Gershom Gorenberg Israel schafft sich ab

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Inhaltsangabe zu „Israel schafft sich ab“ von Gershom Gorenberg

"Ich schreibe aus einem Israel mit gespaltener Seele." Gespalten zwischen seinen demokratischen Idealen und religiösem Fanatismus. Zwischen der Illusion eines freien Staates und der Realität einer repressiven Besatzungsmacht. Und der Riss, der durch den Staat geht, wird immer größer. Der renommierte Historiker Gershom Gorenberg zeigt, vor welchen Herausforderungen Israel heute steht. Die drängende Frage lautet: Wie kann Israel verhindern, dass es sich selbst zerstört? "Eine scharfsinnige, unverzichtbare Analyse, ebenso besorgniserregend wie hoffnungsvoll." New York Times

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  • Wenn Ideal und Wirklichkeit nicht übereinstimmen, schafft sich dann die Wirklichkeit ab?

    Israel schafft sich ab
    R_Manthey

    R_Manthey

    17. July 2015 um 15:24

    Als der Autor vor mehr als drei Jahrzehnten als amerikanischer Student nach Israel kam, war er der Meinung, dass es sich bei diesem Land "um eine Gesellschaft handelte, in der ungewöhnliche Menschen ein ungewöhnliches politisches Engagement an den Tag legten". Ob diese Wahrnehmung durch die Realität tatsächlich gedeckt war, ist eher zweifelhaft. Gorenberg glaubte, dass "es eine Aussicht auf die Verwirklichung eines liberalen Zionismus gab: auf die Schaffung einer Gesellschaft, in der Juden in der Mehrheit sind, ..., ... aber auch einer Gesellschaft mit vollen Rechten für Nichtjuden, einer Demokratie im vollsten Wortsinn." Nun sieht er als israelischer Bürger diese Vision, die durch die israelische Verfassung gedeckt scheint, in Gefahr. Das versteht der Autor unter der Abschaffung Israels. Sein Buch, das für den deutschen Leser ohne Vorkenntnisse nicht immer einfach zu lesen ist, sieht er als "selektive und persönliche Reise durch Israels Vergangenheit und Gegenwart", um seine These zu untermauern. Israel müsse sich wieder auf sich selbst besinnen und sich in diesem Sinne neu gründen. Wie Gorenberg das meint, verdeutlicht er im letzten Kapitel dieses Buches. Wenn man ausblendet, dass Israel von feindlichen Staaten umgeben ist, die offen oder verdeckt seine Vernichtung anstreben, ergeben Gorenbergs Thesen tatsächlich einen Sinn. Doch der Kriegszustand, in dem sich das Land mehr oder weniger ständig befindet, und die unversöhnlichen Ansprüche von extremen ideologischen oder religiösen Positionen haben ganz offensichtlich zu einer Wirklichkeit geführt, die mit den idealen Vorstellungen bei der Gründung Israels nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Israel, so klagt der Autor, halte sich weder an seine eigenen Gesetze, noch an Verträge, die es unterschrieben habe. Vielmehr führe seine Siedlungspolitik und die direkte oder verschleierte Ungleichbehandlung der arabischen Bevölkerung des Landes zu einem anderen Staatswesen als das Verfassungsmodell es gebietet. Insbesondere der zunehmende Machteinfluss orthodoxer jüdischer Kreise sei in diesem Zusammenhang eine treibende Kraft. Inzwischen bestimmen die aggressiven Siedler, die ihre Landnahme als Forstsetzung einer zionistischen Tradition sehen und als religiöses Recht betrachten, und die ultraorthodoxe Bewegung der Talmud-Schüler bereits zu großen Teilen die israelische Politik. Wenn man dies besser verstehen möchte, ist das Buch eine sehr gute Quelle. Gorenberg schreibt eher episodenhaft, aber doch systematisch, und er schildert diesen Einfluss plastisch und exemplarisch. Die Talmud-Schüler weiten sich immer mehr zu einem sozialen Problem in Israel aus. Sie besitzen separate Schulen, die jedoch jede weltliche Ausbildung ausschließen. Der israelische Staat finanziert also ein für die Gesamtgesellschaft völlig nutzloses Bildungssystem dieser Bevölkerungsgruppe und muss sich obendrein um die Versorgung von Leuten kümmern, die eine hohe Reproduktionsrate aufweisen, aber zu keiner nützlichen Arbeit fähig sind, weil sie dazu keine Ausbildung besitzen. Die Siedler wiederum verhindern die angestrebte Zwei-Staaten-Lösung, die endlich Frieden in die Region bringen soll. Sie stellen jedoch auch wesentliche Teile des Führungspersonals der israelischen Armee. Das führte bereits zu ernsthaften Problemen. So kam es beispielsweise bei der Räumung des Gaza-Streifens zu Befehlsverweigerungen aus politischen Gründen, denn dort mussten Siedler in Uniform andere Siedler zur Aufgabe zwingen. Das Buch ist in erster Linie für den israelischen Markt geschrieben, und es ist selbstverständlich ein politisches Buch und keine systematische wissenschaftliche Abhandlung von einem neutralen Standpunkt aus. Das macht die Lektüre nicht immer einfach, weil der deutsche Leser die israelische Geschichte und ihre verschiedenen Strömungen nicht so kennt wie ein Israeli. Andererseits bietet dieser Text aber auch Einblicke, die sehr lehrreich sein und zu einer anderen Betrachtungsweise der israelisch-palästinensischen Beziehungen führen können. Der Autor orientiert sich bei seinen Darlegungen an gewissen intellektuellen Idealvorstellungen, die überall in der Welt gerne formuliert werden, doch an die sich kaum eine Regierung oder ein Staat hält. Natürlich kann man das beklagen, insbesondere wenn dies so offensichtlich ist wie in Israel. Doch der Glaube, dass ein Israel im demokratischen Idealzustand und eine Zwei-Staaten-Lösung dazu führen würde, dass sich auch alle Nachbarstaaten zu einer Form der westlichen Demokratie aufraffen würden, und dann die Existenz des jüdischen Staates anerkennen und begrüßen würden, erscheint dann doch etwas naiv. Wenn man etwas aus diesem Buch lernen kann, dann ist es ein besseres Verständnis der innenpolitischen Situation Israels und der sich daraus ergebenden außenpolitischen Konsequenzen. Ganz nebenbei wird dem Leser auch klar, wie außerordentlich verfahren die Lage in dieser Region wirklich ist.

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  • Rezension zu "Israel schafft sich ab" von Gershom Gorenberg

    Israel schafft sich ab
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    22. October 2012 um 13:08

    Seit Jahrzehnten ist Israel von feindlichen Staaten und Organisationen umgeben, die nichts anderes erstreben als seine komplette Vernichtung. Mehrfach haben sie es auch versucht und sie lassen in diesem Bestreben nicht nach. Jedes Jahr bei der UNO-Vollversammlung erklärt der iranische Präsident, er wolle diesen Staat von der Landkarte tilgen, und dass die Araber die Juden allesamt ins Meer treiben wollen, haben sie schon vor Jahrzehnten erklärt und wiederholen es regelmäßig. Da scheint es verständlich, dass sich ein Staat schützt und gegen seine Feinde wappnet. Doch die Politik des Staates Israel unter den unterschiedlichsten Regierungen gegenüber den palästinensischen Bewohnern des Landes und gegenüber den immer zahlreicher und mächtiger werdenden Orthodoxen und der mit ihnen verbandelten radikalen Siedlerbewegung haben das Land, das nach wie die einzige Demokratie in Nahen Osten ist, in eine tiefe Krise gestürzt. Israel und seine Besatzungspolitik spielt eine zentrale und immer problematischer werdende Rolle in einem Konflikt, der das Potential hat, die halbe Welt in Brand zu setzen Über kaum einen Konflikt wird so viel und so kontrovers diskutiert wie über den Nahost-Konflikt - gerade in Deutschland mit seiner historischen Verantwortung für den Staat Israel. Aber wie immer sind es die Menschen, Israelis und Palästinenser, die einen hohen Preis für diesen Konflikt bezahlen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Lebensverhältnisse: Israelis und Palästinenser sind längst Opfer eines Konflikts, der sie zu seinen Gefangenen gemacht hat und sie einschließt in die ungleichen Positionen und Rollen, die die gegebenen Machtverhältnisse ihnen zuweisen. Seit einiger Zeit macht in Israel und durch eine Ausstellung auch in Europa eine Organisation mit dem Namen "Das Schweigen brechen" (Breaking the Silence), getragen von Reservistinnen und Reservisten der Israelischen Verteidigungsarmee, die alltägliche Praxis der Besatzung und deren Folgen öffentlich. Keiner von ihnen zweifelt das Recht Israels auf einen eigenen Staat an. Doch die Praxis der Unterdrückung in den besetzten Gebieten droht genau diesen Staat, der doch Schutz bieten sollte für alle Juden der Welt, zu zerstören. Die systematische Missachtung der Menschenrechte höhlt schon seit langem die Demokratie Israels aus. Avo Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland, schreibt: Es geht „um nichts Geringeres als um die Menschenrechte und damit um das Überleben ihres Staates Israels. Denn dies sind für ‚Breaking the silence’ zwei Seiten einer Medaille.“ Und er versichert: "Diese jungen Frauen und Männer wollen niemanden verleumden, sie wiederholen keinen Tratsch und Klatsch, sie verbreiten keine Gerüchte. Sie erzählen nur das, was sie selbst gesehen haben oder sogar: was sie selbst getan haben." (Vgl. Breaking the silence. Israelische Soldaten berichten von ihrem Einsatz in den besetzten Gebieten, Econ 2012). Nun ist etwa zeitgleich mit diesem Buch ein Buch des orthodoxen Juden Gershom Gorenberg erschienen, einem der renommiertesten Experten für den Nahostkonflikt und die Geschichte Israels. Eines Israel, aus dem er „mit gespaltener Seele“ schreibt. Denn so wie er selbst ist auch sein geliebtes Land „gespalten zwischen seinen religiösen Idealen und religiösem Fanatismus.“ Und es geht ein Riss durch die ganze Gesellschaft – hier die Illusion eines freien Staates, der durch die äußere Bedrohung über Jahrzehnte eben nicht frei ist, und dort die zum Teil brutale Besatzungspolitik, über deren zum Teil traumatischen Folgen für die Soldaten das oben erwähnte Buch berichtet. Sie ist, so wird immer wieder in den letzten Jahren von vielen Intellektuellen in Israel hingewiesen, der Grund für den drohenden Tod der Demokratie in Israel und somit auch das Ende des einst als Hort für alle bedrohten Juden in der Welt gegründeten säkularen Staates. Eines einst säkularen Staates, in dem die religiösen Parteien ihren Einfluss und ihre Macht stetig weiter ausbauen konnten. Wie nun, so lautet die Frage, der Gershom Gorenberg in diesem lesenswerten Buch nachgeht, wie kann die israelische Gesellschaft verhindern, dass sie sich und ihren Staat selbst zerstört? Nach einer scharfsinnigen Analyse kommt er zu folgenden Schlüssen: Die Unterscheidung zwischen Juden und Nichtjuden sollte bei der Einwanderung keine Rolle mehr spielen. In einer Zweistaatenlösung können die „Juden ihre Selbstbestimmung in einem jüdischen Staat verwirklichen und das Recht auf Einwanderung in diesen besitzen; gleichermaßen müssen ethnische Palästinenser das Recht auf Einwanderung in einen neuen palästinensischen Staat bekommen – nicht nach Israel.“ An die jüdische Diaspora besonders die in den USA richtet er einen dringenden Appell: „Statt so zu tun, als sei Israel das Land, das sie sich wünschen, oder es aufzugeben, weil es diesem Wunsch nicht entspricht“ sollen „sie helfen, es dazu werden zu lassen“. Doch die größte Verantwortung, so Gorenberg, haben die Israelis selbst. Die Entscheidungen, die es heute trifft, „werden bestimmen, ob seine Anfänge als Geburt eines gescheiterten Staates oder einer erfolgreichen Demokratie in Erinnerung behalten werden.“ Als dringend nötige Entscheidungen nennt er: • die Beendigung der Besatzung • die Garantie voller Gleichheit • die Trennung von Staat und Synagoge Sie seien nicht nur möglich, sondern für die Zukunft Israels entscheidend. „Wir können Israel erlauben mit seiner Selbstdemontage fortzufahren, oder wir können uns dafür entscheiden, es neu zu gründen.“ Dieser an eine israelische Leserschaft gerichtete Appell könnte aber auch entscheidende Hinweise geben darauf, wie ein deutsche und europäische Israel- und Nahostpolitik aussehen könnte, die nicht philosemitisch ist oder einer irgendwann einmal erklärten Staatsraison folgt, sondern die wirklich solidarisch ist, mit allen Bewohnern des Landes. Es bewegt sich etwas in der israelischen Bevölkerung. Leider sind diese Kräfte immer noch so schwach, dass sie wahrscheinlich auch nach der nächsten für den Januar 2013 angesetzten Neuwahl des israelischen Parlaments keine wesentliche Rolle spielen werden. Doch die Zahl derer, die in Israel für den Erhalt ihrer demokratischen Gesellschaft kämpfen wollen, wächst. Mögen sie die von Gorenberg angedeuteten dringenden Unterstützungen erfahren.

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