Alles wird unsichtbar

von Gerry Hadden 
4,0 Sterne bei16 Bewertungen
Alles wird unsichtbar
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S

Geschichte eines Abstiegs

skiaddict7s avatar

Sehr empfehlenswert, aber keine leichte Kost.

Alle 16 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Alles wird unsichtbar"

Milano wächst in der Bronx der Siebziger auf. Als Adoptivsohn afro-kubanischer Eltern ist er der einzige spanischsprechende, bongospielende, fünfjährige Weiße weit und breit. Er ist anders als die Nachbarskinder, aber er ist glücklich. Bis zum Tag des Autounfalls.
Er erwacht im Krankenhaus und sein linker Arm ist unsichtbar geworden. Was Phantomschmerzen sind, begreift er erst nach und nach: als seine Mutter stirbt. Als sein Vater ihn wie Luft behandelt. Als er alles verliert, was ihm je wichtig war.
Lakonisch und so unsentimental, dass es einem die Tränen in die Augen treibt, erzählt Hadden in seinem Debütroman die Geschichte eines Abstiegs, der im Jugendgefängnis endet. Doch Milano erhält eine zweite Chance und macht sich auf die Suche – nach den unsichtbaren Dingen, nach seinen Wurzeln, und nach seinem Platz in dieser seltsamen Welt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492058803
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:13.10.2017

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    AnnieHalls avatar
    AnnieHallvor 3 Monaten
    Interessante Lebensgeschichte, aber arg konstruiert und verworren

    Alles wird unsichtbar ist ein Roman von Gerry Hadden und 2017 im Piper Verlag erschienen.

    Milo wächst als Adoptivsohn afrokubanischer Eltern in der Bronx der Siebziger auf und ist  der einzige spanischsprechende Weiße weit und breit. Als er bei einem Autounfall seinen linken Arm verliert, ändert sich sein Leben schlagartig. Er leidet unter Phantomschmerzen und nach dem Tod seiner Mutter, behandelt ihn sein Vater wie Luft. Er gerät auf die schiefe Bahn und landet ihm Jugendgefängnis. Doch Milo erhält eine zweite Chance und macht sich auf die Suche nach seinem Platz in dieser Welt...

    Gerry Haddens Debütroman beginnt packend, lakonisch und ungeschönt erzählt er Milos Lebensgeschichte, ein Junge ohne Wurzeln, wütend, grob und innerlich getrieben. Leider verliert sich die Geschichte immer wieder in Nebensächlichkeiten und erscheint im weiteren Verlauf zunehmend konstruiert und durch die unmotivierten Zeitsprünge recht verworren, wodurch der Roman viel von seiner anfänglichen Authentizität einbüßt.

    Alles in allem ein interessanter Coming of Age-Roman, dessen Komposition nicht zu überzeugen vermag.

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    SunshineBaby5vor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Geschichte eines Abstiegs
    Facettenreicher Roman


    Milo ist adoptiert, wächst in einer sozialschwachen Gegend auf und muss so einiges durchmachen. Nach und nach erfährt der Leser die Gründe für Milos Entwicklung zum Verbrecher.In meiner Gesamtmeinung zum Buch bin ich zwiegespalten, weshalb das Bewerten nicht ganz einfach war. Einerseits fand ich die Gesamtgeschichte sehr interessant und stellenweise richtig toll dargestellt. Man konnte in die Gefühle von Milo abtauchen und verstehen, was er durchgemacht hat. Dann gab es Passagen, die irgendwie viel zu abgedreht waren und gar nicht passten. Es gab etliche Nebenschauplätze, die vom eigentlichen Handlungsstrang abgelenkt haben. Außerdem kommen in den Rückblenden in Milos Kindheit und Jugend diverse spanischen Wörter vor, die meiner Meinung nach sehr den Lesefluss stören. Die vorhandenen Zeitsprünge zwischen heute und den Rückblenden fand ich allerdings wieder sehr gelungen und passend.

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    skiaddict7s avatar
    skiaddict7vor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr empfehlenswert, aber keine leichte Kost.
    Verlust, Missbrauch und eine zweite Chance

    „Jeder Tag, an dem du es zum Mittagessen schaffst, ohne dass dich jemand an einem Arm und einem Bein packt und im Kreis rumschleudert, ist ein guter Tag.“

    Haddens Debütroman ist mit Sicherheit keine leichte Kost: Milo, der Adoptivsohn zweier Afrokubaner, wächst in der Bronx in den Siebzigerjahren auf. Behütet, klug, ein „guter“ Junge – bis eines Tages die Welt, die er kennt, in tausend Stücke zerbricht. Seine Mutter stirbt, sein Vater zerbricht daran und kann ihn fortan nicht mehr lieben. Und so dürfen wir Milo begleiten, wie er auf die schiefe Bahn gelangt und schließlich im Jugendgefängnis endet – ein Junge, der im Leben einfach keine Chance hatte. Und doch hat Milo scheinbar Glück und erhält die Chance, durch ein spezielles Programm aufs College zu gehen. Findet er so seinen Platz im Leben?

    Hadden schreibt sehr nüchtern und realistisch. Der Schreibstil ist initial ungewohnt; auch, da Hadden zwischendurch zeitlich ziemlich umherspringt. Irgendwie fügen sich die Einzelteile aber sehr schön zu einem Ganzen zusammen und ergeben Sinn. Das Thema Verlust wird sehr tiefgründig abgehandelt. Anschaulich beschreibt Hadden, wie der Tod die umstehenden Menschen verändert. Insgesamt eine sehr traurige und tiefgründige Geschichte, die zum Denken anregt und mich noch viele Tage beschäftigt hat.

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    milkysilvermoons avatar
    milkysilvermoonvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: „Alles wird unsichtbar“ von Gerry Hadden ist keine leichte Kost, sondern eine anspruchsvolle, lesenswerte Lektüre
    Wie ein Leben auf die schiefe Bahn geraten kann

    Milano wächst in der Bronx der 1970er-Jahre auf. Er wurde von afro-kubanischen Eltern adoptiert und ist das einzige spanischsprechende weiße Kind in der Nachbarschaft. Aber es geht dem Fünfjährigen gut – bis zum schicksalhaften Autounfall. Im Krankenhaus muss er feststellen, dass sein linker Arm unsichtbar geworden ist. Was Phantomschmerzen sind, begreift er erst nach und nach: als seine Mutter Miriam stirbt und sein Vater ihn wie Luft behandelt. Sein Leben wird zu einer Abwärtsspirale, bis er im Jugendknast landet. Aber er hält eine zweite Chance.

    „Alles wird unsichtbar“ ist der Debütroman von Gerry Hadden.

    Meine Meinung:
    Der Roman gliedert sich in drei Teile und 30 Kapitel. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Milano. Ungewöhnlich ist die Erzählstruktur: Neben dem Geschehen in den 1980er-Jahren gibt es immer wieder Rückblenden in die 1970er-Jahre. Zudem spielt die Handlung an mehreren Orten und sogar in unterschiedlichen Ländern. Daher braucht es etwas, um sich in die Geschichte einzufinden. Allerdings sorgen die Sprünge zwischen den Ebenen auch für Abwechslung und Dynamik.

    Von der Masse hebt sich auch der Schreibstil ab. Der Roman enthält viel wörtliche Rede. Und trotz der eher sachlichen, schnörkellosen, zum Teil auch etwas derben Sprache gelingt es, Emotionalität zu erzeugen und die Gefühle Milos gut zu vermitteln.

    Hauptprotagonist Milano ist ein sehr spezieller Charakter, der größtenteils authentisch auf mich wirkte. Es war interessant, seine Entwicklung zu verfolgen.

    Inhaltlich verbindet der Roman viele ernste Themen. Die Geschichte erhielt dadurch Tiefe und konnte mich zum Nachdenken bringen. Leider hat die Handlung in ihrem späteren Verlauf etwas an Glaubwürdigkeit eingebüßt, weil ich einige Episoden als etwas überzogen empfand. Im Großen und Ganzen konnte mich die Geschichte jedoch berühren.

    Nicht nur das Buch an sich ist ungewöhnlich, sondern auch dessen Gestaltung. Der Kartoneinband mit Leinenrücken sticht in der Buchhandlung sicherlich hervor. Das Cover selbst ist zwar thematisch passend, trifft allerdings nicht so ganz meinen persönlichen Geschmack.

    Mein Fazit:
    „Alles wird unsichtbar“ von Gerry Hadden ist keine leichte Kost, sondern eine anspruchsvolle Lektüre und ein Roman, der durchaus polarisieren kann. Ich jedenfalls empfinde das Buch als lesenswert.

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    romi89s avatar
    romi89vor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Tolle Passagen am Anfang
    Tolle Passagen am Anfang

    Der Blick auf das Cover verrät, dass " Alles wird unsichtbar" ein Coming- of- Age Roman ist.

    Milo wächst in einer Einwanderersieldung auf - ist aber selbst adoptiert.Täglich wird er mit seiner ihm unbekannten Herkunft konfrontiert und erlebt Schreckliches.
    Er gerät nach und nach auf die schiefe Bahn. An dieser Stelle unterzieht sich auch das Buch einem Wandel, der Schreibstil wird abgehackter, es wird brutal - sprachlich und auch inhaltlich.
    Doch das ist nicht das Ende von Milos aufregendem Leben. Es führt ihn weiter nach Berlin und Spanien ... und vielleicht auch zu seiner Herkunft?!

    Meine hohen Erwartung an das Buch wurden nicht gänzlich erfüllt. Ich bin mit Milo nicht so recht "warm" geworden. Mich haben auch die vielen, stets neuen Charaktere angestrengt beim Lesen.
    Der Anfang war stark und hat mich gefesselt, doch dann immer mehr geschwächelt für mich.

    An sich ist das Buch aber trotzdem lesenswert.

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    herrzetts avatar
    herrzettvor 9 Monaten
    "Du warst damals wie heute nicht mehr als eine kurze Unterbrechung."

    "Alles wird unsichtbar" von Gerry Hadden ist für mich ein ganz besonderer Roman. Es geht um Milo, einen Jungen, der durch einen Unfall nicht nur seinen linken Arm und seine Mutter Miriam verlor, sondern auch den Halt und ein Teil seines Lebens. Es sind die Phantomschmerzen, die bleiben. Schmerzen, die ihn tagtäglich begleiten und sich andere Ausflüchte suchen. Schmerzen, die ihn in ein tiefes Loch treiben und in der Kriminalität enden. 

    "Eines Morgens hockst du so im Jugendknast und studierst vor dich hin, die Amöbenhirne von Zellengenossen kommen um die Ecke und geben dir wie selbstverständlich zum siebenhundertvierunddreißigsten Mal auf die Fresse, und im nächsten Moment sitzt du in einem Bus auf dem Weg zu irgendeinem College in der Nähe vom Nordpol, und der Typ neben dir spielt Buchstabierwettbewerb. Gegen sich selbst."


    Doch eines Tages erhält Milo eine Chance, ein Förderprogramm, das ihn aus dem Knast holt, auf ein Collage schickt und neue Hoffnung weckt. Über ein Auslandssemester gelangt er in den 80ern mit zwei anderen ehemaligen Sträflingen nach Westdeutschland an die Grenze zur DDR. Hier soll nun die Suche nach der ihm fehlenden Familie, zu sich selbst und seinen Wurzeln anknüpfen. Doch dass hier der Junge aus der Bronx nicht von allen mit offenen Armen willkommen geheißen und es Probleme geben wird, die das ganze Programm und seine Pläne gefährden, war irgendwie zu erwarten.  


    "Und als ich aufstand und diese Lichter über mich hinwegglitten, ohne innezuhalten, wurde mir wieder einmal klar, dass dieses Etwas nicht ich war, dass ich ebenso im Nichts verloren war wie er, wie Miriam oder das Nichts selbst."


    "Alles wird unsichtbar" ist sehr sprachgewaltiges Werk, welches man gar nicht so einfach wiedergeben kann und das mich tief in den Bann gezogen hat. Von Tiefgründigkeit und Emotionen gepackt und nicht mehr losgelassen, fand ich mich lachend, grinsend, ergriffen und heulend wieder. Ich würde nicht unbedingt behaupten, dass es ein Buch für jeden ist und auch nicht, dass es ein stets einfaches, normales Lesevergnügen bietet, aber die Schwere in all diesen gewählten Worten und der Geschichte macht es zu einem wahren, berührenden Kleinod. Haddens erster Roman ist für mich eins der besten Bücher, die 2017 erschienen sind und ich kann nur eins raten: Lesen!

    "Und obwohl der Tod nach wie vor eine ganz besondere Faszination auf mich ausübte, war ich immer davon ausgegangen, dass ich mich selbst richten würde, herzlichen Dank."

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    Simonais avatar
    Simonaivor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Beginnt stark, verliert aber im 2. Teil und holt den Verlust nicht mehr auf.
    Starker erster Teil, enttäuschender zweiter Teil

    Gerry Hadden schreibt einen zum Teil autobiografisch angehauchten ersten Roman. Den Amerikaner, der mit seiner Familie in Barcelona lebt, verbindet laut eigener Aussage einige Details mit der Hauptfigur.

    Gerry Hadden beginnt mit einem starken ersten Teil. Das Leben des kleinen Milo mit seinen aus Kuba geflohenen Adoptiveltern in der Bronx wird so real und nüchtern beschrieben, dass man es gern genauso glaubt, es ist für den Leser zu 100 Prozent nachvollziehbar und plausibel.
    Ein tragischer Unfall verändert alles in dem noch so jungen und zarten Leben Milos. Doch bei all der Tragik, bei all dem schmerzlichen Verlust verspürt man niemals Mitleid, nein, der Leser fühlt zwar mit diesem kleinen Jungen, dessen Fall nicht aufzuhalten ist, jedoch imponiert Milo den Leser durch seinen Kampfgeist.  Die Ereignisse lassen den Leser eher wütend, enttäuscht und hilflos zurück - genauso wie sich Milo fühlt. Einfach großartig!

    Im zweiten Teil erhält Milo als Jugendlicher im Gefängnis unerwartet eine zweite Chance, was auch beim Leser neue Hoffnung erweckt. Milo darf an einem College studieren und im Rahmen eines Kurses mit einer kleinen Gruppe nach Deutschland reisen. Wir befinden uns Mitte der 1980er Jahre, Milo landet in Westdeutschland direkt an der Grenze zu Ostdeutschland.
    Spätestens hier beginnt der amerikanische Klamauk. Schon am College werden einige Klischees bedient, wie zum Beispiel die sexhungrige, willige ältere Studentin, die Milo den Campus zeigt und ohne Umschweife mit ihm schläft, oder kiffende Studenten.
    Milo wird in Westdeutschland Spionage vorgeworfen, da er vermeintlich aus Kuba stammt, seine Gasteltern haben ein Heim für ausgesetzte Vögel, es gibt einiges, was einen mehr als ungläubig zurück lässt. Dieser Teil ist maßlos überzogen und hat alles an der großartigen Nüchternheit und Plausibilität des ersten Teil verloren. Dass Milo sich immer weiter verstrickt und diese zweite Chance nicht für sich nutzen kann, ist ebenso enttäuschend für den Leser.

    Das Ende versucht, versöhnlich zu stimmen. Für Milo soll sich endlich der Kreis schließen und sein schwerer Verlust in jungen Jahren geheilt werden durch den Kontakt zu seiner leiblichen Mutter. Das erste Treffen ist seelisch brutal, auch wenn Milo sich überwindet und seinen Frieden schließt. Es bleibt offen, wie es mit Milo weitergeht, doch es ist ein hoffnungsvolles offenes Ende.
    Trotzallem schafft es das Ende nicht, den Verlust an Plausibilität aus dem zweiten Teil aufzuholen. Sehr schade!

    Ich musste mich durch den zweiten Teil quälen, nachdem ich von ersten Teil mehr als begeistert war. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, auch wenn ich im ersten Teil immer wieder über spanische Sätze gestolpert bin, die nicht übersetzt werden und sich nur manchmal aus dem Sinn heraus ergeben. In meinen Augen ist der Teil in Deutschland etwas, das nicht nur schlecht recherchiert sondern auch für die Geschichte unnötig ist. Dafür hätte man mehr auf das Treffen mit der leiblichen Mutter eingehen können, hier fühlte ich mich fast schon gehetzt, weil auf Grund ihres gesundheitlichen Zustands nicht mehr viel Zeit blieb.


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    frenx1s avatar
    frenx1vor 10 Monaten
    Debütroman mit Schwächen

    Ganz konnte mich Gerry Haddens Debütroman „Alles wird unsichtbar“ nicht überzeugen. Die Geschichte klingt zunächst gut: Milo kommt aus dem Jugendknast, ein Studienprogramm bringt ihn raus und an eine  Universität. Der 19-Jährige muss sich nun mit sich und seinem Leben beschäftigen. Denn er trägt so einige Bündel mit sich herum: Er gibt sich die Schuld am Tod seiner Adoptivmutter und weiß von seiner leiblichen Mutter im Grunde genommen nichts.Nach und nach kommt das, was in Milo schlummert, hervor. Auch in der Form von Aggressivität. Eine Aggressivität, die er nicht nur gegen Autos, sondern auch gegen sich selbst richtet.Milo sehnt sich nach Aufmerksamkeit, zugleich ist er irritiert, wenn er sie bekommt. Von Halsey zum Beispiel, seiner ersten Freundin. Nicht jedoch von seinem Vater, der – so nimmt es Milo wahr – ihm die Schuld am Tod der Mutter gibt und ihn mehr ignoriert als dass er sich um ihn kümmert. So ist Milo ein spannungsgeladener Charakter – hinzu kommt, dass er als weißer Adoptivsohn in der Bronx der 70er-Jahre bei afro-kubanischen Eltern aufwächst. Und: als Fünfjähriger verliert er bei einem Autounfall seinen linken Arm.Milo als Protagonist bietet also eine große Fläche, die gefüllt werden kann. „Alles wird unsichtbar“ wird so zum Entwicklungsroman, der den Helden, Milo, sein Leben neu überdenken lässt und ihn gereift zurücklässt.Soweit, sogut. Doch neben sehr intensiv erzählten Teilen – etwa wenn das Verhältnis zwischen Milo und seinem Vater beleuchtet wird, versinkt die Handlung immer wieder in Unwichtigem. Figuren tauchen auf und verschwinden wieder. Hinzu kommt das permanente Springen zwischen unterschiedlichen Zeitebenen. Mal sind wir mit Milo im Jugendknast, mal in seiner Kindheit, mal an der Universität. Wenn die Zeitebenen aufeinander bezogen sind, liest sich das gut. Doch das ist so gut nie der Fall und man hat als Leser immer wieder den Eindruck, gerade den Faden zu verlieren.Der Ost-West-Klamauk im Deutschland der 80er Jahre mag für amerikanische Leser lustig sein, auf mich wirkte er schlichtweg nur aufgesetzt und albern. Dieser Bruch ist sehr schade, denn Hadden gelingt es doch immer wieder nüchtern, lakonisch und ohne jeglichen Kitsch zu erzählen. Dennoch hat mich das Buch leider ab der Hälfte nicht mehr überzeugen können.

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    Wiebke_Schmidt-Reyers avatar
    Wiebke_Schmidt-Reyervor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Berührend, tragisch und doch mit einer gelungenen Prise Humor, erfrischend frei von Selbstmitleid
    Ein guter Junge scheitert am Leben - authentisch, berührend und frei von Selbstmitleid

    Milo ist ein Adoptivkind. Das strohblonde Adoptivkind eines schwarzen kubanischen Musikerpaares, dem die Flucht gelungen ist. Bongoschlagend und spanischsprechend wächst er in den 70-ern in der Bronx auf. Zu seinem sozialen Kreis gehört noch ein norwegischer so genannter Onkel namens Three Bags.


    Diese Ausgangslage ist eines John Irvings würdig. Aber wo sich die Geschichte bei Irving skurril, amüsant und anrührend entwickeln würde, wird sie bei Hadden bodenlos traurig: Bei einem fürchterlichen Autounfall, den er sogar selbst verschuldet, verliert Milo einen Arm und seine geliebte Adoptivmutter. Der verbitterte Vater behandelt den Jungen ab da wie Luft und kümmert sich gerade mal so viel um ihn, dass ihm nicht das Jugendamt auf die Pelle rückt. Es kommt, wie es kommen muss - allein gelassen und enttäuscht gerät Milo auf die schiefe Bahn, baut immer mehr Mist, bis er im Jugendgefängnis landet. Dank der Initiative eines erfolgreichen Unternehmers, der selbst eine Jugendkriminalitätskarriere hinter sich hat, können Milo und ein paar andere auf ein College gehen und sogar in ein Austauschsemester nach Deutschland. So ganz gelingt es Milo nie, seinen Frust hinter sich zu lassen (das wäre bei seinem bisherigen Werdegang auch etwas utopisch), aber auf seine Art findet er seinen Weg und kann sich mit einigen Dingen in seiner Vergangenheit aussöhnen.


    Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt und wechselt zwischen Episoden aus Milos Kindheit und früher Jugend und der Erzählung, wie er aus dem Gefängnis in das Bildungsprojekt entlassen wird, aufs College geht und schließlich nach Deutschland ab. Durch den beständigen Wechsel bleibt die Erzählung immer abwechslungsreich, und Milo wird zu einem vielschichtigen, authentischen Charakter, da man seine Kinderjahre immer bereits mit Wissen über seine spätere Entwicklung und seine kriminelle Entwicklung mit Wissen über seine traurige Kindheit verfolgt.


    Milos Geschichte ist tragisch und größtenteils ausweglos. Der rüde Umgang, den er mit Freunden pflegt, die deftige Sprache, sein Hang zur Gewalt werden durch die Verbitterungen, die er schon früh erfahren musste, nachvollziehbar. Und alles ist umso trauriger, als seine Ausgangslage eigentlich so vielversprechend war - ein aufgeweckter Junge und helles Köpfchen, umsorgt von seinen Adoptiveltern und eingebettet in eine künstlerische Szene, in der er zu einem großen Musiker hätte heranwachsen können. Selbst nach dem Verlust seiner Adoptivmutter und in der ersten Zeit, da er von seinem Vater links liegengelassen wird, bemüht er sich mit all der Tapferkeit, die ein kleiner Junge aufbringen kann, um ein anständiges Leben. Er ist eigentlich ein zutiefst guter Jungen; es reicht halt einfach nicht, die Enttäuschungen sind zu viele.


    Bei all der Tragik, der Grausamkeit und der Rohheit, die Milos Leben bestimmen, hätte der Roman leicht bedrückend und unerträglich werden können. Aber Milo als Ich-Erzähler erzählt seine Geschichte in einem Tonfall, der immer wieder auch Humor und hier und da Normalität durchklingen lässt, so, wie er selbst in seinem Leben doch immer wieder auch mal aufatmen und einen unbelasteten Moment erleben kann. Seine Erzählung ist gänzlich frei von Selbstmitleid und dabei doch selbstreflektiert - nüchtern, realitätsnah und klar. Eine Figur, mit der man persönlich nicht unbedingt zu tun haben möchte, für die man aber viel Verständnis aufbringt und der man alles Gute wünscht.

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    Vanessa-v8s avatar
    Vanessa-v8vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Eines meiner Jahreshighlights 2017.
    Ernste Themen

    Milano wächst in der Bronx der Siebziger auf. Als Adoptivsohn afro-kubanischer Eltern ist er der einzige spanischsprechende, bongospielende, fünfjährige Weiße weit und breit. Er ist anders als die Nachbarskinder, aber er ist glücklich. Bis zum Tag des Autounfalls.
    Er erwacht im Krankenhaus und sein linker Arm ist unsichtbar geworden. Was Phantomschmerzen sind, begreift er erst nach und nach: als seine Mutter stirbt. Als sein Vater ihn wie Luft behandelt. Als er alles verliert, was ihm je wichtig war.
    Lakonisch und so unsentimental, dass es einem die Tränen in die Augen treibt, erzählt Hadden in seinem Debütroman die Geschichte eines Abstiegs, der im Jugendgefängnis endet. Doch Milano erhält eine zweite Chance und macht sich auf die Suche – nach den unsichtbaren Dingen, nach seinen Wurzeln, und nach seinem Platz in dieser seltsamen Welt.

    Kapitel für Kapitel wird Milos Geschichte, die man erst am Ende in seiner Gesamtheit erfasst, erzählt. Dabei springt man durch Zeit und Ort. Am Anfang hatte ich damit so meine Schwierigkeiten, da die Szenen ohne weitere Erklärung gewechselt haben (jedoch wurde jedem Kapitel Ort und Jahr beigemerkt). Aber so war es auch ganz interessant, sich auf die Reise durchs Milos Vergangenheit zu machen um in der Gegenwart anzugelangen und diese auch zu verstehen zu können.
    Die Beschreibung der Charaktere hätte ein bisschen besser ausgeschmückt werden können, mir fehlte öfters die Glaubhaftigkeit und Originalität.
    Weiterhin hätte ich mir mehr Emotionen gewünscht. Zwar ist das Buch aus der Ich-Sicht geschrieben worden, aber so viele Gedanken von Milo hat man nicht erfahren. Was sehr schade ist, da er ja eine interessante Person ist und sehr viel zu erzählen hat.
    Da bin ich auch beim nächsten Punkt - das Buch behandelt sehr ernste Themen. Adoption, körperliche Behinderung, (selbstverschuldete) Unfälle, frühzeitiger Verlust der Eltern.. Es ist Mal etwas ganz anderes als die normalen Romane, die diese Themen zwar sich behandeln, es aber nicht mit einer solchen direkten, kalten Ernsthaftigkeit rüberbringen können.
    Deshalb gibt es für “Alles wird unsichtbar” von mir auch 3,5 also rund 4 Sterne

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    »Entweder erwachsen werden oder einen Weg finden, um zu sterben.«

    Stellt euch acht hohe, runde Türme vor, die einen großen, perfekten Kreis bilden und auf einer riesigen ehemaligen Mülldeponie stehen, wo kein Gras mehr wächst, egal, was man auf den Boden sprüht. Das ist VertiVille, und von oben sieht es aus wie die offene Trommel eines Revolvers.
    Dies ist das Setting in Gerry Haddens Debütroman „Alles wird unsichtbar“. Der Autor erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen Helden, der alles verliert, was ihm wichtig ist, und sich schließlich auf die Suche begibt nach seinen Wurzeln und nach seinem Platz in dieser seltsamen Welt.
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    Milano wächst in der Bronx der Siebziger auf. Als Adoptivsohn afro-kubanischer Eltern ist er der einzige spanischsprechende, bongospielende, fünfjährige Weiße weit und breit. Er ist anders als die Nachbarskinder, aber er ist glücklich. Bis zu jenem Tag, an dem ein tragisches Ereignis sein Leben maßgeblich verändert. Es ist der Tag, an dem er alles verliert, was ihm je wichtig war, an dem er lernt, was Phantomschmerzen sind und wie sehr Unsichtbares wehtun kann. Lakonisch und so unsentimental, dass es einem die Tränen in die Augen treibt, erzählt Gerry Hadden in seinem Debütroman die Geschichte eines Abstiegs, der im Jugendgefängnis endet. Doch Milano erhält eine zweite Chance und macht sich auf die Suche – nach den unsichtbaren Dingen, nach seinen Wurzeln, und nach seinem Platz in dieser seltsamen Welt.
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    Zum Autor
    Gerry Hadden ist in New York geboren und aufgewachsen. Als man ihm sagte, dass er sich aufgrund seines Aussehens besonders gut beim Radio machen würde, ging er zur BBC, wo er zwanzig Jahre als Korrespondent für Lateinamerika arbeitete. Heute produziert er Dokumentarfilme, die bereits mehrfach ausgezeichnet wurden. Er wohnt mit seiner Frau und ihren drei Kindern in Barcelona. »Alles wird unsichtbar« ist sein erster Roman.
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