Buchtipp. Pfalz-Krimis, Bücher über die Region – das alles gibt es schon. Gertrud Winter hat nun in ihrer Autobiografie das Leben der Rheinschiffer in den Mittelpunkt gerückt. In ihrem Buch geht es um eine junge Frau – sie selbst – die einst in Nierstein geboren, auf dem Schiff großgeworden ist. Gertrud Winter pendelt auf einem Frachtschiff zwischen Rotterdam und Basel. Gemeinsam mit ihren drei Geschwistern und einem Hund lernen sie das spannende, aber auch gefährliche Lebensumfeld kennen. Später – als die Kinder schulpflichtig wurden – ziehen sie nach Ludwigshöhe. In teil unterhaltsamen, teils nachdenklichen Anekdoten taucht der Leser in das Dorfleben der 50er und 60er Jahre ein. Ein Lebensalltag geprägt von Holzofen, Plumpsklo – aber auch von neuen Errungenschaften wie Kühlschrank, Fernseher und mehr. In ihrer Autobiografie berichtet Gertrud Winter über Krieg und Frieden, Armut und Wirtschaftswunder. Vor allem ist diese Autobiografie aber auch ein Beweis dafür, dass Flügel ausbreiten und Wurzeln schlagen kein Widerspruch ist. Ein Buch voller Zeitgeschichte, dem Leben mit dem Rhein – aber auch die Weiterentwicklung zu einer eigenen Persönlichkeit. Das Buch von Gertrud Winter ist ab sofort überall im Buchhandel oder online bestellbar. (gib) Quelle: SÜWE - Wochenblatt Ludwigshafen Süd - Nr. 1/2017
Gertrud Winter

Lebenslauf
Alle Bücher von Gertrud Winter
Lebet wohl, ihr engen, staub'gen Gassen
Neue Rezensionen zu Gertrud Winter
Gespräche aus der Community
Museumsverein traf mit Lesung ins Schwarze
Von unserer Mitarbeiterin Katja Stieb
Autobiografien stehen im Ruf, oft informativ und spannend zu sein. Doch manchmal gewinnt man auch den Eindruck, dass der Autor sein Leben nur aufgeschrieben hat, um sich von einer Last zu befreien, um mit einer Geschichte abzuschließen, die Kraft gekostet und Sorgen bereitet hat.
Bei der 1947 in Nierstein am Rhein geborenen Gertrud Winter ist das anders: „Nein, ich habe mein Leben aufgeschrieben, um ein Stück Geschichte zu bewahren“, sagt sie. „Für meine Kinder, meine Enkelkinder und für alle, die sich dafür interessieren. Für mich war das Schreiben kein reinigender Prozess, sondern eine sehr emotionale und wunderschöne Reise in meine Erinnerung.“
„Lebet wohl, ihr engen, staub’gen Gassen. Aus dem Leben einer Rheinschiffer- Familie“ heißt Gertrud Winters Werk, das sie am Wochenende im Knielinger Museum auf Einladung des Museumsvereins vorstellte. Dessen Vorsitzende Ute Müllerschön unterstrich, dass Lage und Ambiente des Museums perfekt zum Thema des Buches passten: „Wo könnte man den Erinnerungen eines Schifferkindes besser lauschen, als in einem Museum direkt am Rhein, das obendrein eine Schifffahrts-Ausstellung beherbergt?“, fragte sie schmunzelnd. „Wir als Verein wünschten uns im 25. Jahr unseres Bestehens eine interessante Lesung für unser Kulturprogramm: Ich denke, wir haben Dank Gertrud Winter thematisch ins Schwarze getroffen.“
Die Geschichte von Gertrud Winters Kindheit und Jugend, die sie mit ihrer Familie über weite Strecken auf einem Rheinschiff verbrachte, ist mehr als nur Autobiografie. Es ist eine Zeitreise durch Kriegs- und Friedenszeiten, liefert Schlaglichter aus der Nazi-Zeit und der Ära des deutschen Wirtschaftswunders, und entführt den Leser an unterschiedlichste Orte. Die Geschichte beginnt schon mit ihren Eltern Anna und Philipp und endet erst im Jahr 1980. Sie erzählt vom harten Leben auf einem Schiff zwischen Rotterdam und Basel, von der Möchtegern-Idylle eines Dorfs in den 1950er Jahren und dem Alltag in einer Studenten-Wohngemeinschaft um 1970.
Dass Gertrud Winter ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben hat, ist ihrer Tochter Julia Arbeiter zu verdanken, die
als professionelle Sprecherin am Samstag die Lesung aus dem Werk ihrer Mutter übernahm. „Julia war es, die vor rund zehn Jahren zu mir sagte: ‚Mama ,schreib’ das doch mal auf!’“, erinnert sich Gertrud Winter. „Ich weiß noch, dass ich das zunächst irgendwie für eine verrückte Idee hielt.“ Verrückt wohl auch deshalb, weil Gertrud Winter nie gerne geschrieben hat: Sie hat eine Lese- und Rechtschreibschwäche und hatte überhaupt keine Erfahrung mit dem Computer. „Meine Tochter hat mir mit viel Geduld den Umgang damit beigebracht“,
sagt Gertrud Winter. „Ich kann ihr dafür gar nicht genug danken.“ Während des Schreibens sei sie immer
wieder auf Erinnerungsfragmente gestoßen, die längst verschüttet waren, und konnte in Gesprächen mit ihren drei
Geschwistern viele Lücken füllen. „Drei Jahre lang hatte ich fast täglich geschrieben“, erklärt Winter. „Dann lag das Manuskript jahrelang in der Schublade. Jetzt, da mein Leben in Buchformgebracht ist, freue ich mich über die große Resonanz.“
Die kommt nicht von ungefähr: Das Werk lebt von einer überaus lebendigen Sprache, erweist sich als fesselndes historisches Dokument und berührende Familiensaga zugleich. Gertrud Winters Buch erzählt von Aufbruch und Heimkehr, von der Notwendigkeit, neue Kapitel aufzuschlagen ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen. Es ist eine Geschichte, die so authentisch wie packend ist. Eine, die eben nur das Leben selbst schreiben kann.
AUTHENTISCH UND PACKEND: Gertrud Winter (rechts) erzählte im Knielinger Museum aus ihrer Lebensgeschichte als Spross einer Rheinschiffer-Familie. Ihre Tochter Julia Arbeiter hatte die Lesung aus dem Buch ihrer Mutter übernommen. Foto: Sandbiller
1275 Jahre Nierstein - 20 Jahre Geschichtsverein.
Zwei gute Gründe für den Geschichtsverein Nierstein, mit einer Veranstaltungsreihe einige besondere Aspekte der Niersteiner Stadtgeschichte aufzuzeigen. Die Reise durch das Jubiläumsjahr beginnt mit einem Gespräch mit Gertrud Winter und einer Lesung aus ihrer 2016 erschienenen Biografie "Lebet wohl, ihr engen, staub`gen Gassen - aus dem Leben einer Rheinschiffer-Familie", dargeboten von ihrer Tochter Julia Arbeiter.
Der Erste Vorsitzende des Geschichtsvereins Nierstein, Hans-Peter Hexemer kann rund 80 Zuhörer im gepflegten Ambiente des Niersteiner Weingutes Louis Guntrum willkommen heißen, die in knapp zwei Stunden das abwechslungsreiche und spannende Leben einer Schifferfamilie zwischen Krieg und Frieden, Armut und Wirtschaftswunder hautnah erleben dürfen.
Der Vater von Gertrud Winter, Philipp Vowinkel wurde 1904 in Nierstein geboren und wuchs in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf. Inflation, Armut und Hunger waren seine ständigen Begleiter. Er musste widerwillig als überzeugter Sozialdemokrat das Unrechtsregime des Dritten Reichs ertragen. 1932 lernte Philipp seine große Liebe Anna kennen und beide beabsichtigten zu heiraten. Da der Hochzeitswunsch aber von ihren Müttern abgelehnt wurde, beschlossen sie 1936, heimlich den Bund fürs Leben einzugehen. Da Vowinkel bereits 1935 auf dem Schleppkahn "Argo" angeheuert hatte, folgte Anna direkt nach der Hochzeit ihrem Mann auf das unmotorisierte Schiff. Hauptsächlich war das junge Paar auf dem Rhein zwischen Rotterdam und Basel unterwegs. Diese Zeit auf und mit dem Wasser war trotz des Krieges der "schönste Frühling und Sommer ihres Lebens". Aber bald holte sie die harte Realität wieder ein. Ihr Schiff lag am 27. Februar 1945 in Mainz vor Anker, als britische und amerikanische Bomberverbände die Stadt in Schutt und Asche legten. Dieses Ereignis war für sie das Fanal für Aufbruch, für Neubeginn. 1947 erblickte die Autorin als Gertrud Vowinkel auch in Nierstein das Licht der Welt und wuchs mit ihren Geschwistern Else, Eva und Philipp auf dem Schiff auf, bis die vier Kinder wegen der Ausbildung 1952 mit ihrer Mutter Anna ein kleines Haus in der 350-Seelengemeinde Ludwigshöhe bezogen. Dort ging Gertrud zur Schule, wo die Linkshänderin neben anderen antiquierten Erziehungsmethoden vom Lehrer gezwungen wurde, mit der rechten Hand zu schreiben. Dort erlebte die Heranwachsende auch die sexuelle Verschrobenheit der Erzieher: Kein Tanzkurs für Mädchen, lautete die Devise damals, "denn sie könnten allein schon bei dem Gedanken daran schwanger werden". Die Jahre vergingen wie im Fluge und Gertrud besuchte schließlich als Schneidermeisterin 1969 einen Fortbildungskurs in München. Dort lernte sie einen jungen Mann kennen, der sich bei ihrem ersten Rendezvous Gertruds Goldkettchen spaßeshalber um seinen Arm legte. Gertrud vermisste nach seiner Verabschiedung das schmückende Accessoire sofort und dachte, "der wird doch wohl nicht??"... Bis beim zweiten Treffen ein Taxi mit einem strahlenden Ulf Winter und dem Goldkettchen in seiner Hand vorfuhr... Damit endet schließlich die Lesung und alles Weitere ist in der Biografie von Gertrud Winter nachzulesen, die im "Oppenheimer Buchladen" von Monika Kuchenbecker zum Preis von 14,99 Euro käuflich erworben werden kann.
Das hatte Rolf Krüttgen aus Weinolsheim schon längst getan: "Das Buch ist interessant und spannend geschrieben. Die heutige Veranstaltung dazu hat einen bemerkenswerten Bogen von der Vorkriegszeit über die Zeit des Wirtschaftswunders bis heute gespannt".
Ein weiterer Termin der Veranstaltungsreihe zum Jubiläumsjahr ist am Freitag, 25. August 2017 der Vortrag: "Jakob Götzenberger - sein Leben, sein Werk und seine Wandmalereien in der Niersteiner Schlosskapelle" im Niersteiner Haus der Gemeinde.
Allgemeine Zeitung - Oppenheimer Landskrone, 24.04.2017
Liebe Nostalgiker, historisch Interessierte, Schifffahrtsfreunde... folgende Lesungs-Termine sind schon gesetzt:
21.04.2017 Weingut Guntrum, Nierstein
20.05.2017 Knielinger Museum, Karlsruhe
November 2017 Museum für Antike Schifffahrt, Mainz
Weitere Informationen folgen hier auf der Autorenseite!
Zusätzliche Informationen
Gertrud Winter wurde am 20. Januar 1947 in Nierstein (Deutschland) geboren.
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