Gerhart Hauptmann Bahnwärter Thiel

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Inhaltsangabe zu „Bahnwärter Thiel“ von Gerhart Hauptmann

Gerhart Hauptmanns 1888 erschienene "novellistische Studie" "Bahnwärter Thiel" ist das erste bedeutende Prosawerk des deutschen Naturalismus. Bahnwärter Thiel ist in zweiter Ehe mit der herrschsüchtigen Lene verheiratet. Als Tobias, Thiels geistig und körperlich zurückgebliebender Sohn aus erster Ehe, unter einen Zug gerät und stirbt, wird Thiel zum Mörder und verfällt dem Wahnsinn. In knapp ausgeführten Bildern und straffer Erzählführung entwirft Hauptmann eine psychopathologische Studie, in der er die Person Thiels als Spielball von Triebkräften und unklaren Bewusstseinszuständen zeichnet und die Darstellung der Außenwelt zur Spiegelung innerer Zustände verwendet. Dabei erreicht er eine sprachliche Intensität, die bereits auf expressionistische Stilformen vorausweist.

Ein beklemmender Klassiker, der immer noch modern ist.

— Bellis-Perennis
Bellis-Perennis

Kurz und Knapp, sehr gut geschrieben!

— Fantasia08
Fantasia08

201608

— claudiaaa
claudiaaa

Ein echter Klassiker!

— Igelmanu66
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In einem Wort: tragisch

— PapasTochter
PapasTochter

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    Bahnwärter Thiel
    Bellis-Perennis

    Bellis-Perennis

    Bahnwärter Thiel ist eine Novelle von Gerhart Hauptmann aus dem Jahr 1887/88. Ort der Handlung ist eine kleine Siedlung in der Nähe der Stadt Erkner, an der Bahnlinie Berlin – Frankfurt/Oder. Bahnwärter Thiel, ein gewissenhafter und tief religiöser Mann, nimmt, nach dem Tod seiner geliebten ersten Frau Minna, die Magd Lena zur Frau. Diese Verbindung ist eine reine Zweckehe, da Thiel für Söhnchen Tobias eine Ersatzmutter und für sich eine Sexualpartnerin bzw. eine Wirtschafterin sucht.Lena übernimmt zusehends die Regie in Thiels Leben und als das gemeinsame Kind zur Welt kommt, flüchtet sich der Bahnwärter in eine beinahe schon religiöse Anbetung seiner verstorbenen Frau. Tobias wird von Lena misshandelt, doch wegen seiner sexuellen Hörigkeit traut sich Thiel nichts zu unternehmen, um Tobias zu schützen.Die Situation eskaliert als Tobias von einem herannahenden Zug erfasst und getötet wird. Lena und der Säugling sind in der Nähe und die Vermutung, dass Lena mit dem Unglück etwas zu tun haben könnte, liegt nahe. Der Leser wird allerdings im Unklaren gelassen, ob dies tatsächlich die Unglücksursache ist.Am Tage nach dem Unglück findet man Lena erschlagen und den Säugling mit durchgeschnittener Kehle im Bahnwärterhaus.Thiel selbst sitzt an der Unglücksstelle und hält Tobias’ Mütze in Händen. Meine Meinung:Eine sehr naturalistische Darstellung von religiösem Wahn, Abhängigkeiten und sexueller Hörigkeit. Die ganze Situation gleicht einem Albtraum, aus dem man nur schwer erwacht.Viele von uns haben dieses Werk von Gerhart Hauptmann in der Schule gelesen und oft nicht in guter Erinnerung. Mit ausreichender Distanz zum Unterricht und Zeitgeschehen, verdient diese Novelle eine zweite Chance. Fazit:Auch heute noch beklemmend zu lesen.

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  • Wie in einem Sog…

    Bahnwärter Thiel
    Igelmanu66

    Igelmanu66

    »Die Außenwelt schien ihm wenig anhaben zu können: es war, als trüge er etwas in sich, wodurch er alles Böse, was sie ihm antat, reichlich mit Gutem aufgewogen erhielt.« 1887, in einer kleinen Kolonie namens Schön-Schornstein an der Spree. Bahnwärter Thiel ist ein grundsolider Mensch. Zuverlässig versieht er seinen Dienst, jeden Sonntag sitzt er andächtig in der Kirche. Jedermann kennt ihn als friedlich, ordentlich, gütig und kinderlieb. Diese novellistische Studie zeigt den Weg eines solchen Mannes hin zum Wahnsinn, hin zu einem schrecklichen Verbrechen. Vielen ist diese Erzählung schon als Schullektüre begegnet, ich las sie jetzt erstmals. Und las sie gleich noch ein zweites Mal, denn ich hatte das Gefühl, dass sie so dicht geschrieben ist, dass ein mehrmaliges Lesen nötig ist, um tatsächlich alle Feinheiten der Sprache und des Inhalts aufzunehmen. Den Begriff „novellistische Studie“ habe ich mal nachgeschlagen. Wikipedia sagt dazu: »Mit dem Studienbegriff weist der von Hauptmann gewählte Untertitel auf die Art des Beobachtens hin und schafft den Eindruck, in der Novelle eine reale, wahre Geschichte (bzw. deren Bericht/Studie) vorliegen zu haben. Ähnlich einer wissenschaftlichen Studie wird hier vom Erzähler fast ohne eigenen Kommentar das Geschehen beschrieben.« Der Erzähler beobachtet also das Geschehen, macht uns im ersten Teil der Geschichte mit Thiel bekannt und mit den einschneidenden Erlebnissen, die den Grundstein für die später aufziehende Katastrophe legen. Als Leser verfolgt man die bedrohliche Eskalation mit, ahnt schon früh, dass die immer deutlicher werdende Ausweglosigkeit auf ein schlimmes Ende hin steuern wird. Man wird Zeuge von Thiels innerem Kampf, verfolgt, wie er lange versucht, gegen das, was von ihm Besitz ergreifen will, anzukämpfen, um endlich doch zu unterliegen. »Es war, als hielte ihn eine eiserne Faust im Nacken gepackt, so fest, dass er sich nicht bewegen konnte, sosehr er auch unter Ächzen und Stöhnen sich frei zu machen suchte.« Die Erzählung zählt zu den bedeutendsten Werken des Naturalismus. Typisch dafür ist beispielsweise, dass die Handlung im Arbeitermilieu spielt, das tägliche Leben der Arbeiter, ihre Nöte und auch die Zwänge zeigt, in denen sie gefangen sind. Thiels Leben wird bestimmt durch die Eisenbahn, seine Familie, die Kirche und herrschende Moralvorstellungen. Und eine immer heftiger dominierende Triebhaftigkeit… »Er, der mit seinem ersten Weibe durch eine mehr vergeistigte Liebe verbunden gewesen war, geriet durch die Macht roher Triebe in die Gewalt seiner zweiten Frau und wurde zuletzt in allem fast unbedingt von ihr abhängig.« Man kann diese Erzählung allerdings nicht ausschließlich dem Naturalismus zuordnen, einige Faktoren sprechen dagegen. Beispielsweise gibt es viele sehr schöne Naturbeschreibungen und intensive Träume und Wahnvorstellungen Thiels, die tiefe Einblicke in seine Psyche geben. Mich hat die Geschichte geradezu gefesselt, ich mochte sie, einmal begonnen, nicht mehr aus der Hand legen. Es war ein wenig wie ein Traum, bei dem man fühlt, dass er zum Alptraum werden wird, und trotzdem befindet man sich in seinem Sog und kann nicht einfach aufwachen, kann nicht einfach den Traum beenden. Ein Werk, das ich sicher nicht zum letzten Mal gelesen habe. Fazit: Schullektüre kann total fesselnd sein. Wer dieses Buch noch nicht kennt: Lesen! Und falls es aus Schulzeiten tatsächlich in unguter Erinnerung sein sollte: Es verdient eine zweite Chance!

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