Schönbrunner Finale

von Gerhard Loibelsberger 
4,6 Sterne bei24 Bewertungen
Schönbrunner Finale
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buecherwurm1310s avatar

Ein unterhaltsamer und spannender Krimi mit besonderem Lokalkolorit.

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Herr Gerhard Loibelsberger entführt den Leser ins Wien 1918. In der Nähe vom Naschmarkt geschieht ein Mord. Die Jagd geht los...

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Inhaltsangabe zu "Schönbrunner Finale"

Italienische Flieger über Wien! Während alle gebannt in den Himmel starren, geschieht in der Nähe des Naschmarkts ein Mord. Joseph Maria Nechyba übernimmt die Ermittlungen. In Riesenschritten naht mittlerweile das Ende Österreich-Ungarns. Oberinspector Nechyba ist schließlich persönlich anwesend, als Kaiser Karl im Schloss Schönbrunn die Verzichtserklärung auf die Teilnahme an den Regierungsgeschäften unterzeichnet und die Republik ausgerufen wird. Kommt Nechyba auch dem Mörder auf die Spur?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783839222102
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:Gmeiner-Verlag
Erscheinungsdatum:11.04.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    buecherwurm1310s avatar
    buecherwurm1310vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein unterhaltsamer und spannender Krimi mit besonderem Lokalkolorit.
    Schlechte Zeiten in Wien

    Wir schreiben das Jahr 1918. Die Lage in Wien ist katastrophal. Die Menschen hungern und obwohl es immer geleugnet wird, weiß doch jeder, dass der Krieg verloren ist. In der Nähe des Naschmarktes geschieht ein Mord und Polizeioberinspector Joseph Maria Nechyba übernimmt die Ermittlungen.

    Dies ist nicht mein erster Krimi mit dem Ermittler Nechyba, der mir inzwischen ans Herz gewachsen ist. Jeder dieser Krimis ist problemlos für sich alleine zu lesen.

    Dieser Krimis wird ergänzt mit viel historischen Fakten und authentischem Lokalkolorit. Es gibt Wiener Schmäh, aber auch Amtsmissbrauch und Korruption. Die politischen Verhältnisse sind im Umbruch.

    Nechyba ist ein gemütlicher Typ, der gerne mal ein Nickerchen im Büro hält. Obwohl er sehr nett sein kann, reagiert er manchmal auch resolut und polterig. Gutes Essen ist ihm sehr wichtig, aber auch leidet unter den Verhältnissen. Zum Glück ist seine Frau Aurelia noch immer Köchin beim Hofrat Schmerda aus dem Innenministerium. Der Hofrat nutzt Nechybas Beziehungen beim Schleichhandel und für Nechyba fällt dann im Gegenzug auch mal was gutes Essbares ab.

    Das Leben ist so hat, dass selbst der Hofrat zu ungewöhnlichen Maßnahmen greift, um seine Versorgung sicherzustellen. Aber es gibt auch Menschen, bei denen die Not so groß ist, dass sie zum Kriminellen werden. Die Verbrechen nehmen zu und Nechyba und seine Kollegen haben alle Hände voll zu tun.

    Ein unterhaltsamer und spannender Krimi mit besonderem Lokalkolorit. Ich kann ihn nur empfehlen.

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    awogflis avatar
    awogflivor 4 Monaten
    Zusammenbruch, Umsturz, Hunger, Mord und Totschlag

    Dieser historische k.u.k. Krimi spielt schon wie alle anderen Romane dieser Reihe (Band 1 habe ich erst vor zwei Wochen hier in Lovelybooks bespochen) im Wien der Vergangenheit, diesmal aber nicht um die Jahrhundertwende, sondern 1918, im letzten Jahr des ersten Weltkrieges und punktgenau zum Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie. Erneut webt der Autor Loibelsberger gekonnt aus historischen Tatsachen und einer Krimi-Handlung im Nebenstrang ein dichtes, lückenloses Netz aus geschichtlichen Fakten und perfekter Fiktion, in dem die Grenzen verschwimmen.

    Die Protagonisten, den Kennern der Reihe bereits geläufig, sind wesentlich gealtert, haben sich aber durch die Kriegsumstände derart verändert, dass es sowohl für die Profis spannend bleibt, als auch ein Neuling sehr gut den quasi runderneuerten Charakteren folgen kann.

    Polizeioberinspector (ja er wurde befördert) Joseph Maria Nechyba ist nun mit seiner alten Liebe der Köchin Amalia bereits seit Jahren verheiratet, die aus finanziellen und versorgungstechnischen Gründen noch immer für den Hofrat Schmerda aus dem Innenministerium die Küche führt. Der ehemalige Journalist Goldblatt hat die freie Presse verlassen und verfasst als Leutnant Jubelpropaganda, um das Volk vom drohenden Kriegsverlust abzulenken, obwohl die Spatzen die bevorstehende Kapitulation schon von den Dächern pfeiffen.

    Die im ersten Band so fröhliche Stimmung und der sprichwörtliche derbe Wiener Schmäh (böser Humor) sind reinem Zynismus, Frustration, Verzweiflung, Hunger und grotesken Lebensmittelbeschaffungsaktionen gewichen, in denen auch Amtsmissbrauch, Korruption, und kleinere nicht nur disziplinarrechtliche sondern auch strafrechtliche Delikte seitens der offiziellen Beamten des Staates an der Tagesordnung stehen. Im Prinzip ist auch die öffentliche Ordnung in Auflösung begriffen. Diese Stimmung ist zwar für den Leser nicht angenehm zu ertragen, beschreibt aber die historische Situation der Donaumornarchie kurz vor dem Zusammenbruch sehr treffend und punktgenau.

    Die Figuren des Romans, die ja gourmethafte – was sage ich gourmandhafte – Züge aufweisen, versuchen im hungernden Wien der letzten Kriegstage verzweifelt und gleichzeitig sehr fintenreich, ein bisschen korrupt und erfolgreich etwas wirklich gutes zum Essen aufzutreiben – und zwar einen Lungenbraten, eine halbe Sau, Speck … . Das geht sogar so weit, dass Hofrat Schmerda in der Wiener Stadtwohnung Hühner züchtet, nur um eine Eierspeise zu bekommen. Das Zimmer des toten Sohnes wird ausgeräumt und mit Erde und Stroh für die Hennen bedeckt. Außerdem träumt er von einer Sau im Zimmer seiner Frau, als er sie wegen des Viehs ausquartieren will, bekommt diese einen Tobsuchtsanfall inklusive anschließendem Nervenzusammenbruch. Wie Ihr seht, dreht sich sehr viel der Geschichte wieder um das Thema Essen, diesmal aber von einer Mangelsituation heraus.

    Andere Figuren sind noch viel zynischer gezeichnet. Aus relativ nichtigen Anlässen werden ganz normale Menschen wie Du und ich durch das Kriegsgeschehen und die Versorgungssituation in Wien zu Schwerverbrechern, denen ein Leben auf Grund von Kleinigkeiten wie einem Stück Zwieback, ein bisschen Geld, oder einem Verrat an die Polizei gar nichts mehr wert ist. Diese Gelegenheitstäter haben nicht einmal ein Fünkchen von schlechtem Gewissen, wenn Sie jemanden abmurksen, um einen Vorteil zu erlangen. In der gewalttätigen Grundstimmung der Geschichte passieren viele Tötungsdelikte, Oberinspector Nechyba und seine Beamten haben alle Hände voll zu tun, alle aufzuklären, wobei ihm das erste Verbrechen, der Totschlag am Planetenverkäufer (Wahrsager) Stani Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte beschert.

    In die Krimihandlung, die diesmal wieder so nebenher konzipiert ist, aber am Ende eine Überraschung bereithält, sind erneut historische Originaldokumente eingebaut, wie zum Beispiel ein Ultimatum von Präsident Wilson oder die aktuellen Zeitungsmeldungen, die sich auf Grund der Entwicklungen im Herbst 1918 tagtäglich überschlagen. Auch die in die Handlung eingeflochtenen historischen Persönlichkeiten sind Legion – viereinhalb Seiten Personenregister, schlussendlich ist Nechyba sogar als abgestellter Leibwächter des letzten Kaisers von Österreich Karl I. bei dessen Abdankung anwesend. Am Ende des Romans der zynischen Grundstimmung und historischen Tatsachen geschuldet rafft auch noch die spanische Grippe sehr tragisch das halbe Personal der Geschichte hinweg, beginnend mit Egon Schiele und seiner Frau Edith, die den Virus als Freunde in die kleine Gesellschaft der Protagonisten hineintragen.

    Fazit: Ein sehr guter historischer Krimi, die Fröhlichkeit und Lebensfreude des ersten Romans geht mir zwar sehr ab, aber 1918 war eben gar nichts fröhlich in Wien. Insofern ein genaues, sehr gut beschriebenes authentisches Sittenbild der letzten Kriegstage in der Hauptstadt der untergehenden Donaumonarchie, das auf Umsturz, Mord und Totschlag natürlich nicht verzichten kann.

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    dorlis avatar
    dorlivor 4 Monaten
    Rezension zu "Schönbrunner Finale" von Gerhard Loibelsberger

    Wien 1918. Der Planetenverkäufer Stanislaus Gotthelf wird in seiner Hütte im zweiten Hinterhof eines Hauses in der Rechten Wienzeile erschlagen aufgefunden. Verdächtigt werden die Deserteure Ambrosius Zach und Karel Husak, die als Bettgeher bei ihm Unterschlupf gefunden hatten und jetzt spurlos verschwunden sind. Obwohl eigentlich gar nicht zuständig, beginnt Oberinspector Joseph Nechyba auf Drängen seiner Frau Aurelia mit den Ermittlungen…

    In seinem historischen Roman „Schönbrunner Finale“ wartet Gerhard Loibelsberger mit einer kurzweiligen Mischung aus spannendem Kriminalfall und historischen Fakten rund um das nahende Ende Österreich-Ungarns auf und lässt damit auch diesen sechsten Band der Nechyba-Reihe zu einer fesselnden Zeitreise werden.

    Gerhard Loibelsberger hat viele wahre Begebenheiten in die Handlung eingeflochten und lässt das vom Krieg in die Knie gezwungene Wien vor den Augen des Lesers lebendig werden. Überall herrscht bittere Not, die Lebensmittelbeschaffung wird jeden Tag aufs Neue zu einer Kräfte verzehrenden Aufgabe. Der Schwarzhandel blüht, die Kriminalitätsrate ist hoch, Einschleichdiebstähle und sogar Mord und Totschlag sind an der Tagesordnung. Damit nicht genug, eine weitere Bedrohung rollt bereits auf die Wiener Bevölkerung zu: die Spanische Grippe.

    Auch bei Genussmensch Nechyba ist die Sehnsucht nach einem Stück Fleisch oder auch echtem Bohnenkaffee groß und so begleitet man den mittlerweile 58-Jährigen bei seinen alltäglichen Bemühungen, mit dem Wenigen, das es gibt, eine Mahlzeit auf den Tisch zu bekommen, „… weil a knurrender Magen ist wie ein bissiger Hund …“ (Seite 43). Der Mordfall Gotthelf gerät dabei fast zur Nebensache, wird jedoch schließlich in gewohnter Nechyba-Manier aufgeklärt.

    Gerhard Loibelsberger kann nicht nur mit der Darstellung der politischen Lage und der sozialen Verhältnisse in den letzten Kriegsmonaten punkten, er erzählt auch sehr unterhaltsam und packt reichlich Wiener Schmäh in seine Geschichte. Die Dialoge sind in Mundart geschrieben und verleihen der Handlung damit eine Extraportion Authentizität. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Wiener Ausdrücke nicht nur in einem Glossar am Ende des Buches aufgelistet werden, sondern die Erläuterungen auch als Fußnote auf der entsprechenden Seite zu finden sind.

    „Schönbrunner Finale“ hat mich durchweg sehr gut unterhalten – eine Mischung aus Historie und Spannung, die mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.

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    Jacobs avatar
    Jacobvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Herr Gerhard Loibelsberger entführt den Leser ins Wien 1918. In der Nähe vom Naschmarkt geschieht ein Mord. Die Jagd geht los...
    Historisches Finale mit Nechyiba und Klimt

    Lebendig,authentisch und mitreißende Momente. Hungernde Bevölkerung und diejenigen die nicht Hungern müssen. Die einen bekommen nichts ohne Lebensmittelmarken und andere bekommen auf dem Schwarzmarkt alles. Eine spannende und historische Zeitreise beginnt... Herr Gerhard Loibelsberger entführt den Leser ins Wien 1918. In der Nähe vom Naschmarkt geschieht ein Mord. Joseph Maria Nechyba's Frau möchte das er den Mord aufklärt. Schönbrunner Finale läßt sich ohne Probleme unabhängig von den vorherigen Fällen lesen. Oberinspektor Nechyba ermittelt auf eine gemütliche und sympathische Weise. Joseph Maria Nechyba ist ein Connaisseur (Genussmensch). Auch er und seine Frau organisieren sich über dunkle Kanäle auf dem florierenden Schwarzmarkt Fleisch und andere Leckereien. Wer würde es nicht tun, wenn man könnte? Das macht ihn sehr sympathisch. Schönbrunner Finale ist ein Gaumenschmaus für alle Sinne! Kein typischer aber ein mörderischer Krimi. Ein Strudel und ein Sog hat mich von der ersten Seite an auf eine Zeitreise mitgenommen. Die erste Seite entführt mich sofort in den Schützengraben. Ich fühle mich, als krieche ich mit Karel Husek zusammen aus den Schützengraben heraus... Sympathische und unsympathische Protagonisten. Brutale Morde aus Habgier und Verzweiflung erwarten den Leser / die Leserin.. Hie ein kleiner Vorgeschmack: Ein brutaler Mord an Stanislaus Gotthelf. Zach und Husak, die Einschleichdiebe sind die bösen Gesellen.... Die Fratschlerin/Naschmarkt-Helli schlägt einen hungernden Buben halb tot, weil er Essen an ihrem Stand geklaut hat, armer Bub... Ein beleibter Sicherheitswachmann kann den Bub gerade noch retten. Was er gestohlen hat? Steht im Buch ;) Ein brutaler und eiskalte Mord an die Eigensperger....Mir lief ein Schauer über den Rücken. Mitten in 1918 kann ich den Krimi nicht mehr aus der Hand legen. Die Aussprache und der Schreibstil sind aber auch flüssig, voller Witz und lustigen Gedanken. Wunderschön und friedvoll strahlt mich das Cover an. Beschützend hält die Mutter ihr Kind umarmt. Gustav Klimt. Zu der Zeit gelebt. Zu der Zeit gestorben. Als erstes schaute ich mir aber die Wiener Ausdrücke an. Darüber war ich sofort entzückt. Sehr gut das diese aufgeführt sind. Fast alle kenne ich nicht! ;) Die Sprache ist aber immer so schön zu lesen, anzuhören und zuzuhören. Hier kommt jeder Österreich Liebhaber auf seine Kosten. Das Verzeichnis der historischen Personen begleitete mich. Auf dieses Personenverzeichnis griff ich gerne zurück. Historische Geschichte sowie Personen mit authentischen Morden und erfundenen Protagonisten. Eine gelungene Mischung, die ich jeden Krimi-Liebhaber empfehlen kann.

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    Rosemarievor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Wien 1918
    Wien 1918

    Das Ende des 1. Weltkrieges. Die Welt und auch Österreich ist im Umbruch. Für Österreich bedeutet dies: Weg von der Monarchie hin zur Republik. In der Nähe des Naschmarktes geschieht ein Mord. Joseph Maria Nechyba ermittelt. Ein liebevoll, recherchierter Roman der sehr lesenswert ist. Ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand nehmen, habe es von einer Freundin als Geschenk erhalten und kann dieses Buch Schönbrunner Finale zum Lesen nur weiterempfehlen.

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    Karin07011998vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Starker Rom
    Starker Roman

    Wien im Jahre 1918. Ein Mord auf dem Naschmarkt geschieht. Joseph Maria Nechyba übernimmt die Ermittlungen. Eine Stadt bzw. Land ist im Umbruch. Der Wandel von der Monarchie zur Republik beginnt. Ein toller Roman, sehr gut recherchiert. Mir hat das Lesen des Buches Schönbrunner Finale sehr viel Freude bereitet. Leseempfehlung: Ja.

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    Sabine_Hartmannvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Spannende Erzählung
    Spannende Erzählung

    Oberinspektor Joseph Maria Nechyba arbeitet um 1815 in Wien, als ein Toter gefunden wird. Nicht nur aus professionellen Gründen ermittelt Nechyba besonders akribisch, auch seine Frau Aurelia sitzt ihm im Nacken.

    Doch dieser Kriminalfall ist eigentlich zweitrangig. Was den Roman dagegen bestimmt, ist die Atmosphäre in Wien und Umgebung im Ersten Weltkrieg. Der Autor zeigt in seinen Szenen welche Auswirkungen das Geschehen damals auf die einzelnen Leute hatte. Je nachdem, wo sie sich befanden, welcher Schicht sie angehörten etc.

    Dabei entsteht ein beeindruckender Rundumblick auf die Gesellschaft dieser Zeit. Der Kriminalfall durchzieht die Handlung zwar wie ein roter Faden, doch Nechybas Wahrnehmungen, sein Hunger, seine Probleme, sein kritischer Blick auf die Welt, das alles schafft die notwendige Atmosphäre.

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    mabuerelevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Spannender historischer Krimi zum Ende der österreichischen Monarchie!
    Wien anno 1918

    „...Nechybas Magen brummte. Er sah verzweifelt auf seinen immer kleiner werdenden Bauch, seufzte voll Resignation, griff zum Löffel und begann mit Todesverachtung die Bohnen mit Paradeis in sich hineinzuschaufeln...“


    Wir schreiben das Jahr 1918. Seit vier Jahren tobt der Krieg in Europa. Goldblatt, Journalist im Kriegspressequartier, und Oberinspector Nechyba treffen sich im Cafè Sperl. Gesprächsthema ist die letzte Pressemitteilung des amerikanischen Präsidenten. Sie enthält brisanten Zündstoff, denn seine Umsetzung wäre das Ende des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn.

    Doch auf Nechyba kommt ein ganz anders Problem zu. Sein Frau Aurelia möchte, dass er sich persönlich um die Aufklärung des Mordes an den Planetenverkäufer Stanislaus Gotthelf kümmert. Und was Aurelia will kann er nicht ignorieren.

    Der Autor hat einen spannenden historischen Krimi geschrieben. Zwar ist mir der Herr Oberinspector Nechyba schon aus anderen Bänden bekannt, aber das Buch ließe sich auch ohne diese Kenntnisse lesen, denn Veränderungen und Neuerungen mag er eher nicht, wie das folgende Zitat zeigt:


    „...Wenn er irgendetwas in der Welt ändern könnte, dann würde er zuerst das Telefon abschaffen. Diese Telefonie war eine Krankheit, die sich immer weiter ausbreitete...“


    Wohlgemerkt, wir schreiben das Jahr 1918!

    Der Schriftstil ist den Zeitverhältnissen angepasst. Typisch Wienerische Begriffe werden in Fußnoten sofort erläutert. Die Gespräche finden zumeist im Wiener Dialekt statt.

    Sehr detailliert wird die Lage in Österreich im vierten Kriegsjahr dargestellt. Die wirtschaftliche Situation ist katastrophal .Zunehmende Streiks der Arbeiter sind verständlich, denn die Dinge, die es auf Lebensmittelmarken gibt, werden aber weniger. Hinzu kommt, dass in die Stadt immer wieder Deserteure von der Front kommen. Beispielgebend dafür sind Husak und Zach. Während Husak davon träumt, bald in sein geliebtes Prag zurückkehren zu können und die erste Schwarzarbeit annimmt, die ihm angeboten wird, dominiert bei Zach die Wut auf das Kaiserreich. Er gleitet schnell ins kriminelle Milieu ab. Hunger und Not lassen schnell die Moral sinken.

    Selbst Nechyba muss auf seinen geliebten Bohnenkaffee verzichtet. Der ist nicht einmal für viel Geld und gute Worte zu bekommen. Nicht begeistert ist er, als ihm Aurelia das erste Mal notgedrungen ein vegetarisches Gericht vorsetzt, wie das Eingangszitat zeigt. Doch Nechyba wäre nicht Nechyba, wenn ihm nichts einfallen würde. Der Wunsch von Schmerda, Aurelias Dienstherren, könnte auch für ihn positive Auswirkungen haben. Und für viel Geld und ein „wenig“ gute Worte findet der Schleichhändler Kaminsky jedes Fleischstück, das gewünscht wird.

    Als besonderes Stilmittel beginnt jeder der vier Teile mit einem Zitat aus der damaligen Zeit. Auch im eigentlichen Handlungsablauf werden wiederholt Zeitungsartikel wiedergegeben. Dadurch erhalte ich einen Einblick in die politische Lage, die zum Ende der österreichischen Monarchie führen wird.

    Allerdings wird auch deutlich, dass die einzelnen politischen Kräfte zwar alle auf ein Abdanken des Kaisers hinarbeiten, aber mit unterschiedlicher Einstellung. Die reicht von moderat bis radikal.

    Trotz erster Erfolge im Kampf gegen die Streiks bringt Nechyba die Lage exakt auf den Punkt:


    „...Wenn sich die allgemeine Verpflegungssituation nicht bessert, sehe ich schwarz...Weil ein knurrender Magen ist wie ein bissiger Hund...“


    Zu den besonderen Feinheiten des Schriftstils gehören die abwechslungsreichen Gespräche, die häufig einen Einblick in den Charakter und die Ansichten der Protagonisten geben.

    Ein ausführliches Glossar der Wiener Ausdrücke und ein Quellenverzeichnis ergänzen das Buch.

    Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen.

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    Durga108s avatar
    Durga108vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: "Ein Roman aus Wien im Jahre 1918."
    Joseph Maria Nechyba ermittelt

    2009 begann Gerhard Loibelsberger mit den "Naschmarkt Morden" eine Serie historischer Kriminalromane rund um den Oberinspektor Joseph Maria Nechyba.  Passend zur Epoche, in der die Romane spielen, schmücken Klimt-Gemälde die Titelseiten. Man kann allerdings die einzelnen Bände auch unabhängig voneinander lesen. 

    Mit "Schönbrunner Finale" ist Loibelsberger nicht nur ein historischer Krimi gelungen, der Leser lernt außerdem äußerst unterhaltsam jede Menge politische und geschichtliche Information über diese Zeit der Umstürze. Es versteht sich von selbst, dass er alles sauber recherchiert hat. 

    Zum Inhalt: Wien im August 1918: Das Kaiserreich wurde, nachdem der 1. Weltkrieg verloren war, zahlreiche junge Männer geopfert wurden, das Volk hungerte, von Unruhen geschüttelt. Dies betraf nicht nur Österreich, sondern auch Kroatien, Ungarn, Tschechien, Italien, Deutschland usw. Der Autor beschreibt dieses Szenario sehr anschaulich: Der Schwarzhandel blüht, Lebensmittel sind knapp, was auch der Genußmensch Nechyba zu spüren bekommt, Verwundete, die oft invalide und verbittert sind, kommen nach Hause, wie z.B. der junge Gotthelf. Waren sie doch nichts anderes als Kanonenfutter. Unmut gegen den Kaiser macht sich breit und Aufständische formieren sich. Das Ganze endet damit, dass der Kaiser den Umbau der Monarchie in einen Bundesstaat ankündigt und aus Schönbrunn flieht. In dieser Szenerie geschehen verschiedene Morde - Gotthelf wird erschlagen, die alte Eigensperger wird erstickt, einige rafft die spanische Grippe dahin. 

    Die Figuren sprechen Wienerisch. Das macht sie ganz besonders charmant. Für Leser, die der Sprache nicht mächtig sind, gibt es zahlreiche Fußnoten sowie ein Glossar der Wiener Ausdrücke zur Übersetzung. Für mich war der Krimiaspekt zweitrangig, da mich die geschichtlichen und politischen Ereignisse an sich schon fesselten. 

    Ein rundum gelungener und sehr lesenswerter Roman, dem die Bezeichnung historischer Kriminalroman eigentlich nicht gerecht wird. Ich werde sicherlich auch noch die anderen Bände der Nechyba-Reihe lesen.

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    sanbre333vor 5 Monaten
    Authentischer historischer Roman aus Wien

    Schönbrunner Finale ist der 6. Band der Reihe um den Wiener Inspektor Nechyba. Für mich war es der erste Band aus der Reihe und das erste Buch von Gerhard Loibelsberger. Obwohl ich ursprünglich einen klassischen historischen Krimi erwartet habe wurde ich nicht enttäuscht. Trotz einiger Morde und Ermittlungstätigkeiten ist es aber kein klassischer Krimi. Es geht vielmehr um das Leben der Menschen in dieser schlimmen Zeit. Wir schreiben das Jahr 1918. In Wien beherrschen Armut, Hunger und Krankheit das Leben der Leute. Der Autor schildert anschaulich was die Menschen auf sich nehmen mussten um zu überleben. 

    Die Figuren sind sehr menschlich. Geschrieben ist das Buch größtenteils im Dialekt.  Da aber die Begriffe in der Fußnote übersetzt werden, ist das überhaupt kein Problem.  

    Ich kann Schönbrunner Finale nur empfehlen.  Es ist ein authentischer historischer Roman. Wien Fans und historisch interessierte werden hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.  

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Gerhard_Loibelsbergers avatar

    Liebe Leserin, lieber Leser,

    machen Sie eine Zeitreise ins Jahr 1918, indem Sie sich für die Leserunde meines neuen historischen Romans "Schönbrunner Finale" bewerben.

    Was Sie erwartet? Italienische Flieger über Wien, Morde rund um den Naschmarkt und Ermittlungen, die von Oberinspector Joseph Maria Nechyba geleitet werden. Erleben Sie, wie mit Riesenschritten das Ende Österreich-Ungarns naht und wie die militärische Niederlage der Mittelmächte immer näher rückt. Wie die politischen Wirren immer größer werden und wie sich militärische und staatliche Strukturen auflösen. Oberinspector Nechyba ist schließlich persönlich anwesend, als Kaiser Karl im Schloss Schönbrunn auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften verzichtet. Damit ist Österreich-Ungarns Ende besiegelt. 

    Ich lade Sie ein, sich auf eine mit Spannung und historischen Fakten gespickte Lesereise zu begeben. 

    Viel Vergnügen!

    Gerhard Loibelsberger


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