Gerhard Ziemer , Hans Wolf Wandervogel und Freideutsche Jugend. [Hauptwerk]

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Inhaltsangabe zu „Wandervogel und Freideutsche Jugend. [Hauptwerk]“ von Gerhard Ziemer

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  • Rezension zu "Wandervogel und Freideutsche Jugend. [Hauptwerk]" von Gerhard Ziemer

    Wandervogel und Freideutsche Jugend. [Hauptwerk]

    Sokrates

    11. August 2011 um 09:18

    Das Autorenduo Ziemer/Wolf hat bereits 1961 diese umfassende Publikation zum Wandervogel und der Jugendbewegung verfasst, also bereits recht früh nach dem Krieg über ein Thema publiziert, das die Jugend der Kaiserzeit und der Weimarer Republik nachhaltig geprägt und charakterisiert hat. Bereits in der Einleitung stellt Ziemer fest, dass das Bild des ‚Wandervogels‘ vielgestaltig ist und sich einer genauen Dar-stellung entzieht. Zwar handele es sich um eine ‚Weise des Seins, die sich auf Gesinnung und Gemüt bezog‘ (S. 3), aber eine nachweisbare und erhaltene Manifestation in kulturellen Hinterlassenschaften gibt es wenige. Das Einzige, was sich halbwegs erhalten hat, sind einige Liederbücher, wie der berühmte ‚Zupfgeigenhansel‘, dessen Ausgaben noch heute antiquarisch erhältlich sind. Daneben existieren einige Erfahrungsberichte ehemaliger Wandervögel, die aber nicht selten das Bild verklären, den Sinn der offiziellen politischen Meinung entsprechend anpassen und somit an der historischen Wahrheit vorbeischreiben. Denn spätestens 1933 nahmen die Wandervögel kein gutes Ende: die Bünde, die in der NS-Zeit überleben wollten, schlossen sich entweder aus Überzeugung oder aus pragmatischen Gründen der Hitler-Jugend an; alle anderen – und man darf nicht vergessen, es die Mehrzahl war – versank im Privaten, verschwand von der Bildfläche. Viele junge Männer kehrten ein in eine Art innerer Emigration. Ziemer stellt indes fest, dass eine politische Einordnung der Wandervogel-Bewegung bereits in der Kaiserzeit schwer fällt: es herrschte weder eine eindeutig national-konservative Richtung vor, noch eine sozialistisch-internationale. Die parallel zur Wandervogel-geschichte beginnende extreme Politisierung der Öffentlichkeit, das Herausbilden markanter politischer Ideen blieb verhältnismäßig unreflektiert unter den Gruppenmitgliedern. Stattdessen campte man im Freien, feierte an alten Burgen Feste, sang Lieder, entzündete Lagerfeuer. Die Natur erlebte man als Umherziehende, weniger sie beherrschen wollend durch den geschickten Umgang mit Techniken des Überlebens, denn als Vagabund, als heimatloser Streuner. Hin und wieder tauchte bewusst das markante Bild des Landstreichers auf, dem man sich – so Ziemer – oftmals bewusst annahm, gleichsam als Gegenbild zur ansonsten engen, nach Luft ringenden konservativ-verstaubten kaiserzeitlichen Gesellschaft. Erst mit den Nationalsozialisten zog eine bewusst paramilitärische Gesinnung ein; das Landstreicheridiom, wie Ziemer es nennt, wurde sodann bewusst ausgeschlossen aus allen weiteren Programmen. . Das Buch ist sehr umfassend. Nicht allein deswegen, weil Großformatig, sondern auch weil es mit vielen s/w-Bildern aufwartet und eine Vielzahl an kürzeren und längeren Aufsätzen enthält, die von den Autoren selbst oder Dritten, meist Zeitzeugen, herrühren und über die Erlebnisse aus erster Hand erzählen. Daneben werden viele Idole und ‚Meister‘ der Wandervogelgruppen biographisch vorgestellt. So gewinnt man auch eine Vorstellung von den Menschen, die für die jungen Wandervögel zum Vorbild wurden und ihnen die für sie entscheidende Lebensphilosophie transportierten. Wer sich für die Soziologie der Jugend in Kaiserzeit und Weimarer Republik interessiert, wird an den Wandervögeln und der Jugendbewegung nicht vorbei kommen.

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