Kaiser,Gärtner, Kapitän

von Gerhard Tötschinger 
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Kaiser,Gärtner, Kapitän
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Leider nicht das beste Buch von Autor Gerhard Tötschinger

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Inhaltsangabe zu "Kaiser,Gärtner, Kapitän"

Beruf und Berufung im Herrscherhaus

Kaiser Franz Josef hat anlässlich der Eröffnung eines Sparbuches, seines trug die Nummer 1, ein Formular ausfüllen müssen, wie alle Sparer dieses Institutes. In die Rubrik "wohnhaft" hat er "Schönbrunn" eingetragen, als Beruf hat er "Kaiser" angegeben.
Doch er war nicht nur Kaiser, sondern auch Berufssoldat und er war auch Buchbinder. Seine Tochter Marie Valerie war Bühnenmalerin, sein Schwager Karl Theodor Augenarzt. Sein Großvater Kaiser Franz I. war Gärtner, bekanntlich, und hat diesen Beruf auch wirklich ausgeübt. Das hat zu mancher Anekdote geführt.
Auch Musiker, professionelle, gibt es in dieser unfassbaren Familie in großer Zahl.
Marie Luise, Tochter von Kaiser Franz II. und zweite Ehefrau von Napoleon Bonaparte, hat ihrem zweiten Ehemann, dem Grafen Neipperg, die Kunst des Aquarellierens beigebracht. Darüber hinaus, finden sich im Erzhaus Kapitäne, Bankdirektoren, Ballonpioniere, Botaniker, Geografen, Erfinder, unter den Ausgetretenen auch ein Lebensmittelhändler. Es ist bekannt, dass viele Mitglieder des Hauses Habsburg-Lothringen in ihrer Jugend ein Handwerk erlernen mussten oder durften, inklusive Gesellenprüfung. Das aber war auch in anderen Adels- und Herrscherhäusern so – Ludwig XVI. hat sich begeistert als Tischler betätigt. Dennoch, bei Habsburg war auch dieser Teil des Lebens anders.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783850027281
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:182 Seiten
Verlag:Amalthea Signum
Erscheinungsdatum:10.12.2010

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Leider nicht das beste Buch von Autor Gerhard Tötschinger
    Ist Kaiser-Sein ein Beruf?

    Gerhard Tötschinger versucht in diesem Buch Beweise für die langjährige Überlieferung, „jeder Habsburger müsse ein Handwerk erlernen“, zu finden. Allein, es gibt keine. Kaiser oder Kronprinz zu sein, ist schon tages- und abendfüllend. Für eine Ausbildung zu einem Tischler, Goldschmied oder Gärtner nach der gängigen Gewerbeordnung ist kein Platz.

     Die meisten Habsburger sind eher der Gruppe Berufssoldaten zuzuordnen, auch wenn sie niemals Sold sondern nur eine (gut dotierte) Apanage erhalten.

     Auch Geistliche sind unter den Erzherzögen zu finden, wie Maximilian Franz, der jüngste Sohn Maria Theresias oder ihre Tochter Elisabeth, die Äbtissin in Innsbruck wurde (die wird allerdings im Buch nicht erwähnt).

     Als Paradebeispiel für einen Kaiser mit Beruf muss immer wieder Franz II./I. (1768-1835) herhalten. Ja, er gärtnert in seiner kargen Freizeit gerne. Ich gehe davon aus, dass er zum Umstechen und Unkraut jäten seine Bediensteten hatte. 

    Ein Lehr- oder gar Meisterbrief ist jedenfalls nicht aufzufinden. Das lässt vermuten, dass die „Berufsausbildung“ der Herrscher eher eine gut erfundene Anekdote ist. Denn wie ist es zu erklären, dass jede Viertelstunde des Unterrichts penibel und detailliert aufgeschrieben ist, die aufwändige Lektionen zu einem Lehrberuf sind es aber nicht wert dokumentiert zu werden? Kaum zu glauben, bei der Akribie mit der Lese-, Schreib- und Rechenkünste (samt Schwächen und Fehlern) für die Nachwelt protokolliert wurden. 

    Viele Habsburgerinnen und Habsburger sind musisch begabt, spielen mehrere Instrumente oder verfügen über eine gute Stimme (siehe Maria Theresia). In der Hofoper geben sie ihr Können zum Besten, aber ihren Lebensunterhalt könnten oder konnten sie davon nicht bestreiten. Das wird erst den Generationen nach dem Zusammenbruch der Monarchie vorbehalten sein. Heutzutage sind die Nachkommen des Kaiserhauses Land- und/oder Forstwirte, Autoren, Politiker, Juristen und die eine oder andere Goldschmiedin ist darunter.

     Meine Meinung: 

    Leider ist dieses Buch nicht das beste von Gerhard Tötschinger. Er springt recht häufig durch Zeit und Raum. 

    Mit Franz Stephan von Lothringen (dem Gemahl von Maria Theresia) beschäftigt er sich ausführlich. Doch auch er hat kein Handwerk erlernt, sondern „dilettiert“ nur herum. Allerdings wurde Begriff dem italienischen dilettante (Kunstliebhaber) entlehnt. Diese geht auf das lateinische Verb delectare (erfreuen, unterhalten, interessieren) zurückgeht. Dilettanten sind also Laien oder Amateure, die sich mit Hingabe und Interesse für eine Sache einsetzen. Leider wird die Bezeichnung Dilettant heutzutage immer wieder als Synonym für „Stümper“ verwendet. 

    Erst am Ende des Buches finden sich sechs Seiten in denen die Herrscher mit ihren angeblichen Handwerksberufen aufgelistet sind.

     Fazit: 

    Der Titel „Kaiser, Gärtner, Kapitän“ hat irgendwie mehr versprochen, als das Buch gehalten hat. Leider nur 3 Sterne.


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