Gerhart Hauptmann Bahnwärter Thiel

(319)

Lovelybooks Bewertung

  • 366 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 1 Leser
  • 15 Rezensionen
(58)
(115)
(88)
(45)
(13)

Inhaltsangabe zu „Bahnwärter Thiel“ von Gerhart Hauptmann

Der Bahnwärter Thiel lebt glücklich mit seiner Frau und seinem Sohn Tobias zusammen und führt seinen Dienst stets pflichtbewusst und zuverlässig aus. Als seine Frau stirbt, heiratet er die dominante und herrische Magd Lene, mit der er ein Kind bekommt. Lene misshandelt Tobias, und Thiel sieht in einer Wahnvorstellung bereits seine erste Frau mit einem blutigen Bündel über die Gleise fliehen. Einige Zeit später stirbt Tobias durch Lenes Schuld auf den Gleisen. Nachts erschlägt der Bahnwärter Thiel schliesslich Lene und sein Kind aus zweiter Ehe und wird in ein Irrenhaus gebracht. Mit Bahnwärter Thiel schrieb Hauptmann eine psychologische Studie, in der er realistisch den Verfall eines Menschen vom pflichtbewussten Kirchgänger zum Mörder schildert. Tiefe verleihen der „novellistischen Studie“, wie der Untertitel des Werks heisst, auch die zahlreichen Symbole und Vorausdeutungen. Als Hauptmann die Erzählung 1887 schrieb, war er knapp 25 Jahre alt. Inzwischen ist „Bahnwärter Thiel“ der bekannteste Prosatext des Nobelpreisträgers.

Ich fand die Geschichte schön und realistisch. Es hat mit Spaß gemacht dieses Büchlein zu lesen.

— jasmiin_1511
jasmiin_1511

Großartiger naturalistischer Klassiker über Patchworkfamilien und familiäre Gewalt.

— Originaldibbler
Originaldibbler

Endlich mal ein Schulbuch, wo man nicht schon allein wegen der Seitenanzahl durchdreht!

— notthatkindofagirl
notthatkindofagirl

Schöner Klassiker über das einfache Leben, Menschen gegen Technik und Familienprobleme, kurz und bündig geschrieben

— Orisha
Orisha

Typische Schullektüre, jedoch empfehlenswert ;)

— ASchmiedi
ASchmiedi

Sollte man gelesen haben :) Stelle mir eine Verfilmung auch sehr spannend vor.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

„Bahnwärter Thiel“ ist eine novellistische Studie von Gerhart Hauptmann, die zu Recht zu den wichtigsten Werken des Naturalismus zählt.

— BlackFire
BlackFire

So ein trauriges Buch. Weist auch einige Parallelen zu Büchners Woyzeck auf.

— Cloudine
Cloudine

Stöbern in Klassiker

Unterm Rad

Auch mehr als 100 Jahre später trifft Hesse mit dieser Kritik an Lehrern, Erziehern, Ausbildern und Eltern ins Schwarze.

daydreamin

Krieg und Frieden

Ein Klassiker, den man gelesen haben sollte (wenn man viel zeit und ein gutes Gedächtnis hat!)

Kinanira

Meine Cousine Rachel

Ein Roman ganz nach meinem Geschmack: Tolle Erzählweise, spannende Figuren und Handlung, schöne alte Sprache.

Jana_Stolberg

Die Blechtrommel

Ein dezent verstörendes Meisterwerk!

RolandKa

Stolz und Vorurteil

einer meiner liebsten Romane!

sirlancelot

Der Steppenwolf

Der Spiegel, der die 'Fratze' der Wahrheit zeigt, wird von den Dummen gehasst.

Hofmann-J

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Vom sonntäglichen Kirchgänger zum Häftling

    Bahnwärter Thiel
    Orisha

    Orisha

    Dem Bahnwärter Thiel versetzt es gleich mehrere Schläge im Leben. Nachdem seine erste Frau im Kindbett verstirbt, vermählt sich Thiel nach gerade mal zwei Jahren mit der robusten Lene. Die resolute Frau lässt sich von Thiel nichts sagen und nachdem ein zweiter Sohn geboren wurde, ergeht es auch dem kleinen Tobias, aus erste Ehe stammend, schlecht. Thiel verschließt seine Augen vor den gewalttätigen Ausbrüchen seiner zweiten Frau und erkennt seine psychische Abhängkeit nicht. Hauptmanns Werk fiel mir zufällig in die Hand und ich habe es als Zwischenlektüre verschlungen. Detailreich beschreibt Hauptmann das Leben Thiels und seine Aufgabe als Bahnwärter in der Einöde um Schön-Schornstein. Dabei sind mir die nuancenreichen Schilderungen der Natur als Kontrast zur lärmenden, erschreckend wirkenden Eisenbahn aufgefallen: DIe Eisenbahn, die sich als dampfender Koloss durch die Natur wälzt. Das tragische Ende der Familie Thiel steht in direktem Zusammenhang zu diesem Koloss, aber auch zu Thiel selbst, der hilfflos und blind die Zeichen der nahenden Katastrophe ignoriert. Dabei kann man nicht einmal sagen, dass Thiel in böser Absicht handelt, sondern eher ein Gefangener seinerselbst ist, der sich nicht gegen seine zweite Frau zu behaupten weiß, nicht für seinen Sohn einsteht und letztlich den Tod seiner ersten Frau nie verwunden hat. Inhaltlich wie sprachlich hat Hauptmann mich voll abgeholt und ich kann die Lektüre nur empfehlen. Fazit: Ein Klassiker, der sich schnell wegliest und vor allem Liebhabern von Naturbeschreibungen und der Schilderung des Lebens einfacher Leute Freude bereiten wird.

    Mehr
    • 5
  • ~ Bahnwärter Thiel ~

    Bahnwärter Thiel
    BlackFire

    BlackFire

    19. May 2014 um 17:07

    Inhalt: Der Bahnwärter Thiel ist ein pflichtbewusster und zuverlässiger Mann, der unter dem Tod seiner Frau Minna leidet. Da sein Sohn Tobias eine Mutter braucht, die sich um ihn kümmert, heiratet Thiel erneut. Mit seiner neuen Frau Lene bekommt er ebenfalls einen Sohn. Was Thiel zunächst nicht ahnt ist, dass Lene Tobias misshandelt, wenn er nicht zu Hause ist… Meine Meinung: „Bahnwärter Thiel“ ist eine novellistische Studie von Gerhart Hauptmann, die 1888 erschien und zu den wichtigsten Werken des Naturalismus zählt. Wie im Naturalismus typisch wird der Antiheld Thiel in seinem Alltagsleben dargestellt. Er geht seiner Arbeit gewissenhaft nach und ist ein guter Ehemann und Vater. Obwohl er zu seiner zweiten Frau Lene keine annähernd so enge Bindung aufbauen kann wie zu seiner ersten Frau Minna, erliegt er vollends seinen Trieben, wenn er die kräftig gebaute Lene ansieht. Durch die aufgedeckte Misshandlung von Tobias, der ohnehin ein kränklicher und blasser Junge ist, verfällt Thiel von stiller Trauer in den Wahnsinn. Die facettenreiche Thematik, die in „Bahnwärter Thiel“ eine Rolle spielt finde ich sehr interessant. Sowohl die Milieuzugehörigkeit, die das Leben der Figuren bestimmen und aus der nicht ausgebrochen werden kann, als auch die Idee der Vererbung (z.B. kränkliche Mutter - kränkliches Kind) sowie die Betonung des Hässlichen und des Elends in der Welt. Der Mensch wird hierbei als Produkt der Vererbung und des sozialen Milieus gesehen, in das er hineingeboren wurde. Die novellistische Studie ist im Grunde nicht schwer zu verstehen und flüssig zu lesen, sodass sich jeder Interessierte an das Leseheft heranwagen kann.

    Mehr
  • Ein Klassiker!!!

    Bahnwärter Thiel
    Maki7

    Maki7

    05. May 2014 um 15:35

    Bahnwärter Thiel ist gewissenhaft, arbeitsam und wortkarg. Von aussen betrachtet ein stattlicher, starker Mann aber innerlich sensibel und feige. Seine Ehefrau Minna, eine ruhige, zierliche und kränkliche Frau, stirbt im Kindbett und er bleibt mit dem gemeinsamen Sohn Tobiaschen allein. Damit dieser versorgt ist, heiratet er die ehemalige Kuhmagt Lene. Diese ist kräftig, herrisch, egoistisch, aber auch leidenschaftlich. Mit ihr bekommt er noch ein Kind. Aber Tobischen wird von seiner Stiefmutter misshandelt und Thiel, statt sich für ihn einzusetzen, flüchtet lieber in seine Traumwelt zu Minna. Bis die Situation eskaliert. Ich finde es erstaunlich wie viel Geschichte in so einem kleinen Büchlein stecken kann. Die Zeit der Industrialisierung, soziale Probleme und die menschliche Psyche sehr realistisch und eindrucksvoll erzählt.

    Mehr
  • Leider nicht mein Fall

    Bahnwärter Thiel
    WildRose

    WildRose

    25. March 2014 um 19:21

    "Bahnwärter Thiel" ist zwar ein Klassiker, dies bedeutet aber nicht, dass jeder das Buch mögen muss. Ich, beispielsweise, hatte Schwierigkeiten, mich in den Protagonisten hineinzuversetzen. Da das Buch so kurz ist, endet es ausgerechnet dann wieder, wenn die Handlung anfängt, mitreißend zu werden und man sich langsam ein Bild von der Lage gemacht hat. Für die damalige Zeit war diese Novelle wahrscheinlich etwas wirklich Besonderes und regte die Menschen zum Nachdenken an; es gibt allerdings viele ähnlich aufgebaute modernere Romane, die mir besser gefallen, da dem Leser mehr Einblick in das Leben der Protagonisten gewährt wird. Für mich spielt es eine große Rolle, eine Identifikationsfigur in einem Buch zu finden, was hier aber nicht der Fall war. Für Germanisten ist dieses Buch sicherlich interessiert, möglicherweise auch an für Psychologie Interessierte, wobei ich ebenfalls interessiert an Psychologie bin und nicht weiß, inwiefern man dieses Buch noch als ernsthafte psychologische Studie bezeichnen kann.

    Mehr
  • Rezension zu "Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    Johaenna

    Johaenna

    05. December 2012 um 13:08

    Einer meiner Lieblingsklassiker!

  • Rezension zu "Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    Shunya

    Shunya

    14. June 2012 um 13:31

    Dieses Buch habe ich von meinem älteren Bruder bekommen, als er mal etwas in seiner Büchersammlung aussortiert hat. Es ist recht einfach gehalten, wenige Seiten und geheftet. Das Cover gefällt mir. Ich mag schraffierte Zeichnungen sehr gern. Auf dem Deckblatt ist der Bahnwärter mit Laterne zu sehen, wie er im Dunkeln über Schienen läuft. Das Licht der Laterne und der untergehenden Sonne wird in weiß dargestellt, während der Rest des Covers in einem verwaschenem grün gehalten ist. In der Geschichte geht es um den Bahnwärter Thiel, der in einer Kolonie an der Spree lebt. In seinem Beruf geht er tagtäglich eine gefährliche Bahnstrecke ab, um nach dem Rechten zu sehen. Eines Tages ist er nicht mehr allein, sondern hat eine Frau, die nach Meinung der Leute um ihn herum nicht zu ihm passt. Mit dieser zarten Frau hat er kurze Zeit später einen Sohn namens Tobias, der ziemlich schwach ist. Kurz darauf stirbt seine Frau und da Bahnwärter Thiel nicht länger warten will, hat er auch schon eine neue Frau. Die ist ein völliger Gegensatz zu seiner Gattin und man weiß sofort wer im Haus das Zepter schwingt. Thiel und Tobias führen eine liebevolle Vater-Sohn-Beziehung und so bekommt Tobias schnell die Eifersucht seiner Stiefmutter zu spüren, die ihn allerlei Arbeiten verrichten lässt, für die er viel zu schwach ist. Zusätzlich muss er sich um den Nachwuchs kümmern. Thiel selbst bekommt davon vorerst nichts mit. Eines Tages jedoch, als er zurückeilt, weil er sein Essen vergessen hat, hört er wie seine Frau mit dem Jungen umgeht. Allerdings traut er sich nicht sich gegen seine dominante Frau aufzulehnen und verschließt seine Augen vor der Grausamkeit. Kurze Zeit später scheint noch alles gut zu sein, Thiel macht mit seiner Familie einen Ausflug zu seinem Arbeitsplatz, denn in der Nähe gibt es einen Acker, den seine Frau unbedingt mit Kartoffeln ansetzen will. Wenn auch widerwillig, nimmt Thiel seine Familie mit. Tobias ist regelrecht begeistert von dem, was er zu sehen bekommt, stellt Fragen und ist neugierig. Lene schreitet gleicht zur Tat und Thiel kümmert sich um seinen Sohn. Doch kurze Zeit später nachdem Thiel seiner Arbeit wieder nachgegangen ist und seine Frau samt Kindern den Rückweg antritt, geschieht ein Unglück auf den Schienen. Was mich an dem Buch verwirrt hat, ist, dass der Anfang in der Vergangenheit geschrieben wurde, jedoch im letzten Teil zur Hälfte plötzlich ins Präsens verfiel, nur um dann wieder in die Vergangenheit zu wechseln. Da hätte ich mir doch einen einheitlichen Schreibstil gewünscht. Die Geschichte wurde flüssig geschrieben und ist im typischen Stil einer Novelle gehalten. Der Autor hat sich nicht durch Nebensächlichkeiten ablenken lassen, sondern sich auf das Wesentliche in der Geschichte konzentriert. Während Lene als zwar strebsame Hausfrau dargestellt wird, ist sie doch vom Charakter her, eine eher zickige Frau, die sich nichts sagen lässt. Thiel hingegen ist ein schweigsamer Mann, redet nur das Nötigste und hält sich lieber aus allem raus. Was ich besonders schlimm finde, ist, dass er sich so gar nicht für seinen Sohn eingesetzt hat, der von Lene ständig geschlagen und schlecht behandelt wurde. Die Story gefällt mir sehr gut. Anfangs noch mit leichtem Humor, gerät die Geschichte mehr und mehr ins Dramatische. Die Charaktere sind sehr gut rübergebracht und das Gefühlschaos von Thiel ist ebenfalls sehr gut beschrieben worden. Man kann wirklich mitfühlen und -leiden, was er durch machen muss. Zum Schluss hin, habe ich die Geschichte nur so verschlungen, auch wenn das Ende recht vorhersehbar ist. Am Ende gibt es noch ein paar Seiten, in denen über Gerhart Hauptmann berichtet wird, was er für ein Mensch war und wie er aufgewachsen ist, sowie ein kurzes Statement von Carl Zuckmayer, der Hauptmann kennen gelernt hat. Auf der letzten Seite gibt es noch eine Liste mit Worterklärungen. Alles in allem eine gute Lektüre für die Schule, auf jeden Fall sollte man mal einen Blick hinein wagen. Von mir aus, wäre ich wohl kaum auf die Idee gekommen, das Buch zu lesen. Es kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Die Geschichte lässt einen mit einem nachdenklichen und schockiertem Gefühl zurück. Ich für meinen Teil, bin zu dem Schluss gekommen, dass man sich nicht alles gefallen lassen sollte und auch mal den Mund aufmachen muss, bevor es zu spät ist.

    Mehr
  • Rezension zu "Klassische Schullektüre / Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    buchfeemelanie

    buchfeemelanie

    13. March 2012 um 14:46

    Wieder eine tolle Pflichtlektüre! Die Charakterer kommen hier gut raus. Thiel, der seine erste Frau verliehrt und mit seinem Sohn alleine darsteht, heiratet schon kurz darauf seine zweite Frau, die nicht gerade zimperlich und eindeutig der Chef im Haus ist. Der arme Thiel liebt sein kleines Söhnchen Tobias, genannt Tobiaschen, über alles. Als dieser bei einem Zugunglück stirbt, tut mir Thiel leid und ich kann seine Reaktion nachvollziehen. Allgemein packend geschrieben ohne langweilig zu sein, obwohl ich dieses Buch freiwillig wohn nie gelesen hätte.

    Mehr
  • Rezension zu "Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    Traumtänzerin193

    Traumtänzerin193

    15. January 2012 um 20:00

    ACHTUNG: RENZENSION ENTHÄLT EINE INHALTLICHE ZUSAMMENFASSUNG!!!! Ich bin sprachlos! dieses büchlein ist in seiner kürze total krass. bahnwärter thiel lebt in seiner eigenen welt. seine erste frau stirbt bei der geburt seines zurück gebliebenen sohnes. nach kurzer zeit heiratet er erneut. seine "jetzige" frau, ist der "mann" im haus und er sowie sein sohn steht unter ihren pantoffeln. bald bekommt sie ebenfalls ein kind von ihm und dieses wird ihr schatz. der zurück gebliebene junge wird von ihr misshandelt und thiel tut nichts dagegen.stattdessen kehrt er sich immer mehr zurück und trauert nur seiner alten frau nach. dann passiert das unglück, sein erster sohn stirbt. vermutlich ist seine frau schuld, sie hat sich nicht um ihn gekümmert. thiel zerbricht an diesem schicksal und fällt in eine unruhige ohnmacht. als man die leiche des jungen ins elternhaus zurückbringt, ist die mutter als auch das baby brutal ermordet worden. nach einer suche findet man thiel an seinen gleisen wieder und in trauer um sein kind. ich habe es grade durch gelesen und bin erschlagen!!! eigentlich müsste ich über dieses buch noch ein bisschen ernsthaft nachdenken, um etwas genaueres zusagen, doch ich weiss jetzt schon mal was man daraus ziehen könnte: man sollte sein leben auf alle ungereimtheiten untersuchen und sie lösen bevor es zuspät ist!!! man sollte jeden tag genießen!

    Mehr
  • Rezension zu "Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    Ines_Mueller

    Ines_Mueller

    10. March 2011 um 18:55

    "Er hätte in diesem Zustand überhaupt kein Wort an sie zu richten vermocht, am allerwenigsten ein hartes, und so mußte Tobias, der in Tränen gebadet und verängstigt in einer Ecke hockte, sehen, wie der Vater, ohne auch nur weiter nach ihm umzuschauen, das vergeßne Brot von der Ofenbank nahm, es der Mutter als einzige Erklärung hinhielt und mit einem kurzen, zerstreuten Kopfnicken sogleich wieder verschwand." Es ist die Zeit der Industrialisierung, in der Bahnwärter Thiel lebt. Vor kurzem verlor er seine Frau im Kindbett und nichts als ihr gemeinsamer Sohn Tobiaschen blieb ihm von ihr zurück. Um diesen versorgen zu können, heiratet er erneut. Es ist die ehemalige Kuhmagd Lenchen, die ihm auch bald ein Kind gebären soll. Doch Thiel ist so sehr auf sein erstes Kind fixiert, dass er nicht merkt wie Lenchens Hass gegen Tobiaschen sich immer mehr steigert und schließlich sogar in einem Mord gipfelt... Gerhart Hauptmann zählt zu den Vertretern des Naturalismus im industriellen Deutschland. Gekennzeichnet wird diese Richtung durch die Schilderung der Lebensverhältnisse des einfachen Menschen. Nichts wird dabei beschönigt oder durch den Autor kommentiert. So auch in "Bahnwärter Thiel", einem der ersten Werke Hauptmanns: Dort wird das Leben des einfachen Proletariers Thiel geschildert, der sich sein Brot als kaum geforderter Bahnwärter verdient. Er verdient gerade genug, um seine Familie zu ernähren, allerdings nicht genug Geld, um jährlich ein paar Säcke Kartoffeln zu kaufen. Hauptmann schildert die folgenden Ereignisse sehr sachlich und kommentiert sie in keinster Weise. Dabei benutzt er einen komplexen und vielfältigen Schreibstil, der dieses Buch trotz seiner geringen Länge zu keiner leichten Lektüre macht. Das Ende ist vorhersehbar, schockiert den Leser aber zutiefst, da hier die Abgründe der menschlichen Psyche gezeigt werden. Von mir gibt es fünf Sterne.

    Mehr
  • Frage zu "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller

    Kabale und Liebe
    Christopher

    Christopher

    In der Schule lesen wir gerade "Kabale und Liebe" und ich muss sagen, es liegt mir leider gar nicht. Ich quäle mich aber natürlich trotzdem durch. Es liegt auch nicht so sehr an der Thematik an sich, sondern einfach daran, dass wir irgendwie nur Sachen von Schiller oder aber Goethe lesen. Absolut nichts anderes :( Das kann auf Dauer schon mal langweilig werden und ich frage mich, ob nicht auch aktuellere Literatur die Berechtigung hat, mal in der Schule durchgenommen zu werden. Mit welchen Büchern haben euch eure Lehrer "gequält" und was waren die Lichtblicke? Welche Bücher hättet ihr gern in der Schule gelesen, die auch geeignet sind bzw. welche würdet ihr empfehlen? Vielleicht kann ich meiner Deutschlehrerin mal ein paar kreative Vorschläge machen.

    Mehr
    • 74
  • Rezension zu "Klassische Schullektüre / Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    Gilfaen

    Gilfaen

    21. February 2011 um 17:36

    Bahnwärter Thiel ist ein gewissenhafter, wortkarger, arbeitsamer Mensch. Er ernährt seine kleine Familie, seine neue Frau Helene, deren Neugeborenes und seinen Sohn aus erster Ehe, Tobias, in dem er Schranken bedient; die meiste Zeit verbringt er dennoch allein, abgeschieden in einem Forst in seinem Wärterhäuschen. Dort baut er sich, mit Gebet- und Gesangsbuch eine Traumwelt auf, in der er seiner ersten Frau Minna begegnet, ein kleines, eher zurückhaltendes Fräulein, gestorben im Kindbett, ihren Sohn zurücklassend mit dem Versprechen ihn gut zu versorgen und immer auf ihn Acht zu geben. Seine neue Ehefrau ist herrisch, egoistisch und verdiene in den Augen der anderen Männer eine „ständige Prügel“. Lene lässt ihn schuften, misshandelt ihn, demütigt ihn – und Herr Thiel reagiert nicht darauf, selbst als er mit der Gewalt konfrontiert wird. Er geht in dem entscheidenden Moment; er wird es schwer bereuen. Im Anbetracht der Fülle an Medienberichten über Familiendramen bekommt die 1887 erstmals erschiene novellistische Studie von Gerhard Hauptmann eine ganz andere Möglichkeit hinzu, wie man dieses Werk interpretieren kann. Thiel wird als ruhiger, kräftiger, aber nicht sonderlich intelligenter Protagonist beschrieben; er lebt in einer Traumwelt, er vernimmt Halluzinationen seiner verstorbenen Frau, mit der er eine „geistige Liebe“ verbindet. Seine neue Frau, weniger kränklich, kräftig, herrisch ist die Inkarnation einer auf Triebe ausgerichteten Sexualität. Er ist nicht Herr seines Schicksals, immer abhängig von anderen Gegebenheiten, immer passiv in seiner Rolle versteht er sich niemals mehr als der Ernährer seiner Familie, auch nicht als Retter von Tobias. Er ist gefangen in seinem Schema aus Arbeit, aus Vererbung, seiner sozialen Rolle, seinem Können, seiner begrenzten psychischen Leistung. Und so ist seine Rolle als `Beender´ des Ganzen von vornherein programmiert. In dieser als Novelle angelegten Handlung lassen sich die Merkmale des Naturalismus gut herausarbeiten. Der Protagonist ist ein Antiheld, in einer sozial niedrigen Stellung arbeitend. Das Elend tritt dabei immer wieder in den Vordergrund, Lene erinnert ihn immer wieder daran, dass sie „teure Kartoffeln“ kaufen müssen, mit der Intention, dass das Geld nicht ausreicht, um ein Stück Land zu kaufen. Auch wird Lene als besonders „gute Wirtschafterin“ beschrieben, eine ihrer wenigen guten Eigenschaften. Sie repräsentiert das Proletariat –arbeitsam, aber auch zänkisch und primitiv. Hauptmann wertet wenig, er stellt den Menschen als ein Produkt seiner eigenen Biografie dar, als Produkt seines Standes, seiner Erziehung und seiner gesellschaftlichen Möglichkeiten. Nicht nur die psychologischen, auch die lokalen Gegebenheiten, die zeitlichen Gegebenheiten und auch die modalen Gegebenheiten werden bis ins kleinste Detail, wenn auch nur auf wesentliche Szenen beschränkt geschildert. Als bestes Beispiel kann hier der Einstieg gewertet werden, der die Geschichte lokal zwischen Neu-Schornstein und Neu-Zittau in einem Forst eingrenzt. Anti-naturalistisch nennt es Wikipedia, ich nenne es eine Studie, die noch nicht formvollendet naturalistisch ist. Sie beinhaltet viele Metaphoriken, viele Symbole (Zug ist ein Symbol z.B., sowohl für die Arbeitsstelle Thiels als auch als Austragungsort des Schrecklichen); auch verwendet er keine dialektalen Einflüsse, die Sprache wirkt zum Spätwerk „Der Biberpelz“ eher glatt, noch sehr konstruiert und künstlich. Als Novelle ist diese Geschichte klassisch aufgebaut – Sie endet mit einer „unerhörten Begebenheit“ und weißt einen ähnlich stark ansteigenden Spannungsbogen wie ein Drama auf. Man spürt das Ansteigen der Geschichte; man merkt, diese „Idylle“ (Es war keine Idylle, aber im Gegensatz zum Ende der Geschichte wirkt das Vorherige wie Geplänkel) kann nicht halten, wird irgendwann aufbrechen und es tut sie auch und zwar so grausam, dass meiner einer erheblich schlucken musste nach der Beendigung der Lektüre. Der Autor hat eine sehr schön lesbare, flüssige Sprache. Er unterstreicht das Geschehen mit vielen Gedanken, vielen Stilelementen auf verschiedenen Ebenen. Die Geschichte des Bahnwärter Thiel könnte einen Auftakt bilden zu einem Diskurs darüber, was Familiendramen für einen Hintergrund haben, wodurch sie ausgelöst werden, auch eine Täterperspektive abbilden, auch wenn eine Diskussion möglich wäre, wer hier Opfer und wer Täter ist. Alles ist mehr Schein und Sein, alles hat zwei Seiten und eine oberflächliche Betrachtung dieses Werkes als „bloßes Buch“ würde aufgrund der Thematik nicht standhalten. Natürlich kann man es auch als Unterhaltungsliteratur betrachten, oder aber als psychologische Studie, auf jeden Fall lohnt sich ein Blick in diese gerade einmal 40 Seiten lange novellistische Studie; mich hat sie nicht mehr losgelassen.

    Mehr
  • Rezension zu "Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    Fiona89

    Fiona89

    24. October 2010 um 17:51

    In dem Werk „Bahnwärter Thiel“, welches von dem Autor Gerhart Hauptmann als „novellistische Studie“ charakterisiert wurde, zeichnet der Autor das Bild der äußeren Lebensumstände des Bahnwärters Thiel und von dessen Psyche. Thiel ist ein einfacher, frommer Mann, der gewissenhaft seine Arbeit als Bahnwärter an einem einsam gelegenen Bahnübergang verrichtet. Seine erste Frau ist früh gestorben und Thiel trägt nun die Verantwortung für den gemeinsamen Sohn Tobias. Seine neue Frau, Lene, ist eine bestimmende und grobschlächtige Kuhmagd, die ihn durch ihr Verhalten abstößt, deren körperlichen Reizen, er sich aber auch nicht zu entziehen vermag. Eines Tages kommt es zum Unglück, als Lene ihren Mann mit Tobias und dem gemeinsamen Kind an seiner Arbeitsstelle besucht. Tobias gerät, als Lene nicht aufpasst, auf die Gleise, wird von einem Zug überrollt und stirbt.Durch dieses Unglück verliert Thiel den Verstand und die Geschichte endet in einer finalen Katastrophe. „Bahnwärter Thiel“ unterscheidet sich in seiner Dramatik also nicht wesentlich von modernen Familiendramen, überragt diese allerdings in seiner sprachlichen Gestaltung. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass es sich um ein Erstlingswerk Hauptmanns handelt, hätte ich nie für möglich gehalten, dass ein Autor zu einem so frühen Zeitpunkt seines Schaffens so sprachlich ausgereift schreiben kann. Sätze wie: „Farbigen Wimpeln gleich flatterten und gaukelten die Schmetterlinge lautlos zwischen dem leuchtenden Weiß der Stämme, indes durch die zartgrünen Blätterwolken der Birkenkronen ein sanftes Rieseln ging.“ und „Die Stämme der Kiefern streckten sich wie bleiches, verwestes Gebein zwischen die Wipfel hinein, die wie grauschwarze Moderschichten auf ihnen lasteten.“ erinnern zum einen an die detaillierten Landschaftsbeschreibungen aus der Romantik, die auch das Mythische und Dämonische beschrieben. Zum anderen gehen diese Veränderungen der Außenwelt mit den Veränderungen der Psyche Thiels Hand in Hand . Dieses Werk beinhaltet eine spannende und ausgereifte naturalistische Charakterstudie, die, von Fritz Martini im Nachwort schön formuliert, „anspruchslos, im schmalen Format, den Rang von Weltliteratur“ hat.

    Mehr
  • Rezension zu "Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    Fern

    Fern

    25. August 2009 um 21:45

    Als Schüler freut man sich bei dieser Lektüre zuerst einmal natürlich über die Kürze, denn mit gut 40 Seiten ist Bahnwärter Thiel eher ein Büchlein - trotzdem sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Gerhart Hauptmanns Schreibstil ist sehr dicht und intensiv. Grosse Ausschmückungen und ewig lange Passagen, die sich in Beschreibungen und Details verlieren sind so gut wie nie anzutreffen, dennoch nehmen vor allem die Schilderung rund um das kleine Wärtershäuschen, der Umgebung der Gleise und der Eisenbahn eine wichtige Rolle ein. Diese Schilderungen dienen aber auch dazu die Atmospähre zusätzlich zu verdichten, was das Lesen mit der Zeit immer unangenehmer macht. Als Leser ahnt man, dass etwas geschehen muss, dass irgendein schlimmes Ereignis zu erwarten ist (wie es zum Beispiel das enorm schlechte Wetter vorausdeutet oder das bedrohliche Glimmen der leuchtend roten Augen der Eisenbahn). Und tatsächlich, Bahnwärter Thiel verliert seinen kleinen, geliebten Sohn, als dieser vom Zug überrollt wird, doch damit ist das volle Ausmass der Zerstörung und des Leids noch nicht erreicht. Besonders beeindruckend fand ich, wie Gerhart Hauptmann mit nur wenigen Worten es fertig brachte, einen so schwer erschliessbaren Charakter wie der des Bahnwärters doch präzise zu skizzieren und seine Entwicklung so genau darzustellen. Allerdings hängt dabei auch noch viel vom Feingefühl des Lesers ab, denn wie gesagt: Wer aufgrund der wenigen Seiten oberflächliche Lektüre erwartet, hat zu viel gehofft.

    Mehr
  • Rezension zu "Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    m_maxwell

    m_maxwell

    06. December 2008 um 00:52

    Bei diesem Buch habe ich mit Thiel auf jeder Seite mitgefühlt und konnte mir anhand der für den Naturalismus typischen genauen Beschreibung Tobias' Unfall bildlich vorstellen. Eins meiner absoluten Lieblingsbücher.

  • Rezension zu "Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann

    Bahnwärter Thiel
    Pankraz

    Pankraz

    13. October 2008 um 09:37

    Das Unglück ist für den Leser der Erzählung keine Überraschung, die Dramatik baut sich auf, ist von Anfang an spürbar, auch dass Tobias bei einem Unglück mit der Bahn ums Leben kommt, scheint absehbar. Die Schienen, die am Horizont verschwinden; die Züge, die in irrsinniger Geschwindigkeit vorbeirasen, die Erde erbeben lassen, scheinen von Beginn an bedrohlich und stellen damit symbolisch die Gefährlichkeit des Fortschritts dar. Andeutungen wie das Spinnengewebe", die eiserne Netzmasche" wirken unheilschwanger und schicksalsträchtig. Hauptmann schafft es, einen alltäglichen Horror zu zeichnen, es ist von Beginn an eine schreckliche Geschichte, die Dramatik der Ereignisse steigert diese - meiner Meinung nach - nur unwesentlich, denn der Horror, das Unheil ist von Beginn an tief in Thiel verwurzelt. Hauptmann arbeitet mit Symbolik, stellt das private und vorerst innerliche Unglück Thiels der Rücksichtslosigkeit des Fortschritts gegenüber. Bezeichnenderweise ermöglicht gerade der Fortschritt, die Anstellung als Bahnwärter, Thiel seine gesicherte Existenz, sogar seinen Lebensinhalt. Ein Keuchen und Brausen schwoll stoßweise fernher durch die Luft. Dann plötzlich zerriss die Stille. Ein rasendes Tosen und Toben erfüllte den Raum, die Geleise bogen sich, die Erde zitterte - ein starker Luftdruck - eine Wolke von Staub, Dampf und Qualm, und das schwarze, schnaubende Ungetüm war vorbei. Thiel erledigt seine Arbeit gewissenhaft, stört sich auch nicht an seinen unheimlichen Gedanken, hat sich scheinbar mit seinem Schicksal arrangiert und nach solchen unheimlichen Augenblicken genießt er wieder die Ruhe der Natur, welche eben nur manchmal durch die daherbrausenden Züge unterbrochen wird. Der Bahnwärter reagiert nach dem Unglück, der seinem Sohn das Leben kostet, vorerst paralysiert, lässt sich sogar von Lene trösten, reagiert erst mit Verzögerung und sieht sich vielleicht auch Minna verpflichtet, als er schließlich Lene und das Baby umbringt. Bestimmt wird er in Folge nicht zu Unrecht ins Irrenhaus eingeliefert, denn den zuerst erduldeten und dann realen Horror kann einen Menschen wohl in den Wahnsinn treiben. Hier handelt Thiel ähnlich wie Woyzeck" in Büchners Fragment. Die beiden Personen sind sich in ihrer zunehmender Verzweiflung sehr ähnlich, mir scheint allerdings, dass die finale Bluttat bei Büchners Woyzeck unumgänglich ist, ein Fehlen des Mordes dem Drama den Sinn nehmen würde. Ganz anders ist es bei Thiel zu sehen. Das Drama des Menschen wäre nicht geringer, würde Hauptmann auf die Mordtaten verzichten, vielleicht wäre sogar das Gegenteil der Fall. Thiel, der trotz des Todes seines Sohns mit Lene weiterlebt, sich weiterhin mit seinem Schicksal arrangiert, dies wäre, meiner Meinung nach, für den Leser - den Beobachter - das noch größere Unheil. Mit den Mordtaten findet Thiel am Ende einen Weg aus seinem Dilemma und das Drama geht blutig zu Ende. Hauptmann hat mit Thiel eine Person geschaffen, die sich zufrieden gibt, die nach außen Gelassenheit und manchmal auch Gleichgültigkeit lebt, innerlich allerdings gärt es und dies zeichnet Hauptmann meisterlich. Für mich war dies von Anfang bis Ende eine Schauergeschichte, formvollendet und spannend erzählt, allerdings steigert das Finale, welches schlussendlich Thiel zum Mörder werden lässt, diesen Horror nicht mehr. Dies Hauptmann zum Vorwurf zu machen steht allerdings niemandem zu.

    Mehr
  • weitere