Ein weiterer Bildband zum Thema Voodoo-Religion, mit ausdruckstarken Fotos, die, trotz der Intimität, die rituelle Handlungen und "Besessenheit" mit sich bringen, den fotografierten Menschen ihre Würde lassen.
Chesis Begleittext beschränkt sich nicht einfach nur darauf, die Bilder zu erklären, sondern er versucht dem Einfluss der westlichen Errungenschaften auf die westafrikanische Kultur nachzugehen, wobei er natürlich sein Hauptaugenmerk darauf richtet, wie die Voodoo-Tradition sich unter diesem Einfluss gewandelt hat. Hierbei vergleicht er öfters seine schon weiter zurückliegenden Erfahrungen, die er beim ersten Kontakt mit diversen Voodoo-Praktizierenden in Westafrika machte, mit dem, was er heute erleben konnte. Man bekommt einen Eindruck davon, wie sehr der westafrikanische Voodoo es schafft, eine Brücke zu schlagen, zwischen alter (westafrikanischer) Tradition und moderner (westeuropäischer) Zeit, ohne die afrikanische Tradition zugunsten einer westlich orientierten Lebens- und Denkweise aufzugeben. Chesi lässt die Menschen selber zu Wort kommen, zeichnet den einen oder anderen Lebensweg nach und vermittelt einem so, in wie weit die Tradition des Voodoo auch das alltägliche Leben der Menschen und damit auch der westafrikanischen Gesellschaft beeinflusst, auch wenn es zwischen den Traditionen einzelner Ethnien Unterschiede gibt und sich grade auch die gebildeten Afrikaner gerne von ihrem spirituellen Erbe lossagen, da ihnen immer noch unterschwellig vermittelt wird, dieses magische (prälogische) Denken sei primitiv. Doch selbst den konvertierten Christen oder Muslimen ist magisches Denken nicht fremd und so kommt es, dass nicht nur diese offiziell "bekehrten" Menschen immer noch großen Respekt vor dem Glauben ihrer Ahnen haben (und auch auf Voodoo-Zeremonien zu finden sind), sondern das auch der Voodoo selbst sich aus dem Fundus der großen Weltreligionen bedient. Daher findet man an den Wänden einzelner Voodoo-Tempel auch die Abbildung von christlichen Heiligen, oder hinduistischen Gottheiten, oder man setzt bei der Herstellung von Fetischen auch auf die (geschriebene) Macht des (Koran) Wortes.
So sind es eigentlich zwei Bücher in einem; einerseits die Fotos, die die Kraft des Voodoo auf ihre Weise ausdrücken und für sich alleine sprechen und andrerseits die eher ethnologische Betrachtungsweise der (nicht nur positiven) Auswirkungen einer technisierten, individuumskonzentrierten Kultur auf eine eher naturverbundene, bei der die Gemeinschaft und das gemeinsame Erleben im Vordergrund steht.
Ein faszinierendes und ehrliches Buch, dass ich jedem empfehlen kann, der bereit ist, sich vorurteilsfrei mit der reichen spirituellen Tradition Westafrikas zu beschäftigen.
Einblicke in die westafrikanische Voodoo-Religion



