Der Roman erschien erstmals 2021 und spielt vor dem Hintergrund des schweren Zugunglücks von Genthin im Dezember 1939, bei dem mindestens 186 Menschen ums Leben und das bis zum heutigen Tag der schlimmste Reisezugunfall der deutschen Geschichte ist. Der Roman ist in drei prägende Abschnitte gegliedert. Im ersten Abschnitt geht es um das Unglück und seine Ursachen, im zweiten um eine bei dem Unfall verletzte Halbjüdin, ihren jüdischen Verlobten und ihren Reisepartner. Im dritten Teil geht es um die Familiengeschichte des Ich-Erzählers, der einen Teil seiner Kindheit im Unglücksort verbrachte. Es folgen noch einige Einsprengsel aus dem Notizbuch des Ich-Erzählers und ein überraschendes, aber arg unwahrscheinlich daherkommendes Ende.
Ich fand den Roman recht schwer zugänglich und habe mich im ersten Teil gefragt, wann die Geschichte endlich losgeht und der „Polizeibericht“ über das Unglück endet. Das passiert erst im zweiten Abschnitt und ab da macht die Lektüre deutlich mehr Freude und man wartet gespannt auf die Zusammenhänge. Doch leider wird man enttäuscht, denn der Autor lässt einfach haufenweise Fragen offen, z.B. warum Carla einen falschen Namen genannt hat, warum eine Mutter ihren Sohn verleugnet, welche Probleme Lisa plötzlich beim Ferienhaus ereilten etc. etc.
Sehr lehrreich fand ich den Aspekt mit dem Vater des Ich-Erzählers, denn ich habe mich öfter mal im Laufe der Geschichte gefragt, was denn mit dem Vater des Jungen ist. Erst als die Sache aufgelöst wurde, ist mir klar geworden, dass es für die Kinder der Kriegsgeneration nichts Ungewöhnliches war, wenn kein Vater anwesend war.
Diese Erkenntnis reicht aber nicht für einen guten Roman, denn insgesamt konnte mich der Roman nicht wirklich begeistern, sondern hinterlässt einige Fragezeichen und damit Enttäuschung, denn ich habe mir deutlich mehr Substanz und Aufklärung erwartet. Zwei Sterne.


















