Gertrud Höhler Die Patin

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Inhaltsangabe zu „Die Patin“ von Gertrud Höhler

Angela Merkel bedient sich der Kernbotschaften anderer Parteien, ohne sich zu deren Werten zu bekennen. Machterhalt geht vor Parteienvielfalt. Ist Deutschland auf dem Weg zu einer Einheitspartei?, fragt Gertrud Höhler in ihrer brisanten Streitschrift. Mal liberal, mal konservativ, mal christlich-sozial. Die deutsche Kanzlerin lässt sich nicht festlegen. Sie steht nicht für bestimmte Werte oder Positionen. Vielmehr bedient sie sich – je nach politischer Stimmung und Aktualität – der Kernbotschaften anderer Parteien und schleift damit die Parteienvielfalt. Sie ist die 'Patin', die unsichtbar die Fäden zieht, um ihren eigenen Machterhalt zu sichern. Eine gefährliche Tendenz für Deutschland, sagt Gertrud Höhler. Versprechen werden vermieden, Moral wird zur Manövriermasse, die Geringschätzung von Tugenden zum Programm. Die Folgen: der Ausstieg aus den wichtigsten Spielregeln von Demokratie, Vertragstreue und Wettbewerb. So nivelliert die Politikerin Merkel allmählich die politischen Institutionen und etabliert eine zentralistische Regentschaft – Merkels neues Deutschland.

Wie Angela Merkel Deutschland umbaut. (Buchuntertitel)

— kvel
kvel

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  • Wie Angela Merkel Deutschland umbaut. (Buchuntertitel)

    Die Patin
    kvel

    kvel

    22. December 2015 um 22:46

    Inhalt (gemäß Umschlaginnenseite): Mal konservativ, mal christlich-sozial, mal liberal: Die deutsche Kanzlerin lässt sich nicht festlegen. Sie betreibt nicht Sachpolitik, sondern Machtpolitik. Werte-Abstinenz macht sie überlegen. Merkel wildert bei SPD und Grünen, sie enteignet Themen aus allen Lagern und schleift so die Vielfalt der Parteien. Die Kanzlerin lähmt den demokratischen Wettbewerb. Eine gefährliche Tendenz für Deutschland und auch für Europa [...]. Versprechen werden vermieden, Moral wird zur Manövriermasse, die Geringschätzung von Tugenden zum Programm. Die Folgen: Ausstieg aus den wichtigsten Spielregeln der Demokratie. So nivelliert Angela Merkel allmählich die politischen Institutionen und steuert auf eine zentralistische Regierung zu. Meine Meinung: Sehr viele Beiträge in diesem Sachbuch sind bereits veröffentlichte (Zeitungs-)Artikel. Ich finde diese Tatsache müsste eigentlich bei der Buchbeschreibung für den Käufer deutlich gemacht werden. Die Satzgestaltung der Texte ist, meiner Meinung nach, unnötig verkompliziert, was das Lesen unnötig erschwert. Die Herleitungen der Autorin zu den einzelnen Aspekten über Angela Merkels Regentschaft sind schlüssig und nachvollziehbar. Aber ich finde es äußerst müßig in jedem Abschnitt immer wieder von neuem die Herleitung zu lesen, dass und warum Angela Merkel so schweigsam ist, zumindest ihrem Volk gegenüber, und dass sie ihre (politischen) Ansichten und Prioritäten ihren aktuellen (Macht-)Zielen unterordnet. Fazit: Lesenswert, da das Sachbuch interessante Informationen und Aspekte bietet. Nur mit 2 Sternen bewertet aufgrund die vielen Wiederholungen von Informationen und Aspekten; bei der Herausgabe eines Sachbuches hätte ich mir vorher schon eine redaktionelle Textüberarbeitung hinsichtlich des Inhaltes und Informationsgehaltes gewünscht. Lieber ein gut durchdachtes Sachbuch mit weniger Seiten als Füllmaterial.

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  • provozieren auf sachlichem niveau

    Die Patin
    Buecherspiegel

    Buecherspiegel

    28. April 2013 um 15:11

    frau höhler beschreibt in ihrem buch sehr sachlich und anschaulich die handlungsweisen von angela merkel in ihrem politischen umfeld. die autorin zeichnet ausführlich das psychogramm einer deutschen bzw. europäischen politischen führerin und beschreibt ohne zu polemisieren deren ziele und beweggründe. das buch trägt damit zum verständnis der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen situation bei.

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  • Rezension zu "Die Patin" von Gertrud Höhler

    Die Patin
    dietrich_pukas

    dietrich_pukas

    31. October 2012 um 20:11

    Gertrud Höhler: Die Patin – Wie Angela Merkel Deutschland umbaut. Rezension von Dietrich Pukas (31.10.1012) Welch Glück für uns, dass Frau Prof. Dr. Gertrud Höhler, eloquente Literaturwissenschaftlerin, erfolgreiche Publizistin, renommierte Wirtschafts- und Politikberaterin, einst die verlockenden Angebote aus dem Politikbetrieb ausschlug. So können eingeschworene CDU-Anhänger und Merkel-Vasallen Höhlers aufschlussreiches Buch nicht überzeugend als missgünstige Enthüllungsfantasien einer beleidigten Polit-Rivalin abtun. Statt dessen ist Gertrud Höhler befähigt, mit unabhängigem Geist und scharfem Verstand uns eine feinsinnige, wohl begründete Analyse dessen vorzulegen, was Sprache, Verhalten und Handeln der deutschen Regierungschefin Angela Merkel offenbaren. Sie fördert Überraschendes, Fragwürdiges und Gefährliches, politisch Brisantes zutage, das alle Bürger und Politiker in höchstem Maße betrifft, denen die Werte der Demokratie und das Wohl der Menschen am Herzen liegen und die darauf in Zukunft nicht verzichten wollen. Zunächst beschreibt Höhler eindrucksvoll – stets in ansprechender, bildreicher Sprache –, wie Angela Merkel , die Frau aus dem Osten, „Anderland“ genannt, als „blauäugiges Unschuldslamm“ startet, unauffällig beobachtend als Testfahrerin mitTarnkappe und Tarnanzug den Westen sowie Deutschland der Wende erkundet und schließlich zur machthungrigen Wölfin mutiert (S. 17 ff.). Stillschweigend, unerkannt von den sie fördernden CDU-Männern, bei denen sie eher zufällig gelandet ist, gewinnt sie ihre Erfolg versprechenden Überzeugungen: Bindungslosigkeit als Führungsqualität, nämlich Relativismus, Indifferenz in Wertfragen, moralisches Desinteresse, Verzicht auf Bekenntnisse. Das Motto lautet: Alles ist relativ, vorläufig, reversibel, was auch für Werte gilt. Misstrauen und Unberechenbarkeit sind gut, weil sie uns vor denen schützen, die uns durchschauen und beherrschen wollen. Ohne Verpflichtungen und Traditionen, aber mit grenzenloser Flexibilität unterwegs sein, mit persönlichem Machtanspruch als Maxime des eigenen Handelns, dann kann man an den herkömmlichen Mitstreitern und Parteistrategen vorbei ziehen. Diese Erfahrungen und Einsichten hat Merkel ihren Westkollegen voraus, machen sie persönlich mächtig und ermöglichen, dass das einstige „Mädchen“ den Schwarzen Riesen, den Übervater Kohl, vom Thron stößt, „seinen zögernden Söhnen den Vatermord abnimmt“ (S. 22 ff.). Konsequent baut Angela Merkel ihre Machtposition auf, wird Landesvorsitzende, Bundesministerin, Generalsekretärin, Bundesvorsitzende, Kanzlerkandidatin der CDU, Bundeskanzlerin der großen und schwarz-gelben Koalition, führende Krisenmanagerin in Europa (Bildzeitung: „gute Patin Europas“, „Königin von Europa“). Ausführlich und bei den verschiedenen Anlässen aufgreifend schildert Gertrud Höhler das „System Merkel“ (M), das die Macht der Aufsteigerin begründet und sichert. Es sind folgende Merkmale, die die Merkel-Politik bestimmen: „Marginalisierung der Parteien, Verwechselbarkeit der Programme, Nonchalance im Umgang mit Gesetzen, Aufweichung von Wert- und Normkonzepten, no commitment (keine Verpflichtung, D. P.), Bindungslosigkeit als Zukunftsmotor, zentralistische Allgegenwart von Staat und Plan, Überwindung des Wettbewerbs“ (S. 141). Darauf fußt ihr Konzept der situativen Entscheidungen, das die Flüchtigkeit aller Versprechen sowie eine hohe Verfallsgeschwindigkeit aller Loyalitäten beinhaltet (S. 270). Aus ihrer Sozialisation in der DDR-Diktatur geht Merkel nach dem Seitenwechsel als Überlegene gegenüber ihrer Mannschaft im Westen hervor, indem sie deren Tugenden, die verpflichten und binden, abgeworfen hat: Vertrauen, Verlässlichkeit, Loyalität, Treue, Berechenbarkeit. Sie nimmt für sich als Chefin das Privileg in Anspruch, schwer lesbar zu sein, und verbirgt ihr wahres Gesicht hinter Worthülsen, Gedankenschablonen, Sprachbausteinen, sodass Bundespräsident Gauck sagt, er kann sie nicht erkennen. Gauck hat in demselben Regime mit lauter Leuten in Deckung, Verratenen und Verrätern gelebt, jedoch gegenteilige Konsequenzen für seine Wertordnung gezogen: Er tritt für die Freiheit ein mit unverhülltem Gesicht und unverstellten Absichten, denn er ist kein Machttaktierer und erweist sich als von der Mehrheit der Deutschen akzeptiertes Staatsoberhaupt, jedoch als Antipode zu Merkel, die in seinem lauteren Charakter eine Gefahr für ihre autoritäre Machtpolitik sieht (S. 69-72). Als wichtige Geschehnisse der Merkel-Politik schlüsselt Höhler vor allem folgende Ereignisse auf: die Ausmerzung der Machtkonkurrenten in der CDU, das Drama der Bundespräsidenten-Wahlen, die europäische Staatsschuldenkrise, den Atomausstieg mit der Energiewende. Für den CDU-internen Machtkampf ist typisch, dass die starken Konkurrenten der Staatschefin gehen (müssen) wie Merz, Koch, Oettinger, Peter Müller, von Beust, Röttgen u. a., während die schwachen und loyalen CDU-Leute grundsätzlich bleiben (dürfen) wie etwa Pofalla, öffentlich untragbar gewordene Kandidaten wie Guttenberg und Wulff sonderentsorgt werden (u. a. durch taktische Vertrauenserklärungen der Kanzlerin in dichter Folge) (S. 147-151). Die Vorgänge bei den Wahlen der Bundespräsidenten Köhler, Wulff und Gauck stellt Höhler als Drama in drei Akten dar, „Päsidentendämmerung“ genannt. Zur Andeutung der fragwürdigen, der Demokratie abträglichen Machenschaften zur Auswahl der Kandidaten und Manipulation der Wahlberechtigten geben wir die metaphorischen Überschriften wieder: „Das Amt als Beute der Politik“, „Nicht nur die Kandidaten, auch das Amt entmachten“, „Das Gauck-Paradox – Unsterbliche Werte, die im Sterben liegen“ (S. 195-230). Laut Höhler hatte Merkel in der Euro-Krise einen taktischen Vorteil, da sie „so wenig Europäerin wie sie Konservative“ ist (S. 91 ff.). Angesichts der drohenden Staatspleiten in Griechenland, Portugal und Irland sowie der enormen Haushaltsdefizite in Spanien und Italien, jedoch der ansteigenden deutschen Konjunktur wurde „Deutschland zum starken Mann Europas“ und Merkel galt als „mächtigste Frau der Welt“. Sie ergriff ihre „neue Rolle als europäische Sparmeisterin“ und erweiterte ihre Macht international, indem die europäische Staatsschuldenkrise verschleiernd zur „Euro-Krise“ umgedeutet wurde und mit Merkel an der Spitze unter Missachtung bestehender EU-Verträge der Euro-Rettungsschirm wiederholt erhöht wurde. Unter den Überschriften „Euro-Rettung: Lizenz zur Rechtsbeugung“ (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität = EFSF), „Merkels : Ein deutscher Maßanzug für Europa“ (permanenter Krisenfonds ESM = Europäischer Stabilitätsmechanismus; Modell der Schuldenbremse), „Keine Zeit für Demokratie: der Europäische Zentralstaat“ (Finanzunion und Fiskalpakt zur Kontrolle; Vereinnahmung der EZB), „Europa am deutschen Gängelband“ (Marktwirtschaft als Planwirtschaft) zeichnet Höhler, die offensichtlich in Finanzen, Wirtschaft, Politik recht sachkundig ist, auf, wie Merkel „ihren Weg zur Staatswirtschaft und zur Einheitspartei auf der europäischen Ebene“ konsequent fortsetzt (S. 93-103). Der Atomausstieg mit der Energiewende ist Höhlers Paradebeispiel für die Etablierung des Systems M und das Grundmuster für den politischen Umbau Deutschlands zu einem zentralistischen Staat und zieht sich als Leitindiz für die „freibeuterische Machtmentalität“ der Bundeskanzlerin durch das gesamte Buch: „Positionslosigkeit, Werterelativismus und autoritäre Anmaßung“ (S. 104 ff.). Die Mehrheit von CDU/CSU und FDP beschloss 2010 im Bundestag die Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke und brachte damit das Atomausstiegsgesetz der rot-grünen Bundesregierung von 2002 zu Fall. Angesichts bevorstehender Verfassungsklagen und Landtagswahlen nutzte Merkel 2011 den GAU von Fukushima („fast wie ein Geschenk“) zum radikalen Kurswechsel und agierte als „politische Heuschrecke“, indem sie das rot-grüne Alleinstellungsmerkmal des Atomausstiegs erbeutet und drei Tage nach der japanischen Katastrophe aus persönlicher Betroffenheit sich selbst ermächtigt, das Verlängerungsgesetz ihrer eigenen Regierung für drei Monate auszusetzen (Moratorium), obwohl dies nur durch ein nachfolgendes Gesetz rechtens ist. Außerdem wurden nach Höhler noch ein halbes Dutzend anderer Gesetze, unter ihnen Aktienrecht und Verfassungswerte, „einfach vom Tisch gewischt“. Mit der sofortigen Abschaltung von sieben Kernkraftwerken stellte sich die Kanzlerin den Energiekonzernen und der gesamten Wirtschaft „als neue Herrin des Kernsektors der Industriegesellschaft“ (Staatszugriff auf den Energiesektor) vor, ohne dafür eine Rechtsgrundlage zu haben, also außerhalb der Legalität (S. 106, 107). Merkels Wort ist praktisch Gesetz. Da wurde zur Verschleierung und moralischen Rechtfertigung ein juristischer Trick angewendet, nämlich der Rückgriff auf die staatlich gebotene Pflicht zur Gefahrenabwehr („im Zweifel für die Sicherheit“) wurde strapaziert – für Höhler ein Angstargument und eine Irreführung der Menschen, weil die Risiken in Japan und Deutschland aufgrund der nachlässigen japanischen Sicherheitshandhabung nicht vergleichbar seien. Das Atomrestrisiko war für Merkel zum Wahlrestrisiko geworden, der Grüne Kretschmann wurde Ministerpräsident in Baden-Württemberg, die feindliche Übernahme der Ausstiegsidee durch das Moratorium ist fehlgeschlagen. Deshalb wurde als nächster Coup der Kanzlerin die Opposition ins Atomausstiegsboot geholt und SPD und GRÜNE konnten sich der 180°-Energiewende durch eine schnelle Gesetzesnovellierung nicht entziehen. Höhlers Fazit: Die Kanzlerin ist beim Atomausstieg ihrem Politikstil treu geblieben: Unterwanderung der demokratischen Entscheidungsfindung, Täuschung der Bevölkerung über die Beweggründe, Bruch von Versprechen (hier gegenüber der Industrie), Arroganz ihres Führungsanspruchs infolge inhaltlicher Fehler (S. 108-110). Gertrud Höhler liefert noch zahlreiche interessante Szenarien aus dem System M, die in den Überschriften wie Polit-Possen anklingen: „Ideenleasing im CDU-Themenpark: Merkels Ankündigungsdemokratie“, „Erlkönigin auf der Rüttelstrecke: Testfahrerin Angela im Themenpark der CDU“, „Nicht Sachpolitik, sondern Machtpolitik: Merkels Punktlandung in der parteilosen Mitte“, „Die Leitwölfin der Bindungslosen“, „Atomausstieg: Nebelbomben für das Volk“, „Lautlose Sprengungen im Wertesystem“, „Merkels Geheimnis – Windsbraut oder Windmaschine?“, „Das System M präsentiert: Die unsinkbare Kanzlerin“. In Wahrheit handelt es sich um ernsthafte Beeinträchtigungen unserer demokratischen Verhältnisse, nach Höhler um die „Demokratie im Stresstest“ (S. 233 ff.), die es vor Zerfallserscheinungen zu bewahren gilt. Am Schluss sagt Gertrud Höhler lediglich: Wir können wählen – zwischen zwei Folgerungen aus Deutschlands Geschichte: der „Selbstermächtigung der deutschen Politik“ (Merkel) und einer „Freiheitmelodie“ (Gauck), die sie seit der letzten Präsidentenwahl übertönt (S. 273). Höhler hat das Buch geschrieben – „für alle, die die Faust noch in der Tasche haben“. Das sollten m. E. zuallererst die getäuschten und enttäuschten CDU-Anhänger, CDU-Politiker, CDU-Mitglieder, CDU-Wähler sein und gleichfalls die SPD- und FDP-Politiker, die das System M mitgetragen haben und auch noch seine Ausbreitung in der zweiten Legislaturperiode ermöglichen – sie sollten zu naheliegenden Konsequenzen motiviert werden und dazu die Faust aus der Tasche nehmen. Die Oppositionellen und Anti-Merkel-Wähler, die die Fäuste strecken, aus Resignation senken oder vor Ohnmacht in der Tasche behalten, können sich durch Höhlers rückhaltlose , feinmaschige Auklärung und überzeugende Deutung ermutigt fühlen und noch gezielter gegen das System M opponieren. Die Politiker als solche, gleich welcher Farbe und unabhängig vom nächsten Wahlausgang, sollten sich aufgrund der Erkenntnisse einer Koalition unter oder mit Merkel verweigern wie SPD Kanzlerkandidat Steinbrück; als Alternative gibt es z. B. Ursula von der Leyen. Die Wähler und Bürger überhaupt, nicht zuletzt die „wertebesoffenen Westler von gestern“ (S. 269) sollten zahlreich zur Wahl gehen und das Demokratie aushöhlende System „Merkel“ mehrheitlich abwählen. Das wäre der schönste Erfolg, den dieses allen empfehlenswerte Buch, das spannende Enthüllungen und ein Spracherlebnis verheißt, meines Erachtens haben kann.

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  • Rezension zu "Die Patin" von Gertrud Höhler

    Die Patin
    bogi

    bogi

    29. August 2012 um 23:22

    Für mich das interessanteste und wichtigste politische Sachbuch der letzten Jahre. Die bekannte Publizistin und Politikberaterin Gertrud Höhler rechnet schonungslos mit dem System Merkel ab. Dafür hat Sie bereits vor Veröffentlichung heftige Kritik einstecken müssen. Da es gegen die ach so formidable Kanzlerin geht, war das nicht anders zu erwarten. Das Buch wurde dabei offenbar noch gar nicht gelesen. Da könnte man nämlich erkennen, dass die Autorin klare Fakten messerscharf beobachtet und analysiert. Angela Merkel, die Frau ohne Eigenschaften, ohne jede Kommunikation, der Beliebigkeit und mit extremem Machtinstinkt und Machtwillen. Alles Titulierungen, die mittlerweile zum Allgemeingut gehören. Höhler analysiert das Ganze auch mit Blick auf die Art der Merkelschen Politikabwicklung. Diese ist geprägt vor allem auch durch Themenklau aus anderen Parteien (Energiewende, Abschaffung der Wehrpflicht, Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Rentenpolitik etc.). Sie lullt die Bevölkerung systematisch ein und suggeriert die Überflüssigkeit der anderen Parteien. Dies ist, wie man es auch dreht und wendet, eine Gefahr für die Demokratie. Wunderbar deutlich wird dies ausserdem an der Beschreibung des Präsidentendebakels, bei dem die Kanzlerin so skrupellos wie kein Kanzler zuvor Ihre Machtinteressen eingesetzt hat. Was mich ein klein wenig gestört hat ist die Einbeziehung Merkels Herkunft in die Kritik. Dies hat schon sehr stark spekulativen Charakter. Gibt es denn Möglichkeiten, dieser ganzen Entwicklung noch Einhalt zu gebieten? Natürlich, schlicht und einfach nicht mehr wählen. Literarisch würde ich dem Buch vier Sterne geben. Man muss sich ihm schon voll konzentriert widmen, da es nicht immer ganz leicht zu lesen ist. Ferner schmeisst die Autorin die verschiedenen Themenkomplexe teils schon sehr stark durcheinander und rührt kräftig, um wieder in umgekehrter Reihung darauf zurückzukommen. Alles in Allem ein Buch, das jeder Politikinteressierte geradezu verschlingen wird. Lesen sollten es aber klarerweise alle Bürger.

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