen. Die Personen werden gut charakterisiert. Oberinspektor Nechyba mag gutes Essen. Im Dienst hat er am liebsten seine Ruhe. Im Delegieren von Aufgaben ist er Weltmeister. Wenn er allerdings selbst ins Geschehen eingreift, wird es gefährlich. Aurelia, seine kluge Frau, ist nicht zu unterschätzen. Sie ist ein begnadete Köchin und sehr lernfähig, was das Organisieren von Lebensmitteln betrifft. Ausführlich werden die Zeitverhältnisse wiedergegeben. Das Anstellen nach Lebensmitteln gehört zum Alltag. Nur wer Beziehungen hat, bekommt ausreichend Nahrungsmittel. Eine Hand wäscht die andere. Einzige Ausnahme sind die Konsumanstalten der Armee. Die Herren Offiziere brauchen nicht zu darben. Neben den Opfern und dem Täter steht auch ein junges Mädchen im Mittelpunkt der Handlung. Sie wird von Anatol ,einem Mann, angesprochen. Er versorgt sie mit Nahrung und bestellt sie in ein Cafe. Dort bittet er sie um eine Gefälligkeit. Sie soll nur einen Brief eine Adresse bringen. In ihrer Naivität begreift sie nicht, dass sie sich in eine gefährliche Abhängigkeit begibt. Neben dem hohen Spannungsbogen und der vielschichtigen Handlung besticht das Buch durch den gut lesbaren Schriftstil. Der Wiener Dialekt lässt sich problemlos lesen. Einige Fußnoten und ein Wortregister im Anhang unterstützen das. Der Schriftstil zeichnet sich durch Detailgenauigkeit aus. Straßen und Gebäude werden genauso exakt beschrieben, wie manche Speisen und das tägliche Allerlei. Kursiv eingeschobene Zeitungsartikel über Gesetze und die politische Situation geben der Geschichte eine zusätzliche Authentizität. Besonders betroffen macht der Artikel einer besorgten Hausfrau. Das Buch durchzieht ein feiner Humor. Ab und an könnte man das schwarzen Humor oder Ironie nennen, so wenn Nechyba über die miserable Versorgungslage und das Unrecht des Schleichhandels nachdenkt, aber selbst vor vollem Teller sitzt, weil ihm dieser oder jener noch einen Gefallen schuldig ist. Darauf bezieht sich auch das obige Zitat. Unterschwellig vermittelt der Autor vor allem in ausgefeilten Dialogen, dass die Kriegsfolgen die ärmeren Schichten weit härter treffen. Kurze Rückblicke auf das Geschehen an der Front von Rückkehrern machen die Grausamkeit des Krieges deutlich. Ein Menschenleben ist nichts mehr wert. Quellenangaben ergänzen das Buch. Das Cover mit dem allgegenwärtigen Tod passt zur Handlung. Das Buch hat mir sehr gut gefallen. In einer fesselnden Handlung wird nicht nur ein Mörder gefunden, sondern auch die Schattenseiten des Krieges auf das Leben in Wien und auf die Moral der Menschen dargestellt.

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    • 6
    clary999

    clary999

    24. October 2015 um 19:44
  • Wieder eine gelungene Reise ins Wien des 1. Weltkriegs mit spannendem Krimi

    Der Henker von Wien
    Talitha

    Talitha

    20. October 2015 um 11:40

    Wien, Oktober 1916: Der Oberinspector Nechyba, seines Zeichens erfolgreicher Mordermittler und Vielfraß pardon Feinschmecker, ist von der Lebensmittelkrise, in der sich Österreich aufgrund des fortschreitenden Krieges befindet, extrem genervt. Und nicht nur er, in der Bevölkerung brodelt es. Auf den Ministerpräsidenten Graf Stürgkh wird ein Attentat verübt. Bald werden Kleinkriminelle und Beamte erhängt aufgefunden. Sie standen in Verbindung mit dem Schwarzmarkt, der für die gut zahlende Oberschicht und hohen Militärs die sonst so knappen Lebensmittel beschafft. Nun muss sich Nechyba entscheiden: soll er seinem Magen gehorchen, der ebenfalls vom Schwarzmarkt und somit auch vom Mörder profitiert oder soll er den Morden ein Ende setzen, damit aber auch die eigene Lebensmittellage verschlimmern?  Dieser Fall geht wortwörtlich durch den Magen, und führt den Leser gekonnt in die Vergangenheit. Die aufgeladene Atmosphäre Wiens, die hungernde Bevölkerung, die Schieberbanden und ihre Heimlichkeiten, die traumatisierten Kriegsheimkehrer, all dies wird wieder einmal sehr gelungen dargestellt.  Ich kenne bereits die vorigen Bände und somit waren mir die Figuren nicht fremd. An Nechyba und sein Gefresse hat man sich eigentlich schon gewöhnt, aber in diesem Fall wird es auf die Spitze getrieben: Was passiert mit einem Mann, der quasi fürs Essen lebt, wenn dieses plötzlich knapp wird? Das war wirklich spannend zu lesen.  Auch der Kriminalfall und seine Auflösung war sehr interessant, wenn auch eher gemächlich und zum Miträtseln geeignet als actionreich. Erst am Ende wird es richtig dramatisch und superspannend. Mich hat das nicht gestört, weil die Intention des Buches eine andere ist als bei einem gewöhnlichen Krimi / Thriller. Das Augenmerk liegt ganz klar auf der geschichtlichen Epoche und dem Leben der "kleinen Leute", und das war wirklich super dargestellt nebst interessantem Kriminalstück.  Mein Fazit: Wer die anderen Bände nicht kennt, fängt besser beim ersten Band "Die Naschmarkt-Morde" an, weil er, wenn er mit diesem Band anfängt, eh danach die anderen Bände lesen wird, und man sie besser in der richtigen Reihenfolge lesen sollte, weil sich die Geschehenisse im Verlauf des Krieges aneinanderreihen und sich die Figuren dementsprechend weiterentwickeln. Ansonsten eine uneingeschränkte Leseempfehlung von mir. :-)

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  • Die „Quelle“

    Der Henker von Wien
    buecherwurm1310

    buecherwurm1310

    20. October 2015 um 10:22

    Mitten im 1. Weltkrieg leiden die meisten Menschen in Wien und Hunger und Not. Während sie für Lebensmittel anstehen, blüht aber auch einen regen Schleichhandel. Geld und Beziehungen sorgen auch in diesen Zeiten dafür, dass es einem gut geht. Doch dann gibt es Tote unter den Händlern des Schwarzmarktes. Ein Fall für Oberinspektor Josef Maria Nechyba. Das Buch liest sich sehr angenehm und vermittelt einen guten Eindruck über die Atmosphäre in Wien. Es ist der fünfte Band einer Reihe um Nechyba, er kann gut gelesen werden, ohne die anderen Bücher zu kennen. Nechyba ist ein gemütlicher Typ. Er hält gerne eine Nickerchen im Büro und gutes Essen ist für ihn lebenswichtig. Seine Frau Aurelia passt als Köchin daher perfekt zu ihm. Auch Nechyba nutzt den Schwarzhandel, bis dann sein Händler ermordet wird. Die „Quelle“ schaltet ihre Konkurrenten aus, um das Geschäft im großen Stil zu betreiben. Dabei geht sie nicht zimperlich mit den Händlern um, sie werden erhängt. Selbstmord kann von der Polizei sehr bald ausgeschlossen werden. Diese spannende und unterhaltsame Geschichte wird mit vielen Fakten untermauert. Die Sprache ist der damaligen Zeit wunderbar angepasst, manchmal ist sie milieugerecht sehr grob, manchmal sorgt sie mit viel Schmäh für authentisches Lokalkolorit. Es ist interessant zu erleben, wie die Ermittlungen ohne die heutigen Möglichkeiten auch zum Ziel führen. Auch die Personen waren authentisch und sehr lebendig beschrieben. Man spürt Verzweiflung genauso gut wie Hinterhältigkeit und Tücke. Ich kann diesen historischen Krimi nur empfehlen.  

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  • Wien, 1916

    Der Henker von Wien
    sofie

    sofie

    19. October 2015 um 18:16

    Wien am Ende des Jahres 1916: Die Bevölkerung hungert und stehen stundenlang für Lebensmittel an. Gleichzeitig blüht der Schwarzmarkt und Schmuggel, wer es sich leisten kann und die richtigen Kontakte hat, kann weiterhin fürstlich speisen. Jetzt tritt eine neue „Quelle“ auf den Schwarzmarkt und schaltet die Konkurrenz einfach aus – der Henker von Wien. Oberinstpector Nechyba ermittelt. „Der Henker von Wien“ von Gerhard Loibelsberger ist ein Teil der Reihe um den Ermittler Nechyba. Man kann den Roman aber gut lesen, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Nechyba ist ein interessanter Charakter mit Ecken und Kanten, wie eigentlich alle Figuren im Roman. Meine Lieblingsfigur war seine Frau Aurelia, eine Köchin, die von ihrem Mann jeden Abend die Hauspatschen gebracht bekommt. Essen ist ein wichtiges Thema des Romans, nicht nur wegen des Schwarzhandels mit Lebensmitteln und der allgemeinen Not, sondern auch weil Nechyba ein Gourmet ist. So wird jedes Mahl ausgiebig beschrieben, und besonders wenn er mit seiner Frau kocht bekommt man als Leser praktisch das Rezept. Das fand ich am Anfang noch sehr gut, mit der Zeit wurde es mir aber etwas zu viel. Was mir überhaupt nicht zu viel wurde, war der gute Einsatz von Dialekt. Ich mag das Wienerische einfach sehr gern und das wurde hier wunderbar umgesetzt – weder zu viel, noch zu wenig, sondern sehr authentisch. Und für das Verständnis gibt es oft Fußnoten und zusätzlich noch ein Glossar am Ende. Insgesamt also eine spannende Geschichte, sehr gut eingebettet in den historischen Kontext (und hervorragend recherchiert!) und nur mit ein paar kleineren Schwächen. Daher von mir 4 von 5 Sternen.

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  • Josef Maria Nechyba und der Schwarzmarkt

    Der Henker von Wien
    Bellis-Perennis

    Bellis-Perennis

    Der Autor entführt uns in seinem 5. Buch rund um den übergewichtigen Polizisten Josef Maria Nechyba, in das Wien von 1916. Der Erste Weltkrieg tobt. Der dritte Hungerwinter bricht an. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist mehr als notdürftig. Frauen und Kinder schuften in Fabriken um die eingezogenen Männer zu ersetzen. Das Anstellen um Nahrung wird zur Herausforderung. So manches Mädchen erliegt den Verlockungen dreister Männer und gleitet in die Halbwelt ab. Manche Familien können sich die überhöhten Preise dennoch leisten. Sie fragen nicht genau nach der Herkunft der Nahrungsmittel. Zu diesen gehört – man muss es zu seiner Schande sagen – auch Oberinspektor Nechyba. Durch seine Frau Aurelia, die bei Hofrat Schmerda den Haushalt führt und seine eigenen Kontakte zu den Viktualienhändlern am Naschmarkt, ist der Speisezettel der Nechybas nicht ganz so spartanisch. Ein Versorgungsengpass ruft natürlich sofort Gauner, Diebe und Kriegsgewinnler auf den Plan. Je größer die Krise, desto mehr Verdienst, desto wahrscheinlicher, dass es sich hier nicht um Kleinkriminelle sondern um generalstabsmäßig geplante Unternehmungen handelt. So etabliert sich zwischen den kleinen Schiebern ein neuer „Global Player“, genannt die „Quelle“. Nechyba ist mit mehreren Toten konfrontiert, die allesamt mit Schmuggel und Schwarzmarkt zu tun haben. Ein weitere Gemeinsamkeit: sie wurden alle erhängt. Auch wenn es anfänglich den Anschein hat, dass es sich eventuell um Selbstmorde handeln könnte, wird diese Hypothese bald ausgeschlossen. Den Erhängten wurde der Strick jeweils mit einem perfekten Henkersknoten um den Hals gelegt. Das kann sobald niemand – ist hier also ein Profi am Werk? Wer ist im Stande den perfekten Henkersknoten nachzuahmen? Wer sind die Hintermänner? Zu allem Überfluss müssen Nechyba und seine Mitarbeiter mit hochrangigen Militärs zusammenarbeiten, denen allesamt nicht ganz zu trauen ist. Aufgefallen ist mir, dass die Polizei wenig zimperlich mit ihren Verdächtigen umgegangen ist. Nechyba tritt einen Verdächtigen auf das Schienbein, na ja. Der Titel „Henker von Wien“ war für mich zu Beginn ein wenig irreführend, da zu dieser Zeit Franz Lang dieses Amt ausübte (erst nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde der Scharfrichter 1919 außer Dienst gestellt). Mir gefällt Loibelsbergers Art zu schreiben. Er verbindet gekonnt historische Zahlen, Daten und Fakten (ZDF) mit seinen erfundenen Figuren. Die Sprache ist den Gegebenheiten gut angepasst. Manchmal ein wenig derb, aber passend zum Milieu. Seine Figuren sind lebensecht und gut charakterisiert. Volle fünf Sterne und eine Leseempfehlung!

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    • 6
  • Ausgezeichneter historischer Krimi ... unbedingt lesenswert!!

    Der Henker von Wien
    Huschdegutzel

    Huschdegutzel

    17. October 2015 um 19:11

    Winter 1916. Vor den Lebensmittelgeschäften stehen täglich Menschenschlangen. Die Versorgungslage mit Lebensmitteln ist katastrophal. Ein Schleichhändler beginnt Konkurrenten und unwillige Lieferanten auszuschalten, indem er sie aufhängt. Als im k. u. k. Kriegsministerium ein hoher Beamter erhängt aufgefunden wird, werden Oberinspector Nechyba und ein hoher Militärgendarm mit den Ermittlungen betraut. Bei der Suche nach dem 'Henker von Wien' geht es Nechyba diesmal selbst fast an den Kragen..... So besagt es die Inhaltsangabe und da ich Krimis mag und auch an einem historischen Roman kaum vorbei kann, griff ich hier gern zu. Und fand in "Der Henker von Wien" ein Werk vor, dass meine Erwartungen in jeder Hinsicht schlicht übertraf! Die Charaktere sind durch die Bank weg exzellent durchdacht und die Handlung so gekonnt in das Zeitgeschehen verwoben, dass es für mich kaum möglich war, historische Fakten und Fiktion auseinander zu halten. Man merkt, dass Autor Gerhard Loibelsberger mit viel Liebe zum Detail und sehr viel Recherche in dieses Zeitalter eintauchte und er schafft es, das auch für mich als Leser zum Leben zu erwecken. Mehr als einmal kam in mir die Frage auf, in wie weit ich die Handlungen so mancher Protagonisten tragen konnte - und ob ich nicht auf eben solchen moralisch nicht ganz einwandfreien Wegen gewandelt wäre. Hinzu kommt noch die authentische Sprache - ich hörte förmlich den Wiener Schmäh heraus und dieser machte die Figuren einfach noch lebendiger ( zum Glück wird auch die passende Übersetzung gleich mitgeliefert ). Gleich, ob sie historische Romane oder Krimis bevorzugen - sie kommen hier auf jeden Fall voll auf Ihre Kosten, unbedingte Leseempfehlung!!

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  • Ein Blick auf die Geschehnisse in Wien im 1. Weltkrieg

    Der Henker von Wien
    Isador

    Isador

    17. October 2015 um 00:29

    Der Roman "Der Henker von Wien" von Gerhard Loibelsberger spielt in den Jahren 1916 und 1917, also mitten im 1. Weltkrieg. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist mehr als schlecht, die Menschen stehen - oft vergeblich - vor den Geschäften Schlange. Dennoch gibt es Menschen, die nicht hungern müssen, wie auch der Oberinspektor Nechyba. Denn es floriert der Schwarzmarkt und eine handverlesene Menge von Menschen profitiert vom Schleichhandel. Einer dieser Schleichhändler ist "Die Quelle". Er schreckt vor nichts zurück und ermordet seine Konkurrenten und alle, die seine Geschäfte stören könnten. Inspektor Nechyba beginnt die Ermittlungen gegen den "Henker von Wien", wohlwissend, dass auch seine Versorgung von der "Quelle" abhängt. Bei diesem Roman handelt es sich bereits um den 5. Fall von Oberinspektor Nechyba. Es ist aber keine Voraussetzung, die vorherigen Fälle zu kennen. Für mich war dies der erste Band und ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, in die Geschichte einzusteigen. Ich habe mich gleich gut eingefunden und durch die detailreichen Beschreibungen gefühlt, als wenn ich mittendrin wäre. Die Details sind meiner Meinung nach sehr gut recherchiert und Wahrheit mit Fiktion verwoben. Die Geschichte hat mich völlig in ihren Bann gezogen und mir ein kurzweiliges Lesevergnügen bereitet. Wie alle Bücher aus dem Gmeiner-Verlag hat auch dieses Buch mich sehr fasziniert und ich empfehle es zu 100 % weiter, da ich es rundum spannend fand und mir gleichzeitig Geschichtskenntnisse vermittelt wurden. Wenn es weitere Fälle von Nechyba geben sollte, bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei!

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  • Wien im 1. Weltkrieg

    Der Henker von Wien
    Starbucks

    Starbucks

    16. October 2015 um 00:18

    In Gerhard Loibelsbergers Büchern wird Geschichte lebendig, und auch in „Der Henker von Wien“ kommt Oberinspector Nechyba wieder zum Zug: Bereits zum 5. Mal darf der gar nicht immer so sympathische Ermittler hier Verbrechen aufklären. Zum Inhalt: Im Jahre 1916 kann sich in Wien nur derjenige wirklich ganz gut über Wasser halten, der auf dem Schwarzmarkt kauft oder handelt. Die Misslage macht Menschen zu Helfern, aber auch zu Verbrechern. In diesem Ausnahmezustand werden die Menschen zu Tieren. Als einer der Scheichhändler andere Händler ausschaltet, indem er sie umbringt, wird Oberinspector Nechyba mit der Angelegenheit betraut. Aber diesmal begibt er sich in große Gefahr – und Hilfe kommt von nicht vorhersehbarer Stelle.... Meine Meinung: Der Krimi im Gmeiner Verlag ist Spannung und Bildung zugleich. Man erfährt sehr viel über die Ereignisse der Zeit, ein Verzeichnis der historischen Personen trägt zum Verständnis bei. Dieses steht sogar einmal am Anfang, so dass ich, die ich Bücher immer von vorn her lese , auch von Anfang meinen Nutzen daraus ziehen konnte. Aber „Der Henker von Wien“ blickt auch tief in die Seelen der Menschen. Der Roman zeigt, wie skrupellos die reicheren Schichten sich mal wieder auf Kosten der Ärmeren bereicherten und wie zeitlos der menschliche Charakter doch ist. Nach hundert Jahren sind wir diesen Menschen gar nicht mal so fern. Mein Fazit: Ich gebe „Der Henker von Wien“ eine uneingeschränkte Leseempfehlung und die volle Sternzahl. Es sei noch gesagt, dass es trotz der vier Vorgängerromane kein Muss ist, diese zu kennen. Ich freue mich schon auf weitere Romane von Gerhard Loibelsberger. 

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  • Der Henker von Wien – Viel Lokalkolorit in krimineller Gesellschaftsstudie

    Der Henker von Wien
    Nicky_G

    Nicky_G

    15. October 2015 um 15:44

    Oberinspector Nechyba hat es nicht leicht: nicht nur, dass durch den Krieg die Lebensmittel knapp sind, auch treibt ein brutaler Mörder sein Unwesen unter den Schwarzmarkt- und Schleichhändlern. Es sieht so aus, als wolle da jemand die Konkurrenz ausschalten. Und während Nechyba mit seinen Kollegen die Schlinge enger zieht, schaltet der Henker einen Mitwisser nach dem anderen aus. Wird es der Polizei trotzdem gelingen, ihn aufzuspüren? Die Zeiten waren grausam und hart. Jedermann versuchte, sich irgendwie einen Vorteil zu verschaffen, auch wenn dieser illegal war. Die Kargheit der Mahlzeiten und die Freude über ein paar einfache Kartoffeln mit Butter lassen sich nach der Lektüre dieses Romans gut nachvollziehen. „Freunderlwirtschaft“ (den Begriff fand ich einfach zu passend in diesem Zusammenhang) war zur damaligen Zeit äußerst wichtig und bei manchen schon überlebensnotwendig. Da gerät der ein oder die andere auf die schiefe Bahn und die Grenze zwischen Kriminalität und Legalität verschwimmen, und manch einer ist zu Handlungen fähig, die er ohne Krieg wahrscheinlich nie begangen hätte. Die Verzweiflung spürt man hautnah. Besonders gut hat mir gefallen, dass etliche Dialoge im Wiener Dialekt geschrieben sind. Das gab dem ganzen Leseerlebnis zusätzliche Würze. Auch das Personenverzeichnis im vorderen sowie das Glossar im hinteren Bereich des Buches waren sehr hilfreich. Man sollte diesen Roman aber nicht als Krimi lesen, in dem es vornehmlich um die Aufklärung der Morde geht. Obwohl er durchaus spannend ist. Vielmehr ist er eine Gesellschaftsstudie, die aufzeigt, zu was Menschen fähig sind (und sein müssen), wenn sie keinen Ausweg mehr sehen. Das kommt natürlich einigen wenigen zupass, die diese ausweglosen Situationen schamlos ausnutzen. Da ändern sich die Zeiten wenig. Aber gut, dass es immer noch jemanden gibt, der den Kampf aufnimmt, so wie Nechyba.

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  • Spannender und bedrückender Wiener Krimi

    Der Henker von Wien
    yari

    yari

    Der Krimi spielt im winterlichen Wien des Jahres 1916. Der 1. Weltkrieg verschärft die Versorgungslage der Menschen, die in Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften anstehen. Diese katastrophalen Bedingungen rufen Schleichhändler auf den Plan und der Schwarzmarkt floriert. Einer dieser Schleichhändler, die "Quelle", fängt an, seine Konkurrenten und Lieferanten, die ihm nicht willig sind, auszuschalten. Er hängt sie mit dem sogenannten Henkersknoten auf; deswegen wird der Mörder bald "der Henker von Wien" genannt. Nachdem ein hoher Militärbeamter erhängt aufgefunden wird, wird Oberinspektor Nechyba mit den Ermittlungen betraut. Nechyba gerät in einen Sumpf der Korruption, Lügen und Halbwahrheiten und bezahlt die Auflösung dieses Falles fast mit dem Leben. Der Henker von Wien ist ein erschüttender und realitätsnaher Kriminalroman mit Lokalkolorit, der spannend zu lesen ist. Die Charaktere der Protagonisten sind sehr gut gezeichnet, man sieht die Personen förmlich vor sich. Besonders gut gefallen hat mir Nechyba, der etwas kauzige und gemütliche Oberinspektor, der gutes Essen über alles liebt, und mit Aurelia eine Ehefrau hat, die ihm ebenbürtig, und eine sehr gute Köchin ist. Die historischen Gründe sind hervorragend recherchiert, und man kann die Hungersnot und das Leiden der Menschen mitempfinden. Man sieht beim Lesen die Menschen vor sich, wie sie frierend und hungrig in den Menschenschlangen anstehen, um wenigstens eine Kleinigkeit zum Essen bekommen. Erschreckend ist, wie dekadent die obere Gesellschaftsschicht zu dieser Zeit lebte. Sie besorgten sich auf dem Schwarzmarkt Lebensmittel, ohne einen Gedanken an die ärmere Bevölkerung zu verschwenden. Auch der Schwarzhandel und die Korruption waren ein richtiger Teufelskreis, da diese ja miteinander verbunden sind. Gerhard Loibelsberger hat es sehr gut verstanden, mich mit diesem historischen Kriminalroman zu fesseln, der mich auch nachdenklich gemacht hat. Exzellent hat der Autor die historischen Hintergründe mit der Geschichte verknüpft und zu einem wahren Lesevergnügen gemacht. Ich kann diesen Kriminalroman uneingeschränkt empfehlen und vergebe hierfür fünf Sterne.

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  • Hunger, Not und Völlerei

    Der Henker von Wien
    twentytwo

    twentytwo

    Ende Oktober 1916, Oberinspector Nechyba versucht, halbwegs satt, in seinem Dienstzimmer ein kleines Nachmittagsschläfchen zu halten. So wundert es nicht, dass er anfängt von vollen Tellern und Schüsseln zu träumen. Vom Telefon jäh aus dem Schlaf gerissen wird ihm Mitteilung vom Attentat auf Ministerpräsident Graf Stürgkh gemacht. Szenenwechsel. Es kommt zum ersten Mord an Schleichhändler Jansa, der zugleich eine Drohung für das gesamte Milieu darstellt. Während das Volk auf der einen Seite hungert und friert, sitzen die Großkopferten und reich gewordene Schleichhändler im Kaffee- oder Gasthaus und lassen es sich gut gehen. Sehr anschaulich geschildert fühlt man sich gleich in die Zeit des 1. Weltkrieges zurückversetzt. So hat man auch ein gewisses Verständnis für die 14 Jahre alte Marie, die sich ohne Widerstand verführen und benutzen läßt. Dummerweise handelt es sich bei ihrem Freier aber um einen der berüchtigten Schleichhändler und Marie gerät, als seine Komplizin, immer tiefer in seine üblen Machenschaften. Es kommt zu weiteren mysteriösen Morden, nach immer dem gleichen Schema. Jetzt zeigt sich wie wichtig es ist, weit versponnene Fäden zu haben um an Spuren die zum Täter führen zu kommen. Korruption wohin man blickt. Im Grunde genommen ist keiner davon ausgenommen, auch diejenigen nicht von denen man es eigentlich erwartet hätte. Sehr glaubhaft wird das Leben und der Kampf ums Überleben, im vom Krieg gebeutelten Wien, geschildert. Die Personen wirken authentisch und die Geschichte ist gut recherchiert. Man liest sich schnell ein und erlebt sehr anschaulich beschrieben wie es zwischen Oktober 1916 und Januar 1917 in Wien zugegangen ist.

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    yari

    yari

    14. October 2015 um 19:12
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