Gertrude Stein

 4.1 Sterne bei 30 Bewertungen
Autor von Three Lives, Zarte Knöpfe. Tender Buttons und weiteren Büchern.

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Gertrude SteinZarte Knöpfe. Tender Buttons
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Zarte Knöpfe. Tender Buttons
Gertrude SteinAutobiographie von Alice B. Toklas
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Autobiographie von Alice B. Toklas
Autobiographie von Alice B. Toklas
 (3)
Erschienen am 01.05.2006
Gertrude SteinQ. E. D
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Q. E. D
Q. E. D
 (2)
Erschienen am 20.06.1996
Gertrude SteinJedermanns Autobiographie
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Jedermanns Autobiographie
Jedermanns Autobiographie
 (2)
Erschienen am 20.06.1996
Gertrude SteinLesebuch zum allmählichen Kennenlernen von Gertrude Stein
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Lesebuch zum allmählichen Kennenlernen von Gertrude Stein
Gertrude SteinAda
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Ada
Ada
 (1)
Erschienen am 01.09.2005
Gertrude SteinEin Geburts-Tage-Buch
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Ein Geburts-Tage-Buch
Ein Geburts-Tage-Buch
 (1)
Erschienen am 01.01.1993
Gertrude SteinDie geographische Geschichte von Amerika oder Die Beziehung zwischen der menschlichen Natur und dem Geist des Menschen
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Die geographische Geschichte von Amerika oder Die Beziehung zwischen der menschlichen Natur und dem Geist des Menschen

Neue Rezensionen zu Gertrude Stein

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Farbwirbels avatar

Rezension zu "Q. E. D" von Gertrude Stein

Dreiecksbeziehung aus Liebe, Abhängigkeit und Fehlbarkeit
Farbwirbelvor 3 Jahren

„Ruhig Kleines“ antwortete Helen, „ach, Du dummes Kind, begreifst Du denn nicht, daß Du das einzige auf der Welt bist, was mir überhaupt irgend etwas wirklich oder lohnend erscheinen läßt.“ S. 59

Dieses schmale Büchlein ist ein wirklich tolles, nachdenklich stimmendes Buch. Gertrude Steins erstes Werk „Q.E.D.“ behandelt ein hinlänglich modernes Thema.

Die Hauptperson ist Adele, aus deren Innenperspektive der Leser am meisten erfährt. Sie ist eine moralisch integre, aufbrausende und nachdenkliche Frau, die ihre Unabhängigkeit liebt. Adele macht eine Kreuzfahrt zusammen mit ihrer Freundin Mabel und einer Freundin von Mabel, Helen. Zuerst wird Adele als eine Monolog an Monolog haltende, selbstbewusste Frau dargestellt und erst langsam erhält sie vor allem durch Helen Kontra. Die beiden lernen sich besser kennen und verstehen sich, auch wenn sie sich nicht wirklich mögen, ausgezeichnet. Mabel wird dabei etwas außen vor gelassen.

„Nicht die einfachen moralischen Leidenschaften, die gehören eindeutig dazu, aber mein Hauptargument ist eigentlich ein Protest gegen die Tendenz so vieler von euch, sich nur auf etwas einzulassen um der Erfahrung willen. Ich glaube fest, daß man etwas um einer Sache tun soll oder um eiber bestimmten künftigen Wirkung willen, was das legitime Ergebnis jeder Erziehung ist. Aber Erfahrung für den schänigen Zweck, sie einfach gehabt zu haben, ist für mich ebenso trivial wie unmoralisch.“ - S. 13f

Nachdem die Kreuzfahrt vorbei ist, halten die drei weiterhin Kontakt und Adele wird sich langsam ihrer Gefühle für Helen bewusst, weshalb die Zwei sich geheimen Treffen hingeben.

Nicht ahnend, in welcher Verbändelung Helen und Mabel zueinander stehen, verliebt sich Adele in Helen.

„Liegt dir wirklich noch etwas an mir?“ fragte Adele schließlich. Helen war ärgerlich und ließ die Arme fallen. „Du bist unmöglich“, antwortete sie. „Nie zuvor in meinem Leben habe ich jemanden mehr als eine Chance gegeben, und du, du hast siebenmal siebzig gehabt und bist nicht besser als zu Beginn. Sie küßte sie resigniert. „Du hast es geschafft, mich umzubringen“, sagte sie traurig, „und jetzt setzt du alles daran, dich selbst umzubringen. Leb wohl, ich komme heut abend nochmal kurz zu dir.“ - S. 83

Problembeladen wird ihre Beziehung durch Helens Abhängigkeitsverhältnis zu Mabel. Mabel ist, wie man es wohl modern ausdrücken würde, die Sugarmommy von Helen. Mabel wird stetig misstrauischer gegenüber Adele und auch wenn es viele Unterbrechungen des Kontaktes von Adele und Helen gibt, so wird Mabel eifersüchtig und versucht, zu intervenieren. Dabei lernt Adele die Massivität der Abhängigkeit von Helen kennen. Sie versucht, diese aus den Fängen Mabels zu erretten, doch erscheint dieses Unterfangen Hoffnungslos.

„Ach, es ist einfach Prostitution“, sagte sie bitter zu sich selbst. „Wie eine stolze Frau, und Helen ist eine stolze Frau, sich derart erniedrigende Unterwerfung gefallen lassen und derart gemeine Lügen erzählen kann, dem Luxus zuliebe, das läßt mich völlig ratlos. Scheint mir, ich würde lieber verhungern oder wenigstens für meinen Lebensunterhalt arbeiten. Und doch, man weiß nicht, wenn man sehr in Bedrängnis wäre. Man hat gut reden, wenn man alles hat, was man will, und Unabhängigkeit obendrein. Ich weiß nicht, wenn ich stark unter Druck wäre, könnte ich es vielleicht auch tun, um mein Auskommen zu haben, aber es ist doch eine Zumutung.“ - S. 95

Das Werk wurde erst post mortem veröffentlicht, ist aber wohl mit vielen autobiographischen Passagen bestückt. Gertrude Stein selbst soll dabei in Adele wieder gespiegelt werden.

Steins Schreibstil hat mich tatsächlich an Jane Austen erinnert, auch wenn sie vermutlich nicht begeistert wäre von diesem Vergleich (?). Die gedanklichen Monologe und die Einbindung des Briefkontakts sprechen dafür. Mir hat die Schreibweise sehr gefallen.

Tatsächlich hat das Buch die Vorfreude auf ein weiteres Buch Steins erweckt. Ich persönlich konnte viele Zitate finden, die mich selbst betreffen und die in ihren Formulierungen nicht treffender sein könnten.

„Du hast kein Recht, deinen Schmerz unablässig als Waffe einzusetzen!“ - S. 72

Kommentare: 1
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Buchhandlung_am_Schaefersees avatar

Rezension zu "Three Lives" von Gertrude Stein

Hierfür braucht man langen Atem
Buchhandlung_am_Schaeferseevor 4 Jahren

Gertrude Stein ist berühmt für Ihre nahezu unverständlichen Gedichte, ihr extravagantes Leben im Paris der zwanziger Jahre und ihre Freundschaft mit, ja sogar die Entdeckung von, großen Künstlern wie Picasso.
"Three Lives" sind frühe Erzählungen aus ihrer Feder, 1909 erstmals erschienen.

Alle drei Erzählungen des Buches sind in dem Südstaatenstädtchen  Bridgepoint angesiedelt und beschreiben jeweils den Lebensweg eines Dienstmädchens. "The good Anna", "Melanctha" und "The gentle Lena" sind die titelgebenden Heldinnen.
Anna geht voll in ihrer Arbeit auf und mischt sich stark in das Leben ihrer Herrschaften ein. Sie bevorzugt es, bei dicken Frauen zu dienen, die möglichst unselbstständig sind, so kann Anna ihr leicht tyrannischen Naturell am besten ausleben. Diese Geschichte hat mich zum Schmunzeln und Staunen gebracht und las sich relativ flüssig und angenehm, wenn man sich erst mal an Steins Art zu schreiben gewöhnt hat. Sie passt nämlich ihre Wortwahl, den Satzbau - und auch den ganzen Inhalt an die Mentalität und die Bildung ihrer Heldin an. Dadurch ist die Sprache sehr schlicht und voller variierender Wiederholungen. Bestimmte Sätze kehren wie Refrains immer wieder (beispielsweise "Anna led an ardous and troubled life.") und man bekommt immer wieder einen Haufen Vorurteile oder arglose Gemeinheiten präsentiert, die in den Gedanken der Heldin eine große Rolle spielen.
Das ganze ist gut gemacht und erweitert Verständnis und Horizont des Lesers in eine ganz bestimmte Richtung - auf die man sich aber einlassen können muss. "Three Lives" ist eine komplett andere Welt und andere Präsentationsweise, als das, was heute üblicherweise gelesen wird. (Damals, als das Buch geschrieben wurde, war es allerdings den Menschen genauso fremd wie uns heute.)

Für mich war die erste Geschichte noch ein großer Gewinn. Die zweite zog sich allerdings endlos hin. Es ist halt auch anstrengend, wenn man vorgeführt bekommt, wie wenig der Mensch in der Lage ist sich zu entwickeln. Und wie sich dieselben Fehler immer wieder wiederholen. Und genau darum dreht sich im Kern "Melanctha".
Die letzte Geschichte über die junge Lena war wieder schneller zu lesen - nun, sie stirbt auch am schnellsten. Die Geschichten sind alle traurig und sie sind alle stark begrenzt, bedingt durch die Perspektive, die ununterbrochen jene der Hauptfigur ist. Aber es wird auch, verborgen unter einer Schicht von Einfachheit, großes Verständnis und Mitgefühl vermittelt.

Ich weiß nicht recht ob ich vor "Three Lives" warnen oder es empfehlen soll. Aber auf jeden Fall praktiziert Gertrude Stein hier eine sehr besondere und interessante Schreibweise. Für experimentierfreudige Leser geeignet.


Kommentare: 2
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capkirkis avatar

Rezension zu "Die Welt ist rund, 2 Audio-CDs" von Gertrude Stein

Rezension zu "Die Welt ist rund, 2 Audio-CDs" von Gertrude Stein
capkirkivor 6 Jahren

Gertrude Stein gilt als die “Mutter der verlorenen Generation” und war schon zu ihrer Zeit eine Kultfigur. In ihrem Salon gaben sich Hemingway, Matisse, Picasso, Man Ray, Scott Fitzgerald, Thomas Eliot und viele andere die Klinke in die Hand. Was für eine spannende, kreative Zeit muss das damals in Paris gewesen sein und wie gern hätte ich mal Mäuschen gespielt – bei den Gesprächen in denen Stein Hemingway dazu brachte, seine Reportertätigkeit aufzugeben und Schriftsteller zu werden oder bei den endlosen Sitzungen in denen Picasso Gertrude portraitierte oder bei den vergeblichen Versuchen von James Joyce einen Verlag zu finden.. ach ja..

Doch zurück zu Gertrude, die nicht nur Schriftsteller und Künstler in Paris zusammenbrachte und beeinflusste, sondern auch selber schrieb. Es dauerte jedoch lange, bis man ihr Talent wirklich anerkannte, denn ihr avantgardistischer Schreibstil ist nicht für Jedermann.
Auch das kleine Buch “Die Welt ist rund”, um das es hier gehen soll, ist keine Alltagslektüre. Eigentlich war es eine Auftragsarbeit, ein Kinderbuch (1938 erschienen) - doch es steckt so viel mehr drin!

“Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose”
Viele von uns kennen diese Worte, die wenigsten wissen, dass sie von Gertrude Stein stammen. Rose ist in diesem Fall ein kleines, weinerliches Mädchen, das oft singen muss, gern nachdenkt “Kann Rose eine Rose sein wenn ihre Lieblingsfarbe Blau ist?” und sich mit ihrem blauen Stuhl auf die Reise den Berg hinauf macht. Bei ihrem Abenteuer begleiten sie am Anfang ihr Freund Willie, die Hunde Love und Pépé und ein Löwe namens Billie. Oben auf dem Berg angekommen, ritzt sie ihren Namen in den Stamm eines Baumes und weil der Baum rund ist, ritzt sie einfach weiter “Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose (..) und dann ist’s einfach da und ich höre nirgends mehr irgendwas das mir in der Nacht Angst macht.”

Erst der Name eines Objektes/einer Person verkörpert das Bild und die damit verbundenen Gefühle – was denken wir beim Namen Rose? Die Wiederholungen sorgen dafür, dass eine Sache im Gedächtnis bleibt – eine Rose ist eine Rose – und sie zeigen für Gertrude eigentlich das Leben auf, denn das Leben ist eine immer wiederkehrende Wiederholung – „alles immer wieder” hat sie in „The Making of Americans” geschrieben. Und sie sagte einmal, dass es ihr Hund Basket mit seinem rhythmischen Milch Schlecken war, der ihr den Unterschied zwischen Prosa und Poesie beigebracht habe. So liest sich das Buch auch: rhythmisch, poetisch, voller Wiederholungen, manchmal so als ob es ein dreijähriges Kind geschrieben hätte.

Es ist eine moderne Geschichte, experimentell, Kubismus in Literaturform – kein Wunder bei ihrer Freundschaft zu Picasso. Doch wie Picassos Werke nicht von allen verstanden werden, verschliesst sich auch Gertrude Steins Werk vielen Menschen. Nicht nur die endlosen Wiederholungen, Reime, ja der Sprechgesang macht die Leser nervös, sondern auch das Weglassen von Satzzeichen.
“Satzzeichen sind nur für schwachsinnige Personen” so wird sie zitiert, würde man diese Hilfestellung weglassen, “fördere man die Selbständigkeit des Lesers beim Verarbeiten der Wortfolgen” - oder man fördert das Desinteresse am Buch – viele Verlage lehnten Steins Werke mit der Begründung ab, dass sich dafür keine Leser fänden. Ihr Kritiker bezeichnen viele ihrer Werke als unlesbar.

Doch Rose wurde veröffentlicht und geblieben ist uns ein wunderschönes Zitat, auch, wenn wir heute kaum noch wissen woher es stammt. Doch dieses Problem habe ich jetzt behoben ;)

“Und manchmal verkaufte jemand eins recht oft verkaufte jeder eins. Willies Vater ging sich eins holen aber welches das durfte Willie aussuchen. Es war komisch wilde Tiere in einem Boot zu sehen ein wildes Tier in einem Ruderboot ein wildes Tier in einem Segelboot ein wildes Tier in einem Motorboot es war schon komisch da in dieser Stadt das heisst es wäre da nicht komisch gewesen es war wie überall woanders nur hatte jeder immer ein wildes Tier bei sich. Männer Frauen und Kinder und sehr oft waren sie auf dem Wasser in einem Boot und das wilde Tier war bei ihnen und natürlich sind wilde Tiere wild natürlich sind sie wild es war schon komisch da”

Nun, wer diese Art des Bücherschreibens komisch findet, ist wohl nicht allein auf der Welt – egal ob auf einem Boot mit einem wilden Tier oder nicht. Aber es ist mit Sicherheit auch ein Erlebnis, sich auf Gertrudes Stil einzulassen. Ich gestehe, dass mir die Beschäftigung mit der Person Gertrude Steins, ihrem Leben, ihren Ideen und Gedanken mehr Spaß gemacht hat als das Lesen dieses Buches, trotzdem möchte ich jetzt nicht mehr missen. Ob ich weitere Werke von Stein lesen werde, weiss ich noch nicht, vielleicht wenn mir der Sinn wieder mal nach fehlenden Satzzeichen steht und ich Lust auf die Avantgarde des 20. Jahrhunderts habe.

4 faszinierte Sterne für die Rose die eine Rose ist

Fun fact: Als man Frau Stein zum wiederholten Male nach dem Sinn des Rosen – Satzes fragte, antwortete sie: “Also hören Sie! Ich bin doch kein Narr. Ich weiß, dass man im täglichen Leben nicht sagt, ,is a …is a … is a …’. Aber ich denke, dass in dieser Zeile die Rose zum ersten Mal seit hundert Jahren in der Dichtung rot ist.” – nachdenkenswert, oder?

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