Gerhard Roth , Nicole Strüber Wie das Gehirn die Seele macht

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Inhaltsangabe zu „Wie das Gehirn die Seele macht“ von Gerhard Roth

Seit dem Altertum wird das Gehirn als Organ der Seele angesehen. Wo und wie aber das Psychische im Gehirn entsteht, wie sich dabei unsere Gefühlswelt, unsere Persönlichkeit und unser Ich formen, kann mit Hilfe der modernen Verfahren der Hirnforschung erst seit kurzem erforscht werden und wird in diesem Buch dargestellt.

Die jüngsten Fortschritte der Neurowissenschaften in Kombination mit modernen Forschungsmethoden machen es möglich, fundierte Antworten darauf zu geben,
- wo im Gehirn die Seele zu verorten ist
- wie der Aufbau der Persönlichkeit verläuft
- worauf psychische Erkrankungen beruhen
- warum die Wirksamkeit von Psychotherapien nicht gut belegt ist
- warum alte Muster immer wieder unser Verhalten bestimmen und so schwierig zu verändern sind
- warum Menschen mit antisozialen Persönlichkeitsstrukturen nur schwer behandelbar sind
- wie man im Rahmen der Psychotherapie oder mit Medikamenten auf die Psyche einwirken kann.

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  • Der aktuelle Stand der Forschung

    Wie das Gehirn die Seele macht

    michael_lehmann-pape

    12. November 2014 um 11:57

    Der aktuelle Stand der Forschung Die Erforschung des Gehirns und damit dessen, "was den Menschen zum Menschen macht", hat im letzten Jahrzehnt intensive Fortschritte erzielt, wobei (natürlich) dennoch vieles noch nicht letztendlich geklärt oder genau zu bestimmen ist. Erschwerend tritt die Reibung und Spannung zwischen Neurobiologie und breiten Teilen der psychoanalytischen Therapie hinzu (in ihrer strikt geisteswissenschaftlichen Orientierung), wie Roth in der Hinführung zum Thema bedauernd konstatiert. Grundlage der Sicht des Buches aber ist und bleibt die "naturalistische" Sicht des Seelischen. Psyche und Geist fügen sich in das Naturgeschehen ein und transzendieren dies nicht. Wie diese Einfügung nach aktuellem Stand der Wissenschaft vorzustellen ist, dies beschreibt Roth im Buch beredt und differenziert. Wobei vorweg deutlich benannt werden muss, dass hier auch in der Sprache ein sehr wissenschaftliches Werk vorliegt, das eine konzentrierte Lesehaltung bei der Lektüre erfordert und die Bereitschaft zu einem ebenso konzentrierten Hineinarbeitens bedarf. Gehirn und limbisches System, Neromodulatoren, Neuropeptide und Neurohormone, die Entwicklung des Gehirns und der kindlichen Psyche (und damit die Formung der Person), die neurobiologischen Grundlagen der Person, die Aufgliederung in das Bewusste, das Vorbewusste und das Unbewusste, die Ursachen (und Folgen) von psychischen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen aus neurobiologischer Sicht, die Bewertung von Psychotherapien aus dieser Sicht heraus und die Beschreibung der Wirkungsweisen von Psychotherapien aus Sicht der Neurowissenschaften heraus, Schritt für Schritt kreisen Roth und Stüber die Seele und der "Einfügung in das Naturgeschehen" ein. Wobei der praktische Aspekt, was diese Erkenntnisse bedeuten, wie und ob man mit ihnen "arbeiten" kann und wohin die Erkenntnis über das "Machen der Seele durch das Gehirn" führt durch den breiten und intensiven Blick im Buch auf die Psychotherapie fassbar und deutlich wird. Das anfangs unscheinbar wirkende Kapitel "Was sagt uns das alles" bietet hierzu einen konstruktiven Ausblick (auch mit seiner klaren Kritik am Beharren eher nicht haltbarer alter Denkmuster in der psychoanalytischen Psychotherapie). Durch die Herausstellung der zunehmenden Bedeutung der Bindungsforschung stellen die Autoren hier die Plattform für die zukünftige kooperative Forschungsarbeit demgegenüber deutlich heraus, wie auch die KVT in ihrer Entwicklung die mögliche (dennoch eher langsam voranschreitende) gegenseitige Befruchtung der Wissenschaftsbereiche aufzeigt). Insgesamt eine spannende Darlegung des aktuellen Standes der Gehirnforschung in Bezug auf die Entwicklung der Persönlichkeit und die "Seele" des Menschen, in dem die Autoren einerseits fundamentale Grundannahmen der Psychotherapie humanbiologisch bestätigen, auf der anderen Seite sich nicht scheuen, die vielfachen empirisch fragwürdigen Anteile der Psychoanalyse aus neurobiologischer Sicht heraus zu benennen. Durch die Darlegung der verbindenden wissenschaftlichen Ergebnisse gerade auf dem Feld der Bindungsforschung eröffnen die Autoren zugleich konstruktive Ebenen für die weitere Diskussion (dies gilt gerade für das "Primat des Unbewussten" als persönlichkeitsbestimmende Kraft im Menschen). Einerseits also grenzen die Autoren ihre Erkenntnisse deutlich von manchen traditionellen Grundannahmen der verschiedenen psychotherapeutischen Modelle ab, andererseits betonen Roth und Strüber die empirischen Gemeinsamkeiten auf dem Weg zu einer klareren Vorstellung von Gestalt, Entwicklung und biologischem "Ausdruck" der menschlichen Seele. Eine sehr interessante und fundierte Lektüre mit dem erkennbaren Schwerunkt der kritischen Auseinandersetzung zwischen Neurobiologie und Psychoanalyse.

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