Gernot Gricksch Morgens in unserem Königreich

(13)

Lovelybooks Bewertung

  • 14 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 2 Leser
  • 6 Rezensionen
(5)
(6)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Morgens in unserem Königreich“ von Gernot Gricksch

Wie kaum ein anderer deutscher Autor versteht Gernot Gricksch es, Geschichten zu erzählen, die Männer zum Lachen zu bringen und Frauen zu Tränen zu rühren (und manchmal andersherum). So eine Geschichte ist auch die von St.-Pauli-Bewohner Arne: Dass ausgerechnet er bei den Zeugen Jehovas landet, muss ein besonderer Scherz Gottes sein, lebenslustiger Windhund voller schräger Ideen, der er ist. Eigentlich will er auch gar nicht lange bleiben. Aber dann lernt er Johanna kennen. Tatsächlich bringen die beiden und ihre Liebe, die gegen alle Regeln verstößt, Veränderung in die kleine Gemeinde. Doch das wird längst nicht von allen gern gesehen. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis Arne und Johanna eine schwere Entscheidung treffen müssen. Mit seinem Roman „Morgen in unserem Königreich“ ist Gernot Gricksch nach seinen Erfolgs-Büchern „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ und „Das Leben ist nichts für Feiglinge“, die mit Tom Schilling und Wotan Wilke Möhring in den Hauptrollen auch fürs Kino verfilmt wurden, wieder ein außergewöhnlicher tragikomischer Liebesroman gelungen.

sehr angenehm zu lesen; interessanter Einblick in die Welt der Zeugen Jehovas

— Vucha
Vucha

Eine unterhaltsame und nachdenklich stimmende Geschichte, die einen interessanten Einblick in die Lebensweise der Zeugen Jehovas gewährt.

— Ruffian
Ruffian

Witzig und nachdenklich zugleich, einfach eine sehr ausgewogene Mischung.

— seschat
seschat

Stöbern in Romane

Mensch, Rüdiger!

Am Anfang etwas schleppend, nimmt die Geschichte dann an Fahrt auf und am Ende gibt es wortwörtlich kein Halten mehr.

JasminDeal

Sweetbitter

Die Poesie der Gerichte und das Flair des Restaurants verschwindet im Drogen- und Alkoholrausch des Personals. Echt schade.

Josetta

Und es schmilzt

Schockierendes, sehr lesenswertes Psychodrama über eine Freundschaft von Jugendlichen - spannend bis zur finalen Katastrophe

schnaeppchenjaegerin

In einem anderen Licht

Keineswegs nur für Frauen ist dieser einfühlsame Roman von Katrin Burseg.

Sigismund

Mein dunkles Herz

„Mein dunkles Herz“ ist eine Familiengeschichte, aber bis zum Ende wird nicht wirklich klar was mit ihr zum Ausdruck gebracht werden soll.

schlumeline

Mirabellensommer

"Mirabellensommer" ist ne nette Lektüre für einen kurzweiligen Nachmittag auf dem Liegestuhl. Unterhaltend, kommt aber nicht an 1. Band ran.

talisha

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Leserunde zu "Du erinnerst mich an morgen" von Katie Marsh

    Du erinnerst mich an morgen
    Knorke

    Knorke

    Diese Leserunde ist für die Mitglieder der Challenge "Zukunft vs. Vergangenheit".                        Monatsgenre "Romane und                                                Gegenwartsliteratur" Auch diesen Monat wollen wir wieder den Austausch wagen. Was für Romane stehen in eurem Regal? Was sollte jeder mal gelesen haben? Wer braucht eine Entscheidungshilfe, was als nächstes gelesen werden soll?

    Mehr
    • 31
  • Grandioser Roman zu einem schwierigen Thema

    Morgens in unserem Königreich
    Arbutus

    Arbutus

    07. July 2016 um 21:44

    Johanna ist fünfundzwanzig und soll möglichst bald heiraten. Arne arbeitet in einer Imbißbude und steckt in nicht unerheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Johanna geht jeden Sonntag zum Gottesdienst in den Königreichssaal der Zeugen Jehovas. Arne würde es nicht im Traum einfallen, dort aufzukreuzen. Bis ihn eine Verkettung von unglücklichen Umständen genau dazu zwingt. Zwei Welten prallen aufeinander. Was dann passiert, ist grotesk, spannend, tragisch, beglückend, und immer wieder auch sehr komisch. Arne ist ein echter Sympathieträger. Schnell fasst daher Karsten, Johannas aus der Art geschlagener pubertierender Bruder, zu ihm Vertrauen. Nicht allen in der Gemeinde gefällt dies, wie überhaupt Arnes Auftauchen unter den Gemeindemitgliedern für Verunsicherung sorgt. Und auch Johannas Glaube wird dadurch hart auf die Probe gestellt. Der Autor scheint die Bewegung der Zeugen Jehovas entweder sehr gut aus eigener Erfahrung zu kennen, oder er hat bemerkenswert gut recherchiert. Jedenfalls ist sein Blick durchaus verständnisvoll, manchmal respektlos, manchmal sehr respektvoll, manchmal schonungslos. Also jedenfalls alles andere als schwarz-weiß. Ein sehr gelungener, kluger, heftiger, ehrlicher Roman.

    Mehr
  • Eine unterhaltsame und nachdenklich stimmende Geschichte

    Morgens in unserem Königreich
    Ruffian

    Ruffian

    27. May 2016 um 22:46

    InhaltArne ist ein lebenslustiger Windhund, der mit seinem Leben ganz zufrieden ist. Er arbeitet in St.-Pauli in einer Imbissbude, hat eine Freundin und Pläne für ein eigenes Lokal. Doch von einem Moment auf den anderen verliert er alles und die Schläger eines Kredithais sind ihm auf den Fersen. Gerade als er nicht mehr weiter weiß tauchen zwei Zeugen Jehovas auf und er nutzt diese Begegnung um bei ihnen unterzutauchen, bis er weiß, wie es weitergehen soll. Doch Arne sorgt mit seiner unkonventionellen Art für einige Aufregung in der Gemeinde. Meine EindrückeNach dem Lesen des Klappentextes hatte ich mich auf eine lockere Komödie mit vielen lustigen Szenen und Situationskomik eingestellt. Doch das Buch ist so viel mehr. Ich hatte noch nie Kontakt mit den Zeugen Jehovas und wusste so gut wie nichts über ihre Ansichten und ihre Lebensweise. Hier bekam ich Einblick in ihre Welt, die mir anfangs noch freundlich vorkam, doch nach und nach wurde ich nachdenklicher und es wurde immer deutlicher worin die Nachteile und Kritikpunkte bestehen. Arne lernt in der Gemeinde Johanna kennen, eine junge Frau, die dort aufgewachsen ist. Ihm fällt sofort auf, wie natürlich und echt sie wirkt im Vergleich zu den meisten Frauen, denen er bisher begegnet ist. Anhand ihrer Geschichte erfährt man, wie schwer es ist als Kind oder Jugendlicher in dieser Gemeinschaft aufzuwachsen, oder wie wenig Rechte Frauen dort haben. Johanna ist intelligent, doch das darf sie nicht zeigen, weder früher in der Schule, noch heute in ihrem Alltag und je mehr sie mit Arne in Berührung kommt, umso mehr ist sie fasziniert von seinem freundlichen und weltoffenen Wesen. Und so wie Johanna viel zu wenig über die Welt jenseits der Gläubigkeit weiß, kann Arne wenig mit Spiritualität anfangen. Die beiden diskutieren immer häufiger über das Leben und seinen Sinn und es ist nicht immer nur Johanna, die von diesen Gesprächen profitiert.Arne und seine Art zu leben wird nicht beschönigt. Irgendwie bekommt er nichts auf die Reihe, wozu auch sicher seine sorglose Art in den Tag hineinzuleben und seine Unzuverlässigkeit ihren Teil beitragen. Aber er hat das Herz auf dem richtigen Fleck, er ist hilfsbereit und freundlich, auch wenn ihm das nicht beim Lösen seiner Probleme hilft. Seine Entscheidung bei den Zeugen Jehovas unterzutauchen geschieht aus reiner Not und mangels Alternativen. Dort lernt er einige freundliche und hilfsbereite Menschen kennen, allen voran Matthias, bei dem er wohnt und er erkennt dabei, wie leer sein bisheriges Leben war und dass er keine richtigen Freunde hat, auf die er im Notfall zählen kann. Aber nicht alle Zeugen Jehovas sind ihm gut gesinnt und er muss sich entscheiden, wie es mit ihm und seinem Leben weitergeht.Der Schreibstil des Autors ließ sich angenehm lesen und er hat mich mit seiner Geschichte in eine mir fremde Welt entführt. Er beleuchtet diese Religion von verschiedenen Seiten und verweist am Ende auf die Internetseite zeugenjehovas-ausstieg.de, deren Betreiberin eine große Hilfe bei seiner Recherche war. Mal war die Stimmung humorvoll, dann wieder nachdenklich oder auch traurig und dies so überzeugend, dass ich mitgefühlt, mitgelitten und zum Glück auch ab und zu geschmunzelt habe. 

    Mehr
  • Ein Leben jenseits des Glaubens

    Morgens in unserem Königreich
    seschat

    seschat

    06. May 2016 um 08:04

    INHALTDer unkomplizierte Hamburger Jung Arne hat immense Schulden und versucht diese durch seine Arbeit in einem Imbiss abzubauen. Sein Traum war es, in Hamburg eine Bar zur eröffnen, doch sein ach so seriöser Geschäftspartner hat ihn nur abgezockt und hintergangen. Sein eingebrachtes Geld ist weg und damit auch Freundin und Zukunft. Und wäre das nicht schon schlimm genug, fordert der russische Kiezkriminelle Oleksander die 20.000 Euro hohe Kreditsumme zurück, die er Arne geliehen hatte. Von nun an kann Arne nicht mehr klar denken, weil Oleksanders Schuldeneintreiber ihn im Nacken sitzen und zudem herauskommt, dass er seinen Arbeitgeber, Imbissbetreiber Udo, bestohlen hat. Als eines Tages zwei Vertreter der Zeugen Jehovas vor seiner Tür stehen, ergreift er den sich bietenden rettenden Strohhalm und findet Unterschlupf bei einem jungen tugendhaften Pärchen, Mathias und Johanna, was die religiöse Gemeinde als Skandal empfindet. MEINUNG "Morgens in unserem Königreich" ist das zweite Buch von Gernot Gricksch, das ich innerhalb kurzer Zeit gelesen habe und das mich restlos überzeugen konnte. In diesem 270 Seiten starken Roman prallen zwei Welten aufeinander, die normale und die religiöse Welt. Wer bisher nichts bzw. nur wenig über die Zeugen Jehovas wusste, wird nach der Lektüre um einige Eckpunkte schlauer sein. Diese religiöse Gemeinschaft lebt ein sehr puristisches Leben ohne Wettkampf, Drogen und mit viel Nähe zu Gott. Man lebt unter sich, abgeschlossen von den bösen und undisziplinierten "Weltenmenschen". Arne, die Hauptperson der Geschichte, ist der diametrale Gegenentwurf zu den Zeugen Jehovas. Er lebt in den Tag hinein, lässt sich von Emotionen treiben und zieht das Unglück und die Kriminalität magisch an. Sein Asyl findet bei der Gemeinde geteiltes Echo, vor allem der Älteste und Einflussreichste wittert baldiges Ungemach. Mathias und Johanna hingegen setzen sich für Arne, den Aussätzigen, ein und versuchen einen besseren Menschen aus ihm zu machen. Doch als Johanna und Arne dann noch zarte Gefühle füreinander hegen und Schlägertypen in der Gemeinde auftauchen, um Arne zu drohen, ist nicht nur Arnes Leben in Gefahr. Arne als liebenswerter Chaot und Johanna als mildtätige Kämpferin haben mich mitgerissen. Beide haben so ihre Problem mit dem Leben. Während es für Arne vor allem das Geld ist, ist es für Johanna die Religion und der Lebensentwurf. Ihr Verlobter Mathias ist ihr viel zu nett und zu ergeben und vielleicht sogar homosexuell. Sie weiß nicht, ob sie mit ihm, den sie eigentlich gar nicht liebt, eine Familie gründen und für immer zu Hause bleiben sollte. Hinzu kommt, dass ihr Bruder Karsten ADHS hat und vom eigenen alkoholabhängigen Vater deswegen immer und immer wieder geschlagen wird, während Johannas Mutter nur apathisch daneben sitzt. Doch dann kommt Arne ins Spiel und alles ändert sich. Der Autor hat den Spagat zwischen den beiden Welten sehr fabelhaft gemeistert und sogar noch eine emotionale Komponente mit einfließen lassen. Zudem hat er auch die Machenschaften auf dem Hamburger Kiez sehr lebensnah nachgezeichnet. Sprachlich konnte mich Gricksch wieder einmal begeistern. Seine Sprache passt sich den handelnden Personen an, wirkt glaubhaft. Mal ist sie, wenn es um Arne geht, witzig bis provozierend und mal ist sie verhalten bis religiös konform, wenn es um die Zeugen Jehovas geht. Dieser Wechsel lässt viel Spielraum für zwischenmenschliche Missverständnisse, aber auch einige heitere Momente. FAZITEine unterhaltsame Geschichte mit Tiefgang, Herz und Authentizität. Hier wird alles geboten, was ein guter Roman braucht.

    Mehr
  • Liebenswürdig und humorvoll

    Morgens in unserem Königreich
    SophiesLittleBookCorner

    SophiesLittleBookCorner

    21. March 2016 um 23:09

    Eigene Meinung:Da ich selbst Zeugen Jehovas in meiner Familie habe/hatte, hat mich dieser Roman natürlich sehr gereizt. Zeugen Jehovas kommen nicht oft in Büchern vor und wenn doch, dann entweder total abwertend oder so, dass neue Mitglieder gewonnen werden wollen. Ich wollte aber mal einen echten Roman haben, mit echten Menschen und echten Gefühlen. Zeugen Jehovas lassen sich nicht einfach so schwarz oder weiß malen, sie sind viel mehr. Ich habe meinen Uropa über alles geliebt. Leider starb er als ich acht war und mit ihm die einzig religiöse Person in meinem näheren Umfeld. Was nie starb, war meine aufrichtige Neugier für fremde Religionen und anderer Menschen Glaubensrichtungen.Mein Uropa hat mir gezeigt, dass bei den Zeugen Jehovas nicht alles schlecht ist, dass sie echte Menschen sind und herzensgut sein können.(Dazu möchte gesagt sein, dass mein Opa erst recht spät konvertiert ist und für mich, seine geliebte Urenkelin, nicht alles so eng gesehen hat. Weihnachten kam er zumindest einmal zum Kaffeetrinken vorbei.)In "Morgens in unserem Königreich" lernen wir die verschiedensten Zeugen Jehovas kennen - die Regeltreuen, die Familienmenschen, die Liebenswürdigen und die, die so ein bisschen mit sich und ihrem Weg hapern.  Protagonistin Johanna lernt immer mehr vom "realen Leben" kennen und fängt an zu hinterfragen, was sie eigentlich nicht darf bzw. soll. Grund deswegen ist Arne, ein herzensguter und lustiger Typ, der aber eben auch naiv und leichtgläubig ist. Mit seiner warmen Art bringt er Johannas geordnetes Leben aus den Bahnen und das einiger Zeugen gleich mit.  Gernot Gricksch schreibt über das Leben wie es ist: tiefgründig, verwirrend und mit mehreren Abzweigungen. Dennoch vergisst er nie seinen Humor und auch wenn ernste Themen wie das Ablehnen von Blutkonserven angesprochen werden, so zaubert er einem im nächsten Absatz schon wieder ein Lächeln ins Gesicht.Arne und Johanna sind wie Nacht und Tag. Er ist lebenslustig und lebt in den Tag, Johanna ist ernst und es fällt ihr schwer aus sich herauszukommen. Zusammen erleben die beiden ihre eigenen kleinen Abenteuer. Er lernt, dass die Zeugen Jehovas nicht nur schlecht sind und viel menschlicher als gedacht und Johanna erfährt, dass es so viel mehr gibt, als sie dachte.  Das Ende ist ziemlich radikal, aber zeigt eben auch auf, dass das Leben manchmal anders spielt als gedacht und dass es so viel mehr gibt, als wir zu glauben wissen.Fazit:Ein Buch auf das ich sehr gespannt war. Vor dem Lesen hatte ich etwas Angst, dass das Thema Zeugen Jehovas zu negativ betrachtet werden könnte. Am Ende bekam ich so viel mehr - ein Roman über Menschen, echt und greifbar - und irgendwie sind wir uns alle doch ähnlicher als gedacht.Für mich selbst war es ein Buch, das mir meinen Verstorben Urgroßvater wieder etwas näher gebracht hat - wenn auch nur für 272 Seiten.

    Mehr
  • Ein Buch mit Tiefe und nachdenklichen Nachwehen

    Morgens in unserem Königreich
    lovelyliciousme

    lovelyliciousme

    02. January 2016 um 15:44

    Worum geht es in dem Buch? Es geht um Arne. Der aus seinem Provinznest in die Großstadt Hamburg gekommen ist, um sich seinen Traum einer eigenen Bar zu erfüllen. Doch alles was ihm dazu fehlt ist Geld. Deswegen arbeitet er in der Würstchenbude von Udo, lebt in einer kleinen Wohnung und ansonsten läuft sein Leben auch ganz passabel ab. Bis zu dem Zeitpunkt als er seinen Traum greifbar nahe sieht und auf die falschen Leute reinfällt. Binnen 24h hat Arne Unmengen an Schulden, hat den größten Verbrecher Hamburgers gegen sich und ist auch noch arbeitslos. Arne beschließt unterzutauchen. Er landet bei den Zeugen Jehovas. Was er da genau soll, das weiß er nicht, aber er erhofft sich göttlichen Beistand und die Idee wie er aus diesem Schlamassel wieder herauskommt. Doch mit allem hat Arne gerechnet, aber nicht damit Johanna kennenzulernen. Eine treue Zeugin und folgsame Schwester der Zeugen Jehovas. Sie ist verlobt mit dem „Teiggesicht“ Matthias und hat einen kleinen Bruder namens Karsten, der an ADHS leidet. Johanna fühlt sich irgendwie von Arne angezogen und die beiden brechen Regeln, bringen Unruhe in die Gemeinde und ihre vielleicht Verliebtheit stößt bei den Ältesten auf Unverständnis und Gegenwähr. Riskiert Johanna aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden? Schafft es Arne erfolgreich unterzutauchen? Hat ihre Liebe eine Chance oder sieht der Glaube an Jehova? Wer ist Gernot Griecksch? Er wurde 1964 in Hamburg geboren und ist Buchautor, Drehbuchautor, Journalist und Filmkritiker. Gernot Griecksch schreibt im Erzählstil tragikomische Geschichten aus dem Leben! Er lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern immer noch in seiner Geburtsstadt Hamburg. Wie hat mir das Buch gefallen? Als ich den Klappentext gelesen habe, lag mir ein kleines Schmunzeln auf den Lippen. Ein Buch, in denen die Zeugen Jehovas vorkommen… spannend! Wer kennt sie nicht, die freundlichen Zeugen, die zu zweit in den Städten stehen, immer ein lachendes Gesicht und der Dinge harren die da kommen, um ihren Glauben und die Zeitung „Wachturm“ unter die Leute zu bringen. Weitere Berührungspunkte gab es bis zu diesem Buch keine. Von daher war es aufregend in dieses Buch einzutauchen und vielleicht die einen oder anderen Vorurteile über den Haufen zu werfen. Gernot hat wirklich tolle Protagonisten erschaffen, die dieses Buch zum leben erwecken und diesem Buch einen gewissen Tiefgang verleihen. Auch wenn es witzig, einfach, schnell und gut zu lesen geschrieben ist, gibt diesem Buch einem etwas mit auf den Weg. Aber dazu später erst mehr! Aber zu allererst zu den Protagonisten: Zum einen gibt es Arne. Aufgewachsen auf dem Land, behütet von seinen Eltern die einen Gasthof betreiben und gehofft haben, Arne würde diesen eines Tages übernehmen. Aber er hat andere Pläne. Die Großstadt Hamburg ruft. Er verfolgt seinen Traum. Doch Arne, gewitzt, gerade heraus, mit einem gewissen Charme dem Frauen erliegen, aber auch bestückt mit einem großen Grad an Naivität. Er ist der, der hofft einen Plan B in der Tasche zu haben und der herausfindet, dass er im Notfall keine wahren Freunde besitzt. Nur Bekanntschaften! Da ist Johanna, sie übernimmt den weiblichen Part der Protagonisten. Aufgewachsen im Verbund der Zeugen Jehovas. 25 Jahre alt und damit bereits eine alte Jungfer, da sie noch immer nicht verheiratet ist. Sie hat in ihrem Leben nichts anderes kennengelernt als diese Glaubensgemeinschaft, die ihre Familie ist und dem Leben wie es vorgegeben wird. Sie ist intelligent, was sie nicht in vollen Zügen ausleben darf. Sie ist natürlich hübsch, was versteckt wird unter „old school Klamotten“. Sie ist eine starke Frau, mit einer liebevollen Persönlichkeit, welche versteckt liegt unter dem Glauben der Zeugen. Neben Johanna, gibt es noch ihren kleinen Bruder Karsten. Dieser leidet unter ADHS und hat es verdammt schwer sich den Zeugen und ihren Regeln anzupassen. Er ist aufmüpfig, unangepasst und fällt ständig auf. Denn Karsten wird nicht geholfen, denn dies verbietet der Glaube. Von daher ist Karsten ein Junge, der sich in einem Körper befindet den er selber nicht wahrnehmen kann. Seine Gedanken sind oftmals wirr und sein Mund ist schneller als das Denken, somit passiert es oft, dass er sein Herz auf der Zunge trägt und alles ausspricht, was ihm in den Sinn kommt! Als Arne auftaucht, verändert sich etwas… Nicht zu vergessen Johannas Verlobter Matthias. Über ihn will ich nicht ganz so viel verraten, nur soweit das er niemals Johannas Traummann sein könnte, aber er ist sehr nett und ein guter Freund. Allerdings ist er auch ein Paradebeispiel für die Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas, denn er stellt seine innersten Bedürfnisse zurück, um den Geboten zu zollen. Er ist ein höriger Zeuge und im tiefsten inneren, hat er etwas vergraben was niemals an die Oberfläche kommen darf. Er ist ruhig, besonnen, Teetrinker aus Leidenschaft und ein wenig mopsig! Gernot Griecksch, hat Protagonisten erschaffen, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen, die aber das Buch zu einem großen Ganzen werden lassen. Er lässt viele Informationen über das Leben der Zeugen Jehovas, ihren Glauben, ihre Art zu leben, zu denken und zu handeln einfließen. Dadurch kann man vieles was Johanna und Karsten betrifft besser nachvollziehen und taucht in eine Welt ein, die einem fremd ist, obwohl sie eigentlich so nahe liegt. Über viele Dinge war ich sehr überrascht. Nicht zwingend Positiv, eher dahin gehend negativ! z.B. das eine Heirat innerhalb der Gemeinschaft notwendig ist und das alles andere verboten und zu einem sofortigen Ausstoß aus dieser erfolgt. Man erfährt viel über das Leben von Johanna innerhalb ihrer Familie. Das umgehen der Eltern miteinander und dem Problemkind Karsten, der mit seiner ADHS Erkrankung. Daher ist der Alltag geprägt von Gewalt, von Schweigen, von Brutalität und Misshandlung. Von einer Mutter die schweigt und die ihre Erlösung darin sieht zu sterben. Von einem Vater der unzufrieden ist, der Gesetze innerhalb seines kleinen Büros bricht und die Familie mit Gewalt und Missachtung straft. Das Buch welches Gernot Griecksch geschrieben hat, ist nur im ersten Moment witzig, lustig, zum Schmunzeln aber wenn man so wie ich jetzt über das gelesene schreibt, wird man sehr nachdenklich. Es macht mich sogar etwas betroffen und die Geschichte von Johanna und Karsten geht mir persönlich sehr nahe. Ich bin eingetaucht in eine Welt die mir fremd ist. Die bestimmt wird von einem Glauben, der sich so viel mehr von dem unterscheidet an was ich glaube. Es macht mich betroffen gemacht, sowohl die richtigen Worte zu finden meine Gefühle und Gedanken nach diesem Buch zu beschreiben! Gernot Griecksch, hat mich durch sein Buch dazu bewegt meinen Glauben und mein tägliches handeln zu überdenken. Meine Augen offen zu halten und jedes Mal wenn ich Zeugen Jehovas sehe, diese mit anderen Augen zu betrachten. Das das vermeintlich glücklich sein, das lächeln welches man sieht oftmals nur Fassade sein kann. Das sich hinter jeder Frau eine Johanna befinden kann, die aus ihrem Käfig nicht herauskann oder die davor Angst hat diesen Schritt zu gehen! Ich nehme viel mit. Nicht nur eine lustige Geschichte mit viel Humor sondern auch etwas das mich auf eine gewisse Art dankbar sein lässt, das ich in einer anderen Familie / Gemeinschaft aufgewachsen bin und frei sein darf in meinen Gedanken, Gefühlen, Werten und meiner Intelligenz. Ich bin dankbar dafür, das ein Buch mich hat Momente erleben lassen, die mir das wieder bewusst gemacht haben. Wie reich ich an all diesen Dingen bin und wie viel manch andere Menschen davon verpassen, weil sie behütet in einem System leben, welches Sicherheit propagiert und welches sie in all diesen wunderbaren Dingen beraubt. Von daher 4 Herzen für dieses grandiose Buch! Mein Fazit: Lesen, unbedingt! Denn nur der, der das Königreich einmal erfahren hat, weiß wie reich er ist! Das nachdenken, das beginnt erst dann, wenn man das Buch fertig gelesen und zur Seite gelegt hat. Wenn die Stunden verstreichen und man anfängt sich darüber klar zu werden, wie klein unsere Welt und wie vielfältig der Glaube an etwas ist! Oftmals verleiht der Glaube einem Kraft, die ungeahnt Flügel wachsen lässt… XoXo Maren

    Mehr
  • Morgens in unserem Königreich

    Morgens in unserem Königreich
    Turtlestar

    Turtlestar

    18. December 2015 um 20:10

    Arne steckt in Schwierigkeiten. In sehr großen Schwierigkeiten! Er hat nicht nur gerade seine Freundin an einen anderen verloren, sondern auch seinen Job und die Ersparnisse seiner Eltern. Als er zusammengeschlagen in seiner Wohnung liegt klingelt es an der Tür und zwei seltsame Gestalten stehen vor ihm. Sie wollen mit ihm über Gott reden. Ohne groß nachzudenken drängt Arne sich den Beiden Zeugen Jehovas auf und begleitet Sie. Er hofft in der Gemeinschaft Unterschlupf zu finden. Doch das ist schwerer als gedacht. Da Matthias sich entschließt Arne zu helfen, wird nicht zu sein Leben, sondern auch das seiner Verlobten Johanna auf eine schwere Probe gestellt. Sind die Beiden stark genug der Versuchung zu widerstehen? Werden beide auf die Ältesten hören? Oder werden sie Arne helfen? Wird Arne sein Leben wieder in den Griff bekommen? Ich muss gestehen, ich habe mich noch nie richtig mit dem Thema „Zeugen Jehovas“ befasst. In dem Buch wird sehr viel über sie erzählt und ihr Leben beschrieben. Was man als Zeuge Jehovas alles darf und was nicht. Hätte ich nicht unbedingt alles gewusst. Für mich als Weltmensch wäre dies definitiv kein Leben.Vor allem hatte ich oft das Gefühl, dass die Ältesten das alles so auslegen, wie sie es gerade gebrauchen können. Getreu dem Motto: „Wenn zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht das selbe!“ Besonders ist mir dies bei der Szene zwischen Vater und Sohn Karsten aufgefallen. Karsten hat einen anderen Jungen geschlagen (so wie es schon mal zwischen Jungs so ist) und wird daraufhin von seinem Vater geschlagen. Die Zeugen dürfen aber keine Gewalt anwenden. Karsten soll beten und sich bei dem Jungen entschuldigen, aber sein Vater darf ihn ohne Probleme schlagen. Das hat mich selber schon wütend gemacht. Vor allem, weil die Mutter nur zugeguckt hat. Man wird echt nachdenklich, wie manche in der heutigen Zeit leben. Also ich will nicht sagen, dass alles toll ist, was wir als „Weltmenschen“ machen und wie wir leben, aber das Leben der Zeugen Jehovas ist auch nicht perfekt. Mir hat das Buch ganz gut gefallen, es war gut zu lesen und es hat mich zum grübeln gebracht. Ich würde gerne 3,5 Sterne (ich runde auf 4 auf) geben.

    Mehr