Germar Grimsen Hinter Büchern. Der Reigen

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Inhaltsangabe zu „Hinter Büchern. Der Reigen“ von Germar Grimsen

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  • Rezension zu "Hinter Büchern. Der Reigen" von Germar Grimsen

    Hinter Büchern. Der Reigen
    Lilitu

    Lilitu

    25. July 2011 um 10:57

    Der Antiquar Christian Keller wird von einer jungen Frau namens Wiebke, die ihn gern besser kennen lernen würde, von ihm aber nur herablassend behandelt wird, mit einem Flohmarktfund beschenkt, der sich bei näherem Hinsehen als Handschriftensammlung aus dem Jahr 1846 entpuppt und einen bis dato unveröffentlichten Text von Friedrich Hölderlin enthält. Keller aber beachtet dieses Büchlein gar nicht weiter und verschenkt es als Dreingabe an einen Kunden. Der verkannte Foliant geht durch allerlei Hände und verlässt Bremen dabei kaum, wird sogar gestohlen und später für viel Geld versteigert. Neben Keller und Wiebke begegnet man außerdem vielen weiteren Antiquaren, einem schwulen Gelehrten, der einem jungen Studenten gern näher käme, und unweigerlich auch einem Sammelsurium an Kunden, dass einem alle Händler leid tun müssen, die sich täglich mit solchen abplagen müssen. Zwischen all diesen Figuren und weiteren mehr tingelt das stetig im Preis steigende Buch umher, um am Ende da zu landen, wo es herkam. Begleitet wird die Handlung von einer Menge Fußnoten (372), die nicht nur interessante Kenntnisse über genannte Dinge und Sachverhalte liefern, sondern auch zu amüsieren wissen, wenn etwa Hesse als "Karl May für Abiturienten" beschrieben wird oder Ein- und Nashörner in ihnen Einzug halten. Nicht selten kommen sie sogar zweisprachig daher und natürlich gibt es eine Menge Fußnoten zu Hölderlin. Das Ausmaß der Fußnoten schwankt erheblich, von wenigen Worten bis hin zu 19 (!) Seiten (einer einzigen Fußnote bei etwa 2 Zeilen Haupttext pro Seite). Das mag vielleicht erschreckend und einschüchternd klingen, aber da die Fußnoten zum Teil wie eigenständige kleine Geschichten daherkommen, kann man sich in ihnen schon mal gefangen finden. Aber nicht nur die Fußnoten bringen Kenntnisse in Hülle und Fülle, sondern auch das Register bietet ein breites Spektrum eigentümlicher Beschreibungen verschiedener Personen (hauptsächlich Autoren) und Begriffe. So wird Johann Wolfgang Göte [sic!] beschrieben als »Geheimer Legationsrat und Minister ohne Geschäftsbereich in Sachsen-Weimar, Intendant, Italienreisender, Sammler von Künsten, Steinen, Knochen, Kräutern. Auch eigene schriftstellerische Versuche« oder Dante Alighieri als »Florentiner Mastermind mit viel Liebe zu lebensfeindlichen Umwelten (Hölle, Fegefeuer, Paradies), was ihm einen Mondkrater eintrug«. Nie waren Registereinträge so erhellend und unterhaltend! »Hinter Büchern. Der Reigen« wird bezeichnet als »Großroman«. Die Idee dazu kam aber nicht vom Autor Germar Grimsen selbst, sondern vom Verleger Wolfgang Hörner, der diese Bezeichnung im Nachwort wie folgt rechtfertigt: »Also : Großroman. Warum? Ich erlaube mit die Gegenfrage : Warum nicht? Etwas über eine Million Zeichen (genau genommen 1 100 000, also etwas unter einem Drittel der Bibel), eineinhalb Kilo Frischbucheinwaage, Format 16,2 x 25,5 cm, gut 1000 Namen, ein Durchtrab durch die Geschichte des Geschriebenen und in Schriftform verewigten Gedachten von der Antike bis heute, eine fußnötliche Wissensorgie, die ihresgleichen sucht, die Geschichte der religiösen Irrungen und Wirrungen der Menschheit, abgebildet in einem Roman – kann man da von einem Kleinroman sprechen, einem Romänchen, gar einer Romanovela? Gewiß nicht.« Und Recht hat er. Zunächst war ich ob dieses Titels etwas skeptisch, aber nach der Lektüre kann ich behaupten, dass »Hinter Büchern« sich den Titel »Großroman« redlich verdient hat. Germar Grimsen scheint davon auszugehen, dass sein Wissen auch seinen Leser zu interessieren habe, letztere dürften sich aber oft erschlagen fühlen von diesen Bergen an bekanntem und den Gebirgen an unbekanntem Wissen. Manchmal nervt die endlose Besserwisserei des Autors; selbst gegenüber seiner Protagonisten ist er besserwisserisch und korrigiert und widerspricht ihnen in den Fußnoten, aber dann ist man schon wieder gefangen in einer neuen, interessanten Wissenssammlung oder amüsiert sich über eine Fußnote. Immer wieder wird man erheitert von Wortneuschöpfungen, wie etwa die "Schankkräfte" in "Garküchen" oder wenn es im Laden »wiederwieselt«, wenn sich »Gesangshaufen« in Almanachen wiederfinden oder ein »Tuttelweiblein« ins Antiquariat eintritt. Viel Kluges, aber auch Verschrobenes und immer wieder Komisches steckt in Germar Grimsens »Hinter Büchern. Der Reigen«. Ich muss gestehen, dass mir der Einstieg in dieses Buch schwer viel, die inhaltliche Form des (Groß)Romans war ungewöhnlich, der Ausdruck befremdend. Schließlich habe ich mich aber an beides gewöhnen und das Buch genießen können. Für mich war es die Mühe wert! Skurilitäten, absurde Situationen und eine Menge Wortwitz haben für den schweren Einstieg allemal entlohnt. »Hinter Büchern. Der Reigen« grenzt sich ab von den neuerschienen Romanen des 21. Jahrhunderts. Wie der Klappentext bereits vermuten lässt, ist es einfach dieses Buch zu lesen, aber es lohnt sich, wenn man sich darauf einlässt! Neben all den zunächst ungewohnten Formulierungen, findet sich viel Witz, wie etwa die Fußnote über Jesus (»Erfinder des Papstes«). Trotz anfänglicher Schwierigkeiten ist »Hinter Büchern. Der Reigen« ein unterhaltsames und vor allem lehrreiches Buch. Wer sich von einer latenten Menschenfeindlichkeit nicht abschrecken lässt und sich beim Lesen gern fordern und stimulieren lässt, ist hier genau richtig.

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