Gerhard Tötschinger

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Österreich

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Erschienen am 01.01.1986
Christiane Hörbiger

Christiane Hörbiger

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Erschienen am 13.09.2018
Kaiser,Gärtner, Kapitän

Kaiser,Gärtner, Kapitän

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Erschienen am 10.12.2010
Auf den Spuren der Habsburger

Auf den Spuren der Habsburger

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Erschienen am 01.04.1999
Viva l'Italia

Viva l'Italia

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Erschienen am 10.05.2012

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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Kaiser,Gärtner, Kapitän" von Gerhard Tötschinger

Ist Kaiser-Sein ein Beruf?
Bellis-Perennisvor 6 Monaten

Gerhard Tötschinger versucht in diesem Buch Beweise für die langjährige Überlieferung, „jeder Habsburger müsse ein Handwerk erlernen“, zu finden. Allein, es gibt keine. Kaiser oder Kronprinz zu sein, ist schon tages- und abendfüllend. Für eine Ausbildung zu einem Tischler, Goldschmied oder Gärtner nach der gängigen Gewerbeordnung ist kein Platz.

 Die meisten Habsburger sind eher der Gruppe Berufssoldaten zuzuordnen, auch wenn sie niemals Sold sondern nur eine (gut dotierte) Apanage erhalten.

 Auch Geistliche sind unter den Erzherzögen zu finden, wie Maximilian Franz, der jüngste Sohn Maria Theresias oder ihre Tochter Elisabeth, die Äbtissin in Innsbruck wurde (die wird allerdings im Buch nicht erwähnt).

 Als Paradebeispiel für einen Kaiser mit Beruf muss immer wieder Franz II./I. (1768-1835) herhalten. Ja, er gärtnert in seiner kargen Freizeit gerne. Ich gehe davon aus, dass er zum Umstechen und Unkraut jäten seine Bediensteten hatte. 

Ein Lehr- oder gar Meisterbrief ist jedenfalls nicht aufzufinden. Das lässt vermuten, dass die „Berufsausbildung“ der Herrscher eher eine gut erfundene Anekdote ist. Denn wie ist es zu erklären, dass jede Viertelstunde des Unterrichts penibel und detailliert aufgeschrieben ist, die aufwändige Lektionen zu einem Lehrberuf sind es aber nicht wert dokumentiert zu werden? Kaum zu glauben, bei der Akribie mit der Lese-, Schreib- und Rechenkünste (samt Schwächen und Fehlern) für die Nachwelt protokolliert wurden. 

Viele Habsburgerinnen und Habsburger sind musisch begabt, spielen mehrere Instrumente oder verfügen über eine gute Stimme (siehe Maria Theresia). In der Hofoper geben sie ihr Können zum Besten, aber ihren Lebensunterhalt könnten oder konnten sie davon nicht bestreiten. Das wird erst den Generationen nach dem Zusammenbruch der Monarchie vorbehalten sein. Heutzutage sind die Nachkommen des Kaiserhauses Land- und/oder Forstwirte, Autoren, Politiker, Juristen und die eine oder andere Goldschmiedin ist darunter.

 Meine Meinung: 

Leider ist dieses Buch nicht das beste von Gerhard Tötschinger. Er springt recht häufig durch Zeit und Raum. 

Mit Franz Stephan von Lothringen (dem Gemahl von Maria Theresia) beschäftigt er sich ausführlich. Doch auch er hat kein Handwerk erlernt, sondern „dilettiert“ nur herum. Allerdings wurde Begriff dem italienischen dilettante (Kunstliebhaber) entlehnt. Diese geht auf das lateinische Verb delectare (erfreuen, unterhalten, interessieren) zurückgeht. Dilettanten sind also Laien oder Amateure, die sich mit Hingabe und Interesse für eine Sache einsetzen. Leider wird die Bezeichnung Dilettant heutzutage immer wieder als Synonym für „Stümper“ verwendet. 

Erst am Ende des Buches finden sich sechs Seiten in denen die Herrscher mit ihren angeblichen Handwerksberufen aufgelistet sind.

 Fazit: 

Der Titel „Kaiser, Gärtner, Kapitän“ hat irgendwie mehr versprochen, als das Buch gehalten hat. Leider nur 3 Sterne.


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Stefan83s avatar

Rezension zu "Sherlock Holmes und das Geheimnis von Mayerling" von Gerhard Tötschinger

Wie eine Fiaker-Fahrt mit lahmen Pferd
Stefan83vor 7 Jahren

Als großer Liebhaber der Geschichten um Sherlock Holmes komme ich nicht umhin, auch die Nacherzählungen, die so genannten Pastichés mit Hingabe zu sammeln. Umso mehr freute es mich, "Sherlock Holmes und das Geheimnis von Mayerling" von meiner Freundin geschenkt zu bekommen, welches schon wegen des Covers eine schöne Lektüre im typischen Stile Sir Arthur Conan Doyles erwarten ließ.

Nach Beendigung des Buches ist diese anfängliche Begeisterung jedoch zu großen Teilen in Enttäuschung umgeschlagen, denn Autor Gerhard Tötschinger schafft es in keinster Weise den Geist und den Ton des Originals zu beleben bzw. die Figuren ihren Vorgaben entsprechend zu zeichnen. Ein große Chance, die hier verpasst wurde, sind doch die mysteriösen Umstände um den Tod des österreichischen Kronprinzen Rudolf eigentlich prädestiniert für eine gute Kriminalgeschichte. Die Handlung sei schnell angerissen:

London im September des Jahres 1888. Dr. John Watson ist mit den Vorbereitungen seiner Hochzeit und der Einrichtung seiner eigenen Praxis in Paddington beschäftigt, als ihn ein Brief aus Feldkirch in Voralberg erreicht. Dort, wo er in seiner Jugend auf Wunsch des Vaters für zwei Jahre die deutsche Sprache lernte, findet nun das Klassentreffen des Maturajahrgangs von 1878 statt. Watson, der ohnehin seine Kontakte in Kreisen der Wiener Ärzte erweitern will, nimmt die Einladung dankend an. Gemeinsam mit seinen alten Freunden, darunter Heinrich Schellenberg, der mittlerweile ebenfalls Arzt ist, verlebt er ein paar schöne Tage in Feldkirch und Wien, wobei er jedoch nicht umhin kommt, die deutschnationalen Strömungen zu bemerken, welche den liberalen Aktivitäten des Kronprinzen mehr als ablehnend gegenüberstehen. Was er nicht weiß: Zur selben Zeit hält sich auch Sherlock Holmes in Österreichs Hauptstadt auf, um dort seine Geige in Reparatur zu geben. Gemeinsam zurück lachen die zwei Freunde über diesen Zufall, bis Anfang 1889 ihnen ein weiterer Brief aus Wien die Freude verdirbt. Heinrich Schellenberg bittet um dringende Rückkehr und die Anwesenheit von Holmes. Ein Teil seiner Freunde, das so genannte Komitee, scheint unter Führung des geheimnisvollen X ein Attentat zu planen. Das Ziel ist der Kronprinz...

Hervorragend, denkt der Holmes-Fan und reibt sich begeistert die Hände ob der Vorstellung, dass nun Sherlock Holmes die Ermittlungen der Tragödie von Mayerling aufnimmt, um mittels deduktiver Logik die wahren Täter zu überführen. Leider tritt nichts davon ein. Mehr als die Hälfte des Buches ist alles andere als ein Kriminalroman, vielmehr eine zeitgenössische Milieustudie Wiens, in der auf die kulinarischen und kulturellen Kostbarkeiten ebenso detailliert eingegangen wird, wie auf die politisch angespannte Situation zwischen Österreich und dem Deutschen Reich.

Im Mittelpunkt steht Dr. Watson, der Wiener Caféhäuser, Fiaker-Fahrten und den Anblick schöner Frauen genießt, bis es der Leser nicht mehr hören kann. Nicht-Wienern und Nicht-Österreichern wird bei diesem langatmigen Gefasel eine gehörige Portion Geduld abverlangt. Wenn Holmes dann überhaupt auftaucht, bleibt die Figur erschreckend blass und überlässt anderen das Handeln. Kostproben seines genialen Geistes, Spurensuche oder gar ein Anfall von Langeweile? Fehlanzeige. Der große Detektiv genießt das laue Leben und frönt der Lust am Verkleiden, während rings um ihn herum Morde geplant und ungesühnt ausgeführt werden. Ermittelt wird nichts. Dafür erfahren wir viel über Georg von Schönerers antisemitische Parolen, den aufkeimenden Deutschnationalismus und das Treiben im Wiener Rotlichtmilieu. Für Historiker äußerst erhellend, als Unterhaltungslektüre aber so kurzweilig und spritzig wie eine Fiaker-Fahrt mit lahmen Pferd. Null Spannung, eine schwach konstruierte Handlung und unbeholfener Witz zerstören hier eine eventuell fesselnde Geschichte bereits im Ansatz. Das wir überhaupt erst nach 250 Seiten (257 Seiten hat das Buch) den Schauplatz Mayerling erreichen, setzt dem ganzen Schmarrn schließlich die Krone auf.

Insgesamt ist "Sherlock Holmes und das Geheimnis von Mayerling" ein Pastiché, welches der geneigte Holmes-Freund mal getrost nicht gelesen haben muss und in dem der große Detektiv nur eine äußerst kleine Rolle spielt. Schade um das, meiner Meinung nach für so wenige Seiten, viele Geld.

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