Gerhard Roth Portraits

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Inhaltsangabe zu „Portraits“ von Gerhard Roth

Mehr als dreißig Jahre lang hat Gerhard Roth neben seiner Arbeit als Romancier Menschen porträtiert, die zu den größten und bemerkenswertesten ihres Faches gehören. Viele dieser aus intensiven Begegnungen entstandenen Porträts widmen sich bedeutenden Autoren wie Elias Canetti, Max Frisch oder Thomas Bernhard, andere beschäftigen sich mit außergewöhnlichen künstlerischen Außenseitern wie August Walla, Bruno Gironcoli und Franz Gsellmann. Darüber hinaus spannt sich der Bogen weit: vom Bombenleger und mehrfachen Mörder Franz Fuchs bis zum Fußballtrainer Ivan Osim, vom 'Zirkuskünstler' André Heller bis zum legendären österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky. Vincent van Gogh: Geheimnisse und Wahrheiten – Max Frisch: Fuchsjagd an den Ufern des Zürichsees – Elias Canetti: Im Spiegelkabinett der zweitausend Masken – Thomas Bernhard: Der lebendige Tote – Bruno Kreisky: Ein österreichisches Schauspiel – Simon Wiesenthal: Der Ingenieur der Erinnerung – Franz Fuchs: Das Bombenhirn – Franz Gsellmann: Die Weltmaschine am Ende der Welt – August Walla: Die Welt im Zimmer – Bruno Gironcoli: Der Künstler als Regent des Chaos – Günter Brus: Eine abenteuerliche Reise durchs Gehirn – Ivan Osim: Der schweigende Merlin des Fußballsports – André Heller: Ein Circustraum – Tennessee Williams: Der Schlangenbeschwörer – Eugène Ionesco: 'Ich habe alle meine Fässer geleert' – Abschied von Wolfgang Bauer
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  • Rezension zu "Portraits" von Gerhard Roth

    Portraits

    HeikeG

    18. June 2012 um 18:49

    Auf der Suche nach dem Innersten des Inneren . Siebzig Jahre wird er am 24. Juni 2012. Die Rede ist von Gerhard Roth, diesem äußerst munteren und agilen Kopfgänger. Sechzehn "Wanderungen" wurden anlässlich seines Geburtstages in diesem Band versammelt, die den Leser auffordern, den Österreicher zu begleiten. Stock und Hut kann er allerdings getrost zu Hause lassen. Nicht einmal sein Zimmer muss er dazu verlassen. Sondern einfach eintauchen in dieses essayistische Kleinod. Denn Roth hat die Gabe, seinen Gegenüber wie von allein durch seine (Buch)Grenzen dringen zu lassen. Der bahnt sich hernach seinen eigenen Weg, der unweigerlich durch den Kopf des Lesenden führt. . Vincent van Gogh macht den Anfang, gefolgt vom "Dichter der Angst" Max Frisch sowie dem "gelehrten Troll" und "Kugelblitz in Menschengestalt" Elias Canetti. Eine zumindest vom Schreibstil einzuordnende Reportage über den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky schließt sich an, genauso wie ein Essay über seinen "Ab-Kanzler" Thomas Bernhard. Aber auch von Episoden mit weniger bekannten Personen berichtet Roth. Sie reichen von Künstlern wie Bruno Gironcoli, über August Walla bis hin zum "Ingenieur der Erinnerung" Simon Wiesenthal. Ein Beitrag ist dem Steirer Franz Gsellmann gewidmet, dem Erbauer der "Weltmaschine", einem Monstrum aus 200 Glühbirnen, 25 Motoren, 64 Vogelpfeifen, einem Mercedesstern, vier Wasserhähnen, 25 Hula-Hoop-Reifen und weiteren geschätzten 2000 irrwitzigen Einzelteilen. Ein "Bastler" ganz anderer Art wiederum findet sich in Franz Fuchs, dessen "Höllenmaschine" zum Beispiel den damaligen Wiener Bürgermeister, Helmut Zilk, schwer verletzte. Die Nähe von Genie und Wahnsinn schwingt in Roths Begegnungen immer mit. Seine Ausgewählten passen wahrscheinlich nicht in das Raster des "normalen" Durchschnittsmenschen. Es sind verschrobene Querdenker oder eloquente Querulanten, eher kompliziert als umgänglich, mehr eigenwillig als unauffällig. Eine Diktion von "Verrückten" vermisst man jedoch gänzlich. Im Gegenteil. Aus den Buchseiten treten dem Leser äußerst begeisterungs- und verzweiflungsfähige Künstler entgegen, Sichhingebende, Sehende und Seher, mit einem ebenso erhellten wie verdunkelten Geist. . Als Biografien können die kurzen Essays allerdings nicht gelten. Dazu fehlt es ihnen an Vollständigkeit. Vielmehr sind es Skizzen, Analysen oder Reportagen, die Werk und/oder Leben des Porträtierten literarisch analysieren. Gerhard Roth schält mitunter die Häute seiner Figuren wie eine Zwiebel und legt Schicht um Schicht offen. Das gelingt ihm vortrefflich, weil er sein Gegenüber auf sich wirken lässt. So entdeckt er zum Beispiel hinter dem strengen Moralisten Elias Canetti, dem unerbittlichen Verurteiler, einen "Menschenfresser", hinter dem sich wiederum ein besorgter, liebevoller Zeitgenosse verbirgt, und "hinter dem Anteil nehmenden Künstler ein schräger Bohemien, dahinter ein Patriarch, dahinter ein lebenslanger Vorzugsschüler, dahinter ein eifersüchtiges Kind, dahinter ein Genie". Aus diesen Fragmenten setzt sich im Kopf des Lesers das Ganze hernach wieder neu zusammen. Als Fraktalkünstler bezeichnete ihn einmal treffend die ZEIT. . Fazit: Gerhard Roth macht durch seine Erzählkunst das Leben selbst sichtbar - "die Verwandlung von Winzigkeit in Größe, von Eitelkeit in Kümmerlichkeit, von Selbstüberschätzung in Lächerlichkeit, von Hass in Liebe und umgekehrt." Er lässt Bilder im Kopf entstehen. Bilder wie Erzählungen. Erzählungen wie Bilder. Gesamturteil: Großartig! - und - Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

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  • Rezension zu "Portraits" von Gerhard Roth

    Portraits

    michael_lehmann-pape

    06. June 2012 um 11:29

    Treffende Essays Das Essay ist sicherlich eine der (vielen) Stärken Gerhard Roths, die er mannigfaltig in den letzten Jahrzehnten unter Beweis gestellt hat. Wichtige Themen, auch hier und da Orte (Wien) waren in dieser Hinsicht oft Schwerpunkte seines Schaffens und nun wendet sich Roth in diesem Band gesammelt (und geballt) Personen zu. Personen, die einen breiten Rahmen des menschlichen Seins darstellen, ihm persönlich bekannte und befreundete Personen, aber auch ihm durchaus weit entfernt stehende, wie die des mehrfachen Mörders Franz Fuchs. Portraits in Essay Form, die weniger die Biographie der behandelten Personen nachzeichnen (auch wenn in den Darlegungen hier und da biographische Details, Erläuterungen der Entwicklung, auftauchen), sondern die von konkreten Situationen ausgehen, Situationen, in denen Roth eine Form der „Essenz“ des anderen „umkreist“ und in seiner klaren, präzisen, auf den Punkt treffenden Sprache vor den Augen des Lesers diese „Essenz“ entfaltet. So trifft er August Walla, den bekannten Maler und Fotografen, in einer Nervenheilanstalt im ersten Augenblick bereits dabei an, ein Fragezeichen an die Wand zu malen, „als wolle er damit seine eigene Rätselhaftigkeit ausdrücken“. Kaum zwei Sätze sind vergangen in diesem konkreten Portrait und schon schwingen Geheimnisse, Grundlagen der Person, Fragen, Sehnsüchte, Ideen mit. Assoziationen, die Roth im Folgenden (wie in jedem anderen der literarisch und inhaltlich hochwertigen Portraits im Buch) vertieft, mal in großen Ereignissen, mal in kleinen Beobachtungen und Begegnungen beschreibt. So, wie er das Zimmer Wallas in der Nervenheilanstalt nicht nur wie einen „magischen Raum eines Zauberers“ empfindet, sondern auch bildkräftig zu beschreiben vermag, wie dieses Zimmer mit seinen vielfachen Zeichnungen an der Wand die gesamte Persönlichkeit Wallas mit ihren Ängsten, der Sexualität, der Frömmigkeit und der Frevel, der Kindheit und der Katastrophen des Lebens widerspiegelt. Mitreißend treffend, so kann man die Zugangsweise Roths und seine literarische Umsetzung beschreiben. „Ich habe alle meine Fässer geleert“ setzt Eugène Ionesco in den Raum und lässt Raum für das Essay in der „Fässerfrage“. Tintenfässer? Lebensfässer? Weinfässer? Liebesfässer? Alles geleert? Was schon nicht einfach zu klären ist, weil ein Gespräch mit Ionesco einen ziemlichen Angang bedeutet bei einem, der gerne Zeiten verlegt, der sich oft unpässlich fühlt. Aber auch dieser „Angang zum Gespräch“ mit seinen Wendungen wird von Roth unnachahmlich im Essay mit verarbeitet und wirft wiederum einen fast besseren Blick auf das Esen Ionescos als die meisten seiner direkten Aussagen im Gespräch. Es gibt viele Personen zu entdecken im Buch. Autoren, bildende Künstler, politische Menschen, vor allem aber Menschen mit Eigenarten und erkennbaren persönlichen Prägungen. Menschen mit Zielen, Visionen, ganz eigenen persönlichen Kräften und Gestaltungsmöglichkeiten. Und durch die Bobeachtungsgabe und die hohen sprachlichen Möglichkeiten Roths gibt es auch viel in und um diese einzelnen Menschen herum zu entdecken im Buch. Gerhard Roth legt treffende, präzise, das Wesen erfassende Portraits in Essay Form vor, bei denen jedes einzelne das Lesen wert ist.

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