Gert Heidenreich Der Fall

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Inhaltsangabe zu „Der Fall“ von Gert Heidenreich

Wie klärt man den eigenen Mord auf?

Der pensionierte Kriminalkommissar Alexander Swoboda will im Morgenlicht die Steilküste der Normandie malen. Da stürzt ein Mann vor ihm von den vierzig Meter hohen Kreidefelsen. Als Ex-Polizist müsste er zu dem Toten gehen. Als Maler wendet er sich ab. Doch weit kommt er nicht. Er wird erschossen, und der Fall des Mannes von den Klippen wird zum Fall Swoboda. Aus dem Jenseits muss er die Morde aufklären – und hat keine Ahnung, wie das gehen soll.

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  • Krimi, philosophische Überlegung und Gesellschaftskritik

    Der Fall

    michael_lehmann-pape

    12. November 2014 um 11:55

    Krimi, philosophische Überlegung und Gesellschaftskritik Da ist diese Runde schwerreicher Leute, die sich in diesem feinen Schloss an der Loire treffen. Die, einer nach dem anderen, vor Ort eintreffen (Gelegenheit im Übrigen für Heidenreich, diese Personen dem Leser flüssig und eingehend vorzustellen). Leute, die alles erreicht haben. Erfolg, Karriere, Schwarzgeld. Menschen, die auf die finanziellen Regeln der Gesellschaft nichts geben, außer dass es sie einen guten Steuerberater kostet, der die Schlupflöcher, auch die nicht legalen, für sie findet. Doch die Geister, die man rief, wird man so schnell nicht los. Vor allem, wenn einer der Berater nicht unbedingt bereit ist, sich damit zufrieden zu geben, durch seine Einkünfte „nur“ im oberen Drittel der Gesellschaft sich anzusiedeln. Eigentlich müsste die illustre Runde das gut verstehen. Doch wenn einer an den eigenen Kuchen will, dann kann es schon einmal einen „Fall“ geben (im wahrsten Sinne des Wortes). Männer fürs Grobe hat man ja. Aber auch bei denen ist Vorsicht geboten. Dumm sind die nicht und Reichtum erkennen die schon, wenn sie ihn sehen. Und Lust auf einen gedeihlichen Betrag hat man auch, wenn man für seine dreckigen Aufträge ganz gut bezahlt wird. Gier ist überall und auf jeder Ebene und weit verbreitet der „moderne“ Grundantrieb, so stellt es Heidenreich dem Leser ohne moralinsauren Zeigefinger vor die Augen. In all dies gerät der pensionierte, weniger Lebens- denn menschensatte ehemalige Kriminalkommissar Alexander Swoboda hinein. Eigentlich will er nur malen. Ungestört. So ungestört, dass er mit aller Kraft versucht, diesen schreienden Körper zu ignorieren, der von der Klippe an der französischen Küste gestoßen wird. Wenn da nicht die alten Reflexe wären, wenn da nicht diese Schüsse wären, die gezielt nun auf ihn abgefeuert werden. Und am Ende, als er alles überstanden glaubt, wird er erschossen. Bevor es hinüber gehen kann in das „große Licht“ (den Grenzfluss zum Tod hat er bereits per Fähre überquert), hält ihn ein Junge auf. So einfach wird er das Geschehen um den Fall nicht loswerden. Denn der „Fall von der Klippe“ ist nicht nur ein „Kriminal-Fall“, sondern auch ein „Lebens-Fall“, eine offene Rechnung, die Swoboda nicht ignorieren darf, will er frei für die nächste Ebene werden. Moralische und philosophische Überlegungen sind es, die Heidenreich hier in ruhigen Worten mit einfließen lässt. Die es auch braucht, um den Leser das Befremdliche der Situation schmackhaft zu machen, diese „Ermittlungen aus dem Jenseits“ mit ihren mythologischen (der Fährmann) und inneren Bildern (das Gespräch quasi mit sich selbst in „reiner Form“). Denn es sind verschiedene Ebenen und auch Themen, die Heidenreich (mit sprachlich hoher und intensiver Qualität) in seinem Roman verarbeitet (wobei es schon störend aus dem Lesefluss herausreißt, dass er sich hier und da wie ein „guter alter Geschichtenerzähler“ an den Leser wendet. „Mitten in unserer Verwirrung wenden wir uns von den Toten ab und der diesseitigen Welt zu“.). Da ist die Frage der Misanthropie, des „Genug-Habens“ von den Menschen, die Swoboda sicherlich nicht alleine betrifft angesichts der Zustände auf der Welt und in der nächsten Nachbarschaft. Da ist die Frage nach dem, was ein Leben abrundet oder abschließt, innerlich frei macht. Da ist der Spiegel für die Gier der Gesellschaft, die auf allen Ebenen der Figuren nur mehr Eurozeichen in und vor den Augen zu haben scheint. Eine Haltung, die vom „Club der Trinker“ (jenen Reichen auf dem Schloss) bis zum einfachen Hausangestellten reicht. Und ganz nebenher bietet Heidenreich einen zunächst sonnenklar scheinenden Kriminalfall (Auftrag, Motiv, Mörder wirken bekannt), der doch noch seine Wendungen nehmen wird und nicht vorschnell abgehakt werden sollte. Vielfache Themen, in Teilen zu viele, sprachlich glänzend und dicht vorangetrieben (mit einigen Irritationen der Einbeziehung der Leser), verschiedene Ebene und überzeugende Personen machen diesen ganz anderen Kriminalroman mit seinem melancholischen, jenseitigen Ermittler zu einer durchaus interessanten Lektüre, die allerdings den Kriminalfall eher nach hinten stellt im Reflektieren der verschiedenen Themen im Buch.

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  • Swobodas letzter Fall?

    Der Fall

    Alexandra_Luchs

    26. September 2014 um 14:35

    Eigentlich möchte Swoboda (mal wieder) die Klippen von Les Petits Dalles in wunderschöner Morgensonne zeichnen. Er ist gerade auf dem Weg zu seinem angestammten Platz, als er oben auf den Klippen einen Mord beobachtet. Schneller als geahnt, kommt der unfreiwillige Zeuge ins Visier des Mörders und wird tödlich getroffen. Das verhagelt Swoboda ganz schön den Tag, hält ihn aber nicht davon ab diesen letzten Kriminalfall seines Lebens… beziehungsweise Todes… zu ergründen. Die Idee, dass der pensionierte Kriminaler Swoboda in seinem eigenen Mordfall ermittelt, hat mich von Anfang an begeistert. In meiner Vorstellung bot das Stoff für skurril-witzige Episoden oder spannende „Erlebnisse“ des frisch Verblichenen. Die eigentliche Umsetzung der Abschnitte unseres jenseitigen Protagonisten war dann völlig unerwartet sehr künstlerisch und philosophisch, manchmal aber leider auch schleppend und etwas ziellos. Irgendwie gibt es für mich bei „Der Fall“ eine ganze Menge für und wider. Die Idee hat mich wie gesagt schon vor der ersten Seite überzeugt und mir auch während des Lesens gut gefallen. Die Themen waren dabei noch deutlich Abwechslungsreicher als zuerst vermutet. Neben Kunst und Kultur lernen wir auch noch eine ganze Menge über Steuerbetrüg, Schwarzgeld und Finanzhaie. Zusätzlich hat die Geschichte tolle Charaktere, wie dem toten Swoboda und dem raffgierigen Buchhalter Rakowski, zu bieten. Soweit wäre die Sache eigentlich ziemlich klar und „Der Fall“ ohne Bedenken zu empfehlen. Leider hängt da noch ein kleines „aber“ in der Luft. Da wäre allem voran der Schreibstil des Buches zu nennen. Eigentlich bin ich bekannt dafür, dass ich es etwas komplizierter und schnörkeliger mag. Meine eigenen Sätze haben Bandwurmpotential und ich mag es auch mal Schwafelig. Der Stil von „Der Fall“ hat mir aber echte Probleme bereitet. Die Sätze sind lang und schachtelig, das bringt manchmal einen sehr feinen Humor, hat mich aber auch manchmal einfach überfrachtet. Denn jeder Satz scheint mit einer unübersichtlichen Menge an Informationen angereichert, dass ich zum Teil den Überblick verloren habe. Da kommen Namen von Landstrichen, Straßen, Personen, Speisen und Weinen, der Hintergrundmusik und des Künstlers vom Stillleben an der Wand wild in jeden sich bietenden Winkel des Satzes. Wer sich in französischer Geographie besser auskennt und Speisen und Getränke besser einzuordnen weiß wird das vermutlich flott überlesen, ich war zum Teil einfach irritiert. Der zweite Teil des kleinen „abers“ ist die Spannung, die durch diesen etwas sperrigen Schreibstil leider nicht so recht aufkommt. Die spannenden Abschnitte werden durch viele gestelzte Zwischenstücke immer wieder ausgebremst, manchmal passt das atmosphärisch, manchmal ist es einfach ein bisschen ungünstig. Unterm Strich ist „Der Fall“ mit 3 von 5 Sternen für mich ein klares Unentschieden. Tolle Aspekte werden von größeren Kritikpunkten zwar gebremst, haben mir aber die Lesefreude nicht völlig verhagelt. Ich glaube das Buch könnte Lesern von anspruchsvollen Krimis immer noch gut gefallen, wenn man sich auf die besondere Sprache und Atmosphäre einlässt und dann die Qualitäten des Buches besser genießen kann.

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