Gerhard Zeillinger

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Alle Bücher von Gerhard Zeillinger

Überleben

Überleben

 (20)
Erschienen am 01.10.2018
Oświęcim. Reise nach Au

Oświęcim. Reise nach Au

 (0)
Erschienen am 01.09.2013

Neue Rezensionen zu Gerhard Zeillinger

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Rezension zu "Überleben" von Gerhard Zeillinger

Wenn ein Gürtel alles ist, was bleibt
EvelynMvor 4 Monaten

Der Historiker und Journalist Gerhard Zeillinger ist der Autor dieses bewegenden, zutiefst erschütternden Buches. In Gesprächen mit Walter Fantl und durch gründliche Recherche hat er dessen Lebensgeschichte zusammengefasst.

Als einer der letzten Überlebenden des Holocaust erzählt der Österreicher Walter Fantl von  seinem Leben während der Naziherrschaft. Als Jude in den beschaulichen, kleinen Ort Bischofstetten in Niederösterreich hineingeboren, bekommt er zunächst von der Schreckensherrschaft unter Hitler nicht viel mit. Das ändert sich jedoch schlagartig, als die Familie sich Anfeindungen, Beschimpfungen und der Enteignung ihres Lebensmittelladens gegenüber sieht. Aus vermeintlich wohlgesinnten Nachbarn und Freunden werden schnell Feinde und Verleumder. Es gibt aber auch Menschen, die der Familie heimlich Nahrungsmittel zukommen lassen. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass es extra Einkaufstellen für Juden gab. Der Abtransport vieler Freunde von Walter muss schlimm gewesen für ihn gewesen sein und doch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben. Die wenigen Glücksmomente der jungen Leute beim Friedhof fand ich sehr berührend. Als Walter 18 Jahre alt ist, werden seine Familie und er ins Ghetto Theresienstadt gebracht. Von dort aus geht es für ihn und seinen Vater zwei Jahre später weiter nach Auschwitz-Birkenau.

Das Buch setzt mit Walters Rückkehr aus dem KZ in die Stadt Wien an und kehrt dann in seine Jugendzeit zurück, um im weiteren Verlauf über die vielen Stationen seines Leidensweges zu berichten. Alleine die Kapitelüberschriften hinterließen bei mir schon ein sehr bedrückendes und bedrohliches Gefühl. Hier seien nur zwei erwähnt: „Ghettoisiert“ und „Krepierlager“. Grausam finde ich das ständige Bangen und Hoffen, dass sich doch noch alles zum Guten wendet und die Familie in die USA gelangt. Eine wirklich eindrucksvolle Stelle im Buch ist Walters Frage nach dem Verbleib seines Vaters: „Dann bin ich zu einem Kapo hin und habe gefragt: ‚Was ist mit den anderen? Wo ist mein Vater?‘ Und er schaut mich an und zeigt auf einen der Schornsteine und sagt: ‚Siehst du den Rauch? Das sind die anderen, das ist dein Vater?‘“ Völlig emotionslos beschreibt dieser Mann die Vorkommnisse im Lager und es zeigt, wie selbstverständlich und je nach Lust und Laune Menschen von den Schergen Hitlers gefoltert (emotional und körperlich), erniedrigt und getötet wurden.

Ergänzend zu den Aufzeichnungen finden sich viele Fotos, die von Pepi, der Haushaltshilfe der Fantl-Brumliks, aufbewahrt wurden. Für Walter sind sie bestimmt eine wertvolle Erinnerungen neben seinem alten Gürtel. Der alte Ledergürtel ist für Walter lebenswichtig geworden. Zum einen steht er als Erinnerung für sein altes Leben und zum anderen ist er für ihn die Hoffnung, dass er den Wahnsinn überleben wird. Er hält Walters Leben zusammen und nicht nur seinen zerlumpten Klamotten an seinem ausgemergelten Körper.

Dieses Buch hat mich unfassbar traurig, sprachlos und wütend gemacht. Es ist das erste Mal, dass ich einen Zeitzeugen dieser grausamen Zeit „gehört“ habe und ganz unterschiedliche Gefühle haben sich während des Lesens abgewechselt: da war Fassungslosigkeit und Trauer, neben Entsetzen, Scham und auch Hass auf das unmenschliche Verhalten jener Zeit. Es war mir unmöglich, das Buch an einem Stück zu lesen. Ich musste mich immer wieder von den starken Eindrücken und Gefühlen erholen.

Am Ende bleibt nur die Hoffnung, dass solch eine Zeit sich niemals mehr wiederholen wird.

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Rezension zu "Überleben" von Gerhard Zeillinger

Zeitzeugenbericht über das Holocaust ...
Jule1203vor 5 Monaten

Walter Fantl ist einer der letzten noch lebenden Zeugen bzw. auch Überlebender des Konzentrationslagers in Österreich. Daher ist auch der Titel „Überleben“ sehr passend... und auch das Cover hätte nicht besser gewählt werden können. Es ist alles in schwarz und grau gehalten, passend zu der traurigen und furchtbaren Zeit. Und zu sehen ist die Entladerampe in Auschwitz Birkenau. Walter erlebte eine schöne Kindheit in Bischofstetten in Niederösterreich gemeinsam mit seiner Schwester und seinen Eltern. Sein Vater hat ein gut laufenden Kaufmannsladen. Und auch im Ort ist die Familie gut angesehen. Dies ändert sich als 1938 Hitlers Armeen in Österreich einmarschieren. Ganz schleichend wird die Familie von den Ortansässigen isoliert und bewusst gemieden. Ihr Geschäft soll arisiert werden und unter jeglichen Wert verkauft werden, was sein Vater jahrelang verhindern kann. Eine mögliche Ausreise in die USA wird durch die zuständigen Ämter immer wieder verhindert. Walter sein Weg führt ihn von Wien, ins Ghetto Theresienstadt, über Auschwitz Birkenau bis hin ins Krepierlager nach Gleiwitz. Das Walter überlebt hat grenzt an ein kleines Wunder. Er wog am Ende nur noch 37kg. Vorallem durch die Hilfe von Freunden und mit Gefangenen konnte er den Todesmarsch überleben und dann befreit werden. Sein Symbol des Widerstandes und seines Überlebens war ein Ledergürtel , dass einzige was ihm in der Zeit geblieben ist. Während er wirklich alles andere verloren hat. Zurück in Wien wird Walter weiterhin gemieden und entscheidet sich trotzdem nach dem Krieg dort zu bleiben. Das war nicht mein erster Zeitzeugenbericht aus dieser Zeit, aber doch mit einer der bewegendsten. Ich musste öfters das Lesen unterbrechen, trotz dass man soviel aus der Zeit weiß, ist es doch immer wieder erschreckend wie grausam die Mitläufer waren. Wie unmenschlich und bestialisch. Wie schnell wurde über Leben und Tod entschieden. War man unter 16 oder über 50 wurde man gleich ausgesondert. Hatte man den falschen „unnützen“ Beruf ebenfalls. Einfache Worte... RECHTS ... LINKS... entschieden in Windeseile wer überlebt und wer nicht. Meiner großen Bewunderung gilt auch dem Autor Gerhard Zeillinger der durch Jahrelange Recherche und Interviews dieses eindrucksvolle Werk geschaffen hat. Und ich ziehe meinen „Hut“ vor Walter Fantl dass er trotz allem was ihm angetan wurde stets neutral im Buch über die Ereignisse berichtete und eigene Emotionen Außen vor ließ. Manches sogar als noch „gutes“ Leben bezeichnete, wie im Ghetto Theresienstadt. Das Buch gehört sowohl zu unserer Geschichte als auch in die heutige Zeit... denn auch im Moment stehen wir wieder vor ähnlichen Problemen und haben mit der Intoleranz und Ignoranz vieler Menschen zu kämpfen. Daher darf diese Zeit niemals vergessen werden. Denn.... „Für die Macht des Bösen ... reicht es wenn das Gute schweigt“.

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Rezension zu "Überleben" von Gerhard Zeillinger

Die Geschichte eines Holocaust-Überlebenden
camilla1303vor 5 Monaten

Der Roman „Überleben – Der Gürtel des Walter Fantl“ von Gerhard Zeillinger ist im Gedenkjahr 2018 im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen.

Walter Fantl lebt mit seiner Familie in Niederösterreich und ist vierzehn Jahre alt, als Hitler in Österreich einmarschiert. Vier Jahre später wird er nach Theresienstadt deportiert, bevor er mit seinem Vater nach Auschwitz kommt. Walter Fantl wird als Einziger seiner Familie den Holocaust überleben. Als er im Juli 1945 nach Wien zurückkommt, ist ihm nichts von seinem Leben geblieben als ein breiter Ledergürtel.

Gerhard Zeillinger hat in vielen Gesprächen und anhand zahlreicher Originaldokumente Walter Fantls Geschichte erzählt. Sein Schreibstil macht Walter Fantls berührende Geschichte achtzig Jahre später noch einmal lebendig. Die beschriebenen Misshandlungen und die Grausamkeiten der damaligen Zeit sind so bildhaft beschrieben, dass ich beim Lesen mehrmals eine Pause einlegen musste. Ich konnte, ja ich wollte das Gelesene gar nicht glauben. Zeitzeugenberichte wie dieser, in denen Krieg und Unmenschlichkeit ein Gesicht bekommen, sollten uns immer daran erinnern, dass wir die Vergangenheit, niemals vergessen dürfen, damit sich die Geschichte niemals wiederholt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein Satz gesprochen, der immerwährend sein sollte: Nie wieder Krieg! „Überleben“ von Gerhard Zeillinger zeigt auf beeindruckende und intensive Weise auf, wie wichtig dieses Credo ist.

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Gespräche aus der Community

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Autoren oder Titel-Cover80 Jahre nach dem "Anschluss": ein Buch des Erinnerns

Walter Fantl ist 14, als Hitler in Österreich einmarschiert, mit 18 wird er nach Theresienstadt, mit 20 nach Auschwitz deportiert. Gemeinsam geht er mit seinem Vater am 29. September 1944 über die Rampe von Birkenau, ahnungslos, was geschehen wird. Als der 21-Jährige im Juli 1945 nach Wien zurückkommt, ist ihm nichts von seinem Leben geblieben als ein breiter Ledergürtel: das Einzige, was er nach der Selektion behalten durfte. Bis zur Befreiung ist der Gürtel für ihn ein Überlebenssymbol, an das er sich jeden Tag klammert. Und bis heute ein Stück Erinnerung an die dunkelste Zeit in seinem Leben: als er seine gesamte Familie verlor.

Heute ist Walter Fantl einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen in Österreich, dessen Schicksal authentisch vom Holocaust erzählt. Basierend auf jahrelangen Gesprächen und zahlreichen Originaldokumenten zeichnet der Historiker und Journalist Gerhard Zeillinger den bewegenden Lebensweg nach, der von der behüteten Kindheit in Bischofstetten in Niederösterreich direkt in den Horror der NS-Zeit und in die Stunde Null nach der Befreiung mündet. Zeillingers dokumentarisch-erzählender Stil macht diese berührende Geschichte achtzig Jahre später noch einmal lebendig und schildert sehr eindringlich das Bild einer Zeit, die uns bis heute beschäftigt.


Informationen zum Buch

Leseprobe


Gerhard Zeillinger
, geboren 1964 in Amstetten/NÖ, Studium der Germanistik und Geschichte in Wien, Dissertation über Julian Schutting. Berufliche Tätigkeiten als Verlagslektor, Literaturwissenschaftler und Historiker. Seit 1982 zahlreiche Veröffentlichungen in in- und ausländischen Literaturzeitschriften und Anthologien sowie im Rundfunk. 2001 erschien in der Edition Thurnhof „Wald: Stilübungen“ und 2013 in der Literaturedition Niederösterreich die Reiseerzählung „Oświęcim. Reise nach Au“. Daneben langjährige Tätigkeit als Literaturkritiker, u. a. für Der Standard, Die Presse, Literatur und Kritik.


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