Gerhard Spannbauer

 2.3 Sterne bei 3 Bewertungen

Alle Bücher von Gerhard Spannbauer

Perfekte Krisenvorsorge

Perfekte Krisenvorsorge

 (2)
Erschienen am 29.10.2015
Finanzcrash

Finanzcrash

 (1)
Erschienen am 07.10.2008

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Rezension zu "Perfekte Krisenvorsorge" von Gerhard Spannbauer

Nützliche Tipps und viele Illusionen
R_Mantheyvor 3 Jahren

Dieses Buch geht davon aus, dass es genügend Gründe gibt, die eine größere Krise in naher Zukunft wahrscheinlich machen. Wenn man diesen Gedanken teilt, dann findet man in ihm zahlreiche Tipps, um solche dramatischen Änderungen der Lebensumstände einigermaßen ungeschoren zu überleben.

Zunächst diskutiert der Autor Möglichkeiten zur Sicherung des Einkommens für die verschiedensten Lebenssituationen sowie die Sicherung eines eventuellen Vermögens durch Gold- und Silberkäufe. Danach widmet er sich der persönlichen Versorgung mit Energie und Lebensmitteln. Der Text endet nach einigen Betrachtungen zur Verbesserung der eigenen Sicherheitslage mit Bemerkungen zum Auswandern in folgende Länder: Uruguay, Schweiz, Kanada, Paraguay, Neuseeland, Australien oder Norwegen.

Neben wirklich vernünftigen Tipps findet man auch zahlreiche Beschreibungen oder Hinweise, die verdeutlichen, dass dieses Buch des Buches wegen geschrieben wurde und nicht etwa, weil der Autor die Dinge alle wirklich erprobt hätte und sich so gewissermaßen bereits im Krisenmodus befindet. Wenn man sich nämlich wirklich auf eine baldige Krise vorbereiten möchte, dann muss man das jetzt tun und zwar sehr konsequent. Doch das hat weder der Autor gemacht, noch wird es kaum jemand anders tun, weil die entsprechenden Maßnahmen zum Teil aufwendig sind und deshalb eine motivierende Überzeugung brauchen, um durchgeführt zu werden.

Um das zu verdeutlichen kann man das ganze Buch durchgehen und die einzelnen zum Teil wirklich vernünftigen Vorschläge diskutieren. Wenn man also zum Beispiel auswandern möchte, dann reichen die paar Informationen dazu in diesem Werk garantiert nicht aus. Und man muss es jetzt in Angriff nehmen und nicht dann, wenn man dazu womöglich gar nicht mehr kommt.

Beim Thema Selbstverteidigung unterschätzen Autoren wie Spannbauer in geradezu kindischer Weise die Vorlaufzeiten, die man benötigt, um eine entsprechende Fertigkeit auf diesem Gebiet zu erlangen. Darüber hinaus sind die meisten Menschen erfahrungsgemäß mental zu echter Gegenwehr gar nicht fähig. Sie besitzen einfach nicht die Entschlossenheit eines Angreifers und werden im Ernstfall völlig paralysiert sein. Man muss das also professionell trainieren, denn wer nicht ausgebildet und entschlossen ist, einem Angreifer ernsthafte Schäden zuzufügen, sollte über Selbstverteidigung besser gar nicht erst nachdenken.

Spannbauer schreibt zwar, dass man "fachmännische Unterweisungen und einige Stunden Training" braucht, erwähnt aber nicht, dass man auch dadurch natürlich keine wirkliche Sicherheit im Umgang mit den vorgeschlagenen Waffen erlernt. Man muss dies ständig trainieren.

Auf einem ähnlichen Niveau liegen beispielsweise seine Vorschläge zu wildwachsenden Pflanzen für den Notfall. Besprochen werden hier Löwenzahn, Giersch, Brennessel, Breitwegerich, Gänseblümchen, Roter Wiesenklee, Weidenröschen, Vogelmiere, Indisches Springkraut, Sauerampfer und die Kanadische Goldrute. Dazu liefert das Buch Schwarz-Weiß-Fotos, mit denen kein Mensch wirklich etwas anfangen kann.

Auch hier wird deutlich, dass sich der Autor in Wirklichkeit mit der Materie nicht auskennt. Beim Giersch werden zum Beispiel nur die Blüten gezeigt. Aber gerade die führen oft zu Verwechslungen. Und außerdem schmeckt Giersch zur Blütezeit überhaupt nicht. Seine essbaren Blätter sind dann schrecklich hart und trocken. Er wächst auch nicht von Mai bis November, sondern schießt schon Ende März aus dem Boden und ist gerade dann köstlich. Die Vogelmiere wächst auch unter Schnee weiter und ist die einzige ganzjährig verfügbare Pflanze unter den genannten. Das wäre eine wichtige Information, doch darüber steht kein Wort im Text, vielmehr heißt es: "Erntezeit von März bis Oktober". Statt der Brennessel kann man die Taubnessel vorziehen, denn die brennt eben nicht. Usw. usf.

Auch hier sollte man sich also vorher und besser informieren und am besten an einer professionellen Kräuterwanderung teilnehmen, um die einzelnen Gewächse einmal zu sehen, zu fühlen und zu schmecken. Dann ist man auf der sicheren Seite.

Die meisten anderen Tipps erfordern ebenso einen Vorlauf und möglicherweise gewisse Investitionen, etwa wenn man sich ein kleineres Windrad zur Energieversorgung anschaffen möchte oder ein realistisches Überlebenstraining im Freien absolvieren will.

Alles in allem bietet dieses Buch also zahlreiche Tipps, die man jetzt bereits umsetzen muss, wenn man an das vom Autor befürchtete Szenario glaubt. Denn sie erfordern entweder ein gewisses Training oder Erfahrungen, die man sich erst einmal durch eigenes Probieren aneignen sollte. Dass dies aber offensichtlich noch nicht einmal der Autor wirklich getan hat, spricht Bände. Vieles in diesem Werk ist irgendwo abgeschrieben, nicht selbst erprobt, aber sicher nützlich, wenn man damit umgehen kann.

Ob man nun an die große Krise glaubt, ist eine ganz andere Frage, die man persönlich entscheiden sollte und die daher nicht Gegenstand dieser Besprechung ist. Möchte man sich mit Hilfe dieses Textes tatsächlich auf eine Krise vorbereiten, dann würde ich seine Nützlichkeit aus den erwähnten Gründen mit drei bis vier Sternen bewerten.

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