Muttergehäuse

von Gertraud Klemm 
4,5 Sterne bei37 Bewertungen
Muttergehäuse
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (33):
elane_eodains avatar

Gertraud Klemm erzählt mit Themenwucht & Sprachgewalt tief ins Innerste der Leserin hinein. Meinen herzlichen Dank für dieses Buch!

Kritisch (2):
Wortstaubglitzerns avatar

Ich hätte es fast abgebrochen. Der Schreibstil ist gut, jedoch ist die Protagonistin vollkommen unsympathisch.

Alle 37 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Muttergehäuse"

Eine Frau will ein Kind, aber ihr Körper versagt es ihr. Also nimmt sie den Kampf gegen sich selbst auf und macht ihre Umgebung zum Feind. Als sie sich zur Adoption eines afrikanischen Kindes entscheidet, ist ihr Versagen für alle

sichtbar. Freunde werden zu Fremden, der Alltag wird zum Hürdenlauf, der auch dann nicht endet, als das Kind kommt. Die Mühlen der Bürokratie tun ihr Übriges.
Ein kämpferischer Roman, ein Plädoyer für ein Leben abseits der Norm.
Gertraud Klemm ist Meisterin darin, der Gesellschaft einen schonungslosen Spiegel vorzuhalten. In wütender und poetisch kraftvoller Sprache entblößt sie ihre Figuren, bis sie vollkommen nackt vor uns stehen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783218010238
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:Kremayr & Scheriau
Erscheinungsdatum:01.02.2016

Rezensionen und Bewertungen

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    Wortstaubglitzerns avatar
    Wortstaubglitzernvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ich hätte es fast abgebrochen. Der Schreibstil ist gut, jedoch ist die Protagonistin vollkommen unsympathisch.
    Nicht lesenswert...

    Bei diesem Buch ist etwas eingetroffen, was bei mir nie vorher der Fall war: Ich musste mich zwingen, es zuende zu lesen. Denn das Einzige, was mich am Buch fesselte, war der Schreibstil. Die Protagonistin ist unsympathisch und nervig, auch wenn man sie verstehen kann.

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    aspecialkates avatar
    aspecialkatevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein scharfsinniger, berührender Roman über Kinderlosigkeit und Adoption!
    Berührend, schockierend, ehrlich und brillant!

    Eine Schwangerschaft ist für viele Frauen ein bedeutsames, unvergessliches Lebensereignis, das von gesellschaftlichen Normen geprägt wird. Doch was geschieht, wenn eine Frau sich sehnlichst ein Kind wünscht, aber ihr Körper es ihr verwehrt? Wie geht eine Frau damit um und wie reagiert das soziale Umfeld darauf? Wie wirkt sich ein unerfüllter Kinderwunsch auf den Körper, die Seele und auf soziale Beziehungen aus? Fügt man sich diesem Schicksal oder macht man sich auf die Suche nach Alternativen wie eine Adoption?

    Der Inhalt des Buches gliedert sich in drei Phasen (Mutter, Kind, Papier):

    Teil 1 (Mutter): Mit 33 Jahren versucht die verheiratete Protagonistin das erste Mal schwanger zu werden. Die Ernüchterung lässt nicht lange auf sich warten und sollte nicht die einzige bleiben. Der gesellschaftliche Druck wird in den vergangenen Jahren der Kinderlosigkeit immer spürbarer und schmerzhaft haftet er sich an eine verwundbare Seele fest. Auch die biologische Uhr beginnt immer lauter zu ticken. Während um sie herum überall Leben entsteht, Freunde und Verwandte mit Kindern gesegnet werden, scheint es so, als würde ihr Körper nur sie im Stich lassen. Die ganze ausweglose Situation zerrt nicht nur am Körper, der Schwangerschaften vortäuscht, sondern schwächt auch das angeschlagene Nervengerüst und wird von Albträumen und verstörenden Traumepisoden begleitet. Die unerfüllte Schwangerschaft wird zu einer alltäglichen, ehelichen und zwischenmenschlichen Belastungsprobe, ehe ein schicksalsträchtiger Tag dazu führt, dass das Paar neue Wege einschlägt.

    Meine persönlichen Ansichten zu Teil 1: Der Autorin ist es hervorragend gelungen, die Ausweglosigkeit, Verzweiflung und Ohnmacht zu beschreiben, die eine Frau fühlt, wenn sie nicht schwanger wird. Mich hat vor allem diese Ehrlichkeit beeindruckt, die oftmals erschüttert, aber die Situation für Nicht-Betroffene verständlich macht. Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin die Auswirkungen dieser Situation schildert.

    Teil 2 (Papier): Der Entschluss zu einer Adoption ist der Beginn einer weiteren Odyssee an Rechtfertigungen, Erklärungen und Vorurteilen. Vor allem dann, wenn dieser damit verbunden ist, ein Kind aus einem fernen Land zu adoptieren. Die Jahre des Schmerzes, der Verzweiflung und Trauer sind der Euphorie und einer Freude, die mit Gleichgesinnten geteilt wird, gewichen. Die Protagonistin stellt sich mit einer neu gewonnenen Form von Direktheit und Schamlosigkeit ihren inneren und äußeren Dämonen. Während sie ihrem eigenen Körper schon längst den Kampf angesagt hat, beschließt sie, sich auch nicht der Umgebung zu beugen und ebenso den Kampf gegen den bürokratischen Spießrutenlauf anzunehmen.

    Meine persönlichen Ansichten zu Teil 2: Die Autorin verdeutlicht hier sehr gut, mit welchen Hürden man konfrontiert ist, wenn man sich zu einer Adoption entscheidet. Ich fand es sehr interessant und auch erschütternd, denn es wirkte auf mich so, als würde sich das Trauma der Kinderlosigkeit ein weiteres Mal wiederholen. Besonders gefallen hat mir der Wille der Protagonistin, nicht aufzugeben und weiterzukämpfen. Auch diese pure Ehrlichkeit der Gefühle, dieses Aufbäumen gegen diese Ungerechtigkeit ist beeindruckend und kann sehr vielen Betroffenen helfen.

    Teil 3 (Kind): Die Herausforderungen nehmen kein Ende, als das lang ersehnte Kind endlich in das Leben des Paares tritt. Natürliche mütterliche Ängste vermischt mit den vergangenen, traumatischen dringen empor und die verborgene Hoffnung auf ein eigenes Kind bleibt. Doch das „Muttergehäuse“ ist mit der Zeit so gefestigt und bietet dem feinfühligen Innenleben einen ausreichenden Schutz vor schädigenden äußeren Einflüssen, sodass eine weitere „Windungsrichtung“ eingeschlagen wird.

    Meine persönlichen Ansichten zu Teil 3: Ich fand es als Leserin sehr schön, diesen Entwicklungsprozess mitzuverfolgen und zu erkennen, dass die Protagonistin an diesen Herausforderungen gewachsen ist. Obwohl ich anfangs von dieser Ehrlichkeit und den oft harten Worten etwas verstört war, hat sich diese Beklemmung gelöst und das Buch hat zuletzt noch sehr lange nachgewirkt und mich positiv überrascht.

    Der Roman "Muttergehäuse" von der österreichischen Autorin Gertraud Klemm ist scharfsinnig und zutiefst berührend. Sie spricht darin ein aktuelles, tabuisiertes Thema der modernen westlichen Gesellschaft an, das auf autobiographischen Wurzeln beruht. Dabei verzichtet sie auf Zurückhaltung und fasst das Schicksal der Kinderlosigkeit nicht mit Samthandschuhen an. Sie erzählt mit fesselnder, teils schockierender und stilistisch hervorragender Ausdrucksweise Episoden aus dem Leben einer jungen Protagonistin, die gegen ihre ungewollte Kinderlosigkeit ankämpft, daran scheitert und fällt, jedoch wieder aufsteht und sich auf anderen steinigen Wegen ihren Kinderwunsch erfüllt. Dieser Roman handelt von einer starken, mutigen Frau, die gegen sich selbst, die Bürokratie und die Herausforderungen im Alltag mit einem adoptierten Kind ankämpft. Ein besonders lesenswerter Roman, der einen ehrlichen, ungeschönten Einblick in das Leben einer betroffenen Frau gibt und sich dabei auch an Nicht-Betroffene richtet.

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    Corsicanas avatar
    Corsicanavor 2 Jahren
    Mutterkult

    In unserer Gesellschaft werden zu wenig Kinder geboren. Das liest man immer wieder. Um die Kinder, die geboren werden, wird zu viel Kult aufgebaut - oder sie werden vernachlässigt. Auch dies liest man immer wieder. Wie soll eine Frau sich angesichts dessen für die Mutterschaft entscheiden, wenn sie doch nur scheitern kann? Und wenn sich die Frau dann entscheidet - wie wird sie sich fühlen wenn es nicht klappt? Wenn ihr Körper (Gehäuse?) kein Kind wachsen lässt?

    Dies alles ist ein Thema, das ausgiebig in den Dossiers von Frauenzeitschriften und Magazinen ausgebreitet und diskutiert wird.

    Dieses Buch nähert sich dem Thema literarisch. Die Gratwanderung, keinen weiteren Ratgeber zu schreiben schafft die Autorin durch zwei Aspekte: Erstens durch rein subjektive Beschreibungen der seelischen und körperlichen Zustände seiner Protagonistin auf dem langen Weg der Enttäuschung. Und zweitens durch das Einbinden von Traum-Beschreibungen und Bildern, die diesen Weg der Enttäuschung fast besser beschreiben als der Rest des Textes.

    Ich habe selbst ein (leibliches) Kind. Und ich kann die Kritik der Autorin an diesem Mutterkult  sehr gut nachvollziehen. Diese Ansicht, jede Mütter wüsste, was das Beste für ihr Kind ist - bloß weil es 9 Monate im Bauch heranwächst - Schwachsinn. Keiner lernt das Eltern-Sein, jeder macht Fehler, Und eine natürliche Eingebung, wie man Kinder erzieht kommt sicherlich nicht durch die Schwangerschaft sondern durch die eigene Sozialisation. Die Autorin verweist hier nicht ohne Grund auf die vielen Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen. Hier greifen die Ämter viel zu oft viel zu spät ein. Aber die Eltern, die sich für eine Adoption entscheiden - die werden geprüft und geröntgt. Und doch sind sie für viele nur eine Art Eltern-zweiter-Klasse. In meinem persönlichem Umfeld merke ich das zwar nicht - aber diesen Kult, diese ewigen Spielplatz-Gespräche um nichts anderes als Brei und Windeln - das habe ich erlebt. Manche Mütter scheinen vor dem Kreißsaal ihre Intelligenz abzugeben. 

    Als die Protagonistin sich ihren Kinderwunsch durch eine Adoption erfüllt, gerät sie auch in diesen Mütter-Spielplatz-Zirkel. Und wieder fühlt sie sich ungenügend. Vielleicht weil sie denkt, dass wieder etwas nicht "normal" ist? 
    Es dauert, bis sie sich durch Wut und Enttäuschung und Unsicherheit durchgearbeitet hat und ihren eigenen Weg findet.

    Dieser Weg wird in einem schmalen Buch beschrieben. Sehr ergreifend und aufschlussreich. Und nicht nur interessant für Frauen, die keine Kinder bekommen können. 

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    leucoryxs avatar
    leucoryxvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Es hat mich leider nicht erreicht.
    Ungewohnter Schreibstil zu einem ungewohntem Thema

    In dem Buch "Muttergehäuse" berichtet die Autorin von ihrem Wunsch Mutter zu werden, welcher ihr auf natürlichem Wege verwehr bleibt. Aus langem Hoffen wird irgendwann Verzweiflung. Schließlich entscheidet sie sich für eine Adoption.

    Das Cover ist schön und der Titel so ungewöhnlich wie das behandelte Thema. Der Schreibstil ist sehr kurz und prägnant. Anfangs hilft es eine düstere Grundstimmung aufzubauen, aber mit der Zeit stört der Schreibstil sehr. Es sind mehr Wortfetzen und GEdanken als wirkliche Erläuterungen. Das ist nicht gerad ehilfreich, wenn man sich mit der thematik nciht auskennt. Jemand, der in der gleichen Situtation steckt, wird sich sicherlich wiederfinden in der Geschichte, aber für einen Außenstehenden ist und bleibt es schwer nachzuvollziehen. In ihrem verzweifelten Versuch Mutter zu werden kriselt irgendwann ihre Partnerschaft, sie distanziert sich von ihren Freunden und entwickelt eine merkwürdige Einstlleung ihres Körpers gegenüber. Es ist durchaus gelungen die bedrückende und verzweifelte Situation zu schildern und die Reaktionen und Gedanken sind sicherlich zwangsläufig da, aber dennoch fehlte mir hier der Hoffnungsschimmer. Selbst die Lösung Adoption stellt sich alsbald als nicht ideal heraus. Auch hier werden Behörden und Freunde eher zu Feinden. Gutgemeinte Fragen scheiden ins Fleisch.
    Ich denke, es wir dhier einw ichtiges Thema aufgegriffen und ganz neu bearbeitet. Aber für mich als Außenstehende war es jedoch schwer sich wirklich hinheinzuversetzen und die Verbissenheit nachzuvollziehen.

    Für Betroffende sicherlich eine Leseempfehlung und auch für Außenstehende sicherlich eine Denkanstoß, aber wirklich ergriffen hat mich die tragische Situation dennoch nicht.

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    Sumsi1990s avatar
    Sumsi1990vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Definitiv ein Buch, welches in dieser Situation beistehen kann!
    Muttergehäuse

    Wiedermal ein Buch im Rahmen der Romane-Challenge beendet :)

    Allgemein:
    Das Cover dieses Romans ist ein Traum. Auch wenn man den Schutzumschlag herunternimmt, hat man am Buchrücken wunderschöne Verziehrungen. Das hat mich wirklich einfach schwer beeindruckt, obwohl ich im Normalfall nicht auf so etwas achte.

    Das Layout des Textes ist auch bemerkenswert. Der Roman teilt sich in kurzen Kapiteln auf. Zwischendurch lässt und die Protagonistin immer wieder an Traumausschnitten teilhaben. Das hat mir sehr gut gefallen und hat die Geschichte aufgelockert.

    Inhalt:
    In diesem Roman geht es um eine Frau Mitte dreißig, welche einen starken Kinderwunsch in sich trägt, den ihr die Natur leider verwährt. Nunmehr ist man mit Mitte 30 aber überall von (werdenden) Müttern mit ihren Kindern umgeben, was die psychische Situation für eine betroffene Frau natürlich sehr in Mitleidenschaft zieht. Es werden die Möglichkeiten ein Kind zu bekommen abgewägt und entschließt man sich letztendlich zu einer Adoption. Der zweite Teil des Buches befasst sich dann mit der Adoptivmutterrolle und welche Schattenseiten diese mit sich bringen kann.

    Zum Schreibstil:
    Die Autorin (und das wurde schon in vorherigen Romanen bewiesen) bringt ein irrsinniges Einfühlungsvermögen für Frauen und deren verschiedene Situationen in der Welt mit. Das Buch lässt sich, obwohl es sehr nachdenklich und psychologisch ist, sehr leicht lesen und ich habe es in einem Tag verschlungen. Die Autorin schlägt eine lockerleichte Sprache an, die (und das gefällt mir natürlich besonders) manchmal auch ein bisschen ins Österreichische abschweift.

    Fazit:
    Ich habe mich in dieses Buch gleich beim Kauf verliebt. Das liebevoll gestaltete Cover hat mich wirklich gefesselt. Die Geschichte an sich hat mir auch sehr gut gefallen und kann ich der Autorin (bzw. deren Wunsch hinter dem Buch) nur beipflichten: Dieses Buch wird sicherlich noch viele Frauen auf ihrem schweren Weg zum Mutterglück unterstützen. Ich finde es wichtig, dass die Thematik angesprochen wird. Ebenso, dass Muttersein nicht immer "heiter" ist.

    Ich persönlich wäre jedoch noch mehr am Ablauf der Adoption bzw. an mehr Hintergrundinfos interessiert gewesen. Das Buch befasst sich wirklich in erster Linie mit dem Seelenheil der werdenden Mutter.

    Von mir gibts aber jedenfalls eine klar Leseempfehlung!

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    AgnesMs avatar
    AgnesMvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Intensiv, realistisch, emotional und aufwühlend. Man schüttelt oft fassungslos den Kopf über die Arroganz und Taktlosigkeit der Gesellschaft
    Muttergehäuse

    Kinderlosigkeit ist für viele ein Fluch, für einige beabsichtigter Segen. Kinder gehören bei vielen Menschen zum Leben dazu. Sie sind die Krönung einer jeden Liebe, das vollkommene Glück und Statussymbol. Es scheint wie selbstverständlich zu sein, dass früher oder später jede Frau ein Kind bekommt und Kinder zu der perfekten Idylle des familiären Daseins gehören. Doch Mutter Natur spielt nicht immer mit und manche Frauen können gar nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen schwanger werden. Diese Schwierigkeiten werden in der Gesellschaft gern und häufig unter den Tisch gekehrt. Man spricht nicht über sein „Versagen“, seine „Unfruchtbarkeit“, doch bekommt Frau schnell den entsprechenden Stempel aufgedrückt, wenn nach Jahren in einer funktionierenden Partnerschaft noch immer keine Kinder geboren worden sind. Da kommen schon öfter die Fragen aus dem näheren Umfeld wie z.B. „Wann ist es denn bei euch soweit?“, „Plant ihr schon?“, „Wird endlich mal Zeit für Nachwuchs, oder?“. Ein schmerzlicher Schlag in die Magengrube für diejenigen, die sich ständig für ihre gewollte oder ungewollte Kinderlosigkeit rechtfertigen müssen und zusehen, wie sich im Bekannten- und Freundeskreis die Meldungen über Schwangerschaften und Geburten häufen.

    In dem Buch „Muttergehäuse“ beschließt ein Ehepaar ein Kind zu bekommen, doch es will jahrelang einfach nicht klappen. Die Frau leidet und verflucht ihren Körper, ihre Gebärmutter, die nicht funktioniert und sie quält. Freunde werden zu flüchtigen Bekannten, die sie unsensibel mit Fragen löchern, die sie zur Außenseiterin machen und ihr das Gefühl geben versagt zu haben. Die Protagonistin kann sich niemandem mitteilen, bleibt mit ihren depressiven und traurigen Gedanken allein und schottet sich immer mehr von besagten Bekannten ab. Anfangs freute sie sich noch mit den schwangeren Freundinnen, doch dies lässt nach. Sie erträgt es nicht mehr und sie will es nicht mehr hören. Sie will ein eigenes Kind und auch wieder mitreden können.

    Das Paar entschließt sich dazu ein Kind aus Afrika zu adoptieren. Nachdem der bürokratische Krieg gewonnen ist, nehmen sie einen kleinen Jungen bei sich auf. Voller Respekt für die verantwortungsvolle Aufgabe, voller Hingebung und lauter Glück beginnt das Paar ein Leben als Familie. Ein Leben, welches sie sich schon so lange gewünscht haben, doch die Reaktionen der Gesellschaft sind teilweise niederschmetternd. Jeder kann sehen, dass der Kleine nicht ihr „echter“ Junge ist, sie hat keine Geburt überstanden, muss keine Stilleinlagen kaufen und hat keine Schwangerschaftsstreifen. Sie hat endlich ein Kind, wird aber trotzdem abgestempelt.

    Das Buch hat gerade einmal 160 Seiten und ist so intensiv, realistisch, emotional und aufwühlend. Man leidet mit der Protagonistin, man kann nachvollziehen wie es ihr geht und schüttelt oft fassungslos den Kopf über die Arroganz und Taktlosigkeit der Gesellschaft.

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    Petriss avatar
    Petrisvor 3 Jahren
    Ungewollt kinderlos

    Als ich zum ersten Mal von diesem Buch hörte, dacht ich mir: Typisch, wieder jemand der aus seiner eigenen Geschichte versucht, einen literarischen Text zu machen. Unerfüllter Kinderwunsch, Abrechnung mit der Gesellschaft. Ich war skeptisch. Doch dann häuften sich die positiven Kritiken und Besprechungen, ich las ein Interview mit der Autorin und fand sehr spannend, was sie erzählte.
    Optisch fand ich das Buch von Anfang an einen Hingucker. Also entschied ich mich, es doch zu versuchen.

    Und ich bin völlig begeistert! Ich liebe die Sprache Gertraud Klemms. Treffend, farbig, sehr analytisch, aber nie kalt. Im Gegenteil, sogar sehr emotional, aber ohne schwülstig zu werden.
    Die Geschichte ist schnell erzählt. Ein Paar, Anfang 30, beschließt das Thema Kinderkriegen anzugehen. Doch es klappt nicht. Dumme Bemerkungen, lieblose Kommentare, das Gefühl, nicht dazuzugehören. Man entschließt sich zur Auslandsadoption. Und wieder gehört man nicht dazu. Doch man findet andere, die auch keine leiblichen Eltern sind. Ebenfalls adoptieren. Und ist endlich nicht mehr ganz allein.
    Das alles erzählt sie, ohne auf die Mitleidsschiene abzurutschen. Und man kann nur zu gut nachvollziehen, wie es ihr dabei geht. Beziehungskrise zwischendurch inklusive.
    Literarisch ein großer Wurf! Aber ich würde mir wünschen, dass das Thema auch ein wenig zum Nachdenken anregt, wie man mit alternativen Familienformen umgeht. Adoptierte Kinder, Pflegekinder, Stiefkinder,… Es kann doch nicht sein, dass biologische Elternschaft noch immer die bessere ist! Und ungewollte Kinderlosigkeit noch immer ein Makel ist. Von gewollter gar zu sprechen!

    Ein schönes und berührendes Buch! 

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    leseleas avatar
    leseleavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Authentischer, aufwühlender und sprachgewaltiger Roman über Kinderlosigkeit und alternative Elternschaft. Ein wichtiges Buch!
    Umwege zur Mutterschaft

    Dinge, die ich gut kann? Irrelevant, wenn wir keine Familie gründen können. Wichtig ist nämlich, Kinder zu haben, vor allem gesunde Kinder. Hausgemachte. (S.91)

    Es gibt bestimmte Vorstellungen, die eine Gesellschaft für unumstößlich hält. Dazu gehört auch und vor allem das Konzept der Elternschaft: Ein Paar, ob glücklich oder unglücklich, verheiratet oder in wilder Ehe lebend, drängt es früher oder später dazu, Nachwuchs zu bekommen. Dass es Paare gibt, die keine Kinder wollen, dass es Paare gibt, die keine Kinder haben können – das fällt bei dieser Vorstellung unten durch. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird daher jedes Paar mit Sätze wie „Na, ihr seid aber auch bald dran!“, „Wann ist es denn bei euch soweit?“, „Plant ihr auch schon?“ etc. konfrontiert. Kinder bekommen zu wollen und zu können, erscheint als eine so große Selbstverständlichkeit, dass dem Großteil gar nicht in den Sinn kommt, wie anmaßend, verletzend, nervtötend solche Aussagen sein können.

    Wie verletzend die aufdringliche Erwartungshaltung der Umwelt sein kann, legt Gertraud Klemm in ihrem Roman Muttergehäuse offen. Das Buch, das eindeutig von Klemms eigener Lebensgeschichte inspiriert ist, erzählt von einer Frau, einem Paar, das ein Kind will, das aber keins bekommt. Freunde und Bekannte warten ungefragt mit Ratschlägen und Mitleid auf, während die Protagonistin vom Gynäkologen zum Urologen zur chinesischen Alternativmedizinerin rennt. Der Graben zwischen den anderen, für die das Kinderkriegen so selbstverständlich wie das Atmen scheint, und der Protagonistin bleibt auch bestehen, als dass Paar beschließt einen afrikanischen Jungen zu adoptieren. Sie ist weiterhin diejenige, die es nicht geschafft hat, die sich ein Kind holen musste, das nicht ihr eigenes ist, wie die schwarze Hautfarbe stets bezeugt. Die Mühlen der Bürokratie tun ihr Übriges, der Weg zur Mutterschaft bleibt holprig, auch als das Kind schon längst da ist. Doch die Zuversicht bleibt trotz aller Widerstände und das Glück der alternativen Elternschaft stellt sich langsam, aber sicher ein.

    Es ist nicht dasselbe. Es ist nicht wie schwanger sein. Es ist wider die Natur. [...] Die Norm ist: Mann und Frau machen ein Kind, das nach neun Monaten gesund schlüpft und von Eltern, die unfehlbar sind, liebevoll und ordentlich aufgezogen wird. (S. 86)

    Muttergehäuse ist ein schmales, dabei wunderschön und anspruchsvoll gestaltetes Büchlein von knapp 160 Seiten, das mit emotionaler Wucht und beeindruckender Sprachgewalt daherkommt. Eindringlich und authentisch erzählt Klemms Protagonistin von der Gefühlspalette, die in ihr tobt: grenzenlose Wut auf das Schicksal, Neid auf die anderen, Hass auf den nicht funktionierenden Körper, vorsichtige Vorfreude auf das Adoptivkind, Erleichterung, Gleichgesinnte zu treffen, Erschöpfung ob des täglichen Kampfes gegen Gesellschaft und Staat etc. Die Erzählerin lässt dabei tief blicken: Sie offenbart ihre Gedanken,  ihre Träume, ihre Emotionen und auch ihren Körper. Der Leser, einquartiert im Kopf der Protagonistin, kann und will sich dieser Enthüllung nicht entziehen: Klemm erzeugt so eine ungemeine Nähe zwischen Leser und Figur, unabhängig davon, ob man Kinder hat oder nicht, ob man sie haben kann/will oder nicht.

    Für mich ist Muttergehäuse ein Paradebeispiel für gelungene Gegenwartsliteratur: Es wartet mit einer tollen, fast schon poetischen Sprache auf und behandelt auf ehrliche, unverfälschte Weise ein gesellschaftlich relevantes Thema. Zudem zeigt der Roman, wofür wir gute Literatur brauchen: Um Themen präsent zu machen, um Randgruppen eine Stimme zu geben und auch um unseren Blick zu weiten und unsere Normen zu hinterfragen. Muttergehäuse ist somit nicht nur die Gefühlsaufnahme einer einzelnen fiktiven weiblichen Figur, sondern auch ein wichtiges Zeugnis unserer gesellschaftlichen Realität und ein Plädoyer für Verständnis, Offenheit und Lebensentwürfe jenseits von Mutter – Vater – eigenes Kind – Reihenhaus – Golden Retriever.

    Ein wichtiges Buch, das hoffentlich viele Leser findet!

    Ganz groß auf dem Kind: UNGEWOLLT. Und auf mir: UNFRUCHTBAR. So tragen wir unsere Schicksale spazieren, und man füttert und mit Aufmerksamkeit. (S. 127)

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    Sikals avatar
    Sikalvor 3 Jahren
    Mutter – Papier – Kind

    „Auf unsere Kinder“

    Gleich vorweg: Der Roman „Muttergehäuse“ ist ein sehr bewegender, emotionaler und persönlicher Roman der Autorin Gertraud Klemm und sehr empfehlenswert – nicht nur für Mütter und solche, die es werden wollen.

    Eine Frau versucht ein Kind zu bekommen, wünscht es sich, träumt davon und doch bleibt es ihr versagt. Dieses Versagen des eigenen Körpers, die Wut, das Scheitern – dies alles anzunehmen, zu akzeptieren und in seiner Endgültigkeit zu verstehen, darum geht es im ersten Teil des Buches. Während Freundinnen sich vom Singledasein verabschieden, Muttergefühlen frönen und dies alles als selbstverständlich hinnehmen, gibt es noch den inneren Kampf der Protagonistin mit sich selbst.

    Als sie sich endlich entschließt, für sich und ihren Partner einen anderen Weg zu suchen, wird ihr schnell klar, dass der Kinderwunsch noch länger Vater ihrer Gedanken bleiben wird. Der zweite Teil „Papier“ lässt die Protagonistin nun den Kampf mit Behörden, Bürokratie, dem sozialen Umfeld, der Ablehnung von Freunden und und und – aufnehmen. Der Adoptionsantrag verstaubt langsam ebenso wie die Grundeinstellung der Gesellschaft. Was will man schon mit einem afrikanischen Kind in Österreich?

    Endlich ist es so weit: Im dritten Teil wird die kleine Familie vollkommen, wird das Mutterglück – zumindest für kurze Zeit – offensichtlich. Das Anderssein wird weiterhin sichtbar bleiben, stößt immer wieder auf Ablehnung, an Grenzen. Das Glück wird wieder getrübt.

    Die Autorin schafft es hier, einen schonungslosen Bericht unserer Gesellschaft zu schreiben. Über Engstirnigkeit, Ablehnung aufgrund von Äußerlichkeiten, Gefühlskälte und unnötige Schikanen.

    Der Schreibstil hat mich hier sehr beeindruckt, wie mit wenigen präzisen Worten und Wendungen der Punkt getroffen wird. Kein zu viel, kein zu wenig!

    Absolute Leseempfehlung!

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    Hexchen123s avatar
    Hexchen123vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wahnsinnig tolles Buch welches jede Gefühlsebene anspricht
    Wie fühlt sich eine Frau mit Kinderwunsch wenn der eigene Körper versagt?

    Dieses Buch zieht einen hinein. In das Gefühlsleben einer Frau, welche keine Kinder bekommen kann. Hier muss man sich Gedanken machen über Dinge, die einen bisher wenig interessiert haben.

    Wir haben sie alle schon gesehen, die Mütter mit ihren Kinderwägen, Mütter mit tiefen Augenringen oder Mütter die auf dem Spielplatz wieder selbst zu Kinder werden. Gespräche mit Müttern drehen sich nur um die Kinder, je kleiner diese sind umso intensiver wird über den Nachwuchs gesprochen.
    Wir kennen auch alle die Werbungen in den Medien, wo einem suggeriert wird, wie glücklich doch Familien sind. Welche Fläschchennahrung oder welche Brei das Beste für das Kind ist oder welche Windel den sichersten Auslaufschutz hat.
    Für Paare, welche keine Kinder wollen, ist das schon nervig genug.

    Aber haben wir uns schon einmal darüber Gedanken gemacht wie eine Frau sich fühlt, die gerne ein Kind hätte aber der Körper es verwehrt? In welches Loch sie fällt, welche Traurigkeit sie empfindet und welche Wut? Fragen wie: „Wann ist es denn bei euch soweit?“ oder „Na, seid ihr noch am üben?“ sind noch die harmlosesten mit denen kinderlose Paare bombadiert werden. Mit der Zeit sieht man sich als Versager und bekommt einen Hass auf den eigenen Körper. Er hat doch schließlich alles, was Frau braucht. Je mehr Zeit verstreicht umso weniger hat man Freunde. Freunde haben zwischenzeitlich Kinder, Frau kann nicht mehr mitreden und Freunde gehen. Man geht zu Ärzten, lässt sich durchchecken, hofft alle 4 Wochen auf ein Wunder. Aber nichts passiert. Irgendwann bleibt nur noch die Adoption.

    Doch wer adoptiert braucht Geduld. Diese Schwangerschaft geht länger als neun Monate, die Behördenmühlen mahlen langsam. Es zermürbt von neuem. Und auch hier immer wieder bangen und hoffen. Irgendwann ist es geschafft. Das Kind ist da doch die Muttergefühle wollen sich erst einmal nicht so richtig einstellen. Und wieder wird man auf eine harte Probe gestellt.

    „Muttergehäuse“ ist kein typischer Roman wie man es sich vorstellt. Gertraud Klemm hat hier ein fast schon poetisches Werk mit berauschendem Tiefgang geschaffen. Man wird aufgefressen, hineingezogen in das ganze Gefühlschaos. Mich als Mutter hat dieses Buch absolut berührt. Ich konnte alles absolut nachempfinden. Die Sprache von Gertraud Klemm ist auf sehr hohem Niveau, Stilmittel wurden gekonnt eingesetzt und trotz aller Dramatik lässt sich das Buch doch sehr gut lesen.

    Fazit

    Ein Buch über ein sehr berührendes und intimes Thema welches jede Frau gelesen haben sollte. Egal ob Mutter oder nicht Mutter. Die Autorin schreibt offen und authentisch und bereichert.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Worum geht's?

    Eine Frau will ein Kind, aber ihr Körper versagt es ihr. Also nimmt sie den Kampf gegen sich selbst auf und macht ihre Umgebung zum Feind. Als sie sich zur Adoption eines afrikanischen Kindes entscheidet, ist ihr Versagen für alle sichtbar. Freunde werden zu Fremden, der Alltag wird zum Hürdenlauf, der auch dann nicht endet, als das Kind kommt. Die Mühlen der Bürokratie tun ihr Übriges. Ein kämpferischer Roman, ein Plädoyer für ein Leben abseits der Norm.

    Gertraud Klemm ist Meisterin darin, der Gesellschaft einen schonungslosen Spiegel vorzuhalten. In wütender und poetisch kraftvoller Sprache entblößt sie ihre Figuren, bis sie vollkommen nackt vor uns stehen. 

    „Mein Embryo wird in Papier gepackt, Schicht um Schicht. Formulare sind sein Uterus, ein kaltes Knistern sein Nest. Schranken begrenzen meine Mutterschaft, Bewilligungen, rechte Winkel, Bedingungen, Befunde, Gutachten.“

    Erscheinungstermin: 4. Februar 2016


    Leseprobe:


    In der Waschmittellade meiner Waschmaschine im Keller wächst was. Schleim, fleischig und vielfarbig. Ich weiß, dass es sich um eine Lebensgemeinschaft aus Bakterien, Pilzen und Protozoen handelt, aber
    ich frage mich, warum ausgerechnet dort etwas wächst. Das ist doch kein Platz. Ich würde hier nicht wachsen wollen.
    Ich entferne den Film mithilfe einer halben Küchenrolle und eines chinesischen Stäbchens und werfe die schweren Fetzen in den Mistkübel. Ich desinfiziere die Lade. Von irgendetwas wird mir schlecht; und ich muss warten, bis ich wieder hinaufgehen kann. Geduldig sitze ich auf dem Fliesenboden.

    So ist das, wenn man vielleicht schwanger ist. Immer ist einem vielleicht schlecht. Oder auch nicht. Dauernd diese Option. Seit wir versuchen, ein Kind zu bekommen, rechne ich. In Wahrscheinlichkeiten. In Eisprungzyklen. In 9-Monatszyklen. Falls ein Kind kommen würde. In Tagen bis zur Regel. Falls kein Kind kommen sollte. In Urlauben, die gebucht werden sollten, dann aber storniert werden müssten. In Zimmern, die benötigt werden könnten. In Kosten, die drohen könnten. Ist bald ein großes Auto fällig?
    Bis wieder »nichts ist«.

    Gertraud Klemm

    1971 in Wien geboren. Biologiestudium, Gutachterin bei der Stadt Wien, seit 2006 freie Autorin. Ihr zuletzt erschienener Roman „Aberland“ wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 nominiert. Etliche Preise und Stipendien, u.a.: Wiener Literatur Stipendium, Publikumspreis beim Bachmannpreis 2014

    >> Informationen zum Buch

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    Wenn ihr mehr wissen wollt, dann bewerbt euch bis einschließlich 20. Jänner 2016 für eines von 20 Leseexemplaren von "Muttergehäuse". Sagt uns, was euch an diesem Buch interessiert und auf welchen Plattformen ihr eure Rezension veröffentlichen werdet. 

    Dafür könnt ihr gerne das Unterthema "Bewerbung" verwenden. Eine baldige Beteiligung an der Leserunde sowie das Schreiben einer Rezension sind gewünscht!

    Natürlich sind auch alle LeserInnen mit einem eigenen Exemplar herzlich eingeladen, an unserer Leserunde teilzunehmen.

    Wir freuen uns auf eure Teilnahme! 

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